Corona-News am Samstag Impfgegner skandieren Parolen vor Gebäude des SWR

Coronaleugner gingen in mehreren Städten auf die Straße. In Stuttgart machten Teilnehmer vor dem Rundfunk Halt. Ärger gab es auch in Schwerin. Und: PCR-Tests werden auf gefährdete Gruppen konzentriert. Der Überblick am 22. Januar.
Stuttgart war eine der ersten Hochburgen der Proteste von Coronaleugnern (Archivbild)

Stuttgart war eine der ersten Hochburgen der Proteste von Coronaleugnern (Archivbild)

Foto: via www.imago-images.de / imago images/Nicolaj Zownir

Nichts mehr verpassen: Für die neuesten Entwicklungen und wichtigsten Hintergründe abonnieren Sie unseren Coronavirus-Newsletter.

+++ Impfgegner skandieren Parolen vor Gebäude des SWR +++

18.43 Uhr: Aus Protest gegen die Corona-Maßnahmen und eine geplante Impfpflicht sind am Samstag erneut mehrere tausende Menschen in Deutschland auf die Straße gegangen. In Schwerin folgten etwa 1100 Teilnehmer dem Aufruf zu einer Kundgebung, wie die Polizei mitteilte. Auch in Stuttgart und im hessischen Offenbach demonstrierten nach Polizeiangaben jeweils über tausend Menschen friedlich gegen die Corona-Politik der Regierung. In Stuttgart machten Demonstranten vor dem Gebäude des Südwestrundfunks (SWR) Halt.

Vor dem SWR-Gebäude kritisierten die Teilnehmer die Berichterstattung in den Medien über die Coronapandemie. Immer wieder wurde »Lügenpresse«, gerufen oder auch, »Wir sind das Volk«, wie ein Augenzeuge berichtete. Die Polizei forderte Teilnehmer auf, eine Maske zu tragen.

In Schwerin mussten die Beamten nach eigenen Angaben in zwei Fällen eingreifen. In einem Fall sprach die Polizei einen Platzverweis gegen einen Mann aus, der Teilnehmer einer rund 30 Leute starken Gegendemo beschimpft hatte. Als der Mann deshalb die Kundgebung verließ, soll er zudem einen Passanten geschubst haben. Gegen den Mann wurde eine Strafanzeige aufgenommen.

Die Kundgebung in Offenbach verlief zunächst friedlich. Die Polizei schätzte die Zahl der Demonstranten auf rund 1200. Zu einer Gegendemonstration versammelten sich knapp 300 Menschen.

Pfizer-Chef empfiehlt jährliche Covid-Impfung statt häufiger Auffrischungen

21:17 Uhr: Laut Pfizer-Chef Albert Bourla wäre eine jährliche Covid-Impfung am besten umsetzbar. In einem Interview fragt ihn der israelischen Nachrichtensender N12 News, ob er sich vorstellen könne, Auffrischungsimpfungen in Zukunft regelmäßig alle vier bis fünf Monate zu verabreichen. »Das wird kein gutes Szenario sein. Ich hoffe, dass wir einen Impfstoff haben werden, den man einmal im Jahr verabreichen muss«, sagte Bourla. Einmal im Jahr sei es einfacher, die Leute davon zu überzeugen, sich impfen zu lassen. »Es ist für die Menschen einfacher, sich daran zu erinnern.«

Ziel sei es, einen Impfstoff zu entwickeln, der Omikron abdeckt, »andere Varianten aber nicht vernachlässigt«, sagt Bourla. »Das könnte eine Lösung sein.« Pfizer werde im März die Zulassung für einen Omikron-Impfstoff beantragen, um diesen in Massenproduktion herstellen zu können.

