Wochenbericht des RKI Anstieg schwerer Coronafälle deutet sich an – Inzidenz bei 577,5

Die Coronazahlen steigen weiter. In München liegt die vom Robert Koch-Institut gemeldete Inzidenz sogar über tausend. Bundesweit steigt auch die Zahl der Intensivpatientinnen und -Patienten.
Maske am Arm statt im Gesicht: Viele Coronamaßnahmen wurden mittlerweile gelockert (Symbolbild)

Maske am Arm statt im Gesicht: Viele Coronamaßnahmen wurden mittlerweile gelockert (Symbolbild)

Foto: Michael Gstettenbauer / IMAGO

Die Corona-Herbstwelle sorgt in immer mehr bayerischen Städten und Landkreisen für vierstellige Inzidenzen: Am Freitagmorgen meldete das Robert Koch-Institut (RKI) für neun Landkreise und die Landeshauptstadt München offizielle Werte über tausend. Am Donnerstag hatten erst vier Kreise über dieser Schwelle gelegen, vor einer Woche noch kein einziger.

Bayernweit stieg die Sieben-Tage-Inzidenz auf 818, das ist ein Plus von knapp 25 Prozent binnen einer Woche. Damit steigen die Werte aktuell nicht mehr so schnell wie in der vorletzten Woche – allerdings sind sie derzeit möglicherweise noch durch den Feiertag am Montag verzerrt. Zudem meldeten einzelne Landkreise offenbar keine aktuellen Zahlen ans RKI.

Zahlen in München stiegen in der zweiten Oktoberfestwoche

Die höchste Inzidenz in Bayern weisen derzeit die Landkreise

  • Fürstenfeldbruck mit 1333,6,

  • Ebersberg mit 1265,2

  • und Dachau mit 1206,8 auf.

Auffällig dabei ist auch eine gewisse Ballung um München herum, wo Anfang der Woche das Oktoberfest endete. Sowohl die Stadt als auch drei der vier direkt angrenzenden Landkreise liegen über tausend, der Landkreis München nur relativ knapp darunter. In der zweiten Oktoberfestwoche waren die Zahlen im München sehr stark angestiegen. Schon vor dem Fest hatten Fachleute eine Wiesn-Welle vorhergesagt .

Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz gab das RKI am Freitagmorgen mit 577,5 an . Am Vortag hatte der Wert der Coronaneuinfektionen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner und Woche bei 462,4 gelegen (Vorwoche: 466,0; Vormonat: 217,2).

Allerdings liefern diese Angaben nur ein sehr unvollständiges Bild der Infektionszahlen. Fachleute gehen seit einiger Zeit von einer hohen Zahl nicht vom RKI erfasster Fälle aus – vor allem, weil bei Weitem nicht alle Infizierten einen PCR-Test machen lassen. Nur positive PCR-Tests zählen in der Statistik. Zudem können Nachmeldungen oder Übermittlungsprobleme zu einer Verzerrung einzelner Tageswerte führen.

Deswegen meldet SPIEGEL.de die Infektionszahlen künftig nur noch im Rahmen des RKI-Wochenberichts und bei besonderen Ereignissen.

Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI zuletzt 174.112 Coronaneuinfektionen (Vorwoche: 96.367) und 117 Todesfälle (Vorwoche: 140) innerhalb eines Tages. Vergleiche der Daten sind auch hier wegen des Testverhaltens, Nachmeldungen oder Übermittlungsproblemen nur eingeschränkt möglich. Generell schwankt die Zahl der registrierten Neuinfektionen und Todesfälle deutlich von Wochentag zu Wochentag, da insbesondere am Wochenende viele Bundesländer nicht ans RKI übermitteln und ihre Fälle im Wochenverlauf nachmelden.

Im Zuge der beginnenden Corona-Herbstwelle hat das RKI auf die schwierige Interpretation bestimmter Daten zur Krankheitsschwere hingewiesen. Bei den schwer verlaufenden Atemwegsinfektionen, die im Krankenhaus behandelt werden müssen, deute sich zwar ein Anstieg der Fallzahlen an, heißt es im Wochenbericht des RKI zu Covid-19 vom Donnerstagabend . Die Autoren schränken allerdings ein, dass »hier auch Fälle mit aufgeführt werden, die aufgrund einer anderen Erkrankung ins Krankenhaus kommen oder intensivmedizinisch behandelt werden müssen und bei denen die Sars-CoV-2-Diagnose nicht im Vordergrund der Erkrankung bzw. Behandlung steht«.

Unter anderem führt das RKI einen starken Anstieg der Zahl der Intensivpatienten im Zusammenhang mit Covid-19 an, von rund 860 in der vorvergangenen Woche auf rund 1310 am Mittwoch.

Die Problematik ist lange bekannt, dass diese Daten ebenso wie die Hospitalisierungsinzidenz keine Unterscheidung zwischen Patientinnen und Patienten erlauben, die wegen Covid-19 oder mit einem Sars-CoV-2-Nachweis behandelt werden. Verbesserungen sind seit Monaten angekündigt. Kliniken argumentierten aber zum Beispiel auch, dass der Aufwand für die Isolierung bei allen positiv getesteten Patienten gleich hoch sei.

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Das RKI blickt im Bericht stets auch noch auf eine weitere Datenquelle, bei der etwa Patientinnen und Patienten mit Corona-Zufallsbefund nicht ins Gewicht fallen sollen: Dabei habe sich ein Anstieg bisher nur in der Altersgruppe ab 80 Jahren bis zur vorvergangenen Woche angedeutet, hieß es.

mar/dpa
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