Schutzmasken in der Coronakrise Tragen oder nicht tragen?

Zunehmend wird eine Maskenpflicht gegen die Ausbreitung des Coronavirus gefordert. Doch wie effektiv ist der Mund-Nasen-Schutz wirklich? Die zehn wichtigsten Fakten.
Mundschutz für alle? Einige Politiker und Mediziner fordern eine Maskenpflicht für Gesunde und Corona-Infizierte gleichermaßen

Mundschutz für alle? Einige Politiker und Mediziner fordern eine Maskenpflicht für Gesunde und Corona-Infizierte gleichermaßen

Foto: Getty Images

Wie steckt man sich mit dem neuartigen Coronavirus an?

Das Robert Koch-Institut geht davon aus , dass der Hauptübertragungsweg für das Coronavirus die Tröpfcheninfektion ist. Wie bei der normalen Grippe (Influenza) verbreitet sich das Coronavirus also über kleine Tröpfchen und Aerosole. Letztere stehen länger in der Luft als die schweren Tröpfchen, die relativ schnell zu Boden fallen. Die Virentröpfchen haben laut Weltgesundheitsorganisation  etwa eine Größe von Feinstaubpartikeln . Beim Niesen können sie ohne Mundschutz eine Geschwindigkeit von rund 45 Meter pro Sekunde erreichen und meterweit fliegen. In aller Regel stecken sich Menschen also dadurch an, dass eine infizierte Person in ihrer Nähe spricht, niest oder hustet. Das Virus gelangt dann durch die Luft direkt auf die Schleimhäute des Gegenübers.

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Auch Schmierinfektionen sind denkbar, also etwa Ansteckungen über kontaminierte Gegenstände. Diese sind aber laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)  bislang nicht nachgewiesen.

Wie durchlässig sind professionelle Masken?

Die sogenannten FFP-Masken (FFP steht für "filtering face piece") gelten ab einer größeren Filterstärke 2 und 3 als sehr sicher. Das sind Masken, die normalerweise bei der Feuerwehr oder in Müllverbrennungsanlagen getragen werden. Die Filter der Maske sind so feinmaschig, dass sie Virentröpfchen aber auch Feinstaub fast vollständig abhalten. Sogenannte OP-Masken werden hingegen nur als teilweise sicher eingestuft. Sie sind vor allem für Infizierte oder erkältete Menschen sinnvoll, weil sie verhindern, dass Speichel- oder Schleimtröpfchen beim Niesen oder Husten in die Luft gelangen.

Wie durchlässig sind einfache Stoffmasken?

Zur Effizienz von Stoffmasken gibt es nur sehr wenige aussagekräftige Studien. Bisher werden diese Masken besonders in Entwicklungsländern gegen die Luftverschmutzung in Städten getragen. Diese Textilmasken sind relativ grobmaschig und Virentröpfchen sowie Feinstaub sind hundertfach kleiner, wie aus einer Studie von Wissenschaftlern aus Nepal  hervorgeht. Dennoch können die Masken sehr wahrscheinlich einen Teil der Partikel abhalten. Jedoch sinkt die Schutzwirkung, je öfter die Masken gewaschen werden.

DER SPIEGEL

Schützt man mit dem Tragen einer Maske eher sich selbst oder andere?

Die effektivsten Maßnahmen, um sich selbst und andere vor einer Infektion zu schützen, bestehen laut Robert Koch-Institut (RKI)  darin, sich regelmäßig die Hände zu waschen, in die Armbeuge zu niesen und Abstand zu halten. Sollte man selbst erkrankt sein und sich trotzdem in der Öffentlichkeit bewegen müssen, hält das RKI aber auch das Tragen einer Maske für sinnvoll. Mit ihr kann man zusätzlich dazu beitragen, seine Mitmenschen zu schützen. Andersherum gilt das nach jetzigem Wissensstand allerdings nicht: Laut RKI "gibt es keine hinreichende Evidenz dafür, dass das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes das Risiko einer Ansteckung für eine gesunde Person, die ihn trägt, signifikant verringert".

Warum sollen Ärzte und Pflegekräfte Masken tragen?

Medizinisches Personal hat regelmäßig engen Kontakt zu vorerkrankten, immungeschwächten oder sogar Corona-infizierten Menschen. Bei der Arbeit in Krankenhäusern, Heimen oder in Seniorenwohnungen kann der empfohlene Sicherheitsabstand selten eingehalten werden. Aus diesem Grund ist es besonders wichtig, dass Ärzte und Pflegekräfte die Patienten und sich selbst vor einer möglichen Ansteckung schützen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO)  hält deshalb besonders effektive Atemmasken für diese Personengruppen als ergänzende Schutzmaßnahme für sinnvoll. Hierbei kommen FFP-Masken zum Einsatz, die Partikel filtern können. Aufgrund der weltweiten Lieferengpässe und der steigenden Preise für solche Masken ist es wichtig, dass sie vorrangig dem medizinischen Personal zur Verfügung stehen.

