Schleppende Verteilung Impftempo in Deutschland stagniert – unter 300.000 Dosen am Tag

Die Infektionszahlen im Land steigen, gleichzeitig aber geht laut Robert Koch-Institut die Vergabe der Impfstoffe nur schleppend voran. Der Chef des Hauses fordert weitere Lockdown-Schritte.
Anlieferung von Impfstoff per Schiff auf der Hallig Hooge

Anlieferung von Impfstoff per Schiff auf der Hallig Hooge

Foto: Christian Charisius / dpa

Im zweiten Quartal soll es vorangehen, so der Plan der Regierung. Vor diesem angekündigten Schub bei den Coronaimpfungen allerdings stagniert das Tempo der Impfkampagne in Deutschland derzeit weiter. Laut Robert Koch-Institut (RKI) wurden zuletzt rund 268.000 Impfdosen an einem Tag verabreicht. Es handelt sich dabei um den Wert vom Dienstag – vier Tage nach dem Ende des knapp viertägigen AstraZeneca-Impfstopps. Am Dienstag vor dem Impfstopp waren es 248.000 Dosen, am Freitag vor dem Stopp 304.000 Dosen.

Von Land zu Land ist es dabei unterschiedlich, wie viel von dem gelieferten Serum bisher tatsächlich verimpft wurde. Das zeigen Daten, die das Bundesgesundheitsministerium auf seiner Internetseite veröffentlicht hat. In welchem Umfang die Hochbetagten geschützt sind, ist zwischen den Ländern ebenfalls unterschiedlich, wie das Robert Koch-Institut in seinen Berichten zeigt.

Impfstoff im Krankenhaus Bethel Berlin

Impfstoff im Krankenhaus Bethel Berlin

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Mit erwarteten 70,5 bis 73,5 Millionen Coronaimpfdosen sollen im bevorstehenden zweiten Quartal deutlich mehr Menschen in Deutschland geimpft werden können, wie das Bundesgesundheitsministerium auf seiner Homepage mitteilte. Im ersten Quartal waren es 19,8 Millionen Dosen.

Auch zur Entwicklung der Infektionszahlen hat sich das RKI geäußert – und rasche Maßnahmen der Politik gefordert. Eine weitere Eskalation der Lage sei nur mithilfe eines Lockdowns zu verhindern. Bis ein Großteil der Bevölkerung gegen das Coronavirus immun sei, gebe es keine andere Lösung, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler am Mittwoch in einer Onlineveranstaltung der deutschen Botschaft in Washington.

In den Pflegeheimen wird bereits ausgiebig geimpft

Andere »Werkzeuge« zur Eindämmung der dritten Welle stünden derzeit nicht zur Verfügung, sagte er weiter. Das RKI gehe davon aus, dass rund 80 Prozent der Bevölkerung gegen das Virus immun sein müssten, um eine neue Welle zu stoppen. »Bis das erreicht ist, werden wir nicht sicher sein«, sagte Wieler.

Insgesamt haben nach Angaben des RKI in Deutschland 7.937.540 Menschen eine erste und 3.516.986 auch die zweite Impfung erhalten. Die Impfquoten liegen damit für mindestens eine Impfung im Bundesdurchschnitt bei 9,5 Prozent, für beide bei 4,2 Prozent.

Rund 95 Prozent der Pflegeheimbewohner haben bereits mindestens eine Coronaimpfung bekommen. 73 Prozent hätten schon beide Impfungen bekommen, teilte das RKI in seinem Lagebericht vom Mittwochabend mit. Es wertete Daten bis zum 23. März aus.

Experte: Maßnahmen werden nicht richtig umgesetzt

Auch der Epidemiologe Rafael Mikolajczyk vom Uniklinikum Halle (Saale) rechnet damit, dass bald weitere Coronamaßnahmen erforderlich sind. »Wir müssen befürchten, dass die Infektionszahlen weiterhin und zunehmend schneller steigen werden – und relativ zeitnah weitere Maßnahmen notwendig werden«, sagte er der Nachrichtenagentur dpa.

Dank der bereits erfolgten Impfung der Ältesten sei jetzt etwas mehr Zeit als noch im Dezember, aber die neue Virusvariante verbreite sich einfach zu schnell, als dass die bisherigen Maßnahmen einen Kollaps des Gesundheitssystems vermeiden könnten.

Bei einer Reihe von Maßnahmen gelinge die Umsetzung noch nicht richtig, gab er zu bedenken. »Die Beschleunigung der Impfung und der systematische Einsatz von Schnelltests sind in der Situation sehr wichtig«, sagte er. Die zunächst vorgesehene Osterruhe von fünf Tagen hatte Mikolajczyk schon am Dienstag als zu kurz bezeichnet; eine epidemiologisch sinnvolle Ruhezeit müsse deutlich länger dauern. Nun hat Kanzlerin Merkel diese Ruhephase am Mittwoch wieder kassiert. Wie die weiteren Pläne von Bund und Ländern im Kampf gegen das Virus aussehen sollen, ist derzeit noch unklar.

jok/dpa
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