Impfstoff-Ärger Italien empfiehlt Mittel von AstraZeneca nur bis 55 Jahre

Neue Irritationen um die Impfstoffe: Die italienische Arzneimittelbehörde äußert sich zurückhaltend zum Mittel von AstraZeneca. Und in Hamburg sorgt ein Lieferengpass bei Moderna für Empörung. Jens Spahn bittet dennoch um »Vertrauen«.
Corona-Impfstoff von AstraZeneca

Corona-Impfstoff von AstraZeneca

Foto: Abdeljalil Bounhar / AP

Die italienische Arzneimittelbehörde empfiehlt den seit Freitag in der EU zugelassenen Corona-Impfstoff des Herstellers AstraZeneca nur für Erwachsene bis zum Alter von 55 Jahren. In Übereinstimmung mit den Empfehlungen der EU-Arzneimittelbehörde EMA sei die Vakzine in Italien zwar zugelassen, erklärte die Behörde am Samstag. Menschen über 55 Jahre und besonders anfällige Menschen sollten jedoch bevorzugt mit den auf mRNA-Technologie basierenden Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna geimpft werden.

Zur Begründung erklärte die Behörde, es bestünden »gewisse Unsicherheiten« über die Wirksamkeit des Mittels bei älteren Menschen, da diese Altersgruppe bei den klinischen Tests nur »schlecht vertreten« gewesen sei.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) in Deutschland empfiehlt den AstraZeneca-Impfstoff für Menschen im Alter zwischen 18 und 64 Jahren.

»Wie soll man da planen?«

Probleme gibt es unterdessen bei den Impfstofflieferungen von Moderna in Deutschland: Das Unternehmen liefert 43.200 Dosen weniger als geplant. Darüber beklagte sich Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher auf Twitter: »Gerade teilt das Bundeskanzleramt mit, dass jetzt auch die zugesagten Lieferungen der Moderna-Impfstoffe reduziert werden. Wie soll man da Impfungen planen?« In den vergangenen Tagen sprachen bereits Moderna selbst und mehrere europäische Länder von Lieferengpässen des US-Konzerns.

Das Bundesgesundheitsministerium weist allerdings darauf hin, dass die verringerte Impfstofflieferung von Moderna durch Mehrlieferungen anderer Hersteller mehr als ausgeglichen werde. Biontech und AstraZeneca lieferten den Bundesländern bis zum 22. Februar 1.747.000 Impfdosen mehr als bisher geplant, erklärte das Ministerium auf Twitter.

Minister Jens Spahn warb bei der Bevölkerung um Vertrauen und Geduld. »Es kommen jede Woche Impfstoffe, und es werden auch mehr Zug um Zug«, sagte der CDU-Politiker am Samstag in Berlin. »Ich bitte einfach um ein Stück Vertrauen.«

Angesichts überlasteter Hotlines plädierte Spahn für Änderungen bei der Impfterminvergabe. Zum Start der Impfterminvergabe in NRW etwa waren Anmelde-Webseiten und Hotlines geradezu überrannt worden. Zahlreiche impfwillige Menschen ab 80 Jahren oder ihre Angehörigen kamen telefonisch nicht durch und hatten auch online zunächst keinen Erfolg.

Spahn kündigt überarbeitete Impfverordnung an

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach angesichts des wochenlangen Lockdowns von einem »gewaltigen Kraftakt« für Familien. Sie warb aber ebenfalls um Geduld. Angesichts erheblicher Kritik am schleppenden Impfbeginn und der Produktionsprobleme bei einigen Herstellern will Merkel am Montag mit den Ministerpräsidenten über die Lage beraten. An einer Videokonferenz sollen auch mehrere Bundesminister, Impfstoffhersteller sowie Vertreter der EU-Kommission teilnehmen, die für die gesamte EU Impfstoff bei verschiedenen Herstellern einkauft.

Die Kanzlerin sagte zugleich: »Noch sind wir nicht so weit, Kitas und Schulen wieder öffnen zu können.« Aber: »Je konsequenter wir uns jetzt verhalten, auf Kontakte verzichten und da, wo sie unumgänglich sind, Abstand halten, Hygieneregeln beachten und Masken tragen, desto schneller wird das wieder möglich sein.«

Ein wichtiges Thema beim Impfgipfel am Montag dürfte die Empfehlung der Ständigen Impfkommission über eine Altersbeschränkung beim Impfstoff von AstraZeneca sein. Spahn kündigte eine Überarbeitung der Impfverordnung an. Man werde generell an einer Priorisierung festhalten, aber die »Alterskomponente« für den AstraZeneca-Impfstoff aufgreifen.

In der bisherigen Impfverordnung haben Menschen, die das 80. Lebensjahr vollendet haben, und etwa das Personal in Pflegeheimen die höchste Priorität.

wal/AFP/Reuters/dpa