Corona-News am Sonntag Spahn hält Impfungen von 90 Prozent der Erwachsene bis Mitte Juli für möglich

Gesundheitsminister Jens Spahn sieht die Impfbereitschaft der Deutschen bei bis zu 75 Prozent und erwartet bis Ende August über 50 Millionen Impfdosen. Und: Südafrika verschärft Corona-Regeln erneut. Der Überblick.
Gesundheitsminister Jens Spahn

Gesundheitsminister Jens Spahn

Foto: Jürgen Heinrich / imago images/Jürgen Heinrich

Das waren die Corona-News am 30. Mai.

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+++ Spahn hält Impfungen von 90 Prozent der Erwachsene bis Mitte Juli für möglich +++

22.40 Uhr: In Deutschland können nach Worten von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bis Mitte Juli rund 90 Prozent der impfwilligen Erwachsenen geimpft werden. Derzeit seien es rund zwei Drittel, sagt der CDU-Politiker in der ARD Sendung »Anne Will«. Die gesamte Impfbereitschaft der Bevölkerung sieht Spahn bei 70 bis 75 Prozent. Bis Ende August könne man auch die über Zwölfjährigen impfen, deren Eltern dies wollten. Denn man erwarte demnächst viele weitere Dosen von Impfherstellern.

Bis Ende August sollten es über 50 Millionen von Biontech/Pfizer sein. FDP-Chef Christian Lindner spricht sich dafür aus, dass Schulen rasch wieder zum Präsenzunterricht zurückkehren sollten und nicht mehr geschlossen werden dürften.

Südafrika kehrt zurück zu strikteren Corona-Regeln

23.25 Uhr: In Südafrika werden die Corona-Beschränkungen wieder leicht verschärft. In der vergangenen Woche habe es 31 Prozent mehr Neuinfektionen gegeben als in der vorigen Woche und 66 Prozent mehr als zwei Wochen zuvor, sagte Präsident Cyril Ramaphosa am Sonntag. »Wir wissen noch nicht, wie hart diese Welle werden wird, oder wie lange sie dauern wird.«

Als Reaktion auf die erhöhten Fallzahlen kündigte Ramaphosa an, dass ab Montag statt der niedrigsten Warnstufe eine angepasste Stufe zwei gelten solle. Das bedeute unter anderem, dass das nächtliche Ausgehverbot um eine Stunde verlängert und von 23 Uhr bis 4 Uhr dauern werde. In Innenräumen dürften nur noch maximal 100 Leute zusammenkommen, im Freien 250. Er warnte davor, dass der Anstieg besonders bedenklich sei, nun da in Südafrika der Winter beginne und sich viele eher in Innenräumen treffen würden.

Spahn will Finanzämter bei Kontrolle von Testzentren einbeziehen

22.20 Uhr: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will bei der Kontrolle von Testzentren die Finanzämter mit einschalten. »Vor dem Finanzamt haben die meisten noch mal einen anderen Respekt als vor dem Gesundheitsamt«, sagt der CDU-Politiker in der ARD mit Blick auf mutmaßlichen Abrechnungsbetrug. Hierüber wolle er mit dem Finanzministerium reden. Zudem sollen künftig Testzentren weniger abrechnen können, weil die Marktpreise gesunken seien, fügt Spahn hinzu. Auch die Dienstleistung für die Abnahme eines Tests solle von zwölf beziehungsweise 15 Euro auf unter zehn Euro sinken.

Das Wirrwarr um vermeintlich tödliche Nebenwirkungen

22.50 Uhr: Behörden weltweit erfassen Komplikationen nach Covid-19-Impfungen. Ob es einen ursächlichen Zusammenhang gibt, verraten die Datensätze allerdings erst nach genauerer Prüfung. Aktivisten ist das egal.

Mehr als 135 Millionen US-Bürger vollständig geimpft

21.45 Uhr: In den USA sind inzwischen mehr als 135 Millionen Menschen vollständig geimpft, wie die Seuchenbehörde CDC mitteilt. Insgesamt seien über 366 Millionen Dosen ausgeliefert und fast 294 Millionen verabreicht worden. Knapp 168 Millionen Menschen seien mindestens einmal geimpft worden. In den USA leben 328 Millionen Menschen.

