Erste Analysen aus Labor Nachweise von Corona-Mutationen in München häufen sich

Bundesweit fahnden Labormitarbeiter nach gefährlichen Corona-Varianten. Ansteckungen innerhalb Deutschlands nehmen zu.
»Hände desinfizieren«, heißt es auf einem Schild am Münchner Viktualienmarkt

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Foto: Ralph Peters / imago images

Bundesweit suchen Labors nach Mutationen des Coronavirus, die zunächst in Großbritannien, Südafrika und Brasilien bekannt geworden waren. Eile ist angebracht, denn nach allem, was Forschende wissen, sind die neuen Varianten deutlich ansteckender.

Klar ist: Die Mutationen haben auch Deutschland erreicht, erste Fälle wurden teils schon vor Wochen nachgewiesen. Wie häufig die Varianten mit den Abkürzungen B1.1.7 (Großbritannien) B1.351 (Südafrika) und P1 (Brasilien) hierzulande vorkommen, ist allerdings unklar. Erste Analysen eines Labors in München geben nun zumindest einen Eindruck, wie schnell sich die Varianten ausbreiten können.

Demnach wurde an den bayerischen Standorten des Labors Becker & Kollegen rund um München bis Anfang Januar nur in 0,2 Prozent der untersuchten Proben die Genveränderung N501Y nachgewiesen, die alle drei Varianten des Virus gemeinsam haben. Am 20. Januar fand sich die Genveränderung schon in 4,7 Prozent der Proben, zuletzt lag ihr Anteil bei sieben Prozent.

»Zeichen, dass sich die neuen Varianten sehr schnell ausbreiten«

Das Labor hat nach eigenen Angaben Tests im knapp vierstelligen Bereich durchgeführt. »Repräsentativ ist die Erhebung damit nicht«, betonte Labormediziner Jürgen Durner vom Labor Becker & Kollegen im Gespräch mit dem SPIEGEL. »Aber der Anteil der Varianten an den bekannten Infektionen ist innerhalb von nicht einmal drei Wochen von weniger als ein Prozent auf einen hohen einstelligen Prozentbereich angestiegen. Das ist schon ein Indiz dafür, dass sich die neuen Varianten derzeit schnell ausbreiten könnten.« Zuvor hatte die »Apotheken Umschau«  darüber berichtet.

Für die Analysen hatte das Labor ein neues Testverfahren mit entwickelt. »Wir haben sozusagen eine Abkürzung genommen«, sagt Durner. »Statt das gesamte Genom des Virus zu analysieren, fokussieren wir uns auf die Bereiche, die von der Veränderung betroffen sind.« Dadurch liege das Ergebnis innerhalb weniger Stunden vor, eine Analyse des ganzen Genoms könne dagegen einige Tage dauern.

»Jedes Labor, das mit Geräten zur PCR-Analyse ausgestattet ist, kann nach unserer Methode auch rasch Sars-CoV-2-positive Proben auf die Genveränderung prüfen«, sagte Durner. Eine Berliner Firma hat ein entsprechendes Testkit entwickelt. Allerdings kann der Test nicht nachweisen, welche der drei bekannten Varianten vorliegt.

Ein Ersatz für umfassende Genanalysen sind solche Tests deshalb nicht. Auch, weil sich mit ihnen keine neu auftretenden Mutationen aufspüren lassen, die Eigenschaften des Virus verändern könnten.

In Deutschland sollen durch die sogenannte Sequenzierung künftig bis zu zehn Prozent der positiv auf das Coronavirus getesteten Proben  auf mögliche Genveränderungen untersucht werden. Das heißt, Forschende wissen dann ganz genau, welche Basenpaare im Erbgut des Virus aufeinanderfolgen und können so Mutationen nachweisen.

In Portugal waren die Infektionszahlen zuletzt deutlich gestiegen, nachdem dort die Variante aus Großbritannien nachgewiesen worden war. Zwischenzeitlich lag die Inzidenz bei knapp 700, zeigen Daten der Johns-Hopkins-Universität. So einen hohen Wert hatte sonst kein Land der Welt. Auch in Großbritannien und Irland waren die Zahlen rasant gestiegen. Seitdem gelten in beiden Ländern strenge Lockdowns. Mittlerweile sinken die Fallzahlen dort wieder – trotz Mutante und Winter .

Noch hoffen Experten, dass sich die neuen Varianten in Deutschland nicht im großen Stil ausgebreitet haben. Die Varianten aus Brasilien und Südafrika seien bisher nur bei Reisenden nachgewiesen worden, sagte Virologin Sandra Ciesek im NDR-Podcast »Coronavirus-Update« . »Wenn man konsequent testet, nachverfolgt und in Quarantäne steckt, hat man, glaube ich, schon eine Chance, dass man das eine Weile eindämmen kann.«

Zuletzt häuften sich jedoch Ansteckungen innerhalb Deutschlands mit der Mutation B1.1.7, die zuerst in Großbritannien nachgewiesen worden war. Den größten bekannten Ausbruch traf ein Berliner Krankenhaus. Dort hatten sich 14 Patienten und zehn Mitarbeiter infiziert. Wo sich die Betroffenen angesteckt haben, ist unklar. Verbindungen nach Großbritannien gab es nach ersten Erkenntnissen nicht.

Am Dienstag war auch bei einer Frau aus Hannover die Mutation B1.1.7 nachgewiesen worden. Erst wenige Wochen zuvor war sie schon einmal positiv auf das Coronavirus getestet worden. Das zuständige Gesundheitsamt hatte vorsorglich 120 Personen in häusliche Isolation geschickt, um mögliche Infektionsketten zu durchbrechen. Wo sich die Frau angesteckt hat, ist unklar. In Großbritannien war sie laut Behördenangaben nicht.

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Ob sich Patienten nach einer überstandenen Covid-Erkrankung mit einer anderen Variante des Virus neu anstecken können, sei jedoch »schwer zu beurteilen«, sagte Ciesek. Da Abstriche nicht aufgehoben würden, sei kaum nachzuweisen, ob es sich um ein Wiederaufflammen des Infekts oder eine echte Neuinfektion handle. Eine Studie aus Großbritannien habe zudem gezeigt, dass Menschen bei einer vermuteten zweiten Infektion nur selten schwer erkrankten.

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