Britische Studie zu Delta Geimpfte haben ähnliche Viruslast wie Ungeimpfte

Die verfügbaren Coronaimpfstoffe schützen auch sehr effektiv vor schweren Krankheitsverläufen durch Delta. Aber sie sind wohl etwas weniger geeignet, Übertragungen zu verhindern, legt eine Studie nahe.
Impfung in einem Londoner Klub (Aufnahme vom 8. August)

Impfung in einem Londoner Klub (Aufnahme vom 8. August)

Foto: Alberto Pezzali / AP

Laut einer britischen Studie bieten zwei Impfdosen von Biontech/Pfizer oder AstraZeneca einen guten Schutz vor der Delta-Variante des Coronavirus. Allerdings deutet die Untersuchung  auch darauf hin, dass Geimpfte, wenn sie sich infizieren, eine ähnlich hohe Viruslast haben können wie nicht Geimpfte.

Als die Alpha-Variante in Großbritannien vorherrschte, sei die Viruslast bei Menschen, die sich trotz einer Impfung infizierten, noch deutlich niedriger gewesen, sagt Studienleiterin Sarah Walker, Professorin für medizinische Statistik und Epidemiologie an der Oxford University.

Vergleich von Alpha und Delta

Für die Studie, die noch nicht von unabhängigen Experten geprüft wurde, analysierten die Forschenden insgesamt Ergebnisse von mehr als drei Millionen Nasen- und Rachenabstrichen bei Erwachsenen in Großbritannien – diese fanden zu festgesetzten Zeitpunkten statt, also unabhängig davon, ob jemand typische Covid-19-Symptome hatte. Durch das Vorgehen lassen sich also auch asymptomatische Fälle finden. Um die Zeiträume vor und nach der Verbreitung von Delta zu vergleichen, analysierten die Forscher etwa 2,58 Millionen Abstriche von rund 380.000 Erwachsenen zwischen Anfang Dezember und Mitte Mai sowie 810.000 Testergebnisse von 360.000 Teilnehmern zwischen Mitte Mai und Anfang August.

Die Wissenschaftler kamen zu dem Ergebnis, dass der Schutz vor einer durch PCR nachgewiesenen Infektion 90 Tage nach der zweiten Impfung mit Biontech/Pfizer bei 75 Prozent und bei AstraZeneca bei 61 Prozent lag. Zwei Wochen nach der zweiten Dosis habe dieser noch bei 85 Prozent beziehungsweise 68 Prozent gelegen. »Diese Daten sagen uns aber nichts über das Schutzniveau gegen schwere Krankheiten und Krankenhausaufenthalte, zwei sehr wichtige Faktoren, wenn man die Wirksamkeit der Impfstoffe betrachtet«, sagt Koen Pouwels, der ebenfalls an der Studie beteiligt war.

Das Team konnte auch nicht die Wirksamkeit der Impfung in der Gruppe der älteren Menschen ab 65 Jahren abschätzen, weil seit Mai in Großbritannien nur noch sehr wenige der Studienteilnehmer dieser Altersgruppe ungeimpft sind.

Die Forschenden weisen darauf hin, dass die Studie allein nicht klären kann, ob die ähnlich hohe Viruslast auch bedeutet, dass Geimpfte nach einer Infektion ähnlich ansteckend sind wie nicht Geimpfte. »Ein größerer Teil der Viren könnte bei den Geimpften nicht vermehrungsfähig sein, und/oder die Viruslast könnte bei ihnen schneller sinken, wie es eine Studie  mit Krankenhauspatienten nahelegt«, schreiben sie. Dennoch könne dies Auswirkungen auf alle Maßnahmen haben, bei denen von einem geringen Risiko der Weiterübertragung durch geimpfte Personen ausgegangen werde.

wbr/Reuters
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