Trumps Corona-Infektion Die Immunitätsfrage

Er könne das Coronavirus nicht mehr bekommen und auch nicht weitergeben, schrieb Donald Trump auf Twitter. Ob das stimmt, ist vollkommen unklar - auch wegen eines Medikaments, das der US-Präsident erhalten hat.
Donald Trump am 10. Oktober: Ohne neutralisierende Antikörper verschwindet das Virus nicht

Donald Trump am 10. Oktober: Ohne neutralisierende Antikörper verschwindet das Virus nicht

Foto: Tom Brenner / REUTERS

Donald Trump hat seine Corona-Infektion nach eigenen Angaben überstanden. "Das heißt, ich kann es nicht bekommen (immun) und kann es nicht weitergeben. Sehr schön zu wissen!", twitterte er am Sonntag. In einem Telefoninterview mit dem Nachrichtensender "Fox News" sprach er von einem "beschützenden Glanz".

Twitter hat den Tweet des Präsidenten allerdings mit einem Warnhinweis versehen. "Dieser Tweet verstößt gegen die Twitter-Regeln zur Verbreitung irreführender und potenziell schädlicher Informationen im Zusammenhang mit Covid-19", ist dort zu lesen.

Aussagen auf Basis von Antikörpertest?

Bereits am Samstag war Trump wieder im Wahlkampf aufgetreten, obwohl der Öffentlichkeit kein negativer Corona-Test vorliegt. Das legt nahe, dass es den möglicherweise gar nicht gibt.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Stattdessen könnten Trumps Aussagen auf einem Antikörpertest basieren, sagte Clemens Wendtner, Chefarzt der Infektiologie von der München Klinik Schwabing dem SPIEGEL. Dabei ließen sich mit den gängigen Schnellverfahren zwar Hinweise auf eine Immunität feststellen, in Stein gemeißelt sei das Ergebnis jedoch nicht.

In der frühen Phase einer Infektion bilden sich zunächst sogenannte IgA- und IgM-Antikörper. Sie binden an typische Stellen des Virus und kennzeichnen es dadurch für andere Bestandteile des Immunsystems als schädlich. Später entstehen sogenannte IgG-Antikörper, die eine Immunität vermitteln, allerdings kommt es stark auf die Qualität der Antikörper an.

Wie gut neutralisieren die Antikörper das Virus?

"Anhand der Krankheitsdauer ist davon auszugehen, dass Trump bereits IgG-Antikörper gebildet hat", sagt Wendtner. Jedoch reiche der alleinige Nachweis nicht aus, um eine Immunität festzustellen. "Die entscheidende Frage ist, ob die Antikörper auch zuverlässig neutralisieren."

Laut Robert Koch-Institut (RKI) sind neutralisierende Antikörper in der Regel zum Ende der zweiten Woche nach Einsetzen von Symptomen zu finden. Trump wurde ab dem 2. Oktober drei Tage lang im Militärkrankenhaus Walter Reed behandelt. Es liegt nahe, dass er schon vorher Symptome hatte.

Neutralisierende Antikörper sind in der Lage, ein Virus unschädlich zu machen, bevor es die Chance hat, in den Körper vorzudringen. Wer sie besitzt, ist immun. Der Nachweis ist allerdings aufwendig und kostet Zeit.

Keine Antikörper, kein negativer Corona-Test

"Wenn ich Proben ins Bundeswehrlabor schicke, sozusagen das deutsche Walter Reed, dauert es sieben bis zehn Tage, bis ich weiß, ob neutralisierende Antikörper enthalten sind", so Wendtner. Dass für Trump knapp eine Woche seit seiner Entlassung aus dem Krankenhaus bereits ein solcher Test vorliegt, erscheint somit unwahrscheinlich, zumal Trump vor sechs Tagen immer noch nicht gesund wirkte.

Beschleunigen lässt sich das Testverfahren für den Präsidenten kaum. Um zu prüfen, ob eine Blutprobe neutralisierende Antikörper enthält, wird Serum auf eine Viruskultur gegeben und beobachtet, ob die Viren zerstört werden. "Das dauert schlicht mehrere Tage, da gibt es keine Abkürzung", sagt Wendtner.

Sind neutralisierende Antikörper vorhanden, klingt eine Infektion schnell ab. Dass Trump bislang keinen negativen Corona-Test vorgelegt hat, spricht somit eher dafür, dass er noch keine solchen Antikörper besitzt. Es gibt zudem die zwar eher unwahrscheinliche, aber vorhandene Möglichkeit, dass das nie der Fall sein wird.

Nicht jeder entwickelt neutralisierende Antikörper

"Unklar ist zum jetzigen Zeitpunkt noch, wie regelhaft, robust und dauerhaft der Immunstatus aufgebaut wird", schreibt das RKI und verweist auf zwei Untersuchungen, in denen sechs  beziehungsweise 41 Prozent  der Probanden gar keine neutralisierenden Antikörper gebildet haben. Dabei spielt wohl die Schwere einer Infektion eine Rolle. Das Phänomen wird derzeit genauer untersucht.

Hinzu kommt, dass Trump nach Angabe seines Hausarztes Sean Conley eine Therapie auf Basis von Antikörpern erhalten hat. Demnach wurde dem Präsidenten ein experimenteller Antikörper-Cocktail verabreicht, der bislang nicht zugelassen ist. Die Antikörper stammten von einem zuvor mit Sars-CoV-2 infizierten Menschen und aus einer gentechnisch veränderten Maus (mehr zu der Behandlung lesen Sie hier).

"Das ist eine passive Immuntherapie, bei der von außen Antikörper verabreicht werden", erklärt Wendtner. Es sei denkbar, dass die körpereigene Bildung von Antikörpern dadurch abgeschwächt werde. "Allerdings gibt es keine Untersuchungen dazu. Das ist noch eine Blackbox."

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Immunbremse Dexamethason

Naheliegend sei aber, dass der Stoff Dexamethason, den Trump ebenfalls bekommen haben soll, die Reaktion seines Immunsystems auf das Virus veränderte. "Dexamethason unterdrückt die Immunreaktion", sagt Wendtner. Die Funktion von B-Zellen, die für die Antikörperproduktion zuständig sind, werde dadurch eingeschränkt. Auch T-Zellen würden stark beeinträchtigt.

Neben neutralisierenden Antikörpern können möglicherweise auch T-Zellen einen gewissen Schutz vor einer Corona-Infektion bieten. Ihre Qualität im Blut zu prüfen, ist aber noch aufwendiger als die von neutralisierenden Antikörpern. "Diese Tests machen wir bei uns deshalb nicht", erklärt Wendtner. Auch von Trump sind diesbezüglich keine Informationen bekannt.

Sollte Trump neutralisierende Antikörper gebildet haben, bleibt zudem offen, wie lange der Schutz bestehen wird. Abschließend geklärt ist das nicht. Tests von Wendtner bei den ersten Corona-Fällen in Deutschland und Untersuchungen weltweit zeigen, dass die Zahl der neutralisierenden Antikörper gegen das neue Coronavirus mit der Zeit abnimmt. Gleichzeitig sind bislang aber nur wenige Fälle von Reinfektionen bekannt (mehr dazu lesen Sie hier).

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.