Corona-News am Dienstag Stiko-Mitglied: Statt Kinder mehr Erwachsene impfen

Eva Hummers von der Ständigen Impfkommission hat an ungeimpfte Erwachsene appelliert, sich die Spritze geben zu lassen – zugunsten der Kinder. Und: Frankreich verschärft Corona-Auflagen auch für Touristen. Der Überblick.
Impf-Drive-in auf einem Ikea-Parkplatz in Berlin-Lichtenberg

Impf-Drive-in auf einem Ikea-Parkplatz in Berlin-Lichtenberg

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STEFAN ZEITZ / imago images/Stefan Zeitz

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+++ Stiko-Mitglied: Statt der Kinder mehr Erwachsene impfen +++

21.53 Uhr: Die Medizinerin Eva Hummers, die der Ständigen Impfkommission des RKI angehört, hat an die noch nicht gegen Corona geimpften Erwachsenen appelliert, sich die Spritze geben zu lassen – auch zugunsten der Kinder. »Es kann ja nicht sein, dass wir jetzt die Kinder in die Verantwortung nehmen und sagen, sie müssen sich impfen lassen, um impfunwillige Erwachsene in ihrem Umfeld zu schützen, während wir noch nicht wissen, ob die Impfung möglicherweise oder in welchem Umfang sie möglicherweise für die Kinder eine Gefährdung ist«, sagte Hummers dem »Mannheimer Morgen«.

Zugleich kritisierte die Professorin aus Göttingen die Forderungen an die Ständige Impfkommission (Stiko), die Corona-Impfung auch für Kinder zu empfehlen. »Ich finde es nicht sachgerecht und auch unangemessen, wenn die Stiko von manchen Politikern als eine etwas verschlafene Gruppe dargestellt wird, die man daran erinnern müsse, eine Meinung zu äußern«, sagte Hummers, die seit 2011 Mitglied der Kommission ist. »Eine Stiko-Empfehlung ist immer das Ergebnis einer systematischen Aufarbeitung aller verfügbaren Daten. Dafür hat sie eine eigene Geschäftsstelle mit hoch qualifizierten Wissenschaftlern, die diese aufwendige Arbeit vorbereitet.«

Antikörper gegen Sars-CoV-2 noch monatelang nach Infektion nachweisbar

21.16 Uhr: Italienische Forscher haben mehrfach das Blut von Bewohnern der Gemeinde Vo getestet, in der im vergangenen Jahr der erste Italiener an Covid-19 gestorben war. Ihre Ergebnisse haben sie jetzt veröffentlicht – mehr dazu lesen Sie hier.

Stiko-Mitglied: Statt der Kinder mehr Erwachsene impfen

20.56 Uhr: Die Medizinerin Eva Hummers, die der Ständigen Impfkommission des RKI angehört, hat an die noch nicht gegen Corona geimpften Erwachsenen appelliert, sich die Spritze geben zu lassen – auch zugunsten der Kinder.

»Es kann ja nicht sein, dass wir jetzt die Kinder in die Verantwortung nehmen und sagen, sie müssen sich impfen lassen, um impfunwillige Erwachsene in ihrem Umfeld zu schützen, während wir noch nicht wissen, ob die Impfung möglicherweise oder in welchem Umfang sie möglicherweise für die Kinder eine Gefährdung ist«, sagte Hummers dem »Mannheimer Morgen«.

Frankreich verschärft Corona-Maßnahmen auch für Touristen

20.39 Uhr: Angesichts deutlich steigender Corona-Infektionszahlen verschärft Frankreich ab Mittwoch die Auflagen für Einheimische und auch für Touristen. In Sehenswürdigkeiten wie dem Pariser Eiffelturm sowie in Freizeitparks, Konzertsälen, Museen oder Kinos mit mindestens 50 Besuchern wird ein sogenannter Gesundheitspass Pflicht. Er gibt Aufschluss über eine Impfung, eine überstandene Infektion oder einen negativen Corona-Test. In Diskotheken und bei Festivals gilt er bereits.

Touristen oder andere Frankreich-Reisende aus dem Ausland können eine vollständige Impfung etwa mit dem EU-weit gültigen Corona-Zertifikat auf dem Handy nachweisen. Ein negativer Corona-Test darf in der Regel höchstens 48 Stunden alt sein und kann auch in Papierform vorliegen. Bei Verstößen drohen Geldbußen von bis zu 1500 Euro. Am Wochenende hatten zehntausende Franzosen gegen die neuen Maßnahmen demonstriert. Die Regierung begründet sie mit der hoch ansteckenden Delta-Variante.

Spanien: Mehr als 80 Prozent neuer Fälle bei Ungeimpften

20.38 Uhr: Mehr als 80 Prozent der neuen Fälle in Spanien in den vergangenen fünf Wochen sind Gesundheitsministerin Carolina Darias zufolge bei Ungeimpften aufgetreten. Nur gut fünf Prozent entfielen auf komplett Geimpfte, sagt sie. Seit Ende Juni steigt die Zahl der neuen Fälle in Spanien wieder kontinuierlich. Zuletzt wurden 27.286 weitere Infektionen gemeldet.

Coronazahlen auf Mallorca steigen weiter

Hochsaison am Strand von Paquera auf Mallorca

Hochsaison am Strand von Paquera auf Mallorca

Foto: Chris Emil Janssen / imago images/Chris Emil Janßen

20.21 Uhr: Die Coronazahlen auf Mallorca sind weiter angestiegen. Die Zahl der Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen wurde nach aktuellen Angaben des spanischen Gesundheitsministeriums vom Dienstagabend mit 335 angegeben. Am Vortag hatte der Wert bei 310, vergangenen Freitag jedoch noch bei 270 gelegen.

Im Corona-Hotspot Katalonien mit der Touristenmetropole Barcelona gingen die Zahlen hingegen erstmals wieder leicht zurück. Die Sieben-Tage-Inzidenz sank von 612 am Montag auf 579 am Dienstag. Alle Daten, auch die für ganz Spanien mit 327, liegen allerdings weit über der Marke von 200, ab der Deutschland eine Region oder ein ganzes Land zum Hochinzidenzgebiet erklären kann. Dann kommt auf Rückkehrer, die nicht vollständig geimpft oder von Corona genesen sind, eine Quarantäne von mindestens fünf Tagen zu.

BVB und Schalke: Besondere Impfangebote für Fans

18.51 Uhr: Die Revierklubs Borussia Dortmund und Schalke 04 unterbreiten den Fußballfans besondere Impfangebote. Beim DFB-Pokalsieger BVB besteht ab Donnerstag im Signal Iduna Park eine Impfmöglichkeit, im Anschluss können die Anhänger einen Spaziergang im Stadion und ein Foto mit dem DFB-Pokal machen.

Zum ersten Saisonspiel des Zweitligisten Schalke am kommenden Freitag wird zudem der Impfbus der Stadt Gelsenkirchen an der Arena haltmachen. Die Anhänger haben dann im Rahmen des Topspiels gegen den Hamburger SV die Möglichkeit zur Schutzimpfung. Der Bus wird von 18 bis 22.30 Uhr vor Treppenhaus 9 stehen. Eine Anmeldung vorab ist nicht nötig. Es werden nur Erstimpfungen durchgeführt, dabei wird der Impfstoff von Biontech/Pfizer verwendet.

Beim BVB stehen die Vakzine von Biontech und Johnson & Johnson zur Verfügung. Mit Blick auf den Herbst und mögliche steigende Inzidenzzahlen sei es wichtig, »den Impfschutz in der Bevölkerung so groß wie möglich zu gestalten«, teilte die Borussia mit. Das könne die Chance auf die Rückkehr möglichst vieler Fans zu den Spielen erhöhen.

Griechisch-orthodoxe Kirche ruft Gläubige zur Impfung auf

18.39 Uhr: Die Synode der griechisch-orthodoxen Kirche hat ein Rundschreiben mit zwölf Fragen und Antworten zum Thema Corona-Impfung verfasst, das in den Kirchen des Landes den Gläubigen verlesen werden soll. In dem vierseitigen Schreiben, das die griechische Zeitung »Kathimerini« veröffentlichte, werden nicht nur medizinische Fragen etwa nach der Wirkung der Impfung gegen die Delta-Variante behandelt. Es wird dort auch auf gängige Verschwörungstheorien eingegangen.