Gemeldete Infektionen in Frankreich gehen zurück

19.45 Uhr: In Frankreich verzeichnen die Gesundheitsbehörden 389.320 Neuinfektionen binnen eines Tages. Das sind weniger als am Vortag mit 400.851 nachgewiesenen Ansteckungsfällen. In Krankenhäusern starben 167 weitere Menschen in Zusammenhang mit dem Coronavirus. Insgesamt sind es damit 101.215 Todesfälle.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Gesundheitsminister einigen sich auf weniger PCR-Tests

18.50 Uhr: Bund und Länder haben sich bei der Gesundheitsministerkonferenz angesichts der begrenzten PCR-Kapazitäten für eine Priorisierung von Personengruppen ausgesprochen, für die eine PCR-Testung dringend notwendig ist. Vor allem vulnerable Gruppen und Beschäftigte, die diese betreuen und behandeln, sollen prioritären Zugang zu PCR-Testungen erhalten, wie es in einem neuen Beschluss heißt. Bei allen anderen Personen, die keine Symptome hätten und ein positives Antigentestergebnis vorweisen könnten, sollte auf eine Bestätigungs-PCR verzichtet werden. Stattdessen sollte eine Nachtestung mit einem zweiten überwachten Antigentest erfolgen. Bei Warnungen durch die Corona-Warn-App (»rote Kachel«) solle ebenfalls auf eine PCR-Testung verzichtet werden. Stattdessen genüge ein Antigentest in einem zertifizierten Testzentrum.

Wiener Philharmoniker sagen Konzerte in Deutschland wegen Corona-Fällen ab

17.43 Uhr: Wegen steigender Corona-Fallzahlen in den Reihen der Wiener Philharmoniker hat das Orchester zwei Konzerte in Deutschland abgesagt. Am Montag und Dienstag werden die geplanten Auftritte in der Kölner Philharmonie und der Hamburger Elbphilharmonie nicht stattfinden, wie das berühmte Ensemble am Samstag bekanntgab. Auch ein Konzert in Paris fällt kommende Woche aus.

Der Rest der Tournee mit dem Dirigenten Valery Gergiev und dem Pianisten Denis Matsuev soll im Februar wie geplant in Essen, Frankfurt und in den Vereinigten Staaten über die Bühne gehen.

Gesundheits-Beschäftigten soll bevorzugt Novavax angeboten werden

17.00 Uhr: Beschäftigte in Kliniken oder in der Pflege sollen »bevorzugt« den Impfstoff von Novavax erhalten können, wenn Mitte März die Impfpflicht für sie in Kraft tritt. Das beschlossen am Samstag die Gesundheitsminister von Bund und Ländern.

Ab Mitte März gilt in Deutschland eine Corona-Impfpflicht für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Kliniken, Pflegeheimen, Arzt- und Zahnarztpraxen, Rettungs- und Pflegediensten, Geburtshäusern und anderen medizinisch-pflegerischen Einrichtungen. Wer zu diesem Zeitpunkt keinen Immunitätsnachweis vorlegen kann, darf dort in der Regel nicht mehr beschäftigt werden. Es gibt Befürchtungen, dass Beschäftigte wegen dieser einrichtungsbezogenen Impfpflicht kündigen werden.

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern beschlossen daher, dass die Beschäftigten bevorzugt die Möglichkeit erhalten sollen, sich mit Novavax impfen zu lassen. Es ist ein proteinbasierter Corona-Impfstoff, eine im Kampf gegen andere Krankheiten seit langem bekannte und genutzte Methode. Daher könnte der Impfstoff auch für Menschen interessant sein, die Vorbehalte gegen die neuartigen Technologien der mRNA- und Vektorimpfstoffe haben.

Britische Forscher beobachten Omikron-Untervariante

16.32 Uhr: Eine möglicherweise noch leichter übertragbare Untervariante von Omikron wird in Großbritannien künftig aufmerksamer beobachtet. Die britische Gesundheitsbehörde stufte die Variante namens BA.2, eine spezielle Ausprägung der Omikron-Mutante, als »Variante unter Beobachtung« ein. Üblicherweise werden Varianten, die gegebenenfalls irgendwann »besorgniserregende Varianten« genannt werden, zunächst beobachtet und weiter analysiert. Grund ist der Verdacht, dass BA.2 noch leichter übertragbar sein könnte als die Urform der Omikron-Variante, die auch BA.1 heißt.

