Vor Bund-Länder-Runde Corona-Expertenrat gibt zunächst keine Einschätzung ab

Die Diskussion um Boosterimpfungen und Quarantänezeiten läuft - aber der Coronarat der Regierung konnte sich bei einem Treffen noch nicht zu einer Empfehlung durchringen. Noch fehlten Daten, heißt es aus Teilnehmerkreisen.
Mitarbeiterin eines Impfzentrums in Berlin

Mitarbeiterin eines Impfzentrums in Berlin

Foto: Michele Tantussi / REUTERS

Der Expertenrat der Bundesregierung hat sich am Dienstag zu einer Videositzung getroffen. Nach SPIEGEL-Informationen versicherten sich die 19 Experten gemeinsam mit Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach noch einmal ihrer Einschätzung der Coronalage. Demnach diskutierten sie etwa über Möglichkeiten der Quarantäneverkürzung, die Gefahren der Omikron-Variante und das Thema Boosterimpfungen. Konsens war offenbar, dass künftig Menschen nur noch dann als geimpft gelten sollten, wenn sie auch die dritte Impfung erhalten haben. Einen Beschluss fasste das Gremium zunächst nicht.

»Wir können noch nicht sagen, ob die Maßnahmen über Weihnachten gewirkt haben, weil wir die Entwicklung der Infektionen erst in den kommenden Tagen sehen werden«, sagte Stefan Sternberg, Landrat des Landkreises Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern, der dem Gremium angehört. Stattdessen wolle der Rat am Mittwoch oder Donnerstag noch einmal zusammenkommen. Dann werde es auch eine Empfehlung geben, sagte Sternberg. Seine Meinung zum Ernst der Lage habe sich nicht geändert: Ob das Worst-Case-Szenario einer lahmgelegten Infrastruktur tatsächlich eintrete, lasse sich zu diesem Zeitpunkt nicht sagen.

Zahlen sind wenig verlässlich

Zuletzt war die Zahl der registrierten Coronaneuinfektionen in Deutschland wieder gestiegen. Die Zahlen gelten aber als wenig verlässlich, weil nach den Weihnachtsfeiertagen und dem Jahreswechsel noch immer nicht alle Informationen vorliegen. Womöglich werden viele Fälle wegen geschlossenen oder personell unterbesetzten Teststationen und Gesundheitsbehörden aktuell nicht erfasst. Die bundesweite Inzidenz lag am Dienstag laut Robert Koch-Institut bei 239,9.

Debattiert wird aktuell die Frage, ob angesichts der hochansteckenden Omikron-Variante Quarantäne- und Isolationszeiten verkürzt werden sollen. Hintergrund sind Befürchtungen, dass es wegen einer zu hohen Zahl von Kontakten sonst zu Personalausfällen bei Polizei, Feuerwehr oder in den Krankenhäusern kommen könnte. Von Quarantäne spricht man, wenn nicht sicher ist, ob sich eine Person angesteckt hat, etwa bei Kontakt mit einer infizierten Person. Eine Isolierung findet statt, wenn das Coronavirus mit einem PCR-Test nachgewiesen wurde.

RKI arbeitet an neuem Entwurf

Das Robert Koch-Institut (RKI) arbeitet aktuell an einem Entwurf für neue Regeln zu Quarantäne- und Isolationszeiten. Diese könnten zum Beispiel für bestimmte Berufsgruppen angepasst werden. Grundsätzlich wäre es möglich, die bisherigen Fristen zu verkürzen. Das würde aber gegebenenfalls einen negativen PCR-Test am Ende der Isolation beziehungsweise Quarantäne voraussetzen.

Der aus 19 Expertinnen und Experten bestehende Rat war von der neuen Bundesregierung eingesetzt worden (lesen Sie hier  mehr über die einzelnen Mitglieder des Gremiums). Eine erste Stellungnahme  hatte die Gruppe am 19. Dezember vorgelegt und darin unter anderem »zeitnahe« Kontaktbeschränkungen empfohlen. Wie diese konkret aussehen sollten, hatte der Rat aber nicht erklärt.

Beschlossen werden müssen die Maßnahmen ohnehin von der Bundesregierung und den Ländern. Hier soll es am Freitag wieder ein Treffen von Bundeskanzler Olaf Scholz und Gesundheitsminister Lauterbach mit den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten geben.

mfh/chs