Kein spezifisches Risiko Ema empfiehlt AstraZeneca-Impfstoff weiterhin für alle Altersgruppen

Die EU-Arzneimittelbehörde Ema sieht derzeit keinen Grund, den Einsatz des Corona-Impfstoffs von AstraZeneca auf Ältere zu beschränken – und nimmt damit eine andere Position ein als die Bundesregierung.
Corona-Impfstoff von AstraZeneca: Ema hält das Mittel weiterhin für sicher und effektiv

Corona-Impfstoff von AstraZeneca: Ema hält das Mittel weiterhin für sicher und effektiv

Foto: Leonhard Simon / imago images

Anders als Deutschland rät die EU-Arzneimittelbehörde Ema vorerst nicht zu Einschränkungen bei der Anwendung des Corona-Impfstoffs von AstraZeneca. Die Überprüfung von neuen Hinweisen auf Blutgerinnsel laufe zwar noch, teilte die Behörde am Mittwoch in Amsterdam mit. Eine erste Prüfung habe aber keine spezifischen Risikofaktoren wie etwa Alter oder Geschlecht ergeben.

Bund und Länder hatten am Dienstag nach einer entsprechenden Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) den Einsatz der AstraZeneca-Vakzine vorrangig auf Menschen ab 60 Jahren beschränkt. Hintergrund sind Fälle von Hirnvenenthrombosen nach Impfungen mit dem Corona-Impfstoff des britisch-schwedischen Herstellers.

Bundesregierung verteidigt Altersbeschränkung

Die Bundesregierung verteidigte die Alterseinschränkung am Mittwoch. Bei der gesamten Impfkampagne sei das Thema Vertrauen »von enormer Bedeutung«, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. An seinem Impfziel hält Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) generell fest: Sofern die Lieferzusagen eingehalten würden und die erwarteten weiteren Impfstoffzulassungen tatsächlich erfolgten, bestehe weiterhin »die Möglichkeit, bis zum Ende des Sommers alle zu impfen«, sagte Spahn.

Bereits Mitte März war der Einsatz der AstraZeneca-Vakzine wegen Berichten über Blutgerinnsel in Deutschland  und anderen europäischen Ländern zunächst ausgesetzt worden. Die Ema hatte sich daraufhin für einen weiteren, uneingeschränkten Einsatz des Corona-Impfstoffs von AstraZeneca ausgesprochen. Zwar könne ein Zusammenhang mit extrem seltenen, speziellen Thrombosen nicht ausgeschlossen werden. Dem stünden jedoch deutlich größere Gefahren durch Covid-19 gegenüber. Ema-Chefin Emer Cooke bezeichnete die Impfung als »sicher und effektiv«.

Die Empfehlung basierte auf einer Entscheidung des sogenannten Pharmakovigilanzausschusses der Ema, kurz PRAC. Er tagt, wenn bei einem zugelassenen Impfstoff oder Medikament mögliche Komplikationen auftreten. In dem Komitee sitzen unter anderem Vertreter aller EU-Staaten sowie von der EU-Kommission benannte unabhängige Expertinnen und Experten. Der Ausschuss sei zu einer »eindeutigen wissenschaftlichen Schlussfolgerung« gekommen, sagte Cooke.

Mehrere Länder hatten die Impfungen mit dem Produkt von AstraZeneca daraufhin wieder aufgenommen – mit entsprechenden Warnhinweisen. Auch in Deutschland wurde das Mittel zunächst weiter eingesetzt. Nachdem in Deutschland bis Montag jedoch weitere Fälle von seltenen lebensgefährlichen Blutgerinnseln bekannt geworden waren, empfahl die Stiko den AstraZeneca-Impfstoff nur noch für über 60-Jährige. Zuvor hatten die Berliner Kliniken Charité und Vivantes den Impfstopp mit Verweis auf Fälle von Hirnvenenthrombosen verkündet.

Aktuell werden 31 Fälle in Deutschland untersucht, bei denen vier bis 16 Tage nach der Impfung lebensbedrohliche Blutgerinnsel aufgetreten waren. Betroffen waren zwei Männer und 29 Frauen, neun von ihnen starben. Alle von ihnen waren jünger als 64 Jahre.

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Die Ema hat angekündigt, die Fälle weiter zu untersuchen. Erst am Montag hatten sich Experten dazu beraten. Eine mögliche Anpassung der Empfehlung wird in der Woche nach Ostern erwartet.

koe/dpa/afp