US-Virenexperte Anthony Fauci greift republikanische Impfverweigerer scharf an

Ein erheblicher Teil der US-Republikaner will von Impfungen nichts wissen. Das sorgt bei Virologe Anthony Fauci für Unverständnis – und er wird deutlich.
Anhony Fauci: »Wir reden hier nicht von Freiheiten«

Anhony Fauci: »Wir reden hier nicht von Freiheiten«

Foto: BRENDAN SMIALOWSKI / AFP

Die Zahlen aus den USA sind drastisch. 45 Prozent der Anhänger der Republikaner verweigern eine Impfung gegen das Coronavirus. Zu diesem Ergebnis kam zuletzt eine landesweite Umfrage der renommierten Quinnipiac University . Gleichzeitig sieht aber auch ein großer Teil der konservativen Wähler die Maßnahmen gegen das Virus als erhebliche Einschränkungen der Grundrechte. Diesen Widerspruch hat der US-Virologe Anthony Fauci nun noch einmal hervorgehoben.

»Sie wollen sagen können, dass die Virusregeln ihnen Sorgen machen. Aber diese Regeln wird man nur los, wenn so viele Menschen wie möglich schnell und effizient geimpft werden«, sagte Fauci dem Sender  CNN.

Die Einstellung der republikanischen Impfverweigerer sei »paradox«, so der Leiter des Nationalen Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten, der auch das Weiße Haus in Corona-Angelegenheiten berät. Es handele sich nicht um eine Frage der bürgerlichen Freiheiten – sondern um eine Frage der öffentlichen Gesundheit. »Das ergibt einfach keinen Sinn«, sagte Fauci.

Zahlreiche republikanische Politiker haben zuletzt versucht, die Coronavorgaben mit Beschränkungen der Grundrechte in Verbindung zu bringen. In der vergangenen Woche war Fauci deswegen im US-Kongress mit dem Abgeordneten Jim Jordan aneinandergeraten . Auf dessen Provokationen hatte Fauci erwidert: »Wir reden hier nicht von Freiheiten, sondern von einer Pandemie, die 560.000 Amerikaner das Leben gekostet hat.«

130 Millionen Menschen haben Dosis erhalten

Trotz der Skepsis in bestimmten Teilen der Bevölkerung schreitet die Impfkampagne in den USA voran. Vier Monate nach der ersten Coronavirus-Impfung haben nach Angaben der Gesundheitsbehörde CDC mehr als die Hälfte aller Erwachsenen mindestens eine Impfdosis erhalten. 50,4 Prozent der Volljährigen – rund 130 Millionen Menschen – wurde demnach mindestens eine Dosis verabreicht. Vollständig geimpft ist bereits fast jeder dritte Erwachsene. In der besonders gefährdeten Altersgruppe ab 65 Jahren haben 81 Prozent eine erste Dosis erhalten, rund zwei Drittel sind vollständig geimpft.

Der größte Teil der Impfungen in den USA erfolgt mit den Wirkstoffen der US-Konzerne Moderna und Pfizer mit seinem deutschen Partner Biontech. Impfungen mit dem Wirkstoff des US-Pharmakonzerns Johnson & Johnson sind derzeit ausgesetzt, nachdem in den USA sechs Fälle von Hirnvenenthrombosen erfasst wurden. Bei dem Impfstoff von Johnson & Johnson ist nur eine Dosis für einen weitgehenden Impfschutz notwendig, bei den beiden anderen Mitteln sind es zwei Dosen.

Fauci über die Probleme bei Johnson & Johnson

Fauci rechnet spätestens Anfang kommenden Jahres mit Coronavirus-Impfungen für Kinder aller Altersstufen. »Ich denke, bis zum ersten Quartal 2022 werden wir in der Lage sein, Kinder praktisch jeden Alters zu impfen«, sagte er zu CNN. »Hoffentlich schon vorher, aber ich denke, das wird der späteste Zeitpunkt sein.« Für Kinder und Jugendliche im Alter ab zwölf Jahren gehe er davon aus, dass Impfungen schon zu Beginn des kommenden Schuljahres zur Verfügung stünden. Derzeit können in den USA Jugendliche erst ab 16 Jahren geimpft werden.

Der Immunologe sagte mit Blick auf die ausgesetzten Coronaimpfungen mit dem Wirkstoff von Johnson & Johnson in den USA, er wolle der Entscheidung der Gesundheitsbehörde CDC und der Arzneimittelbehörde FDA nicht vorgreifen. Er glaube aber, dass der Wirkstoff wieder zum Einsatz kommen werde – möglicherweise mit bestimmten Warnungen und Einschränkungen. Er hoffe darauf, dass an diesem Freitag eine Entscheidung fällt und diese nicht weiter verzögert werde.

jok
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