Angriffe auf Polizisten nach Coronakontrollen in deutschen Städten

21.20 Uhr: In Hamburg sollen bis zu 15.000 Menschen teils dicht gedrängt auf den Straßen gefeiert haben, die Polizei löste eine Rave-Party im Schanzenviertel auf. In Leipzig eskalierte die Situation bei Kontrollen in einer Bar.

Lambrecht: Abrechnungsbetrug kann ganz hart geahndet werden

Justiz- und Familienministerin Christine Lambrecht

Justiz- und Familienministerin Christine Lambrecht

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

19.25 Uhr: Bundesjustizministerin Christine Lambrecht fordert nach dem mutmaßlichen Abrechnungsbetrug in privaten Corona-Testzentren Konsequenzen. »Da wo Betrug stattfindet, muss jeder wissen, das kann ganz hart geahndet werden. Da müssen Kontrollen stattfinden«, sagt Lambrecht im ARD. Diese Botschaft müsse vom Staat auch ausgehen, dass solche Kontrollen durchgezogen würden und dann auch die entsprechenden juristischen Konsequenzen folgen würden.

Infektionszahlen in Großbritannien sinken weiter

19.15 Uhr: In Großbritannien sinken die Infektionszahlen weiter. Das Land meldet 3240 weitere Fälle nach 3398 am Vortag. Den Regierungsdaten zufolge starben sechs weitere Menschen in Zusammenhang mit dem Virus. Ihre Erstimpfung erhalten haben rund 39,2 Millionen Menschen in Großbritannien.

Zahl der Neuinfektionen und Todesfälle in Italien rückläufig

18.30 Uhr: Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Italien lag am Sonntag bei 2949. Am Samstag wurden noch 3351 Neuinfektionen gemeldet. Die Zahl der mit Covid-19-Erkrankungen in Zusammenhang stehenden Todesfälle sank laut Gesundheitsministerium binnen 24 Stunden von 83 auf 44.

In Italien starben seit Beginn der Pandemie im Februar vergangenen Jahres 126.046 Menschen an den Folgen einer Coronavirus-Infektion. Damit hat Italien nach Großbritannien die zweitmeisten Toten in Europa zu beklagen. Bisher haben sich 4,2 Millionen Italiener mit dem Virus infiziert.

Mehrheit der erwachsenen EU-Bürger soll bis Juli geimpft sein

17.17 Uhr: EU-Parlamentspräsident David Sassoli rechnet mit schnellen Fortschritten bei den Corona-Impfungen in Europa. »Inzwischen wurden mehr als 237 Millionen Dosen zugelassener Impfstoffe in ganz Europa ausgeliefert. Die Einführung beschleunigt sich weiter, und die Mitgliedsstaaten sind auf dem besten Weg, bis Mitte Juli mindestens 70 Prozent der erwachsenen Bevölkerung geimpft zu haben«, sagte Sassoli den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Der EU-Parlamentspräsident erklärte weiter, dass ein digitaler Impfausweis ab dem 1. Juli in Kraft treten werde, der »schon diesen Sommer einen möglichst reibungslosen und zugleich sicheren Reiseverkehr ermöglichen soll.« Dies sei ein großer Schritt zurück zur Normalität.

Vietnam will ganz Ho-Chi-Minh-Stadt testen lassen +++

17.00 Uhr: Die vietnamesischen Behörden planen, die gesamte Bevölkerung von Ho-Chi-Minh-Stadt auf Corona testen zu lassen. Dies berichteten staatliche Medien am Sonntag. Das frühere Saigon ist mit 13 Millionen Einwohnern die größte Stadt des südostasiatischen Landes. Stadtoberhaupt Nguyen Than Phong sagte nach einem Bericht der Zeitung VnExpress, dass ein Testprogramm mit 100.000 Tests pro Tag starten solle. Außerdem werden in der Metropole von Montag an wieder verschärfte Abstandsregeln gelten.

Vietnam war bisher mit niedrigen Fallzahlen vergleichsweise gut durch die Pandemie gekommen. Bis Sonntag gab es erst 7107 Infektionen, von denen aber mehr als 4000 erst seit Ende April auftraten. Die Zahl der Coronatoten wird mit 47 angegeben. Am Samstag meldeten die Staatsmedien, dass in Vietnam eine neue Variante des Coronavirus entdeckt worden sei. Sie weise sowohl Eigenschaften der bisher bekannten B.1.1.7 als auch der Form B.1.617 auf. Sie sei sehr leicht übertragbar, vor allem über die Luft.

