Angeblich 100 Prozent Schutz vor Hospitalisierung Pharmakonzern Sanofi legt vielversprechende Ergebnisse für Proteinimpfstoff vor

Mit ihrem Proteinimpfstoff will die französische Firma Sanofi Ungeimpfte überzeugen – und spricht von sehr hoher Wirksamkeit. Auch als Boosterimpfung soll die neue Vakzine eingesetzt werden.
In diesem Jahr könnte ein weiterer Proteinimpfstoff auf den Markt kommen

In diesem Jahr könnte ein weiterer Proteinimpfstoff auf den Markt kommen

Foto: JOEL SAGET / AFP

Fast ein Jahr später als ursprünglich geplant will der französische Pharmakonzern Sanofi die Zulassung seines Coronaimpfstoffs beantragen. Klinische Studien hätten positive Ergebnisse erbracht, teilte Sanofi am Mittwoch mit . Demnach könnte der Proteinimpfstoff auch als Drittimpfung nach einer mRNA- oder Vektorimpfung eingesetzt werden.

Wiederholte Verzögerungen bei der Entwicklung des Impfstoffs hatten dazu geführt, dass die Zulassung bei den US-amerikanischen und EU-Behörden nun mit deutlicher Verspätung beantragt wird. Sanofi hat seinen Impfstoff zusammen mit dem britischen Pharmakonzern GSK entwickelt. Eigentlich sollte die Zulassung bereits Mitte 2021 beantragt werden. Aufgrund einer fehlerhaften Dosierung war das Datum jedoch zunächst um sechs Monate nach hinten verschoben worden. Anschließend hatte das Unternehmen Schwierigkeiten, für die klinischen Studien Menschen zu finden, die noch nie mit Corona infiziert waren.

In der Phase-III-Studie habe der Impfstoff nun nach zwei Dosen einen hundertprozentigen Schutz gegen schwere Covid-19-Verläufe und Krankenhauseinweisungen gezeigt, hieß es von Sanofi. Der Impfstoff habe weiterhin einen Schutz von 75 Prozent gegen moderat-bis-schwere Verläufe und 57,9 Prozent gegen symptomatische Verläufe von Covid-19. Zum Vergleich: Die mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer oder Moderna bieten einen Schutz gegen die Delta-Variante  des Coronavirus von rund 90 Prozent vor schweren Verläufen mit Krankenhausaufenthalt.

Die Ergebnisse wurden noch nicht veröffentlicht. Der Konzern gibt an , dass mehr als 21.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Studie involviert waren. In Phase III der klinischen Studien geht es darum, die Wirksamkeit, die Sicherheit und die Dosierung der Impfung zu bestätigen.

Sanofi-Impfstoff auch als Booster

Sanofi testete sein Präparat auch als Boosterimpfung. Eine Drittimpfung mit dem Proteinimpfstoff habe eine 18- bis 30-fache Erhöhung der Antikörpertiter hervorgerufen – in allen Altersgruppen bei einer Grundimmunisierung mit einem mRNA- oder Vektorimpfstoff. Erhält man drei Dosen des Sanofi-Impfstoffs, sollen die Antikörperlevel durch die dritte Impfung bis zu 153-fach erhöht werden.

Der von Sanofi entwickelte Impfstoff basiert nicht auf der mRNA-Technologie wie beispielsweise die Vakzine von Biontech/Pfizer oder Moderna. Wie die kürzlich in der EU zugelassene Coronavakzine der Firma Novavax ist er ein Protein-basierter Impfstoff.

Der Impfstoff enthält ein für das Coronavirus typisches Eiweiß, das sogenannte Spike-Protein. Das Protein wird mithilfe spezieller Viren hergestellt, die in den Zellen von Insekten heranwachsen. Neben dem Spike-Protein enthält die Impfung noch einen Wirkverstärker.

Das Spike-Protein allein ist ungefährlich. Das Immunsystem erkennt den Eindringling jedoch und bringt Abwehrkräfte in Stellung, die vor einer Infektion mit dem echten Coronavirus schützen sollen.

Der Konzern hofft, dass auch bisher ungeimpfte Menschen zu einer Immunisierung mit dem neuen Impfstoff bereit sind. Die Impfung nutze eine »weit verbreitete Herangehensweise, die in vielen Anwendungsfällen, beispielsweise bei Grippeimpfungen, zum Einsatz kommt«, erklärte der Vorstand für Impfstoffe bei GSK, Roger Connor.

Die EU hat bereits mehrere Millionen Dosen des Impfstoffs vorbestellt und Sanofi hat gute Chancen, in den weltweiten Boosterkampagnen eine Rolle zu spielen. Da viele Länder – insbesondere im Globalen Süden – noch keine hohen Impfraten haben, besteht zudem weiterhin eine Nachfrage nach neuen Impfstoffen.

kry/AFP/dpa