Australiens größte Stadt Sydney erwacht aus dem Lockdown – nach 106 Tagen Isolation

Seit Juni stand das öffentliche Leben in Sydney weitgehend still. Jetzt jedoch ist eine wichtige Impfschwelle überschritten – und rund fünf Millionen Menschen feiern das Ende des Lockdowns als »Freedom Day«.
Brautpaar vor dem Opernhaus in Sydney

Brautpaar vor dem Opernhaus in Sydney

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STEVEN SAPHORE / AFP

Es war ein langer, unangenehmer Winter für die rund fünf Millionen Bewohner des Großraums Sydney. Nun jedoch ist der Lockdown in der Hauptstadt des australischen Bundesstaats New South Wales (NSW) am Montag nach 106 Tagen beendet worden. Insgesamt 63.000 Coronainfektionen und über 430 Todesfälle wurden in dieser Zeit in NSW gezählt. Der Lockdown wurde beendet, nachdem in der Vorwoche über 70 Prozent der Bevölkerung ihre zweite Schutzimpfung erhalten hatten. Landesweit liegt die Impfquote in Australien aktuell bei knapp 62 Prozent.

Mit dem Ende des strengen Lockdowns in Sydney werden auch zahlreiche Einschränkungen aufgehoben. Unter anderem dürfen sich vollständig geimpfte Personen nunmehr in Gruppen von bis zu 30 Menschen treffen. Friseure dürfen wieder Kunden empfangen, allerdings nur unter Einhaltung der Distanzregeln, was auch für Museen, Fitnessstudios oder Kinos gilt.

»Ich denke, jeder hier im Staat ist nach dieser langen Zeit ziemlich aufgeregt«, sagte der neue Premier des Bundesstaats New South Wales, Dominic Perrottet, dem Sender Seven News. In den Medien wurde der Montag schnell als »Freedom Day« tituliert.

Wegen der Ausbreitung der hochansteckenden Delta-Variante waren die Bewohner des Großraums Sydney seit Juni in den Lockdown versetzt gewesen. Auch in anderen Teilen von New South Wales kam und kommt es immer wieder zu wochenlangen Lockdown-Maßnahmen.

Während nun also in Sydney die härtesten Einschränkungen wegfallen und die Fallzahlen sinken, gibt es aus Melbourne weniger gute Nachrichten. Der Bundesstaat Victoria, in dem die zweitgrößte Stadt des Landes liegt, meldete 1612 Neuinfektionen und acht weitere Todesfälle binnen 24 Stunden. Das bedeutet zwar einen leichten Rückgang im Vergleich zum Vortag, von einer Öffnung nach dem Beispiel von Sydney sind die Menschen aber noch ein gutes Stück entfernt.

Lage in Melbourne und Victoria bleibt kritisch

Erst in der vergangenen Woche hatte Melbourne einen wenig rühmlichen Rekord aufgestellt. Die Stadt an der Ostküste kam am letzten Montag auf zusammengezählt 246 Tage im Lockdown-Modus, wie der australische Rundfunksender ABC berichtete. Damit lief Melbourne dem bisherigen weltweiten Rekordhalter Buenos Aires den Rang ab.

Australien mit seinen rund 25 Millionen Einwohnern hatte lange eine Null-Covid-Strategie verfolgt und vor allem auf spontane Lockdowns und eine konsequente Schließung der Außengrenzen gesetzt. Die Impfkampagne im Land lief dabei nur äußerst schleppend an .

Mit der Ausbreitung der Delta-Variante mussten mehrere Regionalregierungen aber einräumen, dass diese Strategie nicht mehr aufgeht. Inzwischen liegt der Fokus der Behörden darauf, eine möglichst hohe Impfquote zu erreichen.

jok/dpa
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