Ungeimpfte sollen für Konzert in den USA 55-fachen Preis zahlen

16.27 Uhr: Der Eintritt für ein Konzert im US-Bundesstaat Florida soll für vollständig Geimpfte nur 18 US-Dollar (15 Euro) kosten, für ungeimpfte Gäste hingegen 1000 Dollar. Der Veranstalter betonte, es gehe bei dem »Rabatt« nicht darum, den Menschen vorzuschreiben, sich impfen zu lassen. »Falls jemand ungeimpft kommen will, wird er viele Gäste abschrecken und muss die Differenz zahlen«, hieß es. Die Punkrock-Band Teenage Bottlerocket wird demnach am 26. Juni in der Stadt St. Petersburg an der Golfküste auftreten.

Gäste, die Tickets zu dem reduzierten Preis kaufen, müssen beim Einlass ihren Impfnachweis der Gesundheitsbehörde CDC vorlegen, hieß es in der Beschreibung des Konzerts. Veranstalter Paul Williams sagte der »Washington Post«, er habe nach dem Bekanntwerden des Angebots zahlreiche Hassbotschaften und Drohungen von Impfgegnern erhalten.

Corona-Zahlen in Moskau steigen wieder

15.57 Uhr: Russlands Hauptstadt hat wieder mit steigenden Corona-Zahlen zu kämpfen. Am Sonntag wurden 3719 neue Fälle registriert und damit bereits den vierten Tag infolge mehr als 3000 Neuinfektionen binnen 24 Stunden. Bürgermeister Sergej Sobjanin erklärte den Anstieg im Staatsfernsehen unter anderem mit den einwöchigen Mai-Ferien. In dieser Woche seien die Moskauer weniger zum Arzt gegangen, weshalb einige Infektionen erst später festgestellt worden seien.

Zuvor schon hatte Sobjanin das Impftempo in der 12-Millionen-Einwohner-Stadt als zu langsam kritisiert. Der Anteil der Geimpften an der Gesamtbevölkerung sei geringer als in jeder anderen europäischen Hauptstadt. Dass viele Menschen eine Impfung ablehnten, sei eine »Schande«. Insgesamt sind in Russland erst rund elf Prozent der Bevölkerung geimpft. In Moskau gibt es seit Monaten kaum noch Beschränkungen.

Gesundheitsminister beraten über Betrugsverdacht

15.53 Uhr: Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern wollen am Montag nach Angaben des Bundes über den Betrugsverdacht bei Corona-Teststellen beraten. Das sagte ein Sprecher von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag. Demnach ist für 8.00 Uhr eine Online-Schaltkonferenz angesetzt. Wegen des Verdachts auf Abrechnungsbetrug bei Corona-Tests ermitteln Behörden. Spahn hatte »stichprobenartig mehr Kontrollen« angekündigt.

Betrugsverdacht bei Corona-Teststelle in Bayern

12.33 Uhr: Auch in Bayern ermitteln Behörden wegen des Verdachts auf Abrechnungsbetrug bei Coronatests. Dem Gesundheitsministerium sei »konkret ein Fall bekannt, in dem die Behörden ermitteln«, sagte ein Ministeriumssprecher der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag in München. Um welche Teststelle es sich handelt, wollte er »wegen des laufenden Ermittlungsverfahrens und der noch geltenden Unschuldsvermutung« nicht sagen.

Linkenchefin macht Regierung für Schnelltest-Betrügereien mitverantwortlich

12.13 Uhr: Linkenchefin Susanne Hennig-Wellsow hat der Bundesregierung eine Mitverantwortung für die mutmaßlichen Betrügereien in Corona-Schnelltestzentren zugewiesen und eine Verschärfung der Regeln gefordert. Die Regierung habe das Schnelltest-System »überstürzt und chaotisch« eingeführt, sagte Hennig-Wellsow am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP. »Das ist in meinen Augen schlampiger Umgang mit einer wesentlichen Säule der Corona-Bekämpfung und schlampiger Umgang mit Steuergeld.«

Nach Berichten über groß angelegten Abrechnungsbetrug in Corona-Testzentren hatte Spahn am Vortag schärfere Kontrollen angekündigt. Wegen der möglichen Betrugsfälle ermitteln inzwischen unter anderem die Schwerpunktstaatsanwaltschaft Wirtschaftskriminalität in Bochum und die Staatsanwaltschaft Lübeck. Es besteht der Verdacht, dass Testzentren dem Staat sehr viel mehr Schnelltests in Rechnung stellen, als sie tatsächlich vornehmen. Abrechnen können die Teststellen pro Bürgertest 18 Euro.

