Schule, Impfzentrum, Arztpraxis Wo Kinder und Jugendliche gegen Covid-19 geimpft werden könnten

Reihenimpfungen in Schulen – oder Impfung mit der ganzen Familie in einer Praxis? Der Hausärzteverband hat eine klare Position, wo Kinder und Jugendliche am besten immunisiert werden sollten.
Corona-Impfung eines Erwachsenen in einer Arztpraxis (Archivbild)

Corona-Impfung eines Erwachsenen in einer Arztpraxis (Archivbild)

Foto: Hannibal Hanschke / dpa

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat ein ambitioniertes Ziel für die Impfung von 12- bis 18-Jährigen gesetzt: Sie sollen alle bis Ende August ein Angebot erhalten.

In einem Beschlussentwurf an die Gesundheitsminister der Länder heißt es, die Impfung könne »beispielsweise durch ausdrückliche Einladung dieser Jahrgänge in die Impfzentren geschehen, durch Reihenimpfungen in den Schulen oder auf vergleichbaren Wegen«.

Der Covid-19-Impfstoff von Biontech und Pfizer könnte Ende Mai oder Anfang Juni eine Zulassung für Jugendliche in der EU erhalten. Die USA haben ihn für diese Altersgruppe bereits freigegeben.

Der Verband der Hausärzte äußert sich jetzt skeptisch zu möglichen Impfungen in Schulen oder Zentren. »Gerade nach den Turbulenzen der vergangenen Monate sollte man den Jugendlichen kein Chaos bei der Impfung zumuten, sondern ihnen eine ruhige, vertrauensvolle Atmosphäre bieten. Das gibt es nur in den Haus- und Kinderarztpraxen, die sie kennen«, sagte die stellvertretende Vorsitzende des Verbands der Hausärzte, Anke Richter-Scheer.

Richter-Scheer betont die Nachteile anderer Impforte. Eltern müssten als Erziehungsberechtigte mit vor Ort sein. Denn sie müssen mündlich über die Impfung aufgeklärt  werden und dieser zustimmen.

»Das heißt, man hätte eine sehr große Personenzahl in den Impfzentren. Ich hielte es für ungünstig, aus dem Impfen eine Massenveranstaltung zu machen«, sagt die Hausärztin. »Auch die Schulen eignen sich eigentlich nicht – wieder wegen der nötigen Begleitung der Eltern.«

Mobile Teams in Schulen – wie zuvor etwa in Pflegeheimen – seien sicher denkbar. »Aber aufgrund der Einwilligungspflicht müssten auch hier die Eltern anwesend sein.« Außerdem fehle bei mobilen Teams das Vertrauensverhältnis zum Arzt, das bei einem Kinder- und Jugendarzt und bei einem Hausarzt gegeben sei.

Würden Kinder und Jugendliche dagegen in Praxen geimpft, könnte bei ausreichendem Impfstoff gleich die ganze Familie geimpft werden, sagt Richter-Scheer. Da die Kinderärzte den Ansturm nicht bewältigen könnten, sollte man die Hausärzte hinzuziehen.

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) teilte mit , man könne in den Praxen »großflächig gegen Covid-19 impfen«, sobald der Impfstoff von der EU-Behörde zugelassen sei und es eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission gebe. »Wir Kinder- und Jugendärzte und -ärztinnen tragen entscheidend dazu bei, dass die Impfkampagne bei den Jugendlichen und später bei den Kindern rundläuft«, sagt Verbandspräsident Thomas Fischbach laut einer Mitteilung.

Grundsätzliche Bedenken gegenüber Impfungen an anderen Orten äußert er nicht: »Impfungen in Impfzentren oder in Schulen können uns bei dieser Aufgabe unterstützen«, meint der Kinder- und Jugendarzt.

wbr/rtr
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