Bislang seien in Großbritannien 426 Fälle von BA.2 bekannt, hieß es am Freitagabend von der Behörde. Erste Analysten legten die Vermutung nahe, dass die Untervariante noch leichter übertragbar sein könnte als BA.1 – aber es seien noch weitere Analysen notwendig. Unklar ist außerdem, wo die Variante als erstes aufgetaucht sein könnte. Es seien auch Fälle aus Dänemark, Indien, Schweden und Singapur bekannt – der Großteil davon in Dänemark mit mehr als 6400 Fällen.

Kontaktnachverfolgung soll sich auf gefährdete Gruppen konzentrieren

16.27 Uhr: Die Gesundheitsämter sollen sich wegen der stark steigenden Infektionszahlen künftig auf die Kontaktnachverfolgung bei Corona-Fällen im Klinik- und Pflegebereich und in Einrichtungen der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderung konzentrieren. Das haben die Gesundheitsministerinnen und -minister der Länder am Samstag bei einer Schaltkonferenz beschlossen. Neben der Kontaktaufnahme zu infizierten Personen und deren Haushaltsangehörigen solle die Nachverfolgung in diesen Bereichen »mit höchster Priorität« zum Schutz sogenannter vulnerabler Gruppen durchgeführt werden, hieß es in einem einstimmig gefassten Beschluss.

Verwiesen wird darin auf die erwarteten weiter stark steigenden Infektionszahlen durch Omikron und die Kapazitäten in den Gesundheitsämtern. »Neben den von Bund und Ländern beschlossenen Anpassungen der Quarantäne und Isolierungsregeln (...) sollte deshalb auch die Kontaktpersonennachverfolgung strategisch bundeseinheitlich neu ausgerichtet werden«, heißt es weiter. Notwendig sei eine »länderübergreifend einheitliche Ausrichtung der Kontaktpersonennachverfolgung auf vulnerable Gruppen«.

»Weitere Kontaktpersonen« müssen demnach damit rechnen, dass sie »in der Regel mit deutlichem Zeitverzug oder nicht mehr durch die zuständigen Behörden kontaktiert werden können.« Auch Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte sich für eine Neuausrichtung der Kontaktnachverfolgung ausgesprochen.

Omikron-Variante ist deutlich infektiöser, aber weniger schwer

15.00 Uhr: Wer geimpft ist, hat sich gut gegen einen schweren Verlauf einer Omikron-Erkrankung geschützt. In Österreich kam es faktisch zu keinen schweren Erkrankungen mit Aufnahme auf eine Intensivstation für Menschen, die zweimal innerhalb der letzten 120 Tage oder dreimal geimpft waren. Dies erklärte laut der österreichischen Zeitung »Kurier«  Daniela Schmid, Leiterin des Instituts für Infektionsepidemiologie der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES), beim Österreichischen Impftag.

Dabei ist Omikron zwar deutlich infektiöser, der Verlauf aber generell seltener schwer. »Die Omikron-Variante weist eine höhere Infektiosität auf. Sie vermehrt sich in Epithelzellen des Lungengewebes offenbar 70-mal besser als die Delta-Variante«, so eine Expertin auf der Konferenz.

Schmid belegt dies mit Zahlen aus Wien und Vorarlberg: Bei 10.348 Personen mit Omikron-Infektion ohne Impfung kamen sechs Personen auf eine Intensivstation (0,58 pro 1000 Fälle). Dagegen waren dies von 8817 Delta-Infizierten ohne Impfung 89 Erkrankte (10,09 pro 1000). Unter den geimpften Infizierten, bei denen letzte Impfung länger als vier Monate zurücklag, lag die Zahl der Omikron-Variante bei 0,16 pro 1000 Fällen, der Delta-Variante noch bei 2,31 pro 1000 Fällen.