»Corona-Impfstoffe enthalten keine Mikrochips. Dies sind unrealistische Theorien, die auf Fehlinformationskampagnen im Internet beruhen«, heißt es in dem Papier. Auch eine in Griechenland beliebte Verschwörungstheorie, wonach Impfstoffe Zellen von Embryonen enthalten sollen, wird klargestellt – das sei bei keinem Impfstoff der Fall, informiert die Synode.

Die Corona-Zahlen in Griechenland sind in jüngster Zeit stark gestiegen, während die Nachfrage nach Impfungen sinkt. Am Dienstag meldete die griechische Gesundheitsbehörde 3565 Neuinfektionen binnen 24 Stunden für die rund 11 Millionen Einwohner. Die Regierung versucht mit verschiedenen Maßnahmen, die Impfungen voranzutreiben – etwa mit einer Bezahlkarte im Wert von 150 Euro für junge Menschen, wenn sie sich impfen lassen, aber auch mit Zwang. So sind Impfungen mittlerweile im Pflege- und Gesundheitssektor Pflicht; wer sich weigert, wird von der Arbeit freigestellt und erhält kein Geld mehr.

Die Unterstützung der Kirche dürfte im Kampf für mehr Impfungen wertvoll sein. Gerade religiöse Menschen gehören in Griechenland zu den Impf-Skeptikern. Zudem sind rund 95 Prozent aller Griechen mindestens auf dem Papier griechisch-orthodox – die Orthodoxie ist in der Verfassung als herrschende Religion verankert.

Delta-Variante macht in USA mehr als 80 Prozent der Infektionen aus

17.43 Uhr: Die besonders ansteckende Delta-Variante des Coronavirus ist in den USA offiziellen Schätzungen zufolge inzwischen für rund 83 Prozent aller untersuchten Infektionen verantwortlich. »Das ist ein dramatischer Anstieg«, sagte die Chefin der US-Gesundheitsbehörde CDC, Rochelle Walensky, bei einer Anhörung im Senat. Noch Anfang Juli sei die Variante nur für rund die Hälfte der untersuchten Infektionen verantwortlich gewesen.

In Landesteilen mit niedrigerer Impfquote liege der Anteil der Delta-Variante inzwischen sogar noch höher als 83 Prozent, sagte Walensky. Sie forderte alle Amerikaner erneut auf, sich möglichst bald impfen zu lassen. Rund 99,5 Prozent aller Corona-Todesfälle beträfen inzwischen Ungeimpfte. Die Impfungen schützten auch gegen die Delta-Variante und seien die wichtigste Waffe im Kampf gegen die Pandemie, so die CDC-Chefin.

In den USA haben bislang gut 68 Prozent der Erwachsenen – das sind etwas mehr als 176 Millionen Menschen – mindestens die erste Impfung erhalten, wie CDC-Daten zeigen. Gut 59 Prozent aller Erwachsenen haben bereits beide Spritzen bekommen. In Bezug auf die Gesamtbevölkerung von rund 330 Millionen haben bislang 56 Prozent der Menschen mindestens die erste Impfung erhalten.

Sicherheitslücke beim Corona-Pass in Österreich

17.14 Uhr: Die App zur Speicherung des Grünen Corona-Passes in Österreich weist nach Darstellung von Experten Sicherheitsmängel auf. Der benötigte QR-Code lasse sich relativ leicht fälschen, berichtete das Onlinemedium futurezone.at unter Berufung auf Studierende der Hochschule Hagenberg.

In der App können Getestete, Geimpfte und Genesene ihre entsprechenden Nachweise speichern. Dafür müssen sie QR-Codes einscannen, die auf den offiziellen Dokumenten über die Webseite des Gesundheitsportals heruntergeladen werden können. Die Studierenden stellten fest, dass dabei nicht geprüft wird, ob der QR-Code tatsächlich gültig ist. Die Überprüfung erfolge erst durch den Scan mit der zweiten App »Green Check« vor Ort durch das Personal in Restaurants, beim Friseur oder auf Reisen. Allerdings findet erfahrungsgemäß diese Überprüfung im Alltag nicht immer statt. Das Gesundheitsministerium kündigte eine Behebung der Sicherheitslücke mit dem nächsten Update an.

In Deutschland überprüft etwa die App des Robert Koch-Instituts direkt beim Hinzufügen des Zertifikats, ob der QR-Code überhaupt gültig ist. Falls nicht, kann das Zertifikat gar nicht in der App gespeichert werden.

EMA startet Prüfverfahren für französischen Corona-Impfstoff

17.13 Uhr: Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hat ein schnelles Prüfverfahren für den Corona-Impfstoff des französischen Herstellers Sanofi Pasteur eingeleitet. Nach den bisher vorliegenden Daten aus Laborstudien und klinischen Versuchen könnte das Präparat Vidprevtyn vor einer Covid-19-Erkrankung schützen, teilte die EMA mit. Wann das Verfahren abgeschlossen sein wird, ist unklar.

Nach dem beschleunigten Rolling-Review-Verfahren bewerten die Experten die Daten bereits, bevor die Versuchsreihe abgeschlossen und ein offizieller Zulassungsantrag gestellt ist. Dieses Verfahren dauert so lange, bis genug Daten für einen Antrag auf Marktzulassung in der EU vorliegen. Vidprevtyn ist ein Protein-basierter Impfstoff. Er soll den Körper in die Lage versetzen, Antistoffe gegen das Virus herzustellen.

Zurzeit werden noch vier andere Corona-Impfstoffe geprüft. Bisher wurden vier Präparate in der EU zugelassen. Das sind die Impfstoffe von Pfizer/Biontech, Moderna, AstraZeneca und Johnson & Johnson.

Bekannter Impf-Befürworter räumt Panne bei Corona-Impfungen ein

16.50 Uhr: Der bundesweit bekannte schwäbische Hausarzt und Impf-Befürworter Christian Kröner hat auf eine Panne bei den Corona-Schutzimpfungen in seiner Praxis hingewiesen. Der Mediziner teilte seinen Patienten mit, dass Impfstoffe möglicherweise zu warm gelagert worden seien und damit die Wirksamkeit beeinträchtigt sein könnte. »Wir sind alle über diesen Vorfall erschüttert, können es aber leider nicht mehr nachträglich korrigieren«, heißt es in einer Erklärung der Praxis. Mehrere Medien hatten darüber berichtet.

Der Allgemeinarzt aus Neu-Ulm hat in zahlreichen Medien für die Impfung geworben. Wegen seiner Haltung wird er allerdings auch scharf kritisiert. Die Kripo ermittelt wegen zahlreicher Drohungen.

Zu der Panne mit den Impfstoffen sei es gekommen, weil der Praxis-Kühlschrank »etwas zu warm« eingestellt gewesen sei, teilte er mit. Um zu prüfen, dass die Impfung dennoch wirksam sei, empfiehlt Kröner, das Blut auf Antikörper kontrollieren zu lassen. Eine Gefahr für die Patienten gebe es durch die warme Lagerung nicht.

Auf Twitter erntete Kröner wegen der Panne am Dienstag Kritik. Manche Nutzer zollten dem Arzt aber auch Respekt dafür, dass er den Vorfall so offen kommuniziere.

Sprunghafter Anstieg der Corona-Infektionen in Frankreich

16.34 Uhr: In Frankreich hat sich die Corona-Lage deutlich verschlechtert. Wie Gesundheitsminister Olivier Véran mitteilte, wurden binnen eines Tages 18.000 Neuinfektionen registriert. Das entspricht nach Angaben des Ministers einem Anstieg von 150 Prozent in einer Woche. »So etwas haben wir noch nie gesehen«, sagte Véran. Die französische Regierung spricht von einer vierten Corona-Welle und führt sie auf die hoch ansteckende Deltavariante zurück.

Ab Mittwoch verschärft die Regierung deshalb die Corona-Auflagen wieder: In Sehenswürdigkeiten wie dem Pariser Eiffelturm sowie in Freizeitparks, Konzertsälen, Museen oder Kinos mit mindestens 50 Besuchern wird ein sogenannter Gesundheitspass Pflicht. Er gibt Aufschluss über eine Impfung, eine überstandene Infektion oder einen negativen Coronatest.

In Diskotheken oder bei großen Festivals gilt der Pass bereits, ab August muss er erstmals auch in Restaurants oder Fernzügen vorgezeigt werden. Auch Touristen müssen einen negativen Test oder eine Impfung nachweisen, sonst drohen Geldbußen von bis zu 1500 Euro.

