Geringere Dosierung Impfungen bei kleineren Kindern offenbar weniger wirksam als bei Jugendlichen

Eine Studie aus den USA legt nahe, dass der Impfschutz bei Fünf- bis Elfjährigen viel schneller nachlässt als bei älteren Kindern. Experten vermuten, dass die geringere Dosierung den Unterschied macht.
Sechsjährige wird in San Francisco zum zweiten Mal geimpft (Symbolbild)

Sechsjährige wird in San Francisco zum zweiten Mal geimpft (Symbolbild)

Foto: Santiago Mejia / San Francisco Chronicle / Getty Images

Kinder zwischen fünf und elf Jahren sind nach einer Impfung weniger gut vor einer Infektion mit der Omikron-Variante des Coronavirus geschützt als Kinder zwischen zwölf und 17 Jahren. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Gesundheitsministeriums des US-Bundesstaats New York , die am Montag als Preprint veröffentlicht wurde.

In den USA sowie in Europa wurde bisher nur das Mittel von Biontech/Pfizer für diese Altersgruppe freigegeben. Bei den Fünf- bis Elfjährigen wird eine geringere Dosis verabreicht als bei den über Zwölfjährigen: Während die älteren Kinder und Jugendlichen für die vollständige Immunisierung zwei Erwachsenendosen erhalten, bekommen die jüngeren Kinder jeweils nur ein Drittel der Dosis gespritzt.

Die Daten lassen vermuten, dass die deutlichen Wirksamkeitsunterschiede an der geringeren Dosierung bei den kleineren Kindern liegen könnten. Besonders deutlich wird das, wenn man genau die Altersgrenze betrachtet, an der die Jüngeren die geringere Dosis und die nur ein wenig Älteren bereits die höhere Dosis erhalten: Demnach lag die Wirksamkeit gegen eine Infektion mit der Omikron-Variante bei den untersuchten Elfjährigen in der letzten Januarwoche bei nur rund elf Prozent. Bei den Zwölfjährigen wird sie mit rund 67 Prozent angegeben.

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»Bemerkenswerter Unterschied«

»Der Unterschied zwischen den beiden Altersgruppen ist bemerkenswert«, sagt Florian Krammer, Immunologe der Icahn School of Medicine am Mount Sinai Hospital, der »New York Times« . Der biologische Unterschied zwischen Elf- und Zwölfjährigen sei minimal, doch die Elfjährigen erhielten nur zehn Mikrogramm des Impfstoffs, während die Zwölfjährigen 30 Mikrogramm erhielten. »Das ist sehr interessant, weil es darauf hinweist, dass es die Dosis ist, die den Unterschied ausmacht«, so Krammer. »Die Frage ist, was die Lösung dafür ist.«

Die Studienautorinnen und -autoren selbst sehen die geringere Dosierung als den Hauptgrund für das rasche Nachlassen des Impfschutzes bei den unter Zwölfjährigen. Gerade der Vergleich der Elf- und Zwölfjährigen lege das nahe. »Die Zwölfjährigen hatten von allen Altersgruppen die höchste Impfwirksamkeit«, heißt es in der Studie. »Das liegt vermutlich am Verhältnis ihrer geringen Körpergröße zur Impfstoffdosierung und daran, dass ihre Impfung noch nicht so lange her ist.«

Insgesamt haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mehr als eine Million vollständig geimpfte Kinder zwischen dem 13. Dezember 2021 und dem 30. Januar 2022 im Bundesstaat New York untersucht. Bei den Zwölf- bis 17-Jährigen fiel die Impfwirksamkeit im Untersuchungszeitraum von 66 auf 51 Prozent. Bei den Fünf- bis Elfjährigen war der Unterschied noch deutlicher: Mitte Dezember war die Impfung noch zu 68 Prozent gegen eine Infektion mit Sars-CoV-2 wirksam, Ende Januar nur noch zu zwölf Prozent.

Auch der Schutz vor Hospitalisierungen scheint bei jüngeren Kindern schneller nachzulassen als bei älteren. Die zwölf- bis 17-Jährigen waren Mitte Dezember noch zu 85 Prozent davor geschützt, mit einer Covid-19-Erkrankung ins Krankenhaus zu müssen, Ende Januar nur noch zu 73 Prozent. Bei den Fünf- bis Elfjährigen fiel der Schutz innerhalb der sechs Wochen demnach von 100 Prozent auf nur noch 48 Prozent. Die Zahlen zur Hospitalisierung sind jedoch bedingt aussagekräftig, da insgesamt nur sehr wenige Kinder mit Covid-19 ins Krankenhaus mussten.

»Es ist enttäuschend, aber nicht völlig überraschend«, sagte Eli Rosenberg, stellvertretender Direktor des Wissenschaftsressorts im New Yorker Gesundheitsministerium, der »New York Times« zu den Studienergebnissen. Rosenberg leitete die Untersuchung. »Es sieht sehr beunruhigend aus, diesen schnellen Rückgang zu sehen, aber es handelt sich eben um eine Impfung, die gegen frühere Varianten entwickelt wurde.«

Die Ergebnisse zeigten, wie wichtig es sei, mehr Informationen bezüglich der besten Dosierung für Kinder, der Anzahl der Impfungen und der Zeitabstände herauszufinden, so Rosenberg. Die Daten belegten außerdem, dass Impfungen lediglich ein effektives Instrument in der Pandemiebekämpfung seien – neben dem Tragen von Masken und Social Distancing.

Doch gerade das Tragen von Masken und die Abstands- und Hygieneregeln sind für kleine Kinder häufig nur schwierig einzuhalten. In Schulen und Kitas eingetragene Infektionen verbreiten sich daher besonders rasch. Folglich sind es vor allem die jüngeren Altersgruppen, bei denen die Inzidenzen derzeit am höchsten sind, und rein rechnerisch ist es erwartbar, dass sich hier auch eine hohe Anzahl von Durchbruchsinfektionen zeigt.

Die Kleinsten gehen bislang noch leer aus

Und noch ein weiterer Grund könnte erklären, warum die Impfwirksamkeit in dieser Altersgruppe so stark nachlässt: Bei Erwachsenen wurde bereits beobachtet, dass die Omikron-Variante den Impfschutz zwar umgehen kann, die Antikörperlevel nach einer dritten Impfung jedoch wieder steigen und somit auch einen besseren Schutz gegen Omikron bieten. Doch weder in den USA noch in Europa wird derzeit die Boosterimpfung für unter Zwölfjährige empfohlen, für über Zwölfjährige hingegen schon. In der Studie waren 12,5 Prozent der Zwölf- bis 17-Jährigen geboostert, was vermutlich zu einem zusätzlichen Schutz beigetragen hat.

Trotz der ernüchternden Auswertung zeigt sich auch in den US-Daten, dass die Impfung Kinder jeden Alters gut vor schweren Verläufen schützt. Zudem gibt es vermehrt Hinweise darauf, dass die Impfungen auch zuverlässig vor schwereren Folgen des Virus, wie etwa Pims oder Long Covid, schützen.

Für die unter Fünfjährigen ist bislang indes noch kein Impfstoff zugelassen . Biontech/Pfizer testet derzeit sein Mittel bei Kindern zwischen sechs Monaten und vier Jahren. Die Ergebnisse lassen jedoch auf sich warten, da die geringe Dosierung noch nicht die erwünschte Immunantwort erzeugt. Die Unternehmen setzen nun auf eine dritte Impfung bei den ganz Kleinen. Ergebnisse dazu erwarten Biontech/Pfizer Anfang April.

kry
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