Coronavirus-Newsletter Ein Hoffnungsschimmer zum Wochenende

In München startet Deutschlands größter Corona-Test, Seehofer will Grenzkontrollen ausweiten und Google veröffentlicht Bewegungsdaten: Lesen Sie hier Ihre Zusammenfassung für den Abend.

Timo Lenzen/ DER SPIEGEL

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich entlasse Sie heute mit guten Nachrichten ins Wochenende: Die Maßnahmen wie Schulschließungen und Kontaktverbote beginnen, Wirkung zu zeigen. Das sagte Lothar Wieler, Chef des Robert Koch-Instituts, am Freitag auf einer Pressekonferenz. Seit ein paar Tagen steckt jeder Infizierte laut den verfügbaren Daten nur noch einen weiteren Menschen an. Diese Zahl müsse jedoch unter eins sinken, so Wieler. Nur dann kann der Ausbruch eingedämmt werden. Wahrscheinlich sei bis Ostern der weitere Trend erkennbar, so der RKI-Chef.

Auch die sogenannte Verdopplungszeit entwickelt sich gut. Der Wert gibt an, wie lange es dauert, bis sich die Fallzahlen verdoppelt haben, es ist eine wichtige Kennziffer für den Erfolg von Eindämmungsmaßnahmen. Inzwischen dauert es bei der derzeitigen Dynamik neun Tage, bis eine Verdopplung eingetreten ist, in der öffentlichen Diskussion werden Werte ab zehn bis zwölf Tagen als so sicher angesehen, dass ab dann schrittweise über Lockerungen der Ausgangsbeschränkungen nachgedacht werden könne.

Der tendenziell positive Trend deckt sich mit den Einschätzungen von knapp 200 Virologinnen und Virologen, die anonym zu ihrer Einschätzung der Lage befragt wurden. Auch wenn die Experten zugeben, dass viele Fragen noch offen seien, geht eine klare Mehrheit von ihnen nicht davon aus, dass es in Deutschland zu Horrorszenarien wie in Italien kommen wird. Die Details der Umfrage, die vom Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) in Hamburg und der Gesellschaft für Virologie (GfV) koordiniert wurde, hat meine Kollegin Katherine Rydlink.

Diese Entwicklung macht Hoffnung - oder um es mit Markus Söder zu sagen: "Durchhalten lohnt sich".

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"Das Pleitevirus - wie Corona unsere Wirtschaft infiziert, Jobs und Wohlstand frisst" lautet der Titel des neuen SPIEGEL. Die Ausgabe erhalten Sie ab sofort digital und ab Samstag am Kiosk. Und hier kommen die wichtigsten Entwicklungen des Tages:

Zwischen T-Shirts und Hosen ist das Cockpit eines Rennwagens entstanden: Willkommen im Kleiderschrank von IndyCar-Fahrer Tony Kanaan aus Brasilien. Der Rennfahrer nimmt derzeit an E-Sport-Turnieren teil. Wie Sportler mit dem Lockdown umgehen, sehen Sie hier

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Michael Conroy/ AP

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Covid-19 in weltweiten Zahlen

  • Bestätigte Fälle: 1.033.478

  • Todesfälle: 54.369

  • Von der Krankheit genesen: 218.864

  • Deutschland: 79.696 bestätigte Erkrankte, 1017 Todesfälle

Quellen: CSSE / Johns-Hopkins-University , Stand: 3. April 2020, 14:21 Uhr; Robert Koch-Institut, Stand: 3. April 2020, 8:10 Uhr

Hintergrund und Service

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Die Leserfrage

Regelmäßig beantworten wir hier eine Frage unserer Leserinnen und Leser zum Coronavirus. Heute die von einem Leser, der lieber anonym bleiben möchte:

"Ist eigentlich klar, ob das Virus im Wasser überlebt oder über Wasser übertragbar ist?"

Die Antwort von Julia Köppe, Redakteurin im Wissenschaftsressort des SPIEGEL:

"Alles spricht im Moment dafür, dass eine Infektion mit dem Coronavirus über Wasser oder Nahrungsmittel so gut wie ausgeschlossen ist und Leitungswasser gefahrlos getrunken werden kann.

Zwar haben vorherige Studien mit verwandten Coronaviren gezeigt, dass die Erreger theoretisch über Wochen in Wasser infektiös bleiben können. Für das aktuell kursierende Coronavirus Sars-CoV-2 gibt es dafür bisher jedoch keinen Nachweis, berichten die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Umweltbundesamt (UBA). Zudem werden solche Versuche in Laboren mit einer sehr hohen Virenlast durchgeführt, die sich von realen Bedingungen unterscheiden.

Generell werden behüllte Viren wie das Coronavirus in der Umwelt deutlich schneller inaktiv als andere Viren, weil beispielsweise Sonnenlicht ihre schützende Fettschicht angreift. Andere Erreger wie das Norovirus sind deutlich hartnäckiger und können nachweislich auch über kontaminiertes Wasser übertragen werden.

Theoretisch wäre auch beim neuartigen Coronavirus eine fäkal-orale Ansteckung denkbar - beispielsweise, wenn Wasser durch Fäkalien verunreinigt würde. Bisher gibt es jedoch keinen einzigen dokumentierten Fall. Zwar fanden sich in Stuhlproben von Corona-Infizierten Spuren des Virus, aber ob diese ausreichen, um jemanden anzustecken, ist unklar.

In Deutschland speist sich ohnehin ein Großteil des Leitungswassers aus Grundwasser, das meist über Jahrzehnte durch Bodenschichten gesickert ist und dabei gereinigt wurde. So lange können sich auch hartnäckige Viren nicht halten. Trinkwasser durchläuft in Aufbereitungsanlagen zudem einen mehrstufigen Reinigungsprozess, bei dem Viren herausgefiltert und beispielsweise durch UV-Strahlung unschädlich gemacht werden. Auch Abwasser wird gereinigt.  

'Trinkwässer, die unter Beachtung der allgemein anerkannten Regeln der Technik gewonnen, aufbereitet und verteilt werden', schreibt das Umweltbundesamt, 'sind sehr gut gegen alle Viren, einschließlich Coronaviren, geschützt.'"

Wie geht es Ihnen?

Sie haben medizinische Fragen zum neuartigen Coronavirus oder möchten genauer wissen, welche wirtschaftlichen, politischen, gesellschaftlichen Auswirkungen die Krise für Deutschland und die Welt hat? Wir beantworten eine Auswahl von Leserfragen hier im Newsletter. Schreiben Sie uns an coronafragen@spiegel.de . (Mit der Einreichung einer Leserfrage räumen Sie SPIEGEL.de das Recht ein, diese unter Nennung Ihres Namens auf SPIEGEL.de zu veröffentlichen und dauerhaft zu archivieren. Sollten Sie auf Anonymität bestehen, vermerken Sie das bitte in der Mail.)

Genießen Sie das Wochenende!

Ihr Kurt Stukenberg

Was Sie über das Virus wissen müssen

Alle Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Coronavirus haben wir hier für Sie zusammengestellt. Weitere aktuelle Entwicklungen finden Sie auf SPIEGEL.de.

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