Kampf gegen die Pandemie In Israel deuten sich erste Erfolge der Corona-Impfungen an

Israel ist Weltmeister bei den Corona-Impfungen. Nun sinken laut ersten Analysen die Infektionszahlen bei Risikogruppen. Schon die erste Dosis könnte einen positiven Effekt haben.
Diese Frau aus Netanya ist eine von mehr als vier Millionen Menschen in Israel, die gegen Covid-19 geimpft wurden

Diese Frau aus Netanya ist eine von mehr als vier Millionen Menschen in Israel, die gegen Covid-19 geimpft wurden

Foto: RONEN ZVULUN / REUTERS

Israel ist zu einer Art Testlabor für den Rest der Welt geworden: In keinem anderen Land der Welt sind gemessen an der Einwohnerzahl so viele Menschen gegen Covid-19 geimpft worden. Nun deuten sich erste positive Effekte an: Die Infektionszahlen in den Risikogruppen gehen offenbar zurück und der Impfstoff könnte womöglich noch effektiver sein als erhofft.

Israel hat bereits früh mit Impfungen gegen das Coronavirus begonnen. Eingesetzt wird der Impfstoff von Biontech/Pfizer. Mehr als 40 Prozent der Bevölkerung haben bereits eine erste Impfdosis bekommen – damit liegt der Anteil so hoch wie in sonst keinem Land der Welt. Zum Vergleich: In Deutschland sind bisher zwei Prozent der Bevölkerung geimpft worden.

Nur 0,01 Prozent der Geimpften steckten sich an

Die beiden größten Gesundheitsdienste Israels, Clalit und Maccabi, hatten untersucht, wie sich die Zahl der Covid-19-Fälle seit Beginn der Impfungen entwickelt hat. Über sie sind laut »Ärzteblatt«  drei Viertel der Menschen in Israel krankenversichert. Demnach sank die Zahl der Erkrankungen bei geimpften über 60-Jährigen um bis zu 60 Prozent im Vergleich zu allen Versicherten der Altersgruppe. Der Effekt zeigte sich bereits knapp zwei Wochen, nachdem die Geimpften die erste Dosis bekommen hatten.

Anfang der Woche hatte das israelische Gesundheitsministerium zudem Zahlen veröffentlicht, nach denen der Impfstoff von Biontech noch effektiver sein könnte als erhofft. Demnach hatten sich nur 63 von 428.000 Menschen, die bereits zwei Dosen bekommen hatten, mit dem Coronavirus infiziert. Das entspricht 0,014 Prozent. Von den Infizierten erkrankte demnach niemand schwer, niemand musste ins Krankenhaus.

Die Zahlen bestätigen die Ergebnisse der groß angelegten Studie der Phase III, die für die Zulassung des Biontech-Impfstoffs nötig waren. Sie hatten ergeben, dass der Impfstoff eine Wirksamkeit von 95 Prozent besitzt. Laut den ersten Daten aus Israel könnte er sogar noch effektiver sein. Zudem deuten die Daten an, dass die Vakzine nicht nur vor Covid-19, sondern auch vor Infektionen mit dem Coronavirus schützen.

Noch handelt es sich um vorläufige Ergebnisse

»Das sind sehr ermutigende Daten«, sagte Anat Ekka Zohar, Vizepräsidentin von Maccabi der »New York Times« . Die wenigen Menschen, die sich trotz Impfung infiziert hatten, sollen nun genau beobachtet werden. So wollen Forschende herausfinden, ob die Betroffenen weiterhin nur leichte Symptome haben werden. Das spräche dafür, dass der Impfstoff bei ihnen zwar keine Infektion verhindern konnte, aber zumindest einen schweren Krankheitsverlauf.

Experten betonen jedoch, dass die Ergebnisse nur vorläufig sind. Die Analyse vom Gesundheitsdienst Maccabi basiert auf den Daten von fast 51.000 Menschen, die schon im Dezember die erste Impfung bekommen hatten. Das ist zwar eine große Zahl, aber inzwischen wurden bereits mehr als vier Millionen Menschen geimpft. Wöchentliche Analysen sollen nun zeigen, ob sich der Trend weiter fortsetzt.

Zudem ist noch nicht klar, ob die Wirksamkeit des Impfstoffs mit der Zeit nachlässt. Denkbar wäre auch, dass sich die bereits geimpften Menschen in Israel besonders vorsichtig verhalten, um Infektionen zu vermeiden. Zudem gelten in Israel weiterhin strenge Corona-Beschränkungen. Auch das könnte zur niedrigen Infektionsrate bei Geimpften beitragen.

Menschen über 60 Jahren, Mitarbeiter im Gesundheitssystem und andere mit einem erhöhten Infektionsrisiko waren die ersten, die in Israel geimpft wurden. Als Nächstes können sich Menschen über 40 Jahren immunisieren lassen und Schüler zwischen 16 und 18 Jahren, damit sie wieder zur Schule gehen können. An jüngeren Kindern und Jugendlichen ist der Impfstoff bisher noch nicht getestet worden. Bei ihnen soll er deshalb vorerst nicht eingesetzt werden.

Die Impfungen sind jedoch kein Ersatz für Corona-Tests, Quarantäne, Masken und Kontaktbeschränkungen, betont Maccabi in der Veröffentlichung . Denn trotz Impfungen und Lockdown sind die Infektionszahlen im Land weiterhin hoch. Nach offiziellen Angaben war die aus Großbritannien bekannte Virusvariante für einen Großteil der Neuinfektionen verantwortlich.

Nach allem, was Forschende wissen, ist sie deutlich ansteckender als frühere Viruslinien. Damit nicht noch mehr Virusmutationen eingeschleppt werden, hat Israel den internationalen Flugverkehr weitgehend gestoppt.

koe