Vormarsch der Delta-Variante Seuchenbehörde sieht USA am »Scheideweg« vor neuer Viruswelle

Die Infektionszahlen haben sich im Juli vervielfacht – und die Impfkampagne stagniert: Laut der CDC-Behörde könnte die Delta-Mutante den USA bald einen neuen massiven Ausbruch bringen.
Überfüllter Strand von Coney Island in Brooklyn, New York City am 4. Juli

Überfüllter Strand von Coney Island in Brooklyn, New York City am 4. Juli

Foto: ANDREW KELLY / REUTERS

Auch in den Vereinigten Staaten ist die Delta-Variante des Coronavirus auf dem Vormarsch. Rund 83 Prozent der Neuinfektionen entfallen nach Angaben des National Institute of Allergy and Infectious Diseases auf diese Mutante. Auch die reinen Infektionszahlen bereiten Grund zur Sorge. Laut »Washington Post«  sind diese im Juli von rund 13.000 pro Tag auf fast 44.000 gestiegen. Nun hat sich die Seuchenbehörde Centers for Disease Control (CDC) an die Öffentlichkeit gewandt.

CDC-Chefin Walensky: »Eine der ansteckendsten Atemwegserkrankungen, die ich in meinen 20 Berufsjahren gesehen habe«

CDC-Chefin Walensky: »Eine der ansteckendsten Atemwegserkrankungen, die ich in meinen 20 Berufsjahren gesehen habe«

Foto: STEFANI REYNOLDS / POOL / EPA

Chefin Rochelle Walensky sagte am Donnerstag (Ortszeit): »Die Delta-Variante ist aggressiver und viel ansteckender als frühere Virusvarianten. Es ist eine der ansteckendsten Atemwegserkrankungen, die ich in meinen 20 Berufsjahren gesehen habe.«

Sie warnte, das Land stünde derzeit an »einem weiteren Scheideweg in dieser Pandemie mit steigenden Fallzahlen und manchen Krankenhäusern an der Auslastungsgrenze«. Die Ausbreitung der Delta-Mutante nannte sie »dramatisch«, noch Anfang Juli habe ihr Anteil bei rund 50 Prozent gelegen.

Sorgen bereitet der Behörde vor allem die Impfskepsis oder-Verweigerung  in bestimmten Bevölkerungsgruppen. Nach einem sehr erfolgreichen Start verharrt das Level der Personen, die mindestens einmal geimpft wurden. Das von US-Präsident Joe Biden eigentlich für Anfang Juli angepeilte Zwischenziel von 70 Prozent Impfquote ist noch nicht erreicht.

Biden nennt Impfungen »gigantisch wichtig«

Walensky appellierte dann auch an die Bevölkerung: »Wir müssen als Nation zusammenkommen, um die eigene Gesundheit und die unserer Kinder, unserer Gemeinschaft, unseres Landes (…) mit den Mitteln zu schützen, die wir zur Verfügung haben.« Präsident Biden nannte die Impfungen am Mittwoch »gigantisch wichtig«.

Auch Virusexperte Anthony Fauci äußerte sich zuletzt zu der Entwicklung im Land. Dem Sender NPR sagte er : »Das ist nicht die Richtung, die wir einschlagen wollen. (…) Wir müssen das noch viel besser machen.«

Milliarden für weitere Test genehmigt

Als erste Maßnahme gegen die steigenden Fallzahlen stellt die US-Regierung weitere 1,6 Milliarden US-Dollar zur Verfügung. Damit sollen unter anderem Tests und Schutzmaßnahmen bezahlt werden, wo Menschen auf engem Raum zusammenleben. Die »Washington Post« nennt Obdachlosenheime und Gefängnisse als Beispiele.

Trotz der beunruhigenden Lage ist eine Verschärfung der Maskenvorschriften derzeit noch nicht konkret geplant. Seit Mitte Mai sind komplett geimpfte Personen von der Maskenpflicht weitgehend befreit.

Vor rund einem Monat hatte eine Analyse der Nachrichtenagentur Associated Press ergeben, dass von über 853.000 in Krankenhäusern behandelten Covid-Patienten weniger als 1200 bereits geimpft waren – das entspricht 0,1 Prozent. Von den verstorbenen 18.000 Patienten waren 150 geimpft, oder 0,8 Prozent. Die allermeisten Todesfälle treffen damit Menschen, die noch keine Impfung erhalten haben.

jok
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