Mehr Coronafälle Krankenhäuser besorgt wegen Belastung von Intensivstationen

Die Zahl der Infektionsfälle steigt rasant, das wirkt sich auch auf die Krankenhäuser aus. Nun warnen die Kliniken vor einer Überlastung durch Intensivpatienten – vor allem solche ohne Impfung.
Krankenhaus in Deutschland (Symbolbild)

Krankenhaus in Deutschland (Symbolbild)

Foto: Bernd Wüstneck / dpa

Der Herbst ist da, die Temperaturen fallen – und die Zahl der Coronainfektionen steigt derzeit spürbar. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft warnt deshalb vor einer wachsenden Auslastung der Intensivstationen. »Wir befinden uns in einer kritischen Situation der Pandemie«, sagte Hauptgeschäftsführer Gerald Gaß dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Die Zahl der mit einer Covid-Infektion im Krankenhaus versorgten Patienten sei binnen einer Woche deutlich gestiegen. So seien knapp 40 Prozent mehr Patienten auf der Normalstation als noch vor einer Woche. Auf den Intensivstationen seien es 15 Prozent mehr. »Wenn diese Entwicklung anhält, haben wir schon in zwei Wochen wieder 3000 Patienten auf Intensivstation«, warnte Gaß.

»Auch wenn die Krankenhäuser dies leisten können, wird es dann nicht ohne Einschränkung des Regelbetriebs ablaufen können«, sagte der Verbandschef. Dann müssten die Mediziner in den Kliniken wieder planbare, weniger dringliche Behandlungen verschieben. Eine solche Entwicklung wurde vor wenigen Tagen bereits aus den Niederlanden gemeldet.

Zum Höhepunkt der Pandemie im Januar 2021 wurden mehr als 5700 Corona-Erkrankte intensivmedizinisch behandelt.

Die meisten der aktuell im Krankenhaus versorgten Coronapatienten seien ohne Impfschutz gegen das Virus, sagte Gaß. Er nannte dies einen »unhaltbaren Zustand« für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die seit 18 Monaten unter besonderer Belastung gegen die Pandemie kämpften.

Auch der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, sieht ein massives Problem in den Krankenhäusern durch ungeimpfte Patienten. »Die Krankheit tobt sich jetzt bei den Ungeimpften aus, während die Geimpften recht zuverlässig vor schweren Verläufen geschützt sind«, sagte Montgomery der »Augsburger Allgemeinen«.

DER SPIEGEL

Klare Ansage an Impfverweigerer

Das Pflegepersonal der Intensivstationen und die Ärzte arbeiteten längst am Anschlag. »Wer sich jetzt nicht impfen lässt, obwohl er es machen könnte, riskiert sein Leben und das seiner Mitmenschen.«

Die gegenwärtige Entwicklung bereite ihm große Sorge. »Wir müssen alles in unserer Macht Stehende versuchen, um die Impfraten zu erhöhen«, sagte Montgomery. »Das Nutzen-Risiko-Verhältnis hat sich daher dramatisch zugunsten der Impfungen verschoben – trotz Impfdurchbrüchen.« Nach wie vor seien die Inzidenzzahlen und die Krankenhausaufnahmen eng miteinander verknüpft. Nur der Faktor habe sich dabei geändert.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

»Bei hoher Durchimpfung der Bevölkerung gibt es sehr viel mehr milde Verläufe – die müssen nicht ins Krankenhaus, aber viele Ungeimpfte erkranken nach wie vor schwer«, warnte er. Viele Pflegekräfte und Ärzte hätten die Arbeit im Intensivbereich aufgegeben – auch weil sie es leid seien, sich für die Unvernunft von Impfgegnern abzurackern.

jok/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.