Schutz vor Covid-19 Experten bringen Verschiebung der zweiten Impfung ins Spiel

Die Impfstoffe gegen das Coronavirus sollen eigentlich im Abstand weniger Wochen mit zwei Injektionen verabreicht werden. Durch eine Verlängerung könnten mehr Menschen geimpft werden – bei geringerem Schutz.
Impfung gegen Covid-19 in Duisburg

Impfung gegen Covid-19 in Duisburg

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Christoph Reichwein (crei) / imago images/Reichwein

Der Impfstart in Deutschland verläuft bislang schleppend, am Donnerstagmorgen lag die Zahl der Geimpften laut Robert Koch-Institut erst bei knapp 132.000 Menschen. Das liegt vor allem an der begrenzten Verfügbarkeit des Präparats von Biontech und Pfizer.

Für den bestmöglichen Schutz vor Covid-19 ist eine zweite Impfung im Abstand von drei Wochen vorgesehen. Doch Wissenschaftler plädieren nun dafür, eine Verschiebung der zweiten Injektion in Betracht zu ziehen. Die Dosen könnten stattdessen Menschen verabreicht werden, die noch gar nicht geimpft sind, und so zumindest einen teilweisen Schutz bieten.

»Da der Abstand zwischen beiden Impfungen mit großer Wahrscheinlichkeit in weiten Grenzen variabel sein kann und der Schutz auch nach einer Impfung schon sehr gut, ist es durchaus überlegenswert, bei Impfstoffmangel zunächst bevorzugt die erste Impfung zu verabreichen«, sagte Thomas Mertens, Vorsitzender der Ständigen Impfkommission (Stiko) am Robert Koch-Institut. Allerdings stelle dies eine zusätzliche Herausforderung bei der Planung der zweiten Impfung dar, die letztlich erfolgen müsse.

Ähnlich hatte sich der Bonner Virologe Hendrik Streeck im »Nachtjournal« von RTL geäußert. Die Daten hätten gezeigt, dass bereits nach der ersten Impfung mehr als die Hälfte der Geimpften vor der schweren Erkrankung geschützt sei. Über ein solches Vorgehen müsse es aber erst mal eine Diskussion geben. »Einfach ist die Entscheidung nicht, aber es wäre eine Möglichkeit, schnell mehr Menschen zu impfen.«

Großbritannien will mehr Menschen erste Dosis verabreichen

Großbritannien hatte am Mittwoch dem Impfstoff des britisch-schwedischen Pharmakonzerns Astrazeneca und der Universität Oxford eine Notfallzulassung erteilt. Zusammen mit dem Präparat von Biontech und Pfizer stehen den Briten daher ab Januar zwei Impfstoffe zur Verfügung.

Das britische Gesundheitsministerium teilte mit, zunächst solle eine erste Dosis an so viele Menschen aus Risikogruppen verabreicht werden wie möglich. Eine zweite Dosis werde nach spätestens zwölf Wochen geimpft.

Peter Kremsner, Direktor des Instituts für Tropenmedizin an der Eberhard Karls Universität Tübingen, hält den britischen Ansatz grundsätzlich für sehr sinnvoll: »Wenn der Effekt der ersten Impfung mit der Zeit nicht schnell abnimmt, dann könnte die zweite Impfung auch noch später stattfinden, zum Beispiel erst nach sechs Monaten. Das wissen wir noch nicht. Bei anderen Impfstoffen wird das auch so gemacht.«

In Deutschland werden entsprechend den Empfehlungen der Impfkommission zuerst vor allem Bewohnerinnen und Bewohner von Alten- und Pflegeheimen, Menschen über 80 Jahre und medizinisches Personal geimpft.

mes/dpa
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