Corona-Pandemie USA melden Höchstwert – doch Verwirrung um die Zahlen

Wieder hat es in den USA einen neuen Höchstwert an Infektionen mit dem Coronavirus gegeben. Der Anstieg ist laut Johns-Hopkins-Universität enorm – soll aber teilweise an der Datenübermittlung liegen.
In New York werden Informationen zu Personen aufgenommen, die sich auf das Coronavirus testen lassen

In New York werden Informationen zu Personen aufgenommen, die sich auf das Coronavirus testen lassen

Foto: Mary Altaffer / AP

Mehr als eine Woche nach der US-Wahl hat die Zahl der Neuinfektionen in den USA ein neues Rekordhoch erreicht: Binnen 24 Stunden sollen einer Reuters-Erhebung 134.000 Menschen positiv auf das Virus getestet worden sein. Laut der Johns-Hopkins-Universität liegt die Zahl sogar noch deutlich höher: Demnach wurden 201.961 neue Ansteckungsfälle gezählt. Allerdings sei die Zahl teilweise auf die verspätete Übermittlung von Daten am vergangenen Wochenende zurückzuführen, teilte die Universität mit. Der bisherige Höchststand bei den Neuinfektionen in den USA hatte bei etwa 130.000 Fällen gelegen.

Es wurden zudem 1535 neue Todesfälle im Zusammenhang mit dem neuartigen Coronavirus laut der Johns-Hopkins-Universität registriert, die höchste Zahl seit Monaten. Bei Reuters ist von 1450 Toten die Rede. Doch auch das wäre die höchste Zahl an Todesfällen innerhalb eines Tages seit August.

Etwa 62.000 Corona-Patienten in Krankenhäusern

Auch bei der Zahl der im Krankenhaus behandelten Corona-Patienten wurde in den USA ein neuer Rekordstand erreicht. Nach Angaben der Initiative Covid Tracking Project befinden sich derzeit landesweit etwa 62.000 Corona-Patienten in den Hospitälern.

Die USA sind von den absoluten Zahlen her das am stärksten von der Pandemie betroffene Land der Welt. Der bei der US-Präsidentschaftswahl vergangene Woche unterlegene Amtsinhaber Donald Trump hat sich immer wieder über das Tragen von Atemschutzmasken mokiert. Auch sagte er, das Virus werde wieder von allein weggehen.

Trotz der eskalierenden Lage kam bisher für Trump ein neuer Lockdown nicht infrage. Zuletzt beklagte der amtierende US-Präsident, der Zeitpunkt der Bekanntgabe zu einem möglichen Corona-Impfstoff sei politisch motiviert gewesen. Als erste westliche Hersteller hatten Biontech und Pfizer am Montag vielversprechende – aber im Umfang der Details begrenzte – Ergebnisse veröffentlicht. Das gaben die beiden Unternehmen wenige Tage nach der US-Wahl am 3. November bekannt.

Biden erklärte Pandemiebewältigung zur dringlichsten Aufgabe

Der designierte US-Präsident Joe Biden hat im Gegensatz zum Amtsinhaber ein entschlossenes Vorgehen gegen die Pandemie angekündigt. Er wirft Trump im Zusammenhang mit dem Virus völliges Versagen vor und macht ihn für den Tod Tausender Amerikaner verantwortlich. Die Bewältigung der Krise hat Biden zu seiner dringlichsten Aufgabe erklärt. Am Montag benannte er seinen künftigen Corona-Krisenstab, der sich aus Fachleuten zusammensetzt.

"Ich will, dass es jeder weiß: Wir werden unseren Plan, das Virus unter Kontrolle zu bringen, an unserem ersten Tag in Kraft setzen", hatte Biden am Samstagabend (Ortszeit) in seiner Siegesrede in seinem Heimatort Wilmington, Delaware gesagt.

Einer von Bidens Fachleuten für seinen Krisenstab sprach am Montag mit dem US-Sender CNN  über einen anstehenden starken Anstieg der Infektionszahlen: "Es wird mich nicht überraschen, wenn wir in den nächsten Wochen über 200.000 neue Fälle pro Tag sehen werden", sagte Michael Osterholm, Direktor des Zentrums für Forschung und Politik im Bereich Infektionskrankheiten an der Universität von Minnesota. Und weiter: "Wir beobachten, wie die Fälle in diesem Land erheblich zunehmen, weit über das hinaus, was die meisten Menschen jemals für möglich gehalten hätten."

cop/Reuters/AFP