Dänische Studie Coronainfektion schützt Ältere nicht zuverlässig vor erneuter Ansteckung

Sollen sich mit Corona Infizierte später trotzdem impfen lassen? Eine Studie aus Dänemark spricht dafür. Der natürliche Schutz vor einer erneuten Ansteckung ist insbesondere bei über 65-Jährigen gering.
Foto: Morris Mac Matzen / ddp images/ AFP

Zu gut 80 Prozent sind Menschen, die bereits mit dem Coronavirus infiziert waren, für mindestens fünf, sechs Monate vor einer erneuten Ansteckung geschützt. Das berichten Forscherinnen und Forscher im Fachblatt »The Lancet«  auf Basis von Daten aus Dänemark. Allerdings ist dieser natürliche Schutz bei Älteren schwächer ausgeprägt: Er lag laut der Untersuchung nur bei rund 47 Prozent.

Es ist gut möglich, dass der Schutz länger als ein halbes Jahr anhält. »Wir haben in der Studie keine Hinweise gefunden, dass der Schutz vor einer erneuten Infektion innerhalb der sechs Monate abnimmt«, sagt die an der Arbeit beteiligte Forscherin Daniela Michlmayr vom Statens Serum Institut in Kopenhagen. »Bei den nahe verwandten Coronaviren Sars und Mers hält der Immunschutz bis zu drei Jahre.«

Fast 70 Prozent der Dänen ließen sich testen

Die Forschergruppe analysierte Daten, die im Rahmen der dänischen Covid-19-Teststrategie gesammelt wurden. Das Land bietet PCR-Tests für alle an, unabhängig von vorliegenden Symptomen. Im Jahr 2020 haben sich rund vier Millionen Menschen, also knapp 70 Prozent der Menschen in Dänemark, testen lassen. In diesem Zeitraum erlebte Dänemark eine erste und zweite Infektionswelle.

Unter jenen, die in der ersten Welle zwischen März und Mai keine nachgewiesene Infektion hatten, erhielten 3,3 Prozent eine Corona-Diagnose in der zweiten Welle zwischen September und Dezember. Von jenen, die in der ersten Welle zwischen März und Mai nachweislich mit Corona infiziert waren, erhielten dagegen lediglich 0,65 Prozent zwischen September und Dezember erneut eine Corona-Diagnose.

In der Untergruppe der Menschen ab 65 Jahren sah die Verteilung anders an: Während in der zweiten Welle genau zwei Prozent der Seniorinnen und Senioren erstmals eine Corona-Diagnose erhielten, bekamen 0,88 Prozent der im Frühjahr Infizierten jetzt erneut ein positives Testergebnis.

Eine zweite Analyse von Ansteckungen, die sich außerhalb der zweiten Welle ereigneten, lieferte sehr ähnliche Ergebnisse.

Steen Ethelberg, ebenfalls vom Statens Serum Institut, sieht dies als Bestätigung dafür, dass ältere Menschen ein höheres Risiko haben, sich nach einer Coronavirus-Infektion erneut anzustecken. »Weil ältere Menschen außerdem häufiger schwere Symptome entwickeln oder sogar sterben, unterstreicht das Ergebnis, wie wichtig es ist, die Älteren während der Pandemie zu schützen.«

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Die von der Forschergruppe ausgewerteten Daten enthielten keine Informationen über die Krankheitsschwere. Es lässt sich also nicht daraus ableiten, ob zum Beispiel eine zweite Infektion möglicherweise milder verläuft, oder ob eine asymptomatische Coronainfektion genauso gut vor erneuter Ansteckung schützt wie eine Covid-19-Erkrankung.

In Einzelfällen könnten Betroffene, die in beiden Coronawellen ein positives Testergebnis erhalten haben, auch durchgehend eine gewisse Viruslast im Körper gehabt haben, sie wären dann falsch als erneut infiziert eingeordnet.

Insgesamt spricht das Ergebnis aus Sicht der Forschergruppe dafür, Menschen auch nach durchgemachter Coronainfektion zu impfen, weil man sich auf den natürlichen Impfschutz allein nicht verlassen könne.

Keine Aussage zu neuen Virusvarianten

Die Ständige Impfkommission rät in Deutschland dazu, dass Menschen, die eine Infektion durchgemacht haben, zunächst nicht geimpft werden – aufgrund der Immunität und des bestehenden Impfstoffmangels. Daher sollte »frühestens sechs Monate nach Genesung beziehungsweise Diagnosestellung eine Covid-19-Impfung unter Berücksichtigung der Priorisierung erwogen werden«. Dann reiche eine einzelne Impfstoffdosis aus. Ob und wann später eine zweite Coronaimpfung notwendig sei, lasse sich noch nicht sagen.

Die dänische Studie lässt keinen Schluss zu, welchen natürlichen Schutz eine durchgemachte Infektion vor neuen Virusvarianten bietet. Denn einige von ihnen schaffen es offenbar, der vom Immunsystem aufgebauten Abwehr besser auszuweichen. Das trifft auf die Variante B.1.351 zu, die zuerst in Südafrika nachgewiesen wurde, sowie auf die Variante P.1, die in Brasilien bekannt wurde. Beide scheinen die Wirkung neutralisierender Antikörper herabzusetzen, die nach einer Infektion oder Impfung gebildet werden.

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