Mit Christian Drosten und Hendrik Streeck Lauterbach setzt bei Pandemiebekämpfung auf Expertengremium

Die neue Bundesregierung will künftig stärker auf wissenschaftliche Expertise setzen. Dazu wird sie sich von einem Gremium beraten lassen, das nicht immer einer Meinung sein dürfte.
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach: Will Entscheidungen mit Wissenschaftler abstimmen

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach: Will Entscheidungen mit Wissenschaftler abstimmen

Foto: Adam Berry / Getty Images

Ein neues Expertengremium soll zukünftig die Bundesregierung wissenschaftlich beraten. Die Pandemiebekämpfung solle sich stärker auf wissenschaftliche Expertise stützen, sagte Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) dazu am Samstag.

Am Freitag hatten zum vierten Mal in Folge mehr als eine Million Menschen in Deutschland eine Impfung gegen das Coronavirus bekommen. Die Inzidenz sank, doch gleichzeitig stieg die Zahl der Todesfälle. Deutschlandweit wurden nach den neuen Angaben binnen 24 Stunden 510 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 378 Todesfälle.

Kontrovers besetztes Gremium

»Wir werden bereits Dienstag zusammenkommen und das weitere Vorgehen beraten. Für mich wird die enge Zusammenarbeit mit diesen Wissenschaftlern Grundlage meiner Politik sein. Wir kennen uns schon lange«, erklärte Lauterbach. Die »Welt am Sonntag« berichtete, dem sogenannten Wissenschaftlichen Expertengremium gehörten unter anderem Christian Drosten, Chefvirologe der Berliner Charité, sowie Hendrik Streeck, Leiter des Virologischen Instituts der Uniklinik Bonn, an.

Beide Experten hatten sich in der Vergangenheit teils sehr unterschiedlich zur Bewältigung der Krise geäußert. Anders als Drosten war Streeck unter Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nicht zu Corona-Beratungen hinzugezogen worden. Neben dem Virologen-Duo sollen unter anderem Thomas Mertens, Chef der Ständigen Impfkommission (Stiko), Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI) sowie die Virologin Melanie Brinkmann vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung angehören. Außerdem die Physikerin Viola Priesemann vom Max-Planck-Institut und der Intensivmediziner Christian Karagiannidis.

Mehr als eine Million Menschen in Deutschland akut an Covid-19 erkrankt

Bei der bundesweiten Sieben-Tage-Inzidenz war am Samstag im Vergleich zum Vortag erneut ein Rückgang zu beobachten. Das RKI gab den Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche am Samstagmorgen mit 402,9 an. Zum Vergleich: Am Vortag hatte der Wert bei 413,7 gelegen. Vor einer Woche lag die bundesweite Inzidenz bei 442,7 (Vormonat: 249,1). Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 53.697 Corona-Neuinfektionen. Das geht aus Zahlen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards  von 04.09 Uhr wiedergeben. Vor genau einer Woche waren es 64.510 Ansteckungen.

Bei der Bewertung des Infektionsgeschehens ist zu bedenken, dass Experten derzeit von einer merklichen Untererfassung ausgehen. Gesundheitsämter und Kliniken kommen demnach mit der Meldung von Fällen zumindest in einzelnen Regionen nicht mehr hinterher.

Die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen gab das RKI am Freitag mit 5,71 (Donnerstag 5,75) an. Die Zahl der Genesenen gab das RKI am Samstag mit 5.368.300 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 105.506. Das RKI weist zudem mehr als eine Million (1.003.400) aktive Covid-19-Fälle aus.

Vierte Impfung wahrscheinlich nötig

Bei den Impfungen geht es derweil voran: Insgesamt 1,055 Millionen Dosen Impfstoff wurden am Vortag verabreicht, wie aus den RKI-Zahlen vom Samstag  hervorgeht. 915.000 davon waren den Angaben zufolge Auffrischungsimpfungen. Insgesamt haben mittlerweile rund 18,7 Millionen Menschen eine sogenannte Boosterimpfung erhalten – das entspricht etwa 22,5 Prozent der Bevölkerung. Das RKI geht davon aus, dass unter Erwachsenen vermutlich mehr Menschen geimpft sind als die Daten nahelegen: Eine hundertprozentige Erfassung der Impfungen könne durch das Meldesystem nicht erreicht werden.

Es zeichnet sich bereits ab, dass auch die derzeitigen Auffrischungsimpfungen nicht die letzten sein werden. »Wir rechnen damit, dass im Sommer, spätestens im Herbst eine vierte Impfung nötig sein wird«, sagte Hausärzteverband-Chefs Ulrich Weigeldt der »Bild«-Zeitung (Samstag). Er hoffe darauf, dass die vierte Corona-Impfung dann »schon in Verbindung mit der Grippe-Impfung« verabreicht werden könne, »um den Schutz vor Corona in eine Routine zu überführen«.

mak/dpa