Ursprung des Coronavirus China weist Bericht über kranke Labormitarbeiter vehement zurück

Geht die Coronapandemie auf ein Leck in einem chinesischen Labor zurück? Diese Theorie wird von einem neuen Medienbericht gestützt. Peking dementiert scharf – das Weiße Haus hält sich bedeckt.
Institut in Wuhan (im April 2020)

Institut in Wuhan (im April 2020)

Foto: HECTOR RETAMAL/ AFP

China hat einen US-Medienbericht zurückgewiesen, wonach drei Wissenschaftler des Instituts für Virologie in Wuhan (WIV) im November 2019 in ein Krankenhaus gekommen waren. Es handele sich um eine »komplette Lüge«, zitierte die chinesische Staatszeitung »Global Times« den Chef des Wuhaner Instituts, Yuan Zhiming. Aus dem chinesischen Außenministerium hieß es, die USA arbeiteten »weiterhin an der Laborlecktheorie«.

Zuvor hatte das »Wall Street Journal«  unter Berufung auf einen US-Geheimdienstbericht geschrieben, dass drei Mitarbeiter des Instituts im November 2019 so schwer erkrankt seien, dass sie im Krankenhaus behandelt werden mussten. Das wäre deutlich früher als der bisher angenommene Start des Ausbruchs, der auf Dezember 2019 terminiert wird.

Die Mitarbeiter hätten Covid-19-ähnliche Symptome gezeigt, so das »Wall Street Journal«. Dies könnte eine Theorie stärken, laut der das Virus an dem Institut in Wuhan versehentlich freigesetzt wurde. Das Weiße Haus erklärte, es könne den Bericht der Zeitung nicht bestätigen, und verwies auf die Bemühungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO), den Ursprung des Virus zu ermitteln.

Das US-Außenministerium verfolgt die Labortheorie schon länger und hatte in einer Bekanntmachung vom Januar mitgeteilt , es gebe »Grund zu der Annahme«, dass mehrere Forscher im Wuhan Institute of Virology im Herbst 2019 mit »Symptomen konfrontiert waren, die sowohl mit Covid-19 als auch mit häufigen saisonalen Krankheiten im Einklang stehen«. Präzisere Angaben dazu, wann die Forscher ins Krankenhaus eingeliefert wurden oder welche Symptome sie genau hatten, fehlten bisher jedoch.

WHO hält die Theorie für wenig überzeugend

Die US-Behörden vermuten, dass China für die Pandemie verantwortlich sein könnte: Versehentliche Infektionen in chinesischen Laboren hätten bereits früher zu Virusausbrüchen geführt, heißt es. Darunter 2004 ein Sars-Ausbruch in Peking, bei dem neun Menschen infiziert und einer getötet wurde.

Zudem sei die internationale Coronavirus-Forschung ein Schwerpunkt des WIV gewesen. Seit 2016 hätten dazu in den Laboren in Wuhan Experimente und Untersuchungen an Mäusen, Fledermäusen und Pangolinen (Schuppentiere) stattgefunden.

DER SPIEGEL

Nach dem neuesten Bericht der WHO, der Ende März offiziell der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, stuften die Fachleute es als »extrem unwahrscheinlich« ein, dass das Virus versehentlich aus einem Labor entwichen ist. Allerdings sind dem Bericht zufolge auch so gut wie alle Fragen noch offen.

Gewährt China Zugang zu allen wichtigen Bereichen?

Was die WHO-Experten gesichert wissen, ist nicht viel: Das Virus habe sich in Fledermäusen entwickelt; hier wurde die engste Verwandtschaft zu Sars-CoV-2 festgestellt. Zwischen den Genomen liegen aber Veränderungen, die mehrere Jahrzehnte Evolution in Anspruch genommen haben müssen. Deshalb ist das Virus dann »wahrscheinlich bis sehr wahrscheinlich« auf ein anderes Tier übergegangen, vielleicht ein Schuppentier. Wo und wie das geschah, ist weiterhin offen.

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Weiterhin gibt es Vorwürfe, dass China Daten und Informationen unter Verschluss hält. China will verhindern, als Verursacher der Pandemie dargestellt zu werden. Kritiker argwöhnen, dass das Land den 17 internationalen Experten der WHO-Untersuchung nicht jeden gewünschten Zugang gewährte und bei der Erstellung des Berichts Druck ausübte.

jok/dpa
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