Am Wochenende hatten zehntausende Franzosen gegen die neuen Maßnahmen demonstriert. Premierminister Jean Castex kündigte deshalb an, das zugrunde liegende Gesetz dem Verfassungsrat zur Prüfung vorzulegen. Es sieht auch eine Impfpflicht für das Gesundheits- und Pflegepersonal vor. Bisher sind gut 45 Prozent der Franzosen vollständig geimpft. Einige Abgeordnete erhielten wegen der neuen Corona-Auflagen Morddrohungen. Die Pariser Staatsanwaltschaft eröffnete deshalb Ermittlungen.

Britische Regierung stiftet Verwirrung zu Quarantäne-Regeln

15.30 Uhr: Die britische Regierung hat mit widersprüchlichen Äußerungen über die Regeln für Kontaktpersonen Corona-Infizierter erneut für Verwirrung gesorgt. Staatssekretär Paul Scully hatte am Dienstagmorgen der BBC gesagt, es sei den Menschen oder ihren Arbeitgebern selbst überlassen, wie sie mit Aufforderungen zur Selbstisolation über die Corona-Warn-App umgehen. Kurze Zeit später teilte eine Regierungssprecherin aber mit, es sei »äußerst wichtig«, sich an die Aufforderungen zu halten, egal ob sie von der App oder durch einen Anruf von Mitarbeitern des Gesundheitsdienstes kommen.

Der massive Anstieg von Neuinfektionen und die gleichzeitige Aufhebung fast aller Corona-Maßnahmen führt in England zu immer mehr Schwierigkeiten. Weil sich Hunderttausende Menschen derzeit als Kontaktpersonen in Selbstisolation befinden, fallen Züge aus, werden Läden geschlossen und gehen Schulen vorzeitig in die Sommerferien.

Auch Premierminister Boris Johnson ist derzeit auf seinem Landsitz Chequers in häuslicher Quarantäne, nachdem er Kontakt mit seinem an Covid-19 erkrankten Gesundheitsminister Sajid Javid hatte. Dazu entschied er sich allerdings erst nach einem öffentlichen Aufschrei – zuerst hatte er mitgeteilt, an einem Pilotprojekt teilzunehmen, das statt Isolation tägliche Tests vorsehe.

BVB-Stadion wird zum Impfzentrum

Im Signal Iduna Park in Dortmund gibt es ab Donnerstag Impfungen mit »besonderem Highlight«

Im Signal Iduna Park in Dortmund gibt es ab Donnerstag Impfungen mit »besonderem Highlight«

Foto: Roger Petzsche/ imago images/Picture Point LE

15.24 Uhr: Borussia Dortmund macht seinen Fans ein besonderes Impfangebot. Zur Förderung des Impftempos in Deutschland bietet der Fußball-Bundesligist einen zusätzlichen Anreiz. »Als besonderes Highlight könnt Ihr im Anschluss an den kleinen Piks einen Spaziergang im Stadion machen und Euren Impftermin durch ein Foto mit dem DFB-Pokal abrunden«, teilte der Verein mit.

Mit Blick auf den Herbst und voraussichtlich steigende Inzidenzzahlen sei es wichtig, »den Impfschutz in der Bevölkerung so groß wie möglich zu gestalten«. Das könnte die Chance auf die Rückkehr möglichst vieler Fans zu den Spielen der Borussia erhöhen. »Wir alle sehnen uns danach«, schrieb der Verein. Von Donnerstag an stehen im Stadion die Impfstoffe Biontech sowie Johnson & Johnson zur Verfügung. »Macht mit, lasst Euch impfen und leistet Euren Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie«, appellierte der Revierclub an die Fans.

Gefälschte Remdesivir-Präparate in Mexiko gefunden

15.04 Uhr: In einer privaten Klinik in der mexikanischen Stadt Tampico nahe der US-amerikanischen Grenze sind den lokalen Behörden zufolge gefälschte Präparate des Medikaments Remdesivir gefunden worden. Diese würden demnach auch im Internet angeboten. Die Präparate, die die nationale Kommission zur medizinischen Sicherheit als Gesundheitsrisiko einstufte, wurden von dem Krankenhaus demnach auf »irreguläre Weise« im Internet gekauft. Ob sie auch zum Einsatz kamen, war zunächst nicht bekannt.

Der Hersteller des Original-Medikaments, Gilead Sciences, bestätigte die Fälschung. Remdesivir ist in den USA und Mexiko zur Behandlung von Covid-19-Erkrankungen zugelassen. In der EU hat das Medikament eine bedingte Zulassung erhalten. Es soll vor allem die Dauer bis zur Genesung verkürzen, hat jedoch keinen Einfluss auf die Hospitalisierungsdauer sowie auf die Notwendigkeit einer mechanischen Beatmung.

Analysten rechnen schon seit Längerem damit, dass kriminelle Gangs in Mexiko versuchen, Impfstoffe oder Medikamente zu stehlen oder zu fälschen. Im Februar wurden im Norden des Landes sechs Menschen festgenommen, die gefälschte Impfstoffe schmuggelten und diese für umgerechnet 2000 Dollar pro Dosis verkauften. Mexiko kämpft derzeit mit einer dritten Corona-Welle. 236.000 Menschen sind bisher nach einem positiven Corona-Test verstorben, die Dunkelziffer wird aber um einiges höher geschätzt.

Neuer Fallrekord in Iran

15.03 Uhr: Eine von der Deltavariante ausgelöste Welle von Coronavirus-Infektionen hat in Iran einen weiteren Tagesrekord erreicht. Wie das Gesundheitsministerium in Teheran mitteilte, wurden in 24 Stunden 27.444 neue Corona-Fälle registriert, 250 Menschen starben mit dem Virus. Der Großraum Teheran befindet sich bereits in einem einwöchigen Lockdown.

Die Zahl der Todesfälle seit Beginn der Pandemie stieg damit auf 87.624 bei mehr als 3,5 Millionen Infektionen insgesamt. Die iranischen Behörden haben vor Kurzem vor einer neuen Covid-Welle wegen der hochansteckenden Deltavariante gewarnt. Im von internationalen Sanktionen hart getroffenen Land kommt die Impfkampagne nur schleppend voran, weniger als zwei Prozent der 84 Millionen Menschen in Iran haben bisher zwei Impfdosen erhalten, meist mit russischen und chinesischen Vakzinen.

Mitteleuropäische Staaten wollen Corona-Maßnahmen koordinieren

14.42 Uhr: Fünf Staaten Mitteleuropas wollen ihren Kampf gegen die Coronapandemie stärker koordinieren. Das beschlossen die Außenminister von Österreich, Tschechien, Ungarn, Slowenien und der Slowakei bei einem Treffen im tschechischen Melnik bei Prag. Ziel sei es, sich nicht gegenseitig mit einseitigen Maßnahmen zu überraschen, sagte der tschechische Gastgeber Jakub Kulhanek. Zugleich betonte er, dass man angesichts neuer Virusvarianten achtsam bleiben müsse.

Alle fünf Politiker betonten die Wichtigkeit der Impfkampagnen. Die Pandemie sei noch nicht zu Ende, mahnte der österreichische Chefdiplomat Alexander Schallenberg. Sein ungarischer Kollege Peter Szijjarto warnte in diesem Zusammenhang vor »Fake News«: Wer Falschinformationen über die Impfung in Umlauf bringe, sei unmittelbar für die Opfer einer vierten Corona-Welle verantwortlich. Das erste Außenministertreffen im sogenannten C5-Format, auch Central5 genannt, fand vor einem Jahr in Wien statt.

Forstgewerkschaft schlägt mehr Unterricht im Freien vor

14.20 Uhr: Auch mit Blick auf die Coronapandemie hat die Forstgewerkschaft gefordert, Schülerinnen und Schüler mehr draußen zu unterrichten. Neben der Wiederaufnahme des Regelunterrichts sollten »die Vorteile des Draußenlernens« genutzt werden, erklärte der Bund Deutscher Forstleute (BDF).

»Schule im Wald ist kein grüner Spleen, sondern die Vorteile für das Lernen und die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen sind mittlerweile gut erforscht«, erklärte der BDF-Bundesvorsitzende Ulrich Dohle.

Er forderte öffentliche Waldbesitzer dazu auf, die Einrichtung von Waldkindergärten, Schulwäldern und Waldklassenzimmern aktiv zu unterstützten. Zudem müssten finanzielle Lösungen geschaffen werden, damit Schüler mit dem öffentlichen Personennahverkehr in den Wald kommen können.

