Statistisches Bundesamt Lebenserwartung durch Coronapandemie um ein halbes Jahr gesunken

Die hohen Sterbezahlen während der Coronapandemie haben die Lebenserwartung in Deutschland gesenkt. Frauen leben 0,4 Jahren kürzer, Männer 0,6 Jahre. Die Berechnungen sind allerdings nur eine Momentaufnahme.
Die Lebenserwartung für Neugeborene ist gesunken: 0,4 Jahre bei Mädchen und 0,6 Jahre bei Jungen (Archivbild)

Die Lebenserwartung für Neugeborene ist gesunken: 0,4 Jahre bei Mädchen und 0,6 Jahre bei Jungen (Archivbild)

Foto: Cavan Images / Getty Images

Die durchschnittliche statistische Lebenserwartung in Deutschland ist aufgrund der Coronapandemie im Vergleich zum Vorpandemiejahr deutlich gesunken. Das Statistische Bundesamt berechnete  die Lebenserwartung für im Jahr 2021 geborene Mädchen auf 83,2 Jahre – 0,4 Jahre weniger als 2019. Für Jungen sank die Lebenserwartung demnach um 0,6 Jahre auf 78,2 Jahre.

Bei der Berechnung der Lebenserwartung handelt es sich um eine statistische Momentaufnahme der Sterblichkeitsverhältnisse der gesamten Bevölkerung für den jeweils betrachteten Zeitraum. Die Berechnung enthält keine Annahmen dazu, wie sich die Lebenserwartung künftig entwickeln wird. Die Lebenserwartung Neugeborener gibt demnach an, wie lange sie den aktuellen Überlebensverhältnissen entsprechend durchschnittlich leben würden – dies kann sich jedoch ändern, etwa nach Ende der Coronapandemie.

Als Hauptgrund für die gesunkene Lebenserwartung nennt das Statistische Bundesamt die außergewöhnlich hohen Sterbefallzahlen während der Pandemie. In der zweiten Coronawelle waren die ostdeutschen Bundesländer besonders betroffen. Daher war der Rückgang der Lebenserwartung bei Geburt von 2019 auf 2021 dort besonders deutlich. Für Jungen nahm der Wert demnach um 1,3 Jahre, für Mädchen um 0,9 Jahre ab. In Westdeutschland betrug der Rückgang bei den Jungen 0,4 Jahre und bei den Mädchen 0,3 Jahre.

Corona führte den Statistikern zufolge auch zu einem deutlichen Anstieg der Sterbefälle. In den Vor-Pandemiejahren stiegen die Sterbefallzahlen wegen der Alterung der Gesellschaft demnach um ein bis zwei Prozent pro Jahr. Gleichzeitig stieg die Lebenserwartung vor Beginn der Coronapandemie tendenziell an. Der Effekt der steigenden Lebenserwartung schwächte damit den Alterungseffekt ab.

Im ersten Pandemiejahr habe es dann einen Anstieg um fünf Prozent auf 986.000 Sterbefälle gegeben. Im Vergleich der Jahre 2019 und 2021 habe es sogar einen Anstieg der Sterbefälle um neun Prozent auf 1,02 Millionen gegeben.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Allerdings lag die Zahl der zusätzlichen Sterbefälle mit etwa 70.000 bis 100.000 in den Jahren 2020 und 2021 unter den vom Robert Koch-Institut gemeldeten fast 115.000 Coronatoten. Nach Einschätzung des Statistischen Bundesamts könnte dies daran liegen, dass es als Folge der Schutzmaßnahmen und Verhaltensänderungen weniger Sterbefälle durch andere Infektionskrankheiten wie die Grippe gegeben habe.

kry/AFP
Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.