Von den geimpften Omikron-Infizierten dagegen, deren zweite Impfung weniger als vier Monate zurücklag beziehungsweise die geboostert waren, musste keiner auf die Intensivstation (3883 bzw. 7870 Fälle). Mit der Delta-Variante infiziert, mussten noch vier von 1024 Menschen (3,91 pro 1000) beziehungsweise drei von 544 Menschen (5,51 pro 1000) ins Krankenhaus auf Intensiv.

»So gut alle zugelassenen Covid-19-Impfstoffe gegen schwere Erkrankungsverläufe wirken – was etwas enttäuscht, ist die Wirkung auf die Übertragbarkeit«, sagte der ehemalige Leiter des Zentrums für Virologie der MedUni Wien, Franz X. Heinz, laut der Zeitung. Auch sei die mit der Zeit abnehmende Immunantwort gegen Sars-CoV-2 nach Impfung ein problematischer Faktor. Das mache die dritte Teilimpfung so wichtig.

Weitere Coronafälle im deutschen Handballer-Team

13.50 Uhr: Die deutschen Handballer haben zwei weitere Coronafälle: Betroffen sind Sebastian Firnhaber und Christoph Steinert, deren PCR-Tests von Freitagabend positiv ausfielen. Wie der Deutsche Handballbund (DHB) mitteilte, weisen die CT-Werte »auf eine geringe Infektiosität hin«. Steinert und Firnhaber sind die Fälle 12 und 13 im deutschen Team, beide Spieler haben sich im EM-Quartier in Bratislava auf ihren Zimmern in vollständige Isolation begeben.

Steinert war bereits am Mittwoch positiv auf das Coronavirus getestet worden, durfte nach zwei negativen Befunden allerdings am Donnerstag gegen Spanien (23:29) kurzfristig mitspielen. Auch am Freitag gegen Norwegen (23:28) stand der Linkshänder auf dem Feld. Kreisläufer Firnhaber war wegen der vielen Coronafälle nachnominiert worden, hat bei der EM aber noch kein Spiel bestritten.Hongkong sammelt weiter Hamster zur Pandemiebekämpfung ein

Hongkongs Regierungschefin verteidigt Hamsterkeulung

13.00 Uhr: Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam warnte am Samstag davor, dass die Corona-Infektionen in einem dicht besiedelten Wohngebiet der Stadt exponentiell zunehmen könnten. Die Fälle mit der Delta-Variante in der chinesischen Sonderverwaltungszone hätten sich auch aufgrund eines Ausbruchs bei Hamster, die als Haustiere gehalten werden, ausgebreitet.

Am Dienstag hatten die Hongkonger Behörden die Tötung von Nagetieren wie Hamster, Kaninchen und Meerschweinchen aus Dutzenden von Zoohandlungen angeordnet. Zuvor war ein Ausbruch des Coronavirus auf einen Angestellten in einem Geschäft zurückgeführt worden, in dem später elf Hamster positiv auf Covid-19 getestet wurden.

Insgesamt sollten rund 2000 Tiere gekeult werden. Der Import kleiner Säugetiere wurde vorübergehend eingestellt. Haustierbesitzer, die ihre Nagetiere nach dem 22. Dezember erworben hatten, wurden aufgefordert, sie bei der offiziellen Sammelstelle abzugeben. Nach aktuellem Stand droht Haustierbesitzern, die ihre Nagetiere nicht abgeben, aber keine Strafe.

»Ich verstehe, dass die Tierhalter unglücklich sind ... das größte öffentliche Interesse ist die Kontrolle der Pandemie«, sagte Lam. Aus Protest gegen die Regierung und ihre Pandemie-Berater haben Tausende angeboten, unerwünschte Hamster zu adoptieren.

Carrie Lam forderte die Bevölkerung Hongkongs auf, vor dem Neujahrsfest in der kommenden Woche Zusammenkünfte zu vermeiden. Die Behörden hätten zurzeit mit einem Ausbruch der hochinfektiösen Omikron-Variante in Kwai Chung, nördlich der Halbinsel Kowloon, zu kämpfen. »Wir sind besorgt, dass die exponentielle Zunahme der Fälle, die wir in anderen Teilen der Welt gesehen haben, nun auch in Kwai Chung stattfindet«, sagte Lam.

