Corona in den USA Virusexperte Fauci erwartet »Normalität« im Frühling 2022

Die USA kämpfen gegen die nächste Coronawelle – und den Starrsinn der Impfgegner. Nun hat Virologe Antony Fauci einen Zeitplan für die weitere Öffnung des Landes umrissen.
Anthony Fauci (Archivbild)

Anthony Fauci (Archivbild)

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Jonathan Ernst / REUTERS

Noch greift die Delta-Variante in den USA weiter um sich. Vor allem Bundesstaaten mit einer vergleichsweise niedrigen Impfquote verzeichnen weiterhin hohe Infektionszahlen. Gleichzeitig geht die Impfkampagne der Regierung von Präsident Joe Biden weiter. Rund 400.000 Menschen wurden im August im Schnitt geimpft – pro Tag. Nun hat sich der Virusexperte und Berater des Weißen Hauses, Anthony Fauci, mit einer Prognose zum weiteren Verlauf der Pandemie in seinem Land zu Wort gemeldet.

Er nannte im Sender CNN das Frühjahr 2022 als Zieldatum . Bis dahin könne man »zu einem gewissen Grad an Normalität zurückkehren«, so Fauci. »Wir können wieder die Dinge tun, die wir tun wollen. Restaurantbesuche, Theater, solche Sachen.«

Normalität definierte er dabei als »einen gewissen Grad von flächendeckendem Schutz für die Gesellschaft«. Zuvor sei aber der Winter zu überwinden. Dabei könnten die Grippe und saisontypische Atemwegserkrankungen für weitere Komplikationen sorgen. Und eine entscheidende Einschränkung schickte Fauci gleich mit.

Fauci muss seine Zeitangabe korrigieren

Der von ihm umrissene Zeitplan sei nur einzuhalten, wenn die vielen Impfskeptiker und -verweigerer in den USA überzeugt werden könnten. Für das Zeitziel Frühjahr 2022 »gibt es keine Garantie. Es liegt an uns«, erklärte der Virusexperte weiter. Rund 90 Millionen Menschen haben bisher noch keine Impfung erhalten, viele von ihnen werden in ihrer Verweigerungshaltung von konservativen Medien und Politikern bestärkt.

Fauci musste dabei seine vorherige Aussage für eine mögliche Rückkehr zur Normalität korrigieren. Beim Sender NPR hatte er vor seinem Gespräch mit CNN noch von »Herbst 2022« gesprochen. Das sei sein Fehler gewesen, stellte Fauci später klar. Er habe sich versprochen und wolle dies nun richtigstellen.

Für Präsident Biden dürfte der weitere Corona-Zeitplan von erheblichem Interesse sein. Er war mit dem klaren Ziel ins Amt gestartet, das Coronavirus in seinem Land rasch einzudämmen. Das gelang zunächst auch – bis die hochansteckende Delta-Variante um sich griff.

Das Virus könnte die Wahlen mitentscheiden

Dies könnte sich mittelfristig auch innenpolitisch auswirken. Im Herbst 2022 stehe die Midterm-Wahlen an. Dabei stellen die Wähler indirekt dem Präsidenten nach der Hälfte seiner Amtszeit eine Art Zwischenzeugnis aus. Je länger sich der angestrebte Sieg gegen das Virus verzögert, desto mehr müssen die Demokraten bei diesen Wahlen bangen. Für sie geht es dabei unter anderem um die dünne Mehrheit im Repräsentantenhaus.

In den Krankenhäusern der am härtesten betroffenen Staaten häufen sich die Fälle von Covid-Erkrankungen unter ungeimpften Bürgerinnen und Bürgern. Im besonders betroffenen Bundesstaat Florida legten zahlreiche Krankenhausärzte am Montag symbolisch für kurze Zeit die Arbeit nieder.

Laut dem britischen »Guardian«  befanden sich am Montag allein in Florida mehr als 17.000 Menschen wegen einer Corona-Erkrankung in Krankenhausbehandlung.

Der Staat ist derzeit republikanisch regiert, zuletzt hatte Präsident Biden den Gouverneur Ron DeSantis explizit für dessen fehlende Kooperation im Kampf gegen die Pandemie öffentlich gerügt. DeSantis werden Ambitionen für eine mögliche Präsidentschaftskandidatur zugeschrieben. Wie zahlreiche Parteikollegen, unter anderem im ebenfalls stark betroffenen Texas, buhlt er im Lager der Impfskeptiker um Unterstützer.

jok