Coronalage in Deutschland Sieben-Tage-Inzidenz steigt auf 488,7

Das Robert Koch-Institut meldet 119.232 Coronainfektionen binnen 24 Stunden – 26.888 mehr als vor einer Woche. Trotz der steigenden Zahlen spricht sich der Kassenärztechef gegen eine Ausweitung der Maskenpflicht aus.
Momentan sind Masken nur noch in wenigen Bereichen verpflichtend

Momentan sind Masken nur noch in wenigen Bereichen verpflichtend

Foto: Marijan Murat / dpa

Die Coronazahlen gehen weiter nach oben. Das Robert Koch-Institut (RKI)  meldet 119.232 Neuinfektionen binnen 24 Stunden. Das sind 26.888 mehr als am Mittwoch vor einer Woche, als 92.344 Fälle verzeichnet wurden.

Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz steigt auf 488,7 von 458,5 am Vortag (Vorwoche: 472,4). Außerdem wurden 104 weitere Personen registriert, die im Zusammenhang mit dem Virus starben (Vortag: 182, Vorwoche: 112). Damit erhöht sich die Zahl der gemeldeten Todesfälle auf 140.462.

Wie wird die Sieben-Tage-Inzidenz berechnet?

Das RKI berechnet die Sieben-Tage-Inzidenz auf Basis des Meldedatums, also dem Tag, an dem ein Fall beim Gesundheitsamt registriert wurde. Die montags vom RKI veröffentlichte Inzidenz basiert demnach auf Fällen, deren Meldedatum zwischen dem vorherigen Montag und dem gerade vergangenen Sonntag liegen – und die schon über die Meldekette beim RKI eingegangen sind. Das trifft wegen der Meldepausen am Wochenende nur für einen kleinen Teil der Fälle zu, die die Ämter freitags, samstags oder sonntags registriert haben. Diese Fälle kann das RKI erst in den Folgetagen in seiner Inzidenzberechnung berücksichtigen. Die Lücken mitteln sich über die Betrachtung eines Zeitraums von sieben Tagen nicht heraus.

Experten gehen seit einiger Zeit von einer hohen Zahl nicht vom RKI erfasster Fälle aus – vor allem weil bei Weitem nicht alle Infizierten einen PCR-Test machen lassen. Nur positive PCR-Tests zählen in der Statistik. Zudem können Nachmeldungen oder Übermittlungsprobleme zu einer Verzerrung einzelner Tageswerte führen.

Unterdessen hat sich der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) gegen eine erneute weitgehendere Maskenpflicht ausgesprochen. Zwar seien die Infektionszahlen weiterhin hoch, doch die Erkrankungsverläufe seien überwiegend leicht, sagte Andreas Gassen dem »Redaktionsnetzwerk Deutschland« (RND). »Das Narrativ war immer, dass das Gesundheitssystem nicht überlastet werden dürfe. Deshalb können höhere Infektionszahlen als im Sommer nicht die Grundlage für Maßnahmen sein, etwa für eine erneute Maskenpflicht.«

Eine Grundlage für eine erneute Maskenpflicht könne etwa eine Mutation des Coronavirus sein, die stärkere Krankheitsverläufe hervorruft. Der KBV-Chef sprach sich außerdem gegen die Fortführung der kostenlosen Coronatests aus. »Anlasslose Bürgertests sollten wir zeitnah stoppen, sie bringen sehr wenig und kosten sehr viel«, sagte Gassen.

Auch der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit von der Universität Hamburg kritisierte Forderungen nach einer Wiedereinführung der Maskenpflicht. »Wir wissen zwar, dass richtig verwendete FFP2-Masken vor einer Coronavirus-Infektion schützen können«, sagte er dem RND. »Aber andere Maßnahmen könnten eine höhere Effizienz haben und sollten dann vor einer Maskenpflicht eingeführt werden.«

Er sprach sich dafür aus, die Evaluation der Coronamaßnahmen abzuwarten. »Sollte die Homeoffice-Regelung viel effizienter sein als eine Maskenpflicht, hätte im Herbst Homeoffice die höhere Priorität.«

Angesichts wieder steigender Corona-Infektionszahlen waren zuletzt Forderungen nach einer erneuten Maskenpflicht in Innenräumen laut geworden. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) will noch vor der Sommerpause Eckpunkte für ein künftiges Infektionsschutzgesetz vorlegen. Dabei geht es etwa darum, inwieweit Regelungen wie eine Maskenpflicht etwa in Handel oder Gastronomie wieder möglich sind, wenn es im Herbst oder Winter eine neue Infektionswelle gibt.

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Über die »Corona-Herbststrategie« des Ministeriums werden ab Mittwoch die Gesundheitsministerinnen und -minister der Bundesländer auf der Gesundheitsministerkonferenz beraten. Vorab wurde jedoch schon bekannt, dass der Zugang zu den kostenlosen Corona-Bürgertests nach dem Willen von Lauterbach deutlich eingeschränkt werden soll. Nur noch Menschen mit Symptomen sollen dafür infrage kommen sowie andere ausgewählte Personengruppen wie Kleinkinder und Schwangere.

bbr/AFP