Klinikkapazitäten in der Coronakrise Bund und Länder wollen Intensivpatienten zur Not deutschlandweit verteilen

Die Zahl der Corona-Patienten auf den Intensivstationen steigt. Um die Kapazitäten bei Engpässen besonders gut auszunutzen, setzt die Politik nun auf das "Kleeblattprinzip".
Corona-Patient auf einer Intensivstation der Uniklinik Essen: Fünf Krankenpflegekräfte für nur einen beatmeten Covid-19-Patienten

Corona-Patient auf einer Intensivstation der Uniklinik Essen: Fünf Krankenpflegekräfte für nur einen beatmeten Covid-19-Patienten

Foto:

Fabian Strauch / dpa

In einigen Nachbarländern Deutschlands werden die Intensivbetten bereits knapp, nicht jeder Corona-Infizierte kann in seinem Heimatland auf eine intensivmedizinische Behandlung vertrauen. Um in Deutschland einen möglichen Engpass von Klinikkapazitäten in der Zukunft möglichst lange herauszuzögern, haben Bund und Länder nun ein Konzept erarbeitet, das auf das sogenannte "Kleeblattprinzip" setzt.

"Entwickelt sich eine Lage, die eine Verlegung über die Nachbarländer beziehungsweise angrenzende Regionen hinaus erforderlich macht, findet ein sogenanntes Kleeblattprinzip Anwendung", heißt es in dem Plan des Bundesinnenministeriums, das den Zeitungen der Funke Mediengruppe vorliegt. Bund und Länder wollen demnach an Covid-19 erkrankte Intensivpatienten bei knappen Kapazitäten künftig zwischen den Bundesländern verteilen – trotz potenziell langer Transportwege.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Erste deutsche Kliniken warnen bereits vor Überlastung

Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte der Nachrichtenagentur dpa zu den Plänen: "Durch klare Strukturen und Abläufe, medizinisch-fachliche Beratung und Bündelung von Transportressourcen wird gewährleistet, dass bei drohender beziehungsweise eingetretener regionaler Überlastung von intensivmedizinischen Kapazitäten ein Ausgleich innerhalb Deutschlands auch unter komplexen Rahmenbedingungen bewältigt werden kann." In den vergangenen Tagen hatten bereits die ersten deutschen Kliniken Alarm geschlagen und vor einer baldigen Überlastung gewarnt. Mit neuen Kontaktverboten und Schließungen ganzer Branchen versucht die Politik, die Ansteckungszahlen im November wieder in den Griff zu bekommen .

Zum nun geplanten intensivmedizinischen Konzept sagte die Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, die Berliner Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci, den Funke-Zeitungen: "Deutschland ist hierfür in fünf Regionen aufgeteilt, welche sich sowohl innerhalb der Regionen als auch zwischen den Regionen über die Auslastung der klinischen Kapazitäten informieren und im Bedarfsfall freie klinische Kapazitäten zur Verfügung stellen." Sollte sich in einem Bundesland oder einer Region eine starke Beanspruchung abzeichnen oder sogar eine Überlastung eintreten, so die SPD-Politikerin, "wird über zentral eingerichtete Stellen in den Regionen der überregionale Patiententransport in aufnahmefähige Regionen organisiert".

Dazu haben sich im Norden Hamburg, Bremen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern zusammengeschlossen, wie die Funke-Zeitungen unter Berufung auf das Konzept berichten. Im Osten sind es Berlin, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Im Südwesten sollen sich Hessen, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und das Saarland gegenseitig unterstützen. Die bevölkerungsreichsten Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Bayern bilden eigene Regionen.

Durch diese Aufteilung sollen Patienten auch bei einer starken Belastung der Kliniken die bestmögliche medizinische Versorgung erhalten. Wie ein Ministeriumssprecher erklärte, sind Bund und Länder in der Lage, das Konzept jederzeit zu starten.

Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) führt bereits ein Register , das täglich aktuell die bundesweit freien Intensivbetten anzeigt. Damit soll auch eine Verlegung aus stark ausgelasteten Kliniken in Häuser mit Kapazitäten ermöglicht werden. Die Intensivbetten sollen dabei mit dem nötigen Pflegepersonal berechnet werden.

Die Bettenkapazität allein ist jedoch nicht entscheidend: Ein beatmeter Covid-19-Patient braucht allein bis zu fünf Krankenpflegerinnen oder -pfleger. Doch an ihnen fehlt es besonders .

apr/dpa/AFP