Corona-Neuinfektionen Welche Städte und Landkreise die Obergrenze einhalten

Lockerung oder Verschärfung der Anti-Corona-Maßnahmen: Das hängt künftig von den Fallzahlen vor Ort ab. Wo sieht es gut aus - und wo schlecht? Der Überblick.

Bund und Länder haben sich auf weitere Lockerungen der Anti-Corona-Maßnahmen geeinigt. Gleichzeitig soll ein Notfallmechanismus verhindern, dass es zu einem neuen unkontrollierten Coronavirus-Ausbruch kommt: Steigt die Zahl der Neuinfektionen in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt zu sehr an, soll das jeweilige Bundesland sicherstellen, dass vor Ort wieder strengere Maßnahmen ergriffen werden.

Künftig gilt eine Obergrenze: In den vergangenen sieben Tagen dürfen in Summe maximal 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner registriert worden sein.

Zur Einordnung: Bundesweit ist die Zahl der Neuinfektionen zuletzt deutlich gesunken. In den vergangenen sieben Tagen gab es rund 7500 neue bestätigte Fälle, das entspricht neun Neuinfektionen je 100.000 Einwohner. So verwundert es nicht, dass nahezu alle der rund 400 deutschen Städte und Landkreise derzeit unter der neuen Obergrenze liegen.

Einstufung auch von Datenquelle abhängig

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach in ihrer Erklärung zu den Bund-Länder-Beschlüssen von einem einzigen Landkreis, der im Moment über der neuen Obergrenze liege. Auf welche Daten sie sich dabei bezog, ließ sie offen. Es dürfte aber der Lagebericht  des Robert Koch-Instituts (RKI) von Dienstag gewesen sein – demzufolge gab es zuletzt nur im thüringischen Landkreis Greiz mehr neue Fälle.

Der Datenbestand des RKI hinkt dem Infektionsgeschehen allerdings immer ein wenig hinterher. Die Gesundheitsämter der Städte und Landkreise melden ihre Zahlen den Landesbehörden, die wiederum dem RKI - das kann mehrere Tage dauern.

Entscheidender für den neuen Notfallmechanismus dürften daher die Zahlen der Behörden vor Ort sein. Ein Crowdsourcing-Projekt  des Karlsruher Thinktanks Risklayer und des Centers for Disaster Management and Risk Reduction Technology (CEDIM), an dem auch der "Tagesspiegel"  beteiligt ist, trägt diese Zahlen aus allen Städten und Landkreisen fortlaufend zusammen.

Demnach lagen zuletzt auch die Stadt Rosenheim und der Landkreis Traunstein im Süden Bayerns über der neuen Obergrenze, sowie der baden-württembergische Zollernalbkreis.

Maßnahmen können lokal begrenzt werden

Mit dem neuen Notfallmechanismus soll eine zweite größere Infektionswelle verhindert werden. "Wenn regionale Infektionsherde auftreten, muss man direkt besondere Maßnahmen wieder einsetzen können", so Merkel in ihrer Erklärung. Sei das neue Infektionsgeschehen lokal stark begrenzt, etwa auf ein Krankenhaus, ein Alten- oder Pflegeheim, könnten auch die verschärften Maßnahmen auf diesen Ort begrenzt bleiben. Treten aber viele neue Fälle an unterschiedlichen Orten einer Stadt oder eines Landkreises auf und sind die Infektionsketten unklar, müssten die Maßnahmen im gesamten Gebiet verschärft werden, so Merkel.

Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet, hatte es in der Schaltkonferenz der Regierungschefs von Bund und Ländern heftige Diskussionen über die Obergrenze gegeben. Vor allem die Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen wollten sie nicht akzeptieren. Die Kritiker der Zahlenvorgabe warnten, aus Angst vor neuen Beschränkungen werde möglicherweise weniger getestet.

Kanzlerin Merkel habe sich jedoch schließlich mit ihrem Vorschlag durchgesetzt. Gerade bei weitreichenden Lockerungen steige wieder die Gefahr einer dynamischen Entwicklung, die schon zu Beginn der Pandemie häufig von lokalen Ereignissen ausging und dann weiterverbreitet wurde, hieß es. Deshalb müsse ab einer gewissen Relevanz auf regional hohe Neuinfektionszahlen sofort mit Beschränkungen reagiert werden.

Einen fortlaufend aktualisierten Stand des Infektionsgeschehens finden Sie hier.

Mit Material von dpa
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