Nachverfolgung von Corona-Kontakten auf Mallorca wird schwieriger

14.17 Uhr: Angesichts stark steigender Corona-Zahlen wird die Nachverfolgung enger Kontakte von Infizierten auf Mallorca einem Medienbericht zufolge zunehmend schwieriger. Zurzeit gebe es auf den Balearen, zu denen neben Mallorca auch Menorca, Ibiza und Formentera gehören, insgesamt 7460 mit dem Virus Infizierte, schrieb die Zeitung »Diario de Mallorca«. Statistisch kämen auf jeden Infizierten fünf enge Kontakte – also insgesamt 37.300 Menschen, die sich für zehn Tage isolieren müssten.

Für die Nachverfolgung so vieler Kontakte und die Kontrolle, ob sich die Menschen auch an die Vorgaben hielten, hätten die Behörden nicht ausreichend Personal, hieß es. Die Zahl der Neuinfektionen je 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen kletterte auf den Balearen nach Angaben vom Dienstag auf 322.

Obwohl es sich bei den meisten Betroffenen um junge Menschen handelt, die oft mildere Krankheitssymptome aufweisen, nahm der Druck auf die Krankenhäuser der Inseln langsam wieder zu. Die Zahl der Corona-Patienten stieg von 23 vor vier Wochen auf jetzt 181, davon 33 auf Intensivstationen. Insgesamt waren damit mehr als zwölf Prozent aller Intensivbetten mit Corona-Patienten belegt. Die Todesrate blieb vergleichsweise niedrig. Nach offiziellen Angaben wurden zwei Fälle binnen sieben Tagen registriert.

Die Inselregierung hat wegen der besorgniserregenden Entwicklung wieder schärfere Einschränkungen ab dem Wochenende angekündigt, die aber noch von der Justiz genehmigt werden müssen. Wann dies geschehen würde, war zunächst unbekannt. Im Kern zielen die Maßnahmen auf die Einschränkung des Nachtlebens zwischen 01.00 und 06.00 Uhr, um Partys und Trinkgelage junger Leute unter freiem Himmel zu unterbinden.

Hamburg: Reiserückkehrer machen ein Viertel der Neuinfektionen aus

13.54 Uhr: Reiserückkehrer machen Medienberichten zufolge derzeit in Hamburg rund ein Viertel der Corona-Neuinfektionen aus. So sei in der vergangenen Woche in 69 Fällen ein Infektionsort im Ausland angegeben worden, teilte die Gesundheitsbehörde mit. Davon seien allein 34 Infektionen auf einen Aufenthalt in Spanien zurückzuführen. Als weitere Länder seien die Türkei, Russland, Kirgistan, Niederlande, Portugal und Frankreich genannt worden.

Dabei gehe es nur um die unmittelbaren Infektionen im Urlaubsland, sagte ein Behördensprecher. Die Zahl der mittelbar durch Reiserückkehrer in Hamburg Infizierten dürfte entsprechend höher liegen. Die im Zusammenhang mit Auslandsreisen festgestellten Corona-Fälle nehmen den Angaben zufolge seit Beginn der Reisezeit deutlich zu: Waren es Anfang Juni noch 4 pro Woche, stieg die Zahl binnen drei Wochen auf 20. In der zweiten Juliwoche waren es bereits 37 Fälle.

Ein vergleichbarer Trend sei bereits in und nach den Reisezeiten im vergangenen Jahr zu beobachten gewesen, hieß es. Heimkehrende Hamburgerinnen und Hamburger würden deshalb im Rahmen einer Informationskampagne an Flughäfen, Bahnhöfen, Autobahnauffahrten und an Schuleingängen an die gültigen Einreise- und Quarantänebestimmungen erinnert.

Lauterbach gegen Sammelunterkünfte für Flutopfer

13.35 Uhr: Angesichts steigender Corona-Infektionszahlen hat SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach davor gewarnt, Flutopfer in den Hochwasserregionen in Sammelunterkünften unterzubringen. »Massenunterkünfte sind eine Gefahr für die Menschen, denn dort herrscht ein hohes Corona-Ansteckungsrisiko«, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Solche beengten Unterkünfte seien daher unbedingt zu vermeiden, mahnte der Mediziner. Stattdessen sollten Flutopfer in Hotels und Einzelunterkünften untergebracht werden. Nur so ließen sich Massenausbrüche verhindern und die Zahl der vermeidbaren Kontakte eingrenzen. »Es wäre fatal, wenn die ohnehin dramatische Situation in den Hochwasserregionen durch massenhafte Infektionen mit der Delta-Variante zusätzlich erschwert würde.« Zugleich rief Lauterbach dazu auf, mobile Impfteams in den Katastrophenregionen einzusetzen.

Hubertus Heil kritisiert NS-Vergleiche auf Corona-Demos

12.58 Uhr: Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hat 77 Jahre nach dem Attentat auf Adolf Hitler den Widerstandskämpfern im Nationalsozialismus gedacht und zugleich vor NS-Vergleichen durch Kritiker der Corona-Maßnahmen gewarnt. »Der Missbrauch des Widerstands gehört längst zum geschmack- und geschichtslosen Narrativ eines bestimmten politischen Milieus in Deutschland«, sagte Heil bei einer Veranstaltung in der Gedenkstätte Berlin-Plötzensee. »Eines Milieus, das gleichzeitig die Nähe zu den geistigen Erben des Nationalsozialismus nicht scheut«, fügte er hinzu.

Der Minister kritisierte in dem Zusammenhang Aspekte der Proteste gegen die Corona-Maßnahmen. Er bezeichnete es mit Blick auf die Demonstrierenden als »infame Ironie«, die Widerstandskämpferin Sophie Scholl »politisch zu vereinnahmen und gleichzeitig gemeinsam mit notorischen Neo-Nazis zu marschieren«. Bei einer Corona-Demo in Hannover im November hatte sich eine Rednerin mit Sophie Scholl verglichen und breite Kritik hervorgerufen.

Heil kritisierte zudem Menschen, die den durch das Grundgesetz geschützten Widerspruch in der Demokratie mit dem »lebensgefährlichen Widerstand gegen die NS-Diktatur« gleichsetzen. Es dürfe nie hingenommen werden, dass Widerstandskämpfer als »Kronzeugen für Geschichtsrevisionismus und Menschenfeindlichkeit« instrumentalisiert würden.

Der Wehrmachtoffizier Claus Schenk Graf von Stauffenberg und seine Mitstreiter hatten am 20. Juli 1944 versucht, Hitler mit einem Bombenattentat zu töten und das NS-Regime zu stürzen. Die Widerstandskämpfer scheiterten und wurden hingerichtet.

Cummings: Johnson war wegen hohen Alters der Coronaopfer gegen zweiten Lockdown

12.41 Uhr: Boris Johnsons ehemaliger Chefberater Dominic Cummings hat dem britischen Premierminister erneut schwere Versäumnisse in der Coronakrise vorgeworfen. In einem Interview mit dem britischen Sender BBC berichtete Cummings, Johnson habe sich unter anderem mit dem Argument gegen einen zweiten Lockdown im vergangenen Herbst gewehrt, dass die meisten Todesopfer über 80 Jahre alt seien. Laut Cummings wollte Johnson zu Beginn der Pandemie zudem an seinen Treffen mit der Queen festhalten – trotz des Risikos für sie. Der Premier habe seine Meinung erst geändert, als er ihn davor gewarnt habe, dass er die Queen mit dem Coronavirus infizieren und sie dann sterben könnte.

In dem Interview warf Cummings seinem ehemaligen Chef vor, »seine eigenen politischen Interessen über das Leben von Menschen« zu stellen. Er beschrieb Johnsons Haltung zu der Zeit wie folgt: »Das ist schrecklich, aber die Leute, die sterben, sind im Grunde alle über 80 und wir können die Wirtschaft nicht zerstören, nur weil Leute über 80 sterben.« Laut Cummings hatte Johnson zudem die Auswirkungen der Coronakrise auf den staatlich finanzierten Gesundheitsdienst NHS heruntergespielt. »Ich glaube dieses ganze Zeug nicht mehr, dass das Gesundheitssystem überlastet ist«, zitierte er den Premier.

Downing Street wies die Vorwürfe zurück. Der Premierminister habe seit Beginn der Pandemie auf der Grundlage der besten wissenschaftlichen Ratschläge die »notwendigen Maßnahmen ergriffen, um Leben und Existenzen zu schützen«, erklärte das Büro des Regierungschefs in einer ersten Reaktion. Der Buckingham-Palast lehnte es laut BBC ab, sich zu Cummings' Angaben zu äußern.

