Coronaschutz in Deutschland Zahl der Erstimpfungen sinkt dramatisch

Die Zahl der Erstimpfungen in Deutschland ist so niedrig wie zuletzt Anfang Februar. Frankreich und Italien impfen weitaus schneller.
Ein einsamer Besucher am Hamburger Impfzentrum

Ein einsamer Besucher am Hamburger Impfzentrum

Foto: Jonas Walzberg / picture alliance / dpa

Die Corona-Impfkampagne in Deutschland verlangsamt sich dramatisch: insbesondere bei den Erstimpfungen.

Deren Zahl ist mittlerweile auf das niedrigste Niveau seit fast einem halben Jahr gefallen. Am Sonntag wurden laut dem »Impfdashboard«  des Bundesgesundheitsministeriums noch 30.671 erste Dosen verabreicht, das war der geringste Tageswert seit dem 7. Februar. In der abgelaufenen Woche erhielten nur noch 678.459 Menschen ihren ersten Piks; weniger waren es zuletzt in der dritten Februarwoche. Damals litt Deutschland unter Impfstoffmangel. Heute liegen laut der Statistik mehr als 15 Millionen Impfdosen ungenutzt in Kühlschränken von Praxen, Impf- und Verteilzentren.

Insgesamt fällt der Sieben-Tage-Durchschnitt aller Impfungen nunmehr seit 33 Tagen in Folge – und ist währenddessen von 844.000 Erst- und Zweitimpfungen pro Tag auf unter 450.000 zurückgegangen.

Vor allem die extrem nachlassenden Erstimpfungen deuten auf eine verbreitete Impfmüdigkeit hin. In der abgelaufenen Woche stieg der Bevölkerungsanteil der Erstimmunisierten lediglich von 60,0 auf 60,9 Prozent. Voll immunisiert sind gut 49 Prozent der Menschen in Deutschland, das entspricht etwa 54 Prozent aller über 12-Jährigen.

Laut Robert Koch-Institut müssten aber mindestens 85 Prozent der 12- bis 59-Jährigen und 90 Prozent der mindestens 60-Jährigen vollständig geimpft sein, damit die sogenannte Herdenimmunität erreicht wäre.

Sonderrechte für Geimpfte?

Der schwache Impffortschritt gibt der Debatte über Sonderrechte für Geimpfte neue Nahrung.

Am Wochenende hatte Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) mögliche Einschränkungen für nicht Geimpfte ins Spiel gebracht. So könnten gewisse Angebote wie Restaurant-, Kino- und Stadionbesuche selbst für getestete Ungeimpfte künftig unter Umständen nicht mehr möglich sein, weil das Restrisiko zu hoch sei, so Braun. Baden-Württembergs Ministerpräsident Wilfried Kretschmann (Grüne) will eine Impfpflicht nicht ausschließen.

CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet hingegen will mindestens bis Herbst nichts am bisherigen Vorgehen ändern. Das Prinzip sei gut, sagte der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen. Man müsse die Menschen zum Impfen ermutigen, »freiwillig und mit Anreizen, aber nicht mit Zwang«.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sprach sich gegen eine Impfpflicht aus. »Aber die nicht geimpfte Person muss auch einsehen, dass wir die Gesamtgesellschaft schützen müssen und deshalb nur die Geimpften zu größeren Gemeinschaftsveranstaltungen zulassen können«, sagte Seehofer im Interview mit RTL/n-tv.

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In anderen großen europäischen Staaten läuft es deutlich besser. Italien etwa, dessen Regierung die Zutrittsregeln für Ungeimpfte zu Fitness-Studios, Stadien und Kinos verschärft, impft derzeit gut 1,5-mal so schnell wie Deutschland.

In Frankreich schießen die Impfzahlen geradezu nach oben, seit Präsident Emmanuel Macron angekündigt hat, demnächst kostenlose PCR-Tests weitgehend abzuschaffen und eine Impfpflicht im Gesundheitswesen einzuführen. Frankreichs tägliche Impfrate ist laut dem Portal »Our World in Data« zurzeit etwa 80 Prozent höher als die der Bundesrepublik.