Deutsche Impfstofffirma CureVac dementiert US-Übernahmeangebot

Um die deutsche Impfstoff-Firma CureVac hat es einige Aufregung gegeben. Grund war ein angebliches Übernahmeangebot durch die Trump-Regierung. Doch das habe es nie gegeben, sagt die Firma jetzt.
CureVac-Mitarbeiter im Labor: angeblich doch kein Übernahmeangebot aus den USA

CureVac-Mitarbeiter im Labor: angeblich doch kein Übernahmeangebot aus den USA

Foto: ANDREAS GEBERT/ REUTERS

Bis ein Impfstoff gegen das neue Coronavirus Sars-CoV-2 für den Einsatz am Patienten fertig ist, wird noch einige Zeit vergehen. Doch bereits jetzt arbeiten mehrere Firmen an Substanzen, die eines Tages den Erreger bekämpfen sollen. Zu diesen Unternehmen gehört auch die CureVac AG aus Tübingen, wo man zwei Kandidaten für einen möglichen Impfstoff im Blick hat. Im Sommer will die Firma mit den klinischen Tests beginnen.

Am Wochenende hatte ein Bericht der "Welt am Sonntag"  für Aufregung gesorgt, wonach US-Präsident Donald Trump sich Zugriff auf das Unternehmen sichern wolle. Kämpferisch stellte die Bundesregierung bald darauf klar: Die Impfstoff-Firma werde nicht in die USA verkauft. In einer Telefonkonferenz am Dienstag hat das Management des Unternehmens nun aber erklärt, solch ein Angebot habe es ohnehin nie gegeben. Weder habe die US-Regierung versucht, das Unternehmen zu kaufen, noch sich exklusive Fertigungskapazitäten in Tübingen zu sichern. Auch Wissenschaftler seien nicht direkt angesprochen worden, hieß es bei CureVac.

Als einziges deutsches Unternehmen hatte die Firma aber an einer Gesprächsrunde im Weißen Haus teilgenommen. Vertreten wurde CureVac dabei vom damaligen Firmenchef, dem Amerikaner Dan Menichella. Dieser war kurze Zeit später an der Unternehmensspitze durch Gründungs-CEO Ingmar Hoerr abgelöst worden. Mit dem Treffen bei Trump habe das aber nichts zu tun gehabt, heißt es nun bei CureVac. Hoerr kenne die Notwendigkeiten in der aktuellen Lage einfach besser.

Hoerr wiederum kann den Chefposten aber derzeit ebenfalls nicht ausfüllen. Schuld seien "medizinische Gründe", wie das Unternehmen erklärt. Es gebe jedoch keinen Zusammenhang mit Corona. Aktuell werden die Geschäfte daher von Hoerrs Stellverteter Franz-Werner Haas geführt.

Hauptaktionär von CureVac ist die dievini Hopp BioTech Holding des Ex-SAP-Managers Dietmar Hopp, Minderheitsaktionär die Bill & Melinda Gates Foundation. Hopp hatte nach den Berichten vom Wochenende in einem Gespräch mit "Sport1"  erklärt, es könne "nicht sein, dass eine deutsche Firma den Impfstoff entwickelt und dieser in den USA exklusiv genutzt wird". Das sei für ihn "keine Option". Auf Nachfrage erklärte das CureVac nun, Hopps Aussage sei allgemeiner Art gewesen und habe sich nicht auf eine konkrete Offerte bezogen.

Kredite sollen beim Bau einer vierten Produktionsstätte helfen

Nach dem angeblichen US-Angebot hatte CureVac Gespräche mit der EU-Kommission in Brüssel geführt. Dabei wurden dem Unternehmen bis zu 80 Millionen Euro an Krediten der Europäischen Investitionsbank in Aussicht gestellt, die mit einer Garantie aus Brüssel abgesichert werden. Mithilfe dieses Geldes wolle man eine vierte, gerade im Bau befindliche Produktionsstätte fertigstellen, so die Firma.

Der mögliche Impfstoff von CureVac setzt auf ein neues Verfahren, bei dem Moleküle aus kurzen Nukleinsäuren die Zellen des Körpers zur Produktion von Antikörpern gegen den Krankheitserreger anregen sollen. Bisher gibt es aber noch keinen Impfstoff auf dem Markt, der auf diesem Prinzip basiert.

Zu den Konkurrenten der Firma gehören das ebenfalls in Deutschland beheimatete Unternehmen Biontech aus Mainz, das mit einem chinesischen Unternehmen zusammenarbeitet. In den USA forscht das Biotechnologieunternehmen Moderna ebenfalls an einem Impfstoff, der nach einem ähnlichen Prinzip funktioniert.

Ein erster Test an einer Freiwilligen hat bereits stattgefunden, trotzdem geht die Moderna nach eigenem Bekunden davon aus, dass ein Impfstoff erst in einem oder anderthalb Jahren auf dem Markt sein kann. Grund sind die vorgeschriebenen Tests, die Nebenwirkungen bei den vielen zu impfenden Personen ausschließen sollen.

chs