Indien: Studie schätzt Millionen mehr Tote während Coronapandemie

12.32 Uhr: In Indien könnte während der Coronapandemie nach Berechnungen von Experten eine vielfach höhere Zahl von Menschen gestorben sein als offiziell angegeben. Der US-amerikanische Thinktank Center for Global Development schätzt auf Basis mehrerer Quellen eine Übersterblichkeit von 3,4 bis 4,9 Millionen zusätzlicher Toter seit Pandemiebeginn in dem schwer getroffenen Land im Vergleich zu Todeszahlen vor der Pandemie. Die Forscher betonten allerdings, dass sie keine Schlüsse über die Todesursachen ziehen.

Nach offiziellen Zahlen sind in Indien bislang mehr als 414.000 an Corona erkrankte Menschen gestorben. Besonders im Zusammenhang mit der heftigen zweiten Pandemiewelle in dem 1,3-Milliarden-Einwohner-Land gehen aber etliche Experten von einer hohen Dunkelziffer aus.

Die Autoren rechneten veröffentlichte Todeszahlen aus sieben Bundesstaaten hoch, wo etwa die Hälfte der Bevölkerung lebt. Dazu werteten sie Antikörperuntersuchungen in Indien mit internationalen Schätzungen zu altersspezifischen Todesraten von Infizierten aus und nutzten regelmäßige Befragungen von rund 177.000 Haushalten, bei denen auch gefragt wird, ob jemand kürzlich gestorben ist.

Die Situation in Indien hatte sich im April und Mai unter anderem im Zusammenhang mit der dort erstmals entdeckten Delta-Variante des Coronavirus dramatisch zugespitzt. An einigen Tagen wurden 400.000 Neuinfektionen gemeldet. Krankenhäuser waren teils so überlastet, dass Menschen auf Parkplätzen davor starben, der medizinische Sauerstoff ausging und Angehörige selbst bei Krematorien warten mussten. Inzwischen hat sich die Lage wieder entspannt. Es werden täglich zwischen 30.000 und 40.000 neue Coronafälle gemeldet. Angesichts einer niedrigen Impfrate und einer zurückkehrenden Normalität warnen Experten jedoch vor einer dritten Welle.

Entgelte im Coronajahr 2020 so langsam gestiegen wie seit Finanzkrise nicht mehr

11.57 Uhr: Die Löhne und Gehälter sind im Coronajahr 2020 im Mittel so wenig gestiegen wie seit 2009 nicht mehr. Das Entgelt aller sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten lag im Mittelwert (Median) bei 3427 Euro: ein Plus von lediglich 26 Euro gegenüber 2019, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) mitteilte. Vor allem die starke Nutzung von Kurzarbeitergeld in der Pandemie hat laut BA im vergangenen Jahr den Anstieg bei den Entgelten stark gebremst. Auch ausbleibende Sonderzahlungen oder ausgesetzte Erhöhungen dämpften das Plus.

Den »Corona-Effekt« beziffert die BA auf 69 Euro. »Ohne Einfluss der Pandemie wären die Entgelte erfahrungsgemäß zusätzlich um diese Summe gestiegen«, erläuterten die Experten. Der Effekt wurde errechnet, indem die Medianentgelte der vergangenen Jahre fortgeschrieben wurden. Medianentgelt heißt: Die eine Hälfte der Beschäftigten erhält Löhne und Gehälter, die unter diesem Entgelt liegen, die andere Hälfte liegt darüber.

Die Branchen waren von der Pandemie unterschiedlich betroffen. Im verarbeitenden Gewerbe (– 44 Euro) und im Gastgewerbe (– 79 Euro) sanken die Medianentgelte im Jahresvergleich. Ein Plus gab es bei Versicherungsdienstleistungen (+ 111 Euro), im Gesundheits- und Sozialwesen (+ 80 Euro) sowie Erziehung und Unterricht (+ 77 Euro).

Fast die Hälfte der Australier im Lockdown: Auch Adelaide macht dicht

11.40 Uhr: Nach den Metropolen Sydney und Melbourne geht auch der australische Bundesstaat South Australia mit der Großstadt Adelaide in einen strengen Corona-Lockdown. Seit 18.00 Uhr (Ortszeit) dürfen die Bürger nur noch unter bestimmten Bedingungen das Haus verlassen, etwa um einzukaufen oder zur Arbeit zu gehen. Insgesamt befinden sich nun fast 14 der 25 Millionen Australier im Lockdown, wie die Nachrichtenagentur AAP berichtete.

Die Einschränkungen sollen zunächst für sieben Tage gelten, kündigte die Regionalregierung an. Besucher dürfen nicht mehr empfangen werden. Restaurants müssen schließen, Speisen dürfen nur noch abgeholt werden. Vorausgegangen waren mehrere Neuinfektionen mit der hoch ansteckenden Delta-Variante in Adelaide.

»Wir hassen es, dass wir diese Einschränkungen verhängen müssen, aber wir haben nur eine Chance, das wieder hinzubekommen«, sagte der Regierungschef von South Australia, Steven Marshall. Bisher ist das Land wegen der extrem strikten Regeln erfolgreich im Kampf gegen die Pandemie. Landesweit wurden rund 32.000 Fälle bestätigt. 914 Menschen sind in Verbindung mit Covid-19 gestorben. Die Grenzen sind schon seit März 2020 weitgehend geschlossen.

60 Prozent der Bürger mindestens einmal geimpft

11.39 Uhr: In Deutschland sind inzwischen 60 Prozent der Bürgerinnen und Bürger mindestens einmal gegen das Coronavirus geimpft. Dies sei ein »wichtiger Meilenstein«, schrieb Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) auf Twitter. Mindestens einmal geimpft sind demnach 49,9 Millionen Menschen. Den vollen Impfschutz haben inzwischen 38,8 Millionen Menschen, das sind laut Spahn 46,7 Prozent.

Der Gesundheitsminister rief dazu auf, die Impfungen gegen das Coronavirus weiter wahrzunehmen. »Für einen sicheren Herbst und Winter brauchen wir allerdings noch mehr, die mitmachen und so sich und andere schützen«, sagte Spahn.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte vergangene Woche mit Verweis auf Fachleute gesagt, in Deutschland müssten Impfquoten von 85 Prozent unter den Zwölf- bis 59-Jährigen erreicht werden. Bei den über 60-Jährigen müsse die Quote bei 90 Prozent liegen, um angesichts der Verbreitung der Deltavariante einen neuen starken Anstieg der Fallzahlen zu vermeiden.

Zahl der Infektionsfälle in Russland steigt auf über 6 Millionen

11.35 Uhr: In Russland überschreitet die Zahl der offiziell gemeldeten Infektionsfälle die Marke von sechs Millionen. Binnen 24 Stunden seien 23.770 Neuinfektionen registriert worden, teilt die Regierung mit. Insgesamt seien damit seit Beginn der Pandemie 6.006.536 Ansteckungsfälle bekannt geworden. 784 weitere Menschen starben mit oder an dem Coronavirus, allein in Moskau 101.

Sorge wegen Virus-Ausbreitung bei Olympischen Spielen wächst

11.31 Uhr: Drei Tage vor Eröffnung der Olympischen Spiele in Tokio nimmt die Furcht vor einer weiteren Corona-Ausbreitung durch die Großveranstaltung zu. Zuletzt wurden Positivtests von zwei weiteren Athleten bekannt. Damit stieg deren Zahl unter den seit Anfang Juli nach Japan gekommenen Sportlern, Funktionären und Journalisten auf 67. Die Veranstalter haben zwar das Konzept der »Blase« entwickelt, das die Teilnehmer isoliert, ihre Bewegungen einschränkt und häufige Tests vorschreibt. Experten sehen aber Lücken in dem System. Der Chef des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Thomas Bach, machte indes erneut klar, eine Absage komme für ihn nicht infrage. Die Spiele waren wegen der Pandemie bereits von 2020 auf 2021 verschoben worden.

Nach Angaben des mexikanischen Verbandes wurden zwei Mitglieder der Baseball-Mannschaft im Teamhotel positiv auf Corona getestet. Die Athleten seien isoliert und würden nun ebenso wie ihre Teammitglieder auf Ergebnisse weiterer Tests warten. Am Montag waren ein Beach-Volleyballer aus Tschechien und eine Turnerin aus den USA positiv getestet worden.

