Recycling von Corona-Schutzmasken Gebraucht, gereinigt, gerettet?

Wegen der Corona-Pandemie wird in deutschen Krankenhäusern die Schutzausrüstung für Ärzte knapp. Jetzt wird unter Hochdruck erforscht, wie sich Masken wiederverwerten lassen.
Ärztinnen in einer Corona-Notaufnahme: Einsatz nicht zertifizierter Masken als letztes Mittel

Ärztinnen in einer Corona-Notaufnahme: Einsatz nicht zertifizierter Masken als letztes Mittel

Foto: Sebastian Kahnert/ DPA

Eigentlich sind Mund-Nasen-Schutzmasken oder FFP-Masken Einmalartikel im Krankenhausalltag. Sie werden genutzt und anschließend entsorgt. Doch wenn persönliche Schutzausrüstung in Zeiten der Coronakrise knapp wird, stehen Pflegekräfte und Mediziner irgendwann vor existenziellen Fragen: Ist es vertretbar, Masken unter bestimmten Umständen wiederzuverwenden - auch wenn sie womöglich nicht mehr die zugesicherte Leistung bringen? Ist es besser, eine nicht perfekte Schutzmaske zu haben als gar keine?

Um diese Fragen bestmöglich bewerten zu können, muss man herausfinden, ob und wie sich Masken schonend und zugleich vollständig vom neuartigen Coronavirus reinigen lassen. Der Aufbau des Virus ist simpel: Es besteht aus Proteinen, einer Fettschicht und der RNA, also den genetischen Informationen des Virus. Seife zerstört die Fettschicht, deswegen waschen wir uns regelmäßig und gründlich die Hände. Und auch Temperaturen jenseits von 60 bis 70 Grad Celsius mag der Erreger nach bisherigen Erkenntnissen nicht. Ein simples Mittel, ihn auf Schutzausrüstung zu zerstören, könnte also Hitze sein.

Der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité zeigt sich tatsächlich zuversichtlich, dass die Methode des Erhitzens in bestimmten Fällen funktioniert. "Es gibt Stoffe, die es durchaus aushalten, wenn man sie bei 70 Grad in den Backofen legt, bis sie trocken sind. Das kann man machen", sagte er in einem Podcast des NDR . Stoffmasken seien zudem bei 60 Grad waschbar.

Sterilisation darf Masken nicht beschädigen

Allerdings kann bislang niemand ausschließen, dass die Wirkung der Masken durch diese Maßnahmen reduziert wird. Und genau darin liegt ein zentrales Problem. Denn unabhängig vom verwendeten Verfahren der Sterilisation gilt: Bei der Prozedur müssen nicht nur hinreichend viele Krankheitserreger abgetötet werden, das Material der Schutzausrüstung darf wenn möglich auch nicht beschädigt werden. Eingebaute Filter müssen weiter funktionieren, auch muss die Maske nach wie vor eng am Gesicht anliegen.

Wie sich hohe Temperaturen oder aggressive Chemikalien wie Wasserstoffperoxid oder Ethylenoxid auf eben diese Funktionsfähigkeit auswirken, ist bislang sehr wenig erforscht worden. Die wohl umfassendste Studie  erstellten US-amerikanische Forscher vor zehn Jahren. Sie testeten sechs unterschiedlichen Maskentypen und insgesamt acht Sterilisationsmittel: UV-Bestrahlung, Ethylenoxid, Wasserstoffperoxid-Gas-Plasma, Wasserstoffperoxid-Dampf, in Mikrowellen erzeugter Dampf, Bleichmittel, flüssiges Wasserstoffperoxid und Pasteurisierung.

Dabei kamen die Autoren zunächst einmal zu vielversprechenden Ergebnissen: Bis auf die Gas-Plasma-Sterilisation mit Wasserstoffperoxid hinterließen alle anderen Verfahren die Masken in einem Zustand, in dem im Mittel weniger als fünf Prozent Durchlässigkeit gegeben war. Allerdings kam es zu physischen Beschädigungen an den Masken, die je nach Verfahren variierten. Und die Wissenschaftler betonten letztlich, dass noch kein Verfahren mit der nötigen Sicherheit empfohlen werden könne.

Staatliche Stellen ziehen Wiederverwendung in Betracht

Weil aber der aktuelle Mangel an Masken ein schnelles Handeln erfordert, arbeiten verzweifelte Ärzte in einigen US-Kliniken nun mit Hochdruck an einer möglichst verlässlichen Methode, um ihre eigentlich nur für den einmaligen Einsatz gedachten Masken wiederzuverwenden. So läuft zum Beispiel am University of Nebraska Medical Center seit vergangener Woche ein Versuch, bei dem die Schutzausrüstung nach der Benutzung sterilisiert wird. Dafür setzen die Mediziner vor allem UV-Strahlung ein.

Der Leiter des dortigen Zentrums für Infektionskrankheiten, Mark Rupp, geht davon aus, dass die Masken das medizinische Personal auch bei mehrfacher Verwendung vor dem neuartigen Coronavirus schützen können. "Die Daten zeigen deutlich, dass man Viren mit UV-Bestrahlung abtöten und inaktivieren kann", sagte er der "New York Times" . "Offenkundig werden die Atemschutzmasken dabei auch nicht beschädigt".

Durch den Versuch, sie zu sterilisieren, verlieren die Masken zwar ihre Zertifizierung. Die US-Gesundheitsbehörde CDC hat aber inzwischen ein Dokument veröffentlicht , das Praktikern Hinweise dazu geben soll, welche Optionen sie bei schwindenden Beständen haben. Und darin wird der Einsatz nicht zertifizierter Masken zumindest als "letzter Ausweg" vorgestellt. Auch für Deutschland sind ähnliche Empfehlungen  vom Robert Koch-Institut erarbeitet worden.

Risiken können nicht ausgeschlossen werden

Das Unternehmen 3M, ein großer Hersteller von Schutzmasken, hat sogar ein "Technical Bulletin"  zur Frage der Desinfektion herausgegeben. Darin heißt es zwar einleitend, dass man Versuche, die Masken zu desinfizieren oder zu sterilisieren "weder empfehle noch unterstütze". Man sei aber vielfach gefragt worden, unter welchen Bedingungen eine Wiederverwendung trotzdem möglich sei. Daher habe man eine kleine Vergleichsstudie mit drei hauseigenen Maskenmodellen durchgeführt.

Sowohl bei der Behandlung mit UV-Licht, bei Plasmasterilisation mit Hilfe von Mikrowellen und der klassischen Dampfsterilisation im Autoklaven sei die Filterwirkung der Masken dabei größtenteils intakt geblieben. Allerdings hätten die Masken auch hier teilweise erhebliche physische Beschädigungen erlitten. So habe in manchen Fällen ein Erhitzen des metallischen Nasenbügels das Plastik in der Umgebung schmelzen lassen, in anderen Fällen hätten die Gummibänder ihre Elastizität verloren.

Auch wenn viele der Tests sehr vielversprechend verlaufen sind, muss deshalb klar sein: Die Wiederverwendung von Schutzmasken kann und darf nur eine Notlösung sein. Denn bis zum heutigen Tag ist keines der Sterilisationsverfahren so gut getestet und erprobt worden, dass eine Gefahr für den Träger der gebrauchten Schutzausrüstung gänzlich ausgeschlossen werden kann.

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