Städte beklagen zunehmende Gewalt bei Corona-Kontrollen

11.48 Uhr: Mitarbeiter von Ordnungsämtern und Polizei beklagen bei den Kontrollen von Coronamaßnahmen ein zunehmend aggressives Verhalten der Bürger. Dies ergab eine Umfrage der »Welt am Sonntag« unter den 15 größten Städten Deutschlands. Kommunen berichteten dabei von steigendem Unverständnis, verbalen Konflikten und zum Teil tätlichen Angriffen, wenn Mitarbeiter die Einhaltung etwa von Maskenpflicht und Abstandsgebot kontrollierten.

»Gegner der Coronamaßnahmen und auch uneinsichtige Personen werden heute deutlich schneller aggressiv als noch vor ein paar Monaten«, sagte Oliver Malchow, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), der »Welt am Sonntag«. »Das endet schnell mit Beleidigungen, Anhusten oder auch Attacken auf die Beamtinnen und Beamten.«

Angreifer mit Warnschuss gestoppt

Zu einem derartigen Vorfall kam in der Nacht zu Samstag in einer Leipziger Shishabar: Mit gewaltsamen Attacken auf Polizeibeamte hatten sich dort Gäste einer Bar gegen eine Corona-Kontrolle gewehrt. Drei Beamte wurden bei dem Einsatz verletzt, zwei von ihnen mussten im Krankenhaus behandelt werden, wie die Polizei mitteilte. Die Angreifer hätten erst von einem bereits am Boden liegende Beamten abgelassen, als ein weiterer Polizist einen Warnschuss abgegeben habe.

Aggressive Feierwütige in Hamburger und Stuttgart

10.43 Uhr: Im Hamburger Schanzenviertel wurde in der Nacht zu Sonntag eine illegale Party gefeiert. Die Polizei räumte deswegen das Viertel und riegelt es ab. Nach Angaben eines Reporters der Deutschen Presse-Agentur und des NDR hatten sich in einem Park rund 1500 Menschen zum »Corona Rave« mit lauter Musik eingefunden. Die wenigsten achteten auf Abstände und die Maskenpflicht.

Polizeieinsatz im Hamburger Schanzenviertel

Polizeieinsatz im Hamburger Schanzenviertel

Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

Nach der Auflösung der Party strömten die Menschen in die umliegenden Straßen und feierten dort weiter. Die Plätze der Außengastronomie waren schon den ganzen Abend nahezu komplett belegt. Auf den Gehwegen herrschte Gedränge. Menschen kletterten auf Verkehrsschilder und Stromkästen, durchfahrende Autos wurden bejubelt und teilweise gestoppt.

Als die Polizei dem Treiben ein Ende machte, kam es zu Flaschenwürfen auf die Beamten. Mehrere Menschen wurden in Gewahrsam genommen. Gegen 23 Uhr sperrte die Polizei die Flaniermeile Schulterblatt. Kioske und Restaurants im Schanzenviertel mussten vorzeitig schließen.

Polizei mit Flaschen beworfen

Auch aus Stuttgart werden Ausschreitungen gemeldet. Dort hatten sich rund 500 überwiegend jugendliche Menschen im Bereich des Schlossplatzes und an der Freitreppe versammelt. Als die Polizei die Anwesenden auf das Alkoholverbot und die Corona-Verordnung hinwiesen, kam es zu Flaschenwürfen, Sachbeschädigungen und Beleidigungen. Fünf Beamte wurden laut Polizeiangaben verletzt, eine Beamtin musste den Dienst vorzeitig beenden. Die Polizei setzte Pfefferspray ein. Sechs Tatverdächtige wurden vorläufig festgenommen, sie kamen später wieder auf freien Fuß. Gegen 2 Uhr hatte sich die Lage nach Polizeiangaben wieder beruhigt.

Neue Virusvariante: Vietnam meldet Kombination aus britischem und indischem Virusstamm

10.24 Uhr: Die vietnamesischen Behörden haben nach eigenen Angaben eine neue Variante des Coronavirus nachgewiesen. Es handele sich um eine Kombination aus dem indischen und dem britischen Virusstamm, sagte Gesundheitsminister Nguyen Thanh Long am Samstag laut Staatsmedien.