Am Freitag hatten die Behörden ein erstes Gebäude in Kwai Chung für fünf Tage gesperrt, nachdem dort mehr als 20 Fälle aufgetreten waren; dreimal täglich wurden Lebensmittel von außerhalb geliefert und Massentests durchgeführt. Nun soll ein zweiter Wohnblock in Kwai Chung, in dem mehr als 2000 Menschen leben, für fünf Tage geschlossen werden. Insgesamt sind laut Lam 16 Gebäude in dem Gebiet von verschiedenen Beschränkungen und obligatorischen Tests betroffen, was etwa 35.000 Bewohner betreffe.

Die Situation stellt Hongkongs »Null-Covid«-Strategie zur Ausrottung der Krankheit auf die Probe: Schulen und Turnhallen sind bereits geschlossen, Restaurants stellen den Betrieb um 18 Uhr ein, und der Flugverkehr mit vielen großen Drehkreuzen ist unterbrochen oder stark beeinträchtigt. Nach einem Treffen mit Gesundheitsbehörden sagte Lam, es bestehe nur eine »geringe Chance«, dass die stadtweiten Beschränkungen wie geplant am 4. Februar aufgehoben werden könnten.

Berlin hat höchste Corona-Inzidenz aller Bundesländer

11.14 Uhr: Die Corona-Fallzahlen in der Hauptstadt sind weiter in die Höhe geschnellt. Die Inzidenz lag am Samstag bei 1473,1, wie aus den Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) hervorgeht. Am Vortag rangierte der Wert noch bei 1258,3. Für ganz Deutschland liegt die Inzidenz bei 772,7. Die Zahl gibt an, wie viele Menschen pro 100.000 Einwohner sich in den vergangenen sieben Tagen nachweislich mit dem Coronavirus infiziert haben.

In Berlin wurden zwischen Freitag und Samstag laut RKI 14.087 neue Corona-Fälle verzeichnet. Seit Beginn der Pandemie infizierten sich damit nachweislich 451 648 Menschen. Fünf weitere Tote wurden im Zusammenhang mit Covid-19 registriert. Die offizielle Zahl der an oder mit Covid-19 gestorbenen Menschen liegt bei 4082.

Die Lage auf den Intensivstationen ist jedoch weiter unter Kontrolle: 16 Prozent der Intensivbetten in Berlin waren laut Senat mit Covid-19-Patienten belegt. Die Warnampel zeigte für diesen Wert Gelb. Der Wert lag weiter unter der kritischen Marke von 20 Prozent. Die Hospitalisierungsinzidenz steht bei 16,3 und bewegte sich damit anhaltend im kritischen Bereich. Die Ampel zeigte Rot. Der Wert gibt an, wie viele von 100.000 Menschen binnen einer Woche wegen Corona ins Krankenhaus mussten.

Für den Bezirk Mitte gab der Lagebericht des Senats einen Inzidenzwert von 2814,3 – noch einmal deutlich mehr als am Vortag (rund 2200). Gesundheits-Stadtrat Christoph Keller hatte am Freitag verschiedene Gründe für die Zahlen angeführt: Unter anderem sei das Verfahren zum Bearbeiten von Covid-19-Fällen der zahlreichen Krankenhäuser des Bezirks zu Jahresbeginn geändert worden. Positiv-Fälle würden nicht mehr nach dem Wohnortprinzip sortiert und anderen Gesundheitsämtern zugeordnet, sondern vom Gesundheitsamt Mitte bearbeitet und gemeldet.

Außerdem trage die Labordichte in Mitte zur hohen Inzidenz bei. Der Bezirk sei auch ein Zentrum für Büroarbeitsplätze und Freizeitveranstaltungen. Dort geführte Listen zur Anwesenheitsdokumentation würden dem Gesundheitsamt Mitte zugeordnet, erläuterte Keller.

