Europaweite Studie Covid-19 verläuft bei Kindern meistens mild

Zwar können auch Kinder bei einer Infektion mit dem Coronavirus schwer erkranken, zu Todesfällen kommt es jedoch nur extrem selten - das ist das Ergebnis einer großen Untersuchung.
Fieber zählt auch bei Kindern zu den häufigsten Beschwerden bei Covid-19

Fieber zählt auch bei Kindern zu den häufigsten Beschwerden bei Covid-19

Foto: Stefan Cristian Cioata/ Getty Images

Das Risiko, durch eine Infektion mit dem Coronavirus zu sterben, ist bei Kindern und Jugendlichen sehr gering. Bei der großen Mehrheit der Infizierten nimmt Covid-19 einen milden Verlauf, wie eine große europaweite Studie bestätigt. Die meisten entwickelten Fieber und Beschwerden der oberen Atemwege.

Für die Untersuchung hatte ein Forscherteam im April während des ersten Höhepunkts der Corona-Pandemie Daten von 82 medizinischen Einrichtungen in 25 europäischen Ländern ausgewertet. Ihre Studie umfasst Informationen von 582 Kindern im Alter zwischen drei Tagen und 18 Jahren, die alle nachweislich mit Sars-Cov-2 infiziert waren und deren Eltern mit ihnen medizinische Hilfe suchten.

16 Prozent der Kinder entwickelten gar keine Symptome, die meisten von ihnen wurden nur getestet, weil enge Kontaktpersonen infiziert waren. 62 Prozent der Studienteilnehmer mussten im Krankenhaus behandelt werden. Acht Prozent benötigten eine Behandlung auf der Intensivstation. Das Risiko dafür stieg, wenn die Kinder mit mehr als einem Atemwegsvirus infiziert waren, ihr Immunsystem etwa zeitgleich ein Erkältungs- oder Grippevirus bekämpfen musste.

Die große Mehrheit der Kinder (87 Prozent) erholte sich, ohne zusätzlichen Sauerstoff oder gar eine künstliche Beatmung zu benötigen. Allerdings starben auch vier der mehr als 500 Kinder, zwei von ihnen hatten Vorerkrankungen, wie die Forscher in der Fachzeitschrift "The Lancet Child & Adolescent Health"  berichten. Damit lag die Sterblichkeitsrate in der Gruppe unter einem Prozent.

Risiko für alle Kinder wahrscheinlich noch deutlich geringer

Tatsächlich dürfte das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf noch deutlich niedriger liegen, als die Zahlen es vermuten lassen. Da in der Studie nur die Daten von Kindern ausgewertet wurden, deren Eltern medizinische Hilfe in Anspruch genommen hatten, wurden viele sehr milde Fälle wahrscheinlich gar nicht erfasst.

"Unsere Studie bietet den bislang umfassendsten Überblick über Covid-19 bei Kindern und Jugendlichen", sagt Marc Tebruegge vom UCL Great Ormond Street Institut für Kindergesundheit in London. "Es war beruhigend zu sehen, dass die Sterblichkeitsrate in unserer Studiengruppe sehr niedrig war und wahrscheinlich noch wesentlich niedriger ist, da viele Kinder mit leichten Erkrankungen nicht zur medizinischen Behandlung gebracht und daher nicht in diese Untersuchung aufgenommen wurden."

Dennoch könne es auch bei bei einer nicht unerheblichen Zahl von Kindern zu schweren Erkrankungen kommen, die eine Behandlung auf der Intensivstation erforderlich machen, so Tebruegge. "Dies sollte bei der Planung und Priorisierung der Gesundheitsressourcen im Verlauf der Pandemie berücksichtigt werden."

Weitere Studien: Kinder infizieren sich seltener

Die Ergebnisse der europaweiten Studie decken sich mit anderen Untersuchungen, die in den vergangenen Wochen veröffentlicht wurden. Demnach erkranken Kinder nach einer Infektion nur vereinzelt. Sehr selten kann es jedoch auch zu einem schweren Krankheitsverlauf mit schweren Entzündungsreaktionen kommen.

Außerdem weisen immer mehr Studien darauf hin, dass sich Kinder deutlich seltener mit dem Coronavirus infizieren als Erwachsene. Für eine aktuelle Untersuchung etwa hatten Forscher einen Großteil der Einwohner von Ischgl auf Antikörper gegen das Coronavirus untersucht. In dem Urlaubsort hatte sich das Virus Anfang März rasant verbreitet.

Tatsächlich entdeckten die Forscher bei mehr als 40 Prozent der Einwohner Antikörper gegen das Virus, die ein sicheres Anzeichen sind, dass sie die Infektion durchgemacht haben. Kinder waren jedoch deutlich seltener betroffen, selbst wenn in ihren Familien Coronafälle aufgetreten waren. Eine niederländische Studie mit gezielten Tests bei Familien von Infizierten kam zum gleichen Ergebnis.

Warum Kinder wahrscheinlich besser vor dem Virus geschützt sind, ist noch nicht abschließend geklärt. Ein Grund könnte sein, dass sie besser abgeschirmt sind, also weniger Kontaktpersonen haben. Es ist aber auch gut möglich, dass ihr Immunsystem das Virus besser abwehren kann.

irb/AFP/Reuters
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