Fakten zur Immunisierung Was genau passiert bei der Impfung?

Ein Piks in den Arm – und dann? Was über Nebenwirkungen bekannt ist und warum auch Geimpfte Menschenansammlungen meiden sollten.
Im nordrhein-westfälischen Emsdetten wird eine 87-jährige Altenheimbewohnerin gegen das Coronavirus geimpft

Im nordrhein-westfälischen Emsdetten wird eine 87-jährige Altenheimbewohnerin gegen das Coronavirus geimpft

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Guido Kirchner / dpa

Deutschland hat mit Impfungen gegen das Coronavirus begonnen. Offiziell startete das bundesweite Programm am Sonntag, doch Sachsen-Anhalt war bereits am Samstag überraschend vorgeprescht: In einem Altenheim in Halberstadt waren Bewohner und Personal geimpft worden. Als Erstes erhielt dort die 101-jährige Edith Kwoizalla den Impfstoff der Pharmaunternehmen Biontech und Pfizer, der am 21. Dezember von der EU-Kommission zugelassen worden war.

Wie läuft die deutsche Impfkampagne nun ab? Und was passiert bei der Impfung und danach? Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Wer wird zuerst geimpft?

In der deutschen Impfverordnung sind insgesamt drei Gruppen mit »höchster«, »hoher« und »erhöhter« Priorität festgelegt:

  • Höchsten Vorrang haben Personen ab 80 Jahren, Menschen in Alten- und Pflegeheimen, deren Pflegekräfte wie auch medizinisches Personal, etwa auf Intensivstationen.

  • Hohe Priorität genießen unter anderem Personen ab 70 Jahren und Demenzkranke, Polizei- und Ordnungskräfte, Personen im öffentlichen Gesundheitsdienst, aber auch Bewohner von Obdachlosen- und Flüchtlingsunterkünften.

  • Erhöhte Priorität gilt für Personen ab 60 Jahren, Menschen mit bestimmten Erkrankungen – aber auch für Erzieher, Lehrer und Personen im Einzelhandel.

Was passiert bei der Impfung?

Die Impfung erfolgt durch zwei Injektionen in den Arm im Abstand von drei Wochen. Den groß angelegten Tests der Entwickler Biontech und Pfizer zufolge liefert der Impfstoff einen 95-prozentigen Schutz vor dem Coronavirus. Die Nebenwirkungen seien mild bis moderat gewesen und schnell abgeklungen, hieß es bei der Veröffentlichung der Studienergebnisse. Die schwersten Nebenwirkungen seien nach der Injektion der zweiten Dosis aufgetreten: in 3,8 Prozent der Fälle Müdigkeit und bei zwei Prozent der Fälle Kopfschmerzen. Ältere Erwachsene hätten zu weniger und milderen Nebenwirkungen tendiert.

DER SPIEGEL

Der von den Partnern entwickelte Impfstoff ist der Erste seiner Art, der eine sogenannte Boten-RNA-Technologie (mRNA) verwendet. Dieser Ansatz nutzt das Nachrichtensystem des menschlichen Körpers, um Zellen in Fabriken zur Krankheitsbekämpfung zu verwandeln. Die Boten-RNA weist Zellen an, Proteine herzustellen, die für fast alle menschlichen Funktionen benötigt werden. Bei den neuen Impfstoffen wird im Labor hergestellte mRNA in menschliche Zellen eingeschleust, um Virenproteine zu produzieren, die schließlich eine Immunreaktion auslösen.

Welchen Schutz bietet der Impfstoff?

Erst eine Woche nach der zweiten Injektion – also rund vier Wochen nach der ersten – bietet der Impfstoff Schutz vor der Krankheit. Allerdings ist unklar, ob das Vakzin auch verhindert, dass die geimpfte Person das Virus weiter überträgt. Manche Impfstoffe tun das, etwa der gegen Hepatitis A, andere tun das aber nicht. Die Impfung gegen Covid-19 verhindert den Ausbruch der Krankheit, aber nicht unbedingt, dass der Geimpfte ansteckend ist. Damit kann eine geimpfte Person das Virus immer noch an andere weitergeben, die dann krank werden können.

Auch ist noch nicht geklärt, wie lange der Schutz vor der Krankheit durch die Impfung anhält. Klarheit darüber wird es nach Einschätzung von Experten erst in mehreren Monaten geben. »Bis dahin ist es besser, die Kneipe und andere persönliche Zusammenkünfte mit vielen Menschen zu vermeiden«, empfiehlt Anita Shet, Spezialistin für Infektionskrankheiten an der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health.

Bedeutet der Impfstoff eine Rückkehr zum normalen Leben?

Wohl erst mal nicht. Wissenschaftler plädieren dafür, dass sich auch geimpfte Menschen an die AHA-Regeln halten – Abstand halten, regelmäßiges Händewaschen und Maske tragen. Michelle Barron, leitende medizinische Direktorin für Infektionsprävention an der UCHealth in Colorado, warnt: »Wie alle anderen Impfstoffe auch kann dieser bei bestimmten Patientenuntergruppen wirklich gut wirken, und bei anderen hingegen nicht so gut. Steht es Ihnen damit frei, in ein Flugzeug zu steigen oder 30 Personen zu sich nach Hause einzuladen? Wahrscheinlich nicht.«

ply/Reuters