Der Datensammler am Küchentisch

Der Franzose Edouard Mathieu hat im Alleingang die globale Corona-Impfstatistik von Our World In Data  entwickelt. Inzwischen ist sein spendenfinanziertes, gemeinnütziges Start-up an der Universität Oxford weltweit führend – sogar die Weltgesundheitsorganisation verlässt sich darauf. Wer ist der Mann?

Russland und Polen melden Rekordwerte für Neuinfektionen

11.00 Uhr: Russland hat einen neuen Höchststand bei der Zahl der täglichen Corona-Neuinfektionen verzeichnet. Wie auf dem offiziellen Meldeportal der russischen Regierung zu sehen war, wurden binnen 24 Stunden 57.212 neue Ansteckungen registriert.

Damit wurde der nur einen Tag zuvor gemeldete Rekordwert von 49.513 deutlich überschritten. Zentrum der aktuellen Infektionswelle ist die Hauptstadt Moskau – dort wurden am Samstag 16.094 Neuansteckungen gemeldet. Die Impfskepsis im Land ist groß, nicht einmal die Hälfte der Bevölkerung ist vollständig gegen das Coronavirus geimpft.

Russland zählt zu den am schwersten von der Pandemie betroffenen Ländern weltweit. Nach offiziellen Angaben starben dort bislang 324.752 Menschen an Covid-19. Das ist die höchste Opferzahl in Europa. Die russische Statistikbehörde Rosstat, die eine breitere Definition von Corona-Todesfällen anwendet, spricht sogar von mehr als 600.000 Corona-Toten.

In Polen hat die Zahl der Corona-Neuinfektionen am zweiten Tag in Folge einen Rekordwert erreicht. Innerhalb von 24 Stunden kamen 40.876 neue Fälle hinzu, wie das Gesundheitsministerium mitteilte. Dies ist der höchste Wert seit Beginn der Pandemie. Im selben Zeitraum starben 193 Menschen in Zusammenhang mit dem Virus. Polen hat rund 38 Millionen Einwohner.

In der vergangenen Woche war es im Streit um die Corona-Politik zu einem Eklat im medizinischen Beratergremium von Polens Regierung gekommen. Aus Protest gegen den zunehmenden Einfluss von Impfgegnern hatten 13 von 17 Mitgliedern den Medizinischen Rat verlassen. Ministerpräsident Mateusz Morawiecki kündigte am Freitag an, der Rat soll nun umgebildet werden. Künftig sollen ihm nicht nur Mediziner angehören. In Polen sind bisher Regelungen wie 2G oder 3G unbekannt.

Hälfte der Bevölkerung in Deutschland geboostert

10.55 Uhr: Mindestens die Hälfte der Bevölkerung hat eine Auffrischungsimpfung gegen das Coronavirus erhalten. Knapp 41,7 Millionen Menschen (50,1 Prozent) seien inzwischen geboostert, teilte das Robert Koch-Institut mit. Das ist wichtig für einen wirksamen Schutz vor der besonders ansteckenden Virusvariante Omikron.

Mindestens 75,4 Prozent der Bevölkerung (62,7 Millionen Menschen) sind bislang einmal geimpft. Und mindestens 73,3 Prozent (60,9 Millionen) haben nach RKI-Angaben einen vollständigen Grundschutz erhalten. Dafür sind in der Regel zwei Impfdosen nötig. Nicht geimpft sind derzeit 24,6 Prozent der Bevölkerung (20,5 Millionen Menschen). Für 4,8 Prozent (vier Millionen) dieser Menschen im Alter von 0 bis 4 Jahren steht bisher kein zugelassener Impfstoff zur Verfügung.

