US-Virologe Fauci warnt vor gefährlicherer Virusvariante als Delta

Steigende Fallzahlen bei lahmender Impfkampagne: In den USA greift die Delta-Variante um sich. Laut Virusexperte Anthony Fauci wächst das Risiko einer weiteren Mutation ständig. Er bringt eine Impfpflicht ins Spiel.
Anthony Fauci (Archivbild): Berater von Präsident Joe Biden warnt vor neuer Variante

Anthony Fauci (Archivbild): Berater von Präsident Joe Biden warnt vor neuer Variante

Foto: Stefani Reynolds / CNP /MediaPunch/ imago images/MediaPunch

Seit dem Amtsantritt von Präsident Joe Biden galt die Corona-Politik der USA eigentlich als Erfolgsgeschichte. Die Impfkampagne lief stark an, gleichzeitig sank die Zahl der Neuansteckungen im Frühjahr rapide. Nun jedoch ist die Delta-Variante auch in den USA voll angekommen und verschärft die Lage wieder.

Zugleich gibt es eine erhebliche Zahl von Impfgegnern, die sich gegen die Schutzmaßnahme sträuben. Nun hat der US-Gesundheitsexperte Anthony Fauci vor der Entwicklung einer neuen, noch gefährlicheren Variante gewarnt, sollte die Ausbreitung der hochansteckenden Delta-Mutante nicht eingedämmt werden.

Fauci sagte am Sonntag beim Sender NBC: »Wenn Sie dem Virus erlauben, frei zu zirkulieren, und nicht versuchen, es zu stoppen, dann gibt es früher oder später die Wahrscheinlichkeit, dass Sie eine andere Variante bekommen (...), die noch problematischer sein könnte als Delta.«

Wenn sich das Virus weiter ausbreiten und verändern könne, bestehe die Gefahr, dass sich am Ende eine Variante entwickele, vor denen die aktuellen Impfstoffe – anders als bei Delta – keinen Schutz böten.

Die Pandemie müsse unter Kontrolle gebracht werde, mahnte der prominente Immunologe und Präsidenten-Berater. Der beste Weg dazu seien Impfungen. Hilfreich wären Impfpflichten auf lokaler Ebene.

»Schrecklicher Preis« für Impfverweigerung

Viele Impfskeptiker verweisen darauf, dass die Vakzine gegen das Coronavirus in den USA bisher nur eine Notfallzulassung haben. Nach Angaben von Fauci könnten die wichtigsten Impfstoffe aber schon bald endgültig zugelassen werden. »Ich hoffe, dass dies noch im August der Fall sein wird«, sagte der Virologe.

Auch der Direktor der US-Forschungsagentur National Institutes of Health, Francis Collins, mahnte, Impfpflichten könnten etwas bewegen. Er sagte dem Sender ABC, das Land bezahle nun den »schrecklichen Preis« dafür, dass so viele Menschen ungeimpft seien. Überlegungen, Impfungen in größerem Stil verpflichtend vorzuschreiben, sind in den USA Gegenstand heftiger politischer Auseinandersetzungen.

Durch die Ausbreitung der Delta-Variante ist die Zahl der Neuinfektionen in den USA wieder stark gestiegen – auf rund 100.000 Fälle im Sieben-Tage-Schnitt. Besonders angespannt ist die Lage in Staaten mit geringer Impfquote. In der zweiten Juni-Hälfte lag der Sieben-Tage-Schnitt noch bei rund 11.000 neuen Fällen pro Tag. Ein Niveau von durchschnittlich 100.000 täglichen Neuinfektionen hatten die USA zuvor zuletzt im Februar gemeldet.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Behörde empfiehlt Masken bei Kindern

Nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC ist inzwischen gut die Hälfte der gesamten Bevölkerung voll geimpft. Knapp 59 Prozent aller Bürger haben mindestens eine Impfdosis erhalten. Nach zwischenzeitlich rasantem Tempo kommt die Impfkampagne angesichts verbreiteter Skepsis in der Bevölkerung mittlerweile nur noch schleppend voran. Präsident Biden und hochrangige Regierungsvertreter rufen die Bevölkerung zunehmend verzweifelt auf, sich impfen zu lassen.

Auch die CDC empfahlen am Sonntag unter Verweis auf das Ansteckungsrisiko selbst durch asymptomatische Kinder, dass alle Kinder ab zwei Jahren in öffentlichen Innenräumen Masken tragen sollten – und damit ausdrücklich auch in Schulen. Bildungsminister Miguel Cardona schloss sich im Sender CBS diesem Rat an.

Der republikanische Gouverneur von Florida, Ron DeSantis, hatte zuvor allen Schulbezirken untersagt, eine Maskenpflicht anzuordnen – obwohl sein Bundesstaat von der jüngsten Coronawelle besonders schwer betroffen ist.

DeSantis profiliert sich in der Krise als Populist – und dürfte dabei bereits eine mögliche Kandidatur bei der Präsidentschaftswahl 2024 im Auge haben.

jok/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.