Daten aus Israel Wirkt Biontech wirklich kaum gegen Delta-Infektionen?

Israelische Medien berichten mit Berufung auf das Gesundheitsministerium, die Impfung von Biontech/Pfizer habe gegen Ansteckungen nur noch 39 Prozent Wirksamkeit. Die Angaben sollten mit Vorsicht betrachtet werden.
Impfstoffbehältnisse in einem mobilen Impfzentrum in Israel (Archivbild)

Impfstoffbehältnisse in einem mobilen Impfzentrum in Israel (Archivbild)

Foto: JACK GUEZ / AFP

Eine bange Frage treibt Experten in der Coronapandemie um: Wie wirksam sind die Impfungen gegen die deutlich leichter übertragbare Delta-Variante? Vorläufige Zahlen aus Israel erscheinen auf den ersten Blick beunruhigend.

Laut Berichten  israelischer Medien , die sich auf aktuelle Daten des Gesundheitsministeriums beziehen, liegt die Effektivität des Biontech/Pfizer-Impfstoffs beim Schutz vor milden Corona-Symptomen, also einer Ansteckung, aktuell nur noch bei 39 Prozent. Bei schweren Verläufen beträgt der Schutz demnach aber noch immer 91 Prozent, im Fall von Hospitalisierungen 88 Prozent.

Bisher haben den Angaben zufolge 5,7 Millionen Menschen in Israel ihre Erstimpfung erhalten, 5,2 Millionen auch die Zweitimpfung. Unter den Doppeltgeimpften seien nach insgesamt 1.152.914 Tests noch 5770 Infektionen registriert worden. Von diesen Patienten seien 334 mit einem schweren Verlauf ins Krankenhaus gekommen und 123 verstorben.

Positivere Daten aus anderen Ländern

Doch die Aussagekraft der Daten ist umstritten. Eine wissenschaftliche Veröffentlichung zu den neuen Zahlen gibt es noch nicht. Die Ergebnisse sind also mit entsprechender Vorsicht zu betrachten.

Zahlen aus Großbritannien, die gerade im »New England Journal of Medicine«  veröffentlicht wurden, zeichnen ein anderes Bild der Lage. Demnach liegt die Effektivität des Biontech/Pfizer-Impfstoffs nach zwei Impfungen selbst im Fall der Delta-Variante bei rund 88 Prozent. Dabei wurde eine Corona-Erkrankung mit Symptomen jeder Art betrachtet.

Experten in Israel weisen zudem darauf hin, dass die Daten des Gesundheitsministeriums verzerrt sein könnten. Das habe damit zu tun, dass ein großer Teil der Tests im Land in einigen wenigen Corona-Brennpunkten stattgefunden habe, außerdem unter Älteren. Jüngere und Doppeltgeimpfte seien dagegen kaum getestet worden. Die Effektivität des Schutzes gegen milde Symptome lasse sich daher nur schwierig bewerten. Eine frühere Studie  zu Erkrankungen trotz doppelter Impfung in Israel hatte gezeigt, dass in diesem Fall Betroffene häufig an Vorerkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder Krebs litten.

Wichtig zur Einordnung ist auch, dass eine Wirksamkeit von 40 Prozent nicht bedeutet, dass die anderen 60 Prozent der Bevölkerung automatisch krank werden (warum das so ist, lesen Sie hier).

Trotzdem arbeiten Biontech und Pfizer auf die Zulassung einer dritten Dosis ihres Impfstoffes hin . Es sei wahrscheinlich, dass diese »binnen sechs bis zwölf Monaten nach der vollständigen Impfung erforderlich sein wird«, so die Unternehmen. Interne Studiendaten zeigten, dass eine dritte Dosis die Menge an Antikörpern um das Fünf- bis Zehnfache erhöhe. Die Firmen dürften im Fall der Zulassung einer Drittimpfung auf hohe Einnahmen hoffen.

Weltweit zeigen Fälle von sogenannten Impfdurchbrüchen, dass man für die sicherere Verhinderung von Infektionen wohl Drittimpfungen braucht. Ginge es nur um die Verhinderungen von massenhaften Krankenhauseinweisungen, wäre das nicht unbedingt der Fall. An einer speziellen Variante des Impfstoffs, die sich gezielt gegen die Delta-Variante richtet, wird ohnehin gearbeitet.

Eine offizielle Impfempfehlung für eine Drittimpfung gibt es bislang aber weder in Europa noch in den USA. Forscher hatten sich nach dem Vorstoß der Firmen zu Drittimpfungen auch eher kritisch gezeigt. »Ich halte es noch für zu früh, um einschätzen zu können, ob wir Booster-Impfungen tatsächlich benötigen«, hatte etwa Hajo Zeeb vom Bremer Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie erklärt. In den USA hatten die Aufsichtsbehörden Pfizer zuletzt aufgefordert, weitere Daten  zur Notwendigkeit einer Drittimpfung vorzulegen.

chs
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