Die Bundesregierung strebt 80 Prozent Erstgeimpfte bis Ende Januar an. Aus dem Vorhaben von Olaf Scholz wird laut der aktuellen Zahlen wohl nichts:

USA streichen Dutzende Flüge chinesischer Airlines nach China

10.50 Uhr: Die USA haben wegen der strengen chinesischen Corona-Maßnahmen gegen US-Fluggesellschaften dutzende Passagierflüge nach China gestrichen. 44 Flüge würden ausgesetzt, erklärte das US-Verkehrsministerium am Freitag. Betroffen sind demnach Flüge der chinesischen Airlines Air China, China Eastern Airlines, China Southern Airlines und Xiamen Airlines zwischen Ende Januar und Ende März.

Die chinesische Luftverkehrsbehörde hatte zuletzt Flüge der US-Fluggesellschaften American, Delta und United gestrichen, nachdem Passagiere vor dem Abflug negativ auf das Coronavirus getestet, später bei der Ankunft in China aber positiv waren. Das US-Verkehrsministerium begründete seinen Schritt damit, dass die chinesischen Maßnahmen den Betrieb der Airlines beeinträchtigten und angemessene Gegenmaßnahmen daher gerechtfertigt seien.

»US-Fluggesellschaften, die alle relevanten chinesischen Vorschriften in Bezug auf die Protokolle vor dem Abflug und während des Fluges befolgen, sollten nicht bestraft werden, wenn Passagiere nach ihrer Ankunft positiv auf Covid-19 getestet werden«, hieß es weiter. China fährt eine Null-Covid-Strategie. Wegen der anstehenden Olympischen Spiele in knapp drei Wochen hat die Volksrepublik ihre Corona-Maßnahmen nochmals verschärft und bereits Tausende Flüge in die Hauptstadt Peking ausgesetzt.

Frankreich führt »Pass vaccinal« mit Einschränkungen für Ungeimpfte ein

Bahnhof Gare du Nord: Der neue 2G-Impfpass gilt auch in der Bahn

Bahnhof Gare du Nord: Der neue 2G-Impfpass gilt auch in der Bahn

Foto: Kiran Ridley / Getty Images

10.45 Uhr: Die in Frankreich geplanten scharfen Einschränkungen für Menschen, die nicht gegen Corona geimpft sind, haben grünes Licht vom Verfassungsrat bekommen. Das Gericht stimmte dem Gesetz, das Ungeimpfte und Nicht-Genesene von weiten Teilen des öffentlichen Lebens ausschließt, am Freitag weitgehend zu.

Die Richter verfügten allerdings, dass die Regeln nur solange in Kraft bleiben dürfen, wie es die Corona-Pandemie erfordere. Zudem darf Ungeimpften laut dem Verfassungsrat, dem obersten Hüter der französischen Verfassung, nicht der Zugang zu politischen Veranstaltungen verwehrt werden.

Damit wird in Frankreich ab Montag der von der Regierung erdachte »Pass vaccinal« eingeführt, der in etwa der deutschen 2G-Regelung entspricht. Diesen Impf- oder Genesenennachweis müssen Menschen in Frankreich dann vorzeigen, wenn sie etwa Bars, Restaurants, Kulturstätten und Sportveranstaltungen besuchen oder Fernzüge und Fernbusse nutzen wollen. Wer sich bis Mitte Februar für eine erste Impfung entscheidet, darf vorübergehend weiter einen negativen Test als Zugangsvoraussetzung vorlegen.

Im Gegenzug sollen im Februar die Corona-Maßnahmen im Land gelockert werden. Nach und nach sollen etwa die Maskenpflicht im Freien, die Kapazitätsbeschränkungen für Sport- und Kultureinrichtungen sowie die Homeoffice-Pflicht fallen. Auch Diskos sollen ab Mitte Februar wieder öffnen können.

Lauterbach will bestehende Coronamaßnahmen beibehalten

9.13 Uhr: Vor der nächsten Bund-Länder-Runde zur Coronalage hat sich Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach dafür ausgesprochen, die aktuellen Maßnahmen beizubehalten.

Auf die Frage, ob es bei der Ministerpräsidentenkonferenz am Montag zu Verschärfungen kommen müsse, sagte der SPD-Politiker der »Rheinischen Post«: »Nein, dazu rate ich nicht. