Debatte über Coronaschutz Spahn stellt Ende der Maskenpflicht in Aussicht – zumindest draußen

Dänemark lässt die Masken fallen, und auch in Deutschland gibt es Forderungen nach einem Ende der Tragepflicht. Gesundheitsminister Jens Spahn schwebt ein Stufenplan vor – je nach Inzidenz.
Kontrolle der Bundespolizei auf Einhaltung der Maskenpflicht (Archivbild)

Kontrolle der Bundespolizei auf Einhaltung der Maskenpflicht (Archivbild)

Foto: Christoph Soeder / dpa

Dänemark kippt die Maskenpflicht ab diesem Montag fast komplett. Mit Ausnahme von öffentlichen Verkehrsmitteln dürfen sich die Menschen wieder ohne den Mund- und Nasenschutz bewegen – das gilt auch unter anderem für Schulen und Geschäfte.

Diese Entscheidung im nördlichen Nachbarland hat auch in Deutschland am Wochenende eine neue Debatte über die Maskenpflicht im öffentlichen Leben ausgelöst. Nun hat sich auch der Bundesgesundheitsminister zu dem Thema geäußert.

Jens Spahn (CDU) hält angesichts der stark sinkenden Infektionszahlen ein schrittweises Ende der Maskenpflicht für denkbar – rät aber im Zweifel, weiter Mund-Nasen-Schutz zu tragen. »Bei den fallenden Inzidenzen sollten wir gestuft vorgehen: In einem ersten Schritt kann die Maskenpflicht draußen grundsätzlich entfallen«, sagte Spahn den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Montag).

In Regionen mit sehr niedriger Inzidenz und einer hohen Impfquote könne die Pflicht nach und nach auch drinnen entfallen. »Als Empfehlung bleibt in jedem Fall eine einfache Regel: im Zweifel mit Maske – besonders beim Reisen und bei Treffen in Innenräumen. Mehr Sicherheit gibt es nur, wenn alle Anwesenden entweder geimpft oder regelmäßig getestet sind.«

Von FDP und AfD kamen Forderungen nach einer kompletten Aufhebung. So sagte Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Kubicki (FDP), bei strenger Auslegung des Infektionsschutzgesetzes müsse die allgemeine Maskenpflicht aufgehoben werden, erst recht draußen. Bei einer klaren Inzidenz unter 35 dürfe der Staat »gar keine Grundrechte pauschal für alle Bürger einschränken.«

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach und CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt halten eine Lockerung nur für draußen möglich, nicht aber in Innenräumen.

Lauterbach verlinkte auf Twitter zu einem Artikel über Kubickis Forderungen und schrieb dazu: »Ein kompletter Verzicht auf die Maskenpflicht kurz vor der Impfung von Millionen ist nur eines: Wahlkampf mit der Gesundheit der Bürger.« Natürlich könne die Maskenpflicht draußen fast überall aufgehoben werden, dort gebe es kein Superspreading. »Aber drinnen eben leider doch«, ergänzte Lauterbach.

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Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) rief die Bundesländer auf zu klären, ob und wo eine Maskenpflicht noch verhältnismäßig sei. Insbesondere für Schüler, die Masken stundenlang im Unterricht tragen müssen, sei dies eine Belastung, hatte sie der »Bild am Sonntag« gesagt.

Apotheken stellen Impfnachweis aus

Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Infektionen ist inzwischen weiter gesunken und liegt nun bei 17,3 Fällen pro 100.000 Einwohner. Wie das Robert Koch-Institut am Sonntagmorgen unter Berufung auf Angaben der Gesundheitsämter meldete, wurden innerhalb eines Tages 1489 Neuinfektionen sowie 18 Todesfälle in Verbindung mit dem Virus registriert.

Ab diesem Montag beginnen die Apotheken in Deutschland schrittweise mit dem Ausstellen digitaler Impfnachweise. Die Apothekerverbände wiesen allerdings darauf hin, dass die Zahl der teilnehmenden Apotheken in den ersten Tagen aus technischen und organisatorischen Gründen noch begrenzt sei. Menschen, die vollständig gegen das Coronavirus geimpft sind, können sich dort nachträglich eine Bescheinigung mit dem für den digitalen Impfpass nötigen QR-Code abholen. Die Infektionszahlen gingen in Deutschland am Wochenende weiter zurück.

Weniger Risikogebiete im Ausland

Auch bei den Beschränkungen für Reisen ins Ausland gibt es Entspannung. Ganz Österreich sowie zahlreiche andere Länder und Regionen gelten seit Sonntag nicht mehr als Risikogebiete. Die Bundesregierung strich auch die verbliebenen zwei österreichischen Bundesländer Tirol und Vorarlberg, beliebte Reiseziele der Deutschen, von der Risikoliste, ebenso wie Teile Griechenlands, Kroatiens und der Schweiz.

Auch die Inseln Madeira in Portugal und Zypern sowie zwölf weitere Länder auf dem Balkan, in Osteuropa, Asien und Nordamerika gelten nach sinkenden Corona-Infektionszahlen nicht mehr als Risikogebiete, darunter die USA und Kanada. Wer aus einem dieser Gebiete auf dem Landweg nach Deutschland kommt, muss künftig keinerlei Einreisebeschränkungen wegen Corona mehr beachten. Flugpassagiere müssen noch einen negativen Test vorweisen.

jok/dpa
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