Sollte ich bei Corona-Symptomen eine Maske tragen?

Wer unter Fieber, Husten, Halsschmerzen oder Atembeschwerden leidet, sollte unbedingt zu Hause bleiben und den Hausarzt oder die regionale Corona-Hotline anrufen. In vielen Kommunen kommt ein Arzt direkt nach Hause und macht dort einen Abstrich für einen Corona-Test. Wer trotzdem aus dem Haus muss, dem empfiehlt das Robert Koch-Institut  zusätzlich zum Abstandhalten das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes. Damit sollen Mitmenschen vor einer Ansteckung durch die gröbsten Tröpfchen geschützt werden. Sobald der Verdacht einer Infektion bekannt wird oder ein positives Corona-Testergebnis vorliegt, ordnet das zuständige Gesundheitsamt eine Quarantäne an. Diese kann im Sinne des Infektionsschutzgesetzes  auch mit Zwang durchgesetzt werden.

Sollte ich als Gesunder eine Maske tragen?

Obwohl immer mehr Politiker und Mediziner eine Maskenpflicht für alle fordern, ist die Weltgesundheitsorganisation hier eindeutig : Gesunde Menschen müssen ihr zufolge keine Maske tragen, außer sie haben Kontakt mit einem Corona-Infizierten. Der gebotene Abstand von ein bis zwei Metern sei der beste Schutz. Auch das Robert Koch-Institut  betont, dass es keine "hinreichende Evidenz" dafür gebe, dass sich das eigene Ansteckungsrisiko durch Masken verringere. Allerdings wissen viele Menschen nicht, ob sie sich bereits mit dem neuartigen Coronavirus infiziert haben. Daher sollte man auch bei Erkältungskrankheiten präventiv eine Maske tragen, um andere etwa durch Niesen nicht zu gefährden.

Sollten jetzt alle Menschen eine Maske tragen?

Wenn es darum geht, andere vor einer Ansteckung zu schützen - der sogenannte Fremdschutz - dann ist ein Mundschutz sinnvoll, erklärt der Virologe Christian Drosten . In diesem Sinne sei es zu empfehlen, dass so viele Menschen wie möglich einen Mundschutz tragen. Beim Niesen, Husten oder Sprechen können Tropfen und Schleimpartikel zumindest teilweise aufgefangen werden. Allerdings weisen Virologen wie Drosten auch darauf hin, dass dies keinesfalls für den Selbstschutz gilt: Menschen mit einer Maske sind nicht unbedingt besser vor einer Ansteckung geschützt als andere. Dennoch gibt es auch hier kein eindeutiges Stimmungsbild unter Experten: Ein Beitrag in der Fachzeitschrift Lancet  plädiert dringend dafür, dass mehr Menschen Masken tragen - vor allem auch sogenannte Risikogruppen. Wie bereits beschrieben, kommt es dabei immer auch darauf an, was für Masken getragen werden und ob diese sachgerecht benutzt werden.

Müssen Maskenträger weiterhin anderthalb Meter Abstand halten und sich regelmäßig die Hände waschen?

Ein klares Ja. Die WHO warnt eindringlich , das Tragen einer Schutzmaske könne ein falsches Sicherheitsgefühl hervorrufen. Ein Schutz vor Mund und Nase sei ohne weitere Maßnahmen ineffektiv. Auch das Robert Koch-Institut  schreibt deutlich: "Auf keinen Fall sollte das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes oder einer anderen Form der Barriere dazu führen, dass Abstandsregeln nicht mehr eingehalten oder die Händehygiene nicht mehr umgesetzt wird."

Was bedeutet das Tragen von Masken psychologisch?

Für Europäer sind Gesichtsmasken gewöhnungsbedürftig. Während beispielsweise in asiatischen Großstädten der Mundschutz schon länger zum Alltag gehört, ruft der Anblick hierzulande eher Unbehagen hervor. Das Fachmagazin Lancet  weist darauf hin, dass Menschen deshalb bereits vermehrt rassistisch angegangen oder stigmatisiert wurden. Deshalb sei in europäischen Ländern mehr Aufklärung nötig.

Ob das Tragen des Mundschutzes zu mehr Achtsamkeit führt, ist bisher ungewiss. Mediziner und Politiker hoffen, dass die Masken zu einem allgegenwärtigen Signal werden, um an den Ausnahmezustand zu erinnern. Allerdings befürchten Experten auch, dass Schutzanweisungen wie Distanz und Händewaschen dadurch vernachlässigt werden. Die Maskenträger könnten sich zu sicher fühlen.