Thomas Bach, Präsident des IOC, mit Seiko Hashimoto, Präsidentin des Organisationskomitees der Olympischen Spiele 2020 in Tokio

Thomas Bach, Präsident des IOC, mit Seiko Hashimoto, Präsidentin des Organisationskomitees der Olympischen Spiele 2020 in Tokio

Foto: Fumine Tsutabayashi / dpa

Es sei offensichtlich, dass das System der »Blase« nicht funktioniere, sagte der ehemalige Direktor des Instituts für Bevölkerungsgesundheit am King's College London, Kenji Shibuya. »Meine größte Sorge ist natürlich, dass es im Olympischen Dorf oder in einigen Unterkünften und Interaktionen mit Einheimischen einen Anstieg der Infektionen geben wird.« Zuletzt war die Zahl der Neuinfektionen in Tokio wieder gestiegen. Im Vergleich zu anderen Industrieländern hat Japan eine geringe Impfquote. Laut Umfragen ist die Bevölkerung wegen der Coronapandemie mehrheitlich gegen eine Ausrichtung der Spiele.

IOC-Präsident Bach sprach von »heroischen Bemühungen« des medizinischen Personals und der Freiwilligen. Die Spiele würden eine starke Botschaft von »Frieden und Solidarität« senden. Japans Ministerpräsident Yoshihide Suga erklärte, die Organisatoren würden alles Notwendige für sichere Spiele tun. Zuschauer wird es nicht geben. Ob die steigende Zahl der Neuinfektionen Auswirkungen auf die sportlichen Ergebnisse haben wird, ist noch offen. Allerdings zeichnet sich bereits ab, dass etwa die südafrikanische Fußballmannschaft Probleme bekommen könnte, bei ihrem Spiel am Donnerstag gegen Japan elf Spieler aufzustellen.

Vor allem Mütter verschieben ihre Arbeitszeiten in der Pandemie

11.13 Uhr: Mehr als die Hälfte aller berufstätigen Mütter von Kindern unter 14 Jahren haben ihre Arbeitszeit zu Beginn der Coronapandemie zumindest teilweise auf den Abend oder das Wochenende verlegt. Das geht aus einer Studie hervor, die das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung am Dienstag in Nürnberg veröffentlichte. Bei Vätern habe die Quote nur 31 Prozent betragen.

Die Quote sei bei den Müttern von April 2020 bis Oktober 2020 auf 26 Prozent gesunken, bei den Vätern auf 18 Prozent. »Vor allem Mütter arbeiteten häufiger am Wochenende oder abends, unter anderem, um ihre Kinder bei Schul- und Kitaschließungen oder während des Distanzunterrichts betreuen zu können«, sagte IAB-Forscherin Corinna Frodermann.

Insgesamt haben 33 Prozent der Beschäftigten, die im April 2020 Kinder unter 14 Jahre zu betreuen hatten, ihre Arbeitszeiten zumindest teilweise verlagert. Bei denjenigen ohne Kinder waren es noch 16 Prozent. Neben der Kinderbetreuung habe wohl auch die Verlagerung ins Homeoffice dazu geführt, dass sich die Arbeitszeiten geändert hätten. Mehr als ein Drittel derjenigen, die zumindest teilweise von zu Hause arbeiteten, gaben im April 2020 an, zu anderen Zeiten zu arbeiten als noch vor der Pandemie. Bei den Beschäftigten, die kein Homeoffice nutzten, waren es nur knapp 15 Prozent.

Impfbus im Ahrtal gestartet

11.09 Uhr: Aus Sorge vor einer Ausbreitung der Coronapandemie im Katastrophengebiet haben Landesregierung und Kreisverwaltung im Ahrtal einen Impfbus gestartet. Ohne Anmeldung für einen Termin können sich Bewohner der Region dort impfen lassen, wie das Gesundheitsministerium mitteilte. In dem Bus gibt es auch die Möglichkeit zu Corona-Schnelltests. Impfen und Testen seien die beiden wichtigsten Vorkehrungen gegen eine Zunahme von Infektionen, sagte ein Sprecher des Ministeriums. »Angesichts einer Infrastruktur, die so schwer beschädigt ist, ist die Gefahr da.«

Der Bus des Impfzentrums Koblenz sollte am Dienstag in Bad Neuenahr-Ahrweiler mit den dezentralen Impfungen starten. Dabei kommen die Impfstoffe von Biontech sowie von Johnson & Johnson zum Einsatz.

In der Katastrophenhilfe werde »notwendigerweise Hand in Hand« gearbeitet, »oftmals ohne Corona-Schutzmaßnahmen umfänglich einhalten zu können«, erklärte Staatssekretär Denis Alt (SPD). »Mit Impfungen und Schnelltests wollen wir den Betroffenen und den zahlreichen Helferinnen und Helfern ein unbürokratisches Schutzangebot machen, um so die Pandemie im Katastrophengebiet im Griff zu behalten.« Der Staatssekretär rief dringend alle bisher noch ungeimpften Erwachsenen im betroffenen Gebiet auf, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen. In ganz Rheinland-Pfalz waren bis Montag 46,4 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft.

Enger Vertrauter von Aung San Suu Kyi stirbt in Haft an Corona

10.19 Uhr: Im Krisenland Myanmar ist ein enger Vertrauter der entmachteten Regierungschefin Aung San Suu Kyi in Haft an den Folgen des Coronavirus gestorben. Nyan Win (78), ein prominenter Politiker und früherer Sprecher von Suu Kyis Partei »Nationale Liga für Demokratie« (NLD), sei zuvor vom berüchtigten Foltergefängnis Insein ins Yangon General Hospital verlegt worden, sagte eine Ärztin der Klinik der Deutschen Presse-Agentur. Da sei er schon in sehr kritischem Zustand gewesen.

»Die Covid-19-Situation in Yangon ist sehr schlimm. Es tut uns sehr leid für ihn«, betonte sie. Ein Verwandter sagte dem Portal »Myanmar Now«, Nyan Win habe vor seinem Tod sehr leiden müssen. »Das Militär ist verantwortlich für alles, was passiert ist. Weil sie so machthungrig waren, muss unser Land ein solches Chaos durchmachen.« Der Politiker war wenige Wochen nach dem Putsch vom 1. Februar festgenommen worden – wie viele andere Mitglieder der NLD auch. Er litt Berichten zufolge an Diabetes und Nierenproblemen. Suu Kyi sitzt weiter im Hausarrest.

Die Corona-Lage in Myanmar ist dramatisch. In den vergangenen Tagen seien allein in der größten Stadt Yangon mehr als 1000 Tote auf drei großen Friedhöfen beerdigt worden, berichteten lokale Medien und Bestattungsunternehmen. Die Lage bleibt aber unübersichtlich. Die wahre Zahl der Kranken und Toten soll Ärzten und Beobachtern zufolge viel höher sein als die offizielle Statistik der Junta.

Impfzentrum Berlin-Tempelhof schließt

10.15 Uhr: Knapp sieben Monate nach dem Start der Corona-Impfkampagne schließt das erste der sechs Berliner Impfzentren. Am Standort Tempelhof werden am Nachmittag die letzten Spritzen verabreicht. Seit Anfang März wurde hier etwa 175.000 Mal geimpft – anfangs nur mit AstraZeneca, später dann auch mit Moderna.

Der Senat beschloss die Schließung des Standorts vor allem wegen der gesunkenen Nachfrage. Während zu Beginn der Impfkampagne Termine in den Impfzentren oftmals bereits nach wenigen Minuten vergeben waren, dauere es mittlerweile eine Woche bis zehn Tage, sagte Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) vor zwei Wochen. In den nächsten Wochen sollen weitere Zentren heruntergefahren werden: Bis Ende August sollen das Velodrom, die Arena und das Erika-Heß-Eisstadion schließen. Am ehemaligen Flughafen Tegel und in der Messe sollen nach den Plänen der Gesundheitsverwaltung mindestens bis Ende September weiter Impfangebote gemacht werden. Für das Zentrum in Tegel gebe es zudem die Option auf eine Verlängerung über diesen Termin hinaus.