Die neue Variante zeichne sich dadurch aus, dass sie sich rasch über die Luft weiterverbreite, sagte der Minister. Nach der Infektion steige die Virenlast im Rachen der Patienten sehr schnell an und verbreite sich dann sehr stark in der Umgebung. Zur Zahl der mit der neuen Variante infizierten Patienten äußerte sich Long nicht.

In Vietnam mit seinen 97 Millionen Einwohnern wurden bislang fast 7000 Coronainfektionen und 47 Todesfälle registriert – der größte Teil davon seit April. Gut eine Million Menschen sind bislang geimpft.

Alle Bundesländer unter Inzidenz-Schwelle von 50

10 Uhr: Alle Bundesländer in Deutschland sind in der Coronapandemie mittlerweile unter den politisch bedeutsamen Inzidenzwert von 50 gerutscht. Am Sonntag ging aus Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) hervor, dass nun auch Thüringen als letztes Bundesland unter dieser Marke liegt. Die dortige Sieben-Tage-Inzidenz gab das RKI mit 47,5 an. Bundesweit liegt der Wert bei 35,2. Besonders gut ist die Lage in den nördlicheren Bundesländern Mecklenburg-Vorpommern (14,7), Schleswig-Holstein (17,9), Brandenburg (20,0), Hamburg (22,4) und Niedersachsen (23,1).

Wie das RKI am Sonntagmorgen unter Berufung auf Angaben der Gesundheitsämter meldete, wurden 3852 Neuinfektionen und 56 Todesfälle in Verbindung mit dem Virus innerhalb eines Tages registriert. Allerdings liegt die Zahl an Wochenenden oder nach Feiertagen in der Regel niedriger als im Wochendurchschnitt, weil weniger getestet wird und weniger Testergebnisse übermittelt werden.

Die Gesamtzahl der seit Beginn der Pandemie registrierten Coronainfektionen in Deutschland liegt jetzt bei 3.679.148. Die Zahl der Todesopfer liegt bei 88.406.

Viele Schulen starten in den Regelbetrieb

8.53 Uhr: Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz liegt inzwischen deutlich unter 50, nur wenige Regionen liegen noch darüber. In vielen Bundesländern ist damit die Zeit des Distanz- und Wechselunterrichts vorbei. In Nordrhein-Westfalen starten die Schulen an diesem Montag flächendeckend wieder mit Präsenzunterricht. Voraussetzung ist, dass die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen unter 100 liegt. Dies war am Freitag in allen Kommunen der Fall. Die Masken- und Testpflicht gilt aber weiterhin.

Auch Länder wie Niedersachsen, das Saarland oder Hamburg kehren zu Wochenbeginn weitgehend zum Normalbetrieb mit ganzen Klassen zurück. In Brandenburg gilt das zunächst nur für die Grundschulen. Einzige Ausnahme ist die Stadt Brandenburg/Havel, wo die Zahlen noch zu hoch sind. In einer Woche sollen auch die weiterführenden Schulen folgen. In Mecklenburg-Vorpommern, dem Land mit der bundesweit geringsten Inzidenz, sind die Schüler schon am Donnerstag in die Klassen zurückgekehrt.

Die Coronazahlen sinken, die Zeit des Distanz- und Wechselunterrichts ist vielerorts vorbei

Die Coronazahlen sinken, die Zeit des Distanz- und Wechselunterrichts ist vielerorts vorbei

Foto: Arne Dedert/ dpa

Berlin dagegen will bis zu den Sommerferien (Beginn 24. Juni) am Wechselunterricht festhalten. In Rheinland-Pfalz stehen nach dem Ende der Pfingstferien in einer Woche noch zwei Wochen Wechselunterricht auf dem Stundenplan. In Bayern ist nach den Pfingstferien (ab 7.6.) bei stabilen Inzidenzen unter 50 überall Präsenzunterricht ohne Abstand geplant. Baden-Württemberg will nach den Ferien zumindest mit den Grundschulen sowie den Grundstufen der Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren zum Präsenzunterricht zurückkehren, sofern die Inzidenzen zwischen 50 und 100 liegen. Ab dem 11. Juni soll dies auch für alle Schüler von Klasse fünf gelten, die derzeit noch im Wechselunterricht sind.

