Corona-Dunkelziffer Italien startet große Antikörper-Studie

Die Dunkelziffer der Infizierten ist eine große Unbekannte im Kampf gegen Corona. Italien startet deshalb eine Antikörper-Studie. Zudem gibt es Hinweise, dass das Virus in dem Land bereits im Dezember kursierte.
Aufnahme aus dem April: Medizinische Mitarbeiter in Schutzanzügen entnehmen eine Probe für serologische Tests zur Erfassung von Covid-19-Antikörpern in Cisliano

Aufnahme aus dem April: Medizinische Mitarbeiter in Schutzanzügen entnehmen eine Probe für serologische Tests zur Erfassung von Covid-19-Antikörpern in Cisliano

Foto: Claudio Furlan/ dpa

Wie hoch ist die Dunkelziffer der Corona-Infektionen? Diese Frage will Italien ab kommender Woche mit einer groß angelegten Untersuchung beantworten; rund 150.000 Menschen sollen auf Antikörper untersucht werden.

Dazu wollen das Gesundheitsministerium und die Statistikbehörde mit dem nationalen Roten Kreuz Bluttests von Menschen aus 2000 Orten nehmen. Das teilte das Ministerium in Rom mit. Die repräsentativ ausgewählten Teilnehmer würden telefonisch um ihre Mithilfe gebeten. Die Bluttests seien aber freiwillig, die Daten würden für die Forscher anonymisiert.

Warum Antikörper-Tests wichtig sind

Die Antikörper-Untersuchung war bereits im April angekündigt worden. Derartige Tests klären auf, ob jemand bereits mit Corona infiziert war und dagegen Antikörper im Blut gebildet hat. So lässt sich der Kontakt mit dem Virus auch bei Menschen nachweisen, die kaum oder keine Symptome der Covid-19-Krankheit hatten. Diese wissen oft gar nichts von ihrer Infektion.

Italien entdeckte die ersten Ansteckungsfälle im Februar in der Lombardei. Danach wurde das Land heftig von der Lungenkrankheit erfasst. Laut Statistik des Zivilschutzes sind bisher rund 230.000 Menschen positiv getestet worden. Die Zahl der offiziellen Covid-19-Opfer liegt bei rund 33.000. Experten gehen jedoch von einer hohen Dunkelziffer aus.

Es gibt zudem Hinweise, dass der Erreger Sars-CoV-2 schon Wochen vor dem ersten Nachweis in Italien kursierte. So sagte ein Experte der Gesundheitsbehörden in Ligurien, Filippo Ansaldi, am Wochenende in Genua im Fernsehen: "In der Region hat es nach Studien vermutlich schon am 8. Dezember erste Fälle gegeben." In Frankreich war bereits zuvor in einer Blutprobe von Ende Dezember nachträglich das Coronavirus nachgewiesen worden.

Deutschland will erst im September testen

In Spanien wurde ebenfalls im April der Start einer Antikörper-Studie angekündigt. Rund 90.000 Menschen sollen dafür untersucht werden. In Deutschland verschob das Robert Koch-Institut (RKI) eine geplante repräsentative Untersuchung mit rund 30.000 Personen um mehrere Monate auf September.

löw/dpa