Corona Impfstoff von Johnson & Johnson zu 66 Prozent wirksam

Das Vakzin von Pharmakonzern Johnson & Johnson kann laut ersten Studienergebnissen offenbar eine Covid-19-Erkrankung in 66 Prozent der Fälle verhindern. Doch der Konzern macht sich Sorgen um Mutationen.
Johnson & Johnson: Deutschland hat sich 37,25 Millionen Dosen des Impfstoffs gesichert

Johnson & Johnson: Deutschland hat sich 37,25 Millionen Dosen des Impfstoffs gesichert

Foto: Luis Lima Jr / Fotoarena / imago images

Der Impfstoff von Johnson & Johnson gegen das Coronavirus ist zu 66 Prozent wirksam, teilte der Pharmakonzern am Freitag mit. In den Studienarmen in den USA war er noch effektiver. Dort lag die Wirksamkeit im Schnitt bei 72 Prozent. Der Impfstoff wird an Zehntausenden Probanden weltweit getestet.

Allerdings gibt es Sorge, auftretende Mutationen könnten die Wirksamkeit beeinflussen. Denn bei den Versuchsreihen in Lateinamerika und Südafrika wirkte der Impfstoff nur in 66 Prozent beziehungsweise 57 Prozent der Fälle. Besonders die Zahlen aus Südafrika stimmen bedenklich.

Dort war eine neue Virusvariante aufgetreten, die wahrscheinlich ansteckender ist und möglicherweise auch Menschen erneut infizierten kann, die sich bereits mit dem Coronavirus angesteckt hatten. Das könnte sich auch auf die Effektivität von Impfstoffen auswirken. Zuletzt gingen in Südafrika 95 Prozent aller Covid-19-Erkrankungen auf die Variante B.1.351 zurück. Der Impfstoff von Biontech wirkt dagegen nach ersten Erkenntnissen auch gegen die Variante aus Südafrika.

Der Impfstoff von Johnson & Johnson hat gegenüber den bereits zugelassenen Produkten den Vorteil, dass er nicht so kühl gelagert werden muss. Zudem reicht nach aktuellen Forschungsstand eine Dosis, um den vollen Impfschutz zu bekommen. Termine für Zweitimpfungen fielen dann weg.

Die Gabe nur einer Dosis war auch in der Studie getestet worden, deren erste Ergebnisse nun veröffentlicht wurden. Allerdings basieren die Angaben bisher nur auf den Aussagen von Johnson & Johnson. Sie sollen jedoch zeitnah in einem unabhängigen Fachblatt veröffentlicht werden. Dieses Vorgehen hatten auch andere Entwickler von Corona-Impfstoffen gewählt.

Bei dem Produkt von Johnson & Johnson handelt es sich um einen sogenannten Vektorimpfstoff. Er enthält ein ungefährliches Virus, das Teile des Coronavirus-Bauplans in den Körper schleust. Diese bereiten das Immunsystem auf den echten Erreger vor. Johnson & Johnson nutzt dieses System auch bei seinem Ebola-Impfstoff. Auch der Impfstoff von AstraZeneca funktioniert nach diesem Verfahren. Er zeigte eine vergleichbare Wirksamkeit von im Schnitt 70 Prozent.

Die bereits zugelassenen Impfstoffe von Biontech und Moderna hatten in groß angelegten Studien eine höhere Wirksamkeit von 95 Prozent gezeigt. Allerdings kann der Impfstoff von Johnson & Johnson laut Hersteller offenbar auch schwere Fälle verhindern.

Demnach konnte die Impfung eine schwere Covid-19-Erkrankung in 85 Prozent der Fälle verhindern. Und zwar in allen drei Regionen, in denen er getestet wird – also in den USA, Lateinamerika und Südafrika. Innerhalb von 28 Tagen nach der Immunisierung musste keiner der Probanden, die trotz Impfung Covid-19 bekommen hatten, im Krankenhaus behandelt werden.

Notzulassung in den USA könnte schon nächste Woche kommen

Der Impfstoff befindet sich in Europa bereits in einem sogenannten Rolling-Review-Prozess, der die Zulassung beschleunigen soll. Das heißt, die zuständige europäische Arzneimittelagentur Ema bewertet die Daten, sobald sie vorliegen und nicht erst, wenn die gesamte Studie abgeschlossen ist. Das spart Zeit.

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Wann der Impfstoff in Europa zugelassen wird, ist unklar. Die Entscheidung könnte jedoch innerhalb einiger Wochen fallen. Deutschland hat 37,25 Millionen Dosen des Impfstoffs bestellt. In den USA will Johnson & Johnson bereits in der kommenden Woche eine Notfallzulassung beantragen.

Erst am Donnerstag hatte der US-Pharmakonzern Novavax die Wirksamkeit seines Impfstoffkandidaten mit über 89 Prozent angegeben. Die vorläufigen Ergebnisse stammen jedoch aus einer Studie mit deutlich weniger Teilnehmern als bei Johnson & Johnson. Ob die Wirksamkeit weiterhin so hoch bleibt, muss sich deshalb zeigen. Auch der Impfstoff von Novavax zeigte bei der erstmals in Südafrika aufgetretenen Virusvariante eine geringere Effektivität.

koe/Reuters/AFP