Der Bundeselternrat kritisierte die unterschiedliche Marschroute der Länder. »Es ist wie seit Ausbruch der Pandemie: Jedes Bundesland macht, was es will«, sagte die Vorsitzende Sabrina Wetzel dem »Handelsblatt«. »Wir fordern auch bei den Öffnungen eine einheitliche Linie.« Für Eltern seien die unterschiedlichen Regelungen nicht nachvollziehbar. Und: »Es ist auch ungerecht den Kindern gegenüber.«

Sportmediziner: Infektionszahl in Bundesliga »relativ hoch«

8.10 Uhr: Sportmediziner Wilhelm Bloch hat sich erstaunt über die Zahl der Corona-Neuinfektionen in der abgelaufenen Saison der Fußball-Bundesliga gezeigt. »Abgeglichen mit dem, was wir an Fußballern in der Ersten Bundesliga haben, ist das doch schon ein relativ hoher Prozentsatz von Spielern, die sich infiziert haben«, sagte der Professor der Deutschen Sporthochschule in Köln dem Deutschlandfunk. Dem Sender zufolge haben die 18 Erstligisten in der vergangenen Spielzeit die Infektionen von 69 Profis öffentlich gemacht.

Das wären demnach rund 13 Prozent aller Bundesliga-Spieler und ein etwas höherer Schnitt als in der vergleichbaren Gruppe der Gesamtbevölkerung. Sportmediziner Bloch wies indes darauf hin, dass eine Blase, in der die Fußballprofis keinerlei Kontakt zur Außenwelt gehabt hätten, über eine Saison nicht umsetzbar gewesen sei.

Corona-Testsets

Corona-Testsets

Foto: Jens Büttner/ dpa

Nach Angaben der Deutschen Fußball Liga gab es in der abgelaufenen Spielzeit 217 Coronainfektionen im Kreis von Spielern, Trainern und Betreuern der Erst- und Zweitligisten. »In zwei Fällen war ein Krankenhausaufenthalt von Spielern erforderlich, bei denen jedoch erfreulicherweise jeweils eine Entlassung nach wenigen Tagen folgte«, sagte Nationalmannschaftsarzt Tim Meyer, der auch die Taskforce »Sportmedizin/Sonderspielbetrieb« des Profifußballs leitet.

Durch die hohe Zahl und zeitliche Dichte der Testungen habe es kaum eine Dunkelziffer bei den Infektionen im Profifußball gegeben, betonte der DFB-Mediziner. »Setzen wir die 217 positiven Fälle in Relation zu etwa 1700 regelmäßig getesteten Personen, liegt die Inzidenz in der Größenordnung der Allgemeinbevölkerung, wenn man die in Studien gefundene Dunkelziffer berücksichtigt.«

Scholz beharrt auf Homeoffice-Pflicht bis Ende Juni

07.36 Uhr: Bundesfinanzminister Olaf Scholz lehnt Forderungen aus der Wirtschaft nach einer frühzeitigen Aufhebung der Homeoffice-Pflicht ab. Der SPD-Kanzlerkandidat beharrt darauf, dass Arbeit im Homeoffice bis Ende Juni die Regel bleiben soll. Der Bundesverband der Deutschen Industrie hatte unter Verweis auf die Impffortschritte in dieser Woche eine Aufhebung der Homeoffice-Pflicht sowie der Corona-Testpflicht in Betrieben gefordert.

»Jetzt dürfen wir nicht leichtsinnig werden. Das Virus ist noch nicht besiegt. Deshalb halte ich es für absolut richtig, wie vereinbart die Pflicht zum Homeoffice beizubehalten«, sagte Scholz der »Bild am Sonntag«. Die Regelung läuft nach bisheriger Planung ohnehin am 30. Juni aus.

Lauterbach schlägt zur EM längere Öffnungszeiten für Außengastronomie vor

06.51 Uhr: SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach wünscht sich während der Fußball-Europameisterschaft Lockerungen für die Außengastronomie. In den EM-Wochen sollten »die Restaurants draußen länger als 22 Uhr öffnen dürfen, sodass auch alle 21-Uhr-Spiele geguckt werden können«, sagte der Politiker der »Bild am Sonntag«. Fanfeste und Public Viewing mit Hunderten Zuschauern seien in Zeiten der Coronapandemie nicht möglich, stellte Lauterbach fest. »Was gut gehen wird: mit neun Freunden zusammen im Außenbereich eines Restaurants die EM zu gucken«, sagte der 58-Jährige.