Das Impfzentrum auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Berlin-Tempelhof

Das Impfzentrum auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Berlin-Tempelhof

Foto: Christophe Gateau / dpa

Zweitimpftermine in den dann geschlossenen Zentren werden an die verbleibenden Standorte verlegt, wie das Deutsche Rote Kreuz (DRK) mitteilte. Das Impfen verlagert sich zunehmend auf die Arztpraxen und auf mobile Angebote. Hier wird deutlich kostengünstiger geimpft als in den Zentren, außerdem sollen so Menschen erreicht werden, die lieber spontan vorbeikommen, als einen Termin zu machen. Zu diesem Zwecke sollen vermehrt Drive-in- und Spontanaktionen stattfinden, wie am vergangenen Wochenende auf einem Ikea-Parkplatz oder auf dem Neuköllner Hermannplatz. Die Impfquote beträgt in Berlin nach aktuellem Stand 58,9 Prozent bei den Erstimpfungen. 45,8 Prozent der Berliner und Berlinerinnen sind laut Gesundheitsverwaltung vollständig gegen Corona geimpft.

Verleger und Gewerkschaften verlängern Corona-Tarifvertrag

10.09 Uhr: Zeitungsverleger und Gewerkschaften haben die tariflichen Vereinbarungen verlängert, die sie 2020 unter dem Eindruck der Coronakrise abgeschlossen hatten. Bis zum Jahresende gilt für rund 12.000 Journalistinnen und Journalisten in Deutschland ein Tarifvertrag mit dem Ziel der Beschäftigungssicherung. Das teilten der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) und der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) unabhängig voneinander mit. Auch die Gewerkschaft dju in Ver.di war an den Verhandlungen beteiligt.

Die jetzt abgeschlossene Vereinbarung sieht vor, dass Redakteure bei Tageszeitungen für ihre besonderen Leistungen in der Coronakrise drei zusätzliche freie Tage erhalten, wie der DJV erläuterte. Teilzeitbeschäftigte werden anteilig berücksichtigt. Die arbeitnehmerähnlichen Freien haben Anspruch auf eine Ausgleichszahlung bei coronabedingten Mindereinnahmen in Höhe von bis zu einem durchschnittlichen Monatshonorar aus dem Vor-Coronazeitraum.

Bei wirtschaftlichen Schwierigkeiten ist es den geltenden Verträgen zufolge möglich, das Weihnachtsgeld ganz oder teilweise zu kürzen. Das soll helfen, mögliche Kündigungen zu verhindern. Das zweite Jahr in Folge wird es keine Tariferhöhungen geben. Nach DJV-Angaben laufen Gehalts- und Manteltarifverträge bis Jahresende weiter. Dem Tarifergebnis muss die Große Tarifkommission des DJV noch zustimmen.

Easyjet will Flugangebot im Sommer deutlich hochfahren

09.32 Uhr: Die britische Billigfluggesellschaft Easyjet will ihr Flugangebot für den Sommer angesichts wachsender Passagierzahlen weiter hochfahren. In den Monaten Juli bis September solle die angebotene Kapazität bis zu 60 Prozent des Niveaus aus dem Jahr 2019 erreichen, teilte die Konkurrentin von Europas größter Billigfluggesellschaft Ryanair mit. Im abgelaufenen dritten Quartal (bis Ende Juni) ihres Geschäftsjahres hatte Easyjets Flugangebot im Schnitt nur bei 17 Prozent des Vorkrisenniveaus gelegen.

Allerdings zogen die Fluggastzahlen zuletzt von Monat zu Monat an. Hatte Easyjet im April noch rund 524.000 Passagiere gezählt, waren es im Mai schon 870.000 und im Juni fast 1,6 Millionen. Die Kunden buchten angesichts der Unsicherheit infolge der Pandemie deutlich kurzfristiger, hieß es. So hat Easyjet nach eigenen Angaben erst 49 Prozent der Tickets für das laufende Quartal verkauft. Vor zwei Jahren seien es zu diesem Zeitpunkt bereits 65 Prozent gewesen. Vor allem mit Blick auf Flüge von und nach Großbritannien seien die Kunden vorsichtig.

Im dritten Geschäftsquartal stand bei Easyjet vor Steuern und Sondereffekten ein Verlust von 318 Millionen britischen Pfund (370 Mio. Euro) zu Buche, wie das Unternehmen auf Basis vorläufiger Zahlen mitteilte. Ein Jahr zuvor hatte das Minus mit rund 347 Millionen Pfund noch höher gelegen, nachdem die Reisebeschränkungen infolge der Coronapandemie das Fluggeschäft in Europa weitgehend zum Stillstand gebracht hatten.

Südkoreanische Regierung entschuldigt sich nach Corona-Ausbruch auf Militärschiff

08.59 Uhr: Der südkoreanische Premierminister hat sich gemeinsam mit dem Verteidigungsminister für eine Infektionswelle auf einem Militärschiff entschuldigt, nachdem hunderte infizierte Soldaten von der afrikanischen Küste zur Behandlung nach Seoul gebracht worden waren. Die 301 Mann starke Besatzung des Schiffes war ungeimpft gewesen, fast alle Besatzungsmitglieder hatten sich infiziert.

Es ist der bisher größte Corona-Ausbruch im südkoreanischen Militär. Premierminister Kim Boo-kyum entschuldigte sich dafür, die Gesundheit derjenigen, die das Land verteidigten, nicht besser geschützt zu haben. Verteidigungsminister Jeong Kyeong-doo bedauerte die versäumten Impfungen. Die Crew sei nun vollständig zurück in Korea und werde durch geimpftes Personal ersetzt.

Die Kritik an der Coronapolitik Südkoreas, das bisher bei der Pandemiebekämpfung als Vorzeigeland galt, ist zuletzt in der eigenen Bevölkerung lauter geworden. Das Land steuert auf eine vierte Infektionswelle zu, nur 13 Prozent der Bevölkerung verfügen über vollen Impfschutz, rund 31 Prozent haben bisher die erste Impfung erhalten – vor allem, weil nicht genug Impfstoff verfügbar ist.

Niedersachsen fordert Coronatests für Autofahrer an Grenzen

8.04 Uhr: Mit Blick auf das neue Corona-Risikogebiet Niederlande hat Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil den Bund aufgefordert, endlich Voraussetzungen für Kontrollen des Autoreiseverkehrs zu schaffen. »Wir sind der Auffassung, dass Tests, so wie wir sie aus unserem normalen Alltag kennen, bei jeder Einreise verlangt werden sollten. Und dass an der Grenze zumindest Stichproben vorgesehen werden«, sagte der SPD-Politiker dem Bremer »Weser-Kurier«. Die Bundesregierung müsse dafür schnell die angekündigte Änderung der Einreiseverordnung umsetzen.

Die Grafschaft Bentheim habe bei den Inzidenzen gerade einen deutlichen Sprung nach oben gemacht und sei dadurch in Niedersachsen Spitzenreiter geworden. »Wenn man auf die geografische Lage schaut, liegt der Schluss nahe, dass die Nachbarschaft zu den Niederlanden dabei eine größere Rolle spielt.«

Impfverweigerer sollten nach Weils Auffassung künftig für Tests, die zum Zutritt in Restaurants, Kinos oder Veranstaltungen berechtigen, zahlen müssen. »Das ist eine denkbare Option«, sagte der Regierungschef der Zeitung. »Jetzt gibt es für alle Bürgerinnen und Bürger die faire Chance, sich und auch die Gemeinschaft zu schützen, indem man sich impfen lässt. Wer das aus freier Entscheidung heraus nicht tun will, wird auch mit dem einen oder anderen Nachteil leben müssen.«

Japan lässt als erstes Land Covid-Medikamentencocktail zu

7.17 Uhr: Die japanischen Aufsichtsbehörden haben dem Medikamentencocktail aus Casirivimab und Imdevimab von Roche und Regeneron die Zulassung für die Behandlung von Patienten mit leichter bis mittelschwerer Covid-19 erteilt. Japan sei damit das erste Land, das dem Mix mit dem Markennamen »Ronapreve« die Zulassung erteile, erklärte Roche am Dienstag Mitteilung.

Bei »Ronapreve« handelt sich um eine Mischung der beiden genannten künstlichen Antikörper, die eine Resistenz gegen das Virus erzeugen. Entwickelt hat das Mittel das US-Biotechnologieunternehmen Regeneron Pharmaceuticals in Partnerschaft mit Roche.

Ulmer Forschungsprojekt: Corona-Spätfolgen sind vielfach Organschäden

6.08 Uhr: Ein Forschungsprojekt der Universitätsklinik Ulm zu Corona-Spätfolgen hat bislang bei etwa jedem fünften seiner Patienten Organschäden festgestellt. »Wir hatten bislang rund 250 Patienten. 20 Prozent von ihnen haben Organschäden«, sagte Dominik Buckert, betreuender Oberarzt der Spezialambulanz für Covid-Spätfolgen an Lunge, Herz und Gefäßen am Uniklinikum Ulm. Der größte Teil der übrigen Patienten fühle sich schlechter belastbar als vor der Erkrankung, sagte Buckert. Bei ihnen konnten die Mediziner aber keine Organschäden feststellen.

Die meisten Menschen, die in die Sprechstunde kommen, sind demnach zwischen 40 und 50 Jahre alt. »Und eigentlich verhältnismäßig gesund, also ohne chronische Vorerkrankungen«, so der Oberarzt. Die jüngsten der etwas mehr männlichen Patienten sind um die 20 Jahre alt.

Das Uniklinikum hatte die Sprechstunde für Menschen mit Langzeitfolgen nach einer Covid-19-Erkrankung bereits im Februar dieses Jahres eingerichtet.

Die Ulmer Spezialisten für innere Medizin beobachten bei den Organschäden vor allem Herzmuskelentzündungen und die Folgen davon. Dazu gehörten etwa Herzschwäche und Herzrhythmusstörungen, so Buckert. »Bei der Lunge beobachten wir, dass sich das Lungengerüst verändert und so ein schlechterer Gasaustausch möglich ist.« Atemnot sei die Folge. Die bisherigen Erkenntnisse deckten sich mit den Rückmeldungen anderer Kliniken zu Corona-Spätfolgen, sagte Buckert.

RKI meldet 1183 Neuinfektionen, Sieben-Tage-Inzidenz steigt weiter

05.17 Uhr: Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt seit zwei Wochen kontinuierlich an. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) von Dienstagmorgen lag sie bei 10,9 – am Vortag betrug der Wert 10,3 und beim jüngsten Tiefststand am 6. Juli 4,9.

Laut den aktuellen Zahlen haben die Gesundheitsämter in Deutschland dem RKI zuletzt binnen einem Tag 1183 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Zum Vergleich: Vor einer Woche hatte der Wert bei 646 Ansteckungen gelegen.

Die Inzidenz war in der Pandemie bisher Grundlage für viele Corona-Einschränkungen, etwa im Rahmen der Ende Juni ausgelaufenen Bundesnotbremse. Künftig sollen daneben nun weitere Werte wie Krankenhauseinweisungen stärker berücksichtigt werden.

Deutschlandweit wurde den neuen Angaben zufolge binnen 24 Stunden 34 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 26 Tote gewesen. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 3.746.410 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit 3.641.000 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 91.397.

Montgomery nennt übereilte Lockerungen »brandgefährlich«

Frank Ulrich Montgomery

Frank Ulrich Montgomery

Foto: Guido Kirchner / picture alliance / dpa

04.00 Uhr: Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, hat davor gewarnt, die Coronabeschränkungen in Deutschland auf einen Schlag aufzuheben. »Momentan verdoppelt sich die Zahl der Infizierten im Wochenrhythmus. Jetzt die Einschränkungen unserer Kontakte einfach fallen zu lassen und alles zu öffnen wäre brandgefährlich«, sagte Montgomery den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Wer dies tue, riskiere den Einstieg in die vierte Welle. Es müsse stattdessen schrittweise und kontrolliert vorgegangen werden: »nicht gleich alles aufmachen, (...) sondern nach und nach mehr Kontakte zulassen«, sagte Montgomery mit Blick auf England. 

Trotz steigender Infektionszahlen hat England am Montag fast alle Maßnahmen aufgehoben. Sowohl die Pflicht zum Tragen von Masken als auch Abstandsregeln und zahlenmäßige Beschränkungen für Veranstaltungen in Innenräumen gelten künftig nicht mehr.

Gericht bestätigt vorläufig Impfpflicht an US-Universität

02.30 Uhr: Ein Gericht hat die Impfpflicht gegen Covid-19 an einer US-Universität vorläufig für rechtmäßig befunden. In Anerkennung der bedeutenden Freiheit der Studenten, unerwünschte medizinische Behandlungen zu verweigern, erlaube die Verfassung des Landes der Indiana University jedoch das Vorgehen mit Blick auf das legitime Interesse für die öffentliche Gesundheit, hieß es in dem Urteil. Acht Studierende hatten argumentiert, dass die Impfpflicht ihr Recht auf körperliche Unversehrtheit und Autonomie verletze. Ihr Anwalt hat am Montag Berufung angekündigt.

Der Richter betonte in seinem Urteil aber auch, dass es sich nicht um eine endgültige Entscheidung in der Sache handele. Vielmehr ginge es um den Fall um eine einstweilige Verfügung. Dank der Impfpflicht der Universität könnten Studierende, Lehrkräfte und Angestellte auf Masken und Abstandsregeln im Klassenzimmer, Labor oder in der Freizeit und bei außerschulischen Aktivitäten verzichten, hatte die Indiana University in Bloomington ihr Vorgehen gerechtfertigt. Die Universität hatte die Impfpflicht, die ab Herbstsemester gelten soll, bereits im Mai angekündigt. Aufgrund medizinischer oder religiöser Gründe kann eine Ausnahme beantragt werden.

Delta-Variante verhagelt Wochenauftakt an US-Börsen

01.30 Uhr: Einen schlechten Start in die neue Börsenwoche haben die Aktienkurse in New York am Montag hingelegt. Vor allem die rasche Ausbreitung der Delta-Variante des Coronavirus scheint die Anleger zu verunsichern. Die Sorge, dass die Variante das weltweite Wirtschaftswachstum bremsen könnte, drückte auf die Kurse. Die US-Gesundheitsbehörde CDC etwa warnte angesichts der starken Zunahme der Coronavirusinfektionen in Großbritannien vor Reisen in das Land.

Das drückte den Leitindex Dow Jones Industrial um 2,09 Prozent auf 33.962,04 Punkte nach unten. Er fiel somit unter die 34 000er-Marke auf den niedrigsten Stand seit fast einem Monat. Für den marktbreiten S&P 500 ging es um 1,59 Prozent auf 4258,49 Punkte abwärts. Der technologielastige Nasdaq 100 hielt sich etwas besser mit einem Minus von 0,90 Prozent auf 14 549,09 Zähler.

Aufnahme ins Corona-Protokoll: US-Basketballer reisen ohne LaVine nach Tokio

Zach LaVine (hier am 13. Juli gegen Argentinien)

Zach LaVine (hier am 13. Juli gegen Argentinien)

Foto: Chase Stevens / AP

00.45 Uhr: Die Basketballer der USA müssen bei den Olympischen Spielen in Tokio (23. Juli bis 8. August) womöglich auf Zach LaVine verzichten. Der Profi der Chicago Bulls sei ins Corona-Protokoll aufgenommen worden und werde nicht mit dem Team nach Japan reisen, teilte der US-Basketballverband am Montag vor dem Abflug mit: »Wir hoffen, dass Zach später in dieser Woche zum Team nach Tokio stoßen kann.«

Ob der 26-jährige LaVine selbst positiv getestet wurde oder als Kontaktperson gilt, war zunächst unklar. Der US-Verband schrieb in seinem Statement von einer »Vorsichtsmaßnahme«. Beim 83:76 am Sonntag gegen Weltmeister Spanien in Las Vegas stand LaVine noch mit seinen Teamkollegen auf dem Parkett und steuerte 13 Punkte bei.

Frankreichs Regierung beschließt Einführung von Gesundheitspass

00.05 Uhr: Die französische Regierung hat am Montag ein Gesetz zur Einführung eines Gesundheitspasses verabschiedet, mit dessen Hilfe die Impfbereitschaft in der Bevölkerung angekurbelt werden soll. Beim Betreten von Kultur- und Freizeiteinrichtungen muss ab Mittwoch per Gesundheitspass die vollständige Coronaimpfung, eine überstandene Coronainfektion oder ein negativer Coronatest nachgewiesen werden. Ab Anfang August ist der Pass auch beim Besuch von Restaurants und Bars Pflicht.

Am Wochenende hatten Zehntausende Franzosen gegen die jüngsten Coronamaßnahmen der Regierung demonstriert. Die Regierung sieht die Regelungen als unerlässlich im Kampf gegen eine vierte Coronawelle. Am Sonntag hatten die Behörden rund 12.500 Neuinfektionen gemeldet, doppelt so viele wie eine Woche zuvor. Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg laut Regierungssprecher Gabriel Attal um fast 125 Prozent auf jetzt 86 Fälle pro 100.000 Einwohner.

jok/aar/nek/mjm/AFP/dpa/Reuters
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