Lauterbach zufolge sind Öffnungsmaßnahmen mit Blick auf die deutlich gesunkene Zahl der Corona-Neuinfektionen und die lange Zeit der Einschränkungen zu rechtfertigen. »Die Menschen brauchen nach den harten Monaten Momente der Entspannung«, sagte er. Lauterbach forderte, dass zusätzlich auch Bürgersteige unbürokratisch für die EM-Angebote der Gastronomie zur Verfügung gestellt werden sollten.

Das paneuropäische Turnier beginnt am 11. Juni in Rom. Die drei Gruppenspiele der deutschen Mannschaft werden in München ausgetragen. In der Allianz-Arena findet auch ein Viertelfinale statt. Das Finale ist für den 11. Juli in London angesetzt.

Britischer Einzelhandelsverband befürchtet Schließungswelle

04.43 Uhr: Der britische Einzelhandelsverband, British Retail Consortium (BRC), befürchtet demnächst eine große Schließungswelle von Geschäften. Unter Berufung auf BRC-Umfragedaten seien zwei Drittel der britischen Einzelhändler von ihren Vermietern bereits darauf hingewiesen worden, dass nach dem Auslaufen des bisher geltenden Mietaufschubs ab dem ersten Juli rechtliche Schritte zur Eintreibung unbezahlter Mieten gegen sie veranlasst werden würden. BRC-Geschäftsführerin Helen Dickinson fordert die Regierung auf, das Moratorium für die Rückzahlung dieser Schulden bis Ende des Jahres zu verlängern. In den vergangenen Monaten seien aufgrund mehrerer Lockdowns insgesamt Mietschulden in Höhe von 2,9 Milliarden Pfund (ca. 3,4 Milliarden Euro) aufgelaufen.

Reiner Haseloff will Produktionskapazitäten aus Asien zurückholen

03.58 Uhr: Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) fordert als Lehre aus der Coronavirus-Pandemie, zukünftig in vielen Bereichen autarker zu werden. »Produktionskapazitäten, Forschungseinrichtungen, Medikamente – all das muss in einem ausreichenden Maß in Deutschland bereitstehen«, sagte der CDU-Politiker der »Welt am Sonntag« laut einem Vorabbericht. Deutschland müsse Produktionskapazitäten aus Asien zurückholen und dafür auch bereit sein, unter seinen Hochlohnbedingungen mehr Geld auszugeben. »Es kann nicht sein, dass wir auf pharmazeutische Zusatzstoffe, Masken oder Medikamente warten müssen, weil aus Asien aufgrund der Pandemie nicht mehr ausreichend geliefert werden kann«, so Haseloff.

EU-Parlamentspräsident rechnet im Juli mit Impfquote von 70 Prozent

03.35 Uhr: EU-Parlamentspräsident David Sassoli rechnet mit schnellen Fortschritten bei den Coronaimpfungen in Europa. »Inzwischen wurden mehr als 237 Millionen Dosen zugelassener Impfstoffe in ganz Europa ausgeliefert. Die Einführung beschleunigt sich weiter, und die Mitgliedstaaten sind auf dem besten Weg, bis Mitte Juli mindestens 70 Prozent der erwachsenen Bevölkerung geimpft zu haben«, sagte Sassoli den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Sonntagsausgaben) laut einem Vorabbericht. Der EU-Parlamentspräsident erklärte weiter, dass ein digitaler Impfausweis ab dem 1. Juli in Kraft treten werde, der »schon diesen Sommer einen möglichst reibungslosen und zugleich sicheren Reiseverkehr ermöglichen soll«. Dies sei ein großer Schritt zurück zur Normalität.

Halbe US-Bevölkerung mindestens einmal geimpft

02.27 Uhr: In den USA hat inzwischen die Hälfte aller rund 330 Millionen Einwohner mindestens die erste Impfung gegen das Coronavirus bekommen. Rund 40 Prozent der Bevölkerung sind schon vollständig geimpft. Die Zahl der Erstimpfungen stieg auf 167,2 Millionen, womit 50,3 Prozent der Bevölkerung mindestens eine Spritze bekommen haben, wie am Samstag (Ortszeit) aus Zahlen der Gesundheitsbehörde CDC hervorging.

Auf die Zahl der rund 260 Millionen Erwachsenen in den USA bezogen, ergibt sich eine noch höhere Impfquote: Gut 62 Prozent von ihnen bekamen bislang mindestens eine Impfung, mehr als 51 Prozent sind vollständig geimpft, wie die CDC-Daten zeigen. In der besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppe ab 65 Jahren erhielten demnach bereits 86 Prozent mindestens eine Dosis eines Impfstoffs.

US-Präsident Joe Biden hat als Ziel ausgegeben, dass bis zum Unabhängigkeitstag am 4. Juli rund 70 Prozent aller Erwachsenen mindestens die erste Impfung erhalten haben sollen. Viele Bundesstaaten, Kommunen und Unternehmen bieten inzwischen deutliche Anreize – von der Verlosung von Millionengewinnen bis hin zu Kreuzfahrten – um die Impfquote weiter zu erhöhen.

5000 Menschen besuchen Corona-Testkonzert in Paris

Konzert von Indochine in Paris

Konzert von Indochine in Paris

Foto: STEPHANE DE SAKUTIN / AFP

01.27 Uhr: In Paris haben Tausende Menschen ein Corona-Testkonzert besucht. 5000 Menschen tanzten am Samstag in der Konzertarena im Stadtteil Bercy zur Musik der Rockband Indochine. Forscher wollen mit dem Testkonzert herausfinden, wie hoch das Corona-Infektionsrisiko bei Großveranstaltungen ist.

Als Besucher des Testkonzerts zugelassen waren nur 18- bis 45-Jährige ohne Vorerkrankungen. Sie mussten sich vor dem Konzert auf das Coronavirus testen lassen und während der Veranstaltung Masken tragen. Die Einschränkungen taten der Freude vieler Konzertbesucher an dem Event keinen Abbruch. »Wir haben so lange darauf gewartet, dass Veranstaltungen wie diese wieder stattfinden können«, sagte die 26-jährige Camille. »Ein Konzert gefunden zu haben, noch dazu von Indochine, das ist wirklich großartig.«

Eine Woche nach dem Konzert müssen sich die Konzertbesucher erneut auf das Coronavirus testen lassen. Ihre Daten werden dann mit jenen einer Kontrollgruppe aus 2500 Menschen verglichen, die den Samstagabend zu Hause verbringen mussten. Vergleichbare Testveranstaltungen hat es bereits in Spanien und Großbritannien gegeben. Dort hatten die Forscher kein erhöhtes Infektionsrisiko festgestellt.

Lauterbach hält deutsches Impfziel nur mit Impfung von Jugendlichen für erreichbar

00.52 Uhr: Deutschland kann nach Ansicht des SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach sein Impfziel in der Coronakrise nur mit einer konsequenten Impfung von Kindern und Jugendlichen erreichen. »Unser Impfziel von 80 Prozent schaffen wir nicht, ohne auch die 12- bis 18-Jährigen zu impfen«, sagte Lauterbach der »Bild am Sonntag«. Bei den Jugendlichen sei eine Impfquote von 65 Prozent anzustreben. »Dafür sollte auch in den Schulen geimpft werden, um es den Familien möglichst leicht zu machen«, schlug der SPD-Politiker vor.

Lauterbach warnte, Kinder und Jugendliche würden unter einer vierten Coronawelle besonders leiden. »Das müssen wir verhindern. Deshalb sollten sie im Frühsommer bevorzugt ein Impfangebot bekommen«, forderte der Gesundheitsexperte.

Söder fordert schnelle Entscheidung über Zulassung von Sputnik V

00.20 Uhr: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder fordert eine rasche Entscheidung über die Zulassung des russischen Corona-Impfstoffs Sputnik V in der EU. »Der Impfmotor darf nicht stottern. Vor allem das Verfahren um Sputnik V muss beschleunigt werden«, sagte der CSU-Chef der »Bild am Sonntag«. »Es darf nicht aus rein ideologischen Gründen getrödelt werden.«

Wie das Blatt unter Berufung auf Regierungskreise meldet, rechnen die Zulassungsbehörden wegen fehlender Daten offenbar frühestens im September mit einer Entscheidung. Bayern hat eine Kaufoption über 2,5 Millionen Sputnik-V-Dosen. Der Impfstoff ist bereits seit neun Monaten auf dem russischen Markt und in fast 70 Staaten registriert. Derzeit prüft die EU-Arzneimittelbehörde EMA die Zulassung für die EU. Auch ohne diese Zulassung verwenden in der Europäischen Union bereits Ungarn und die Slowakei das russische Präparat.

löw/nck/mjm/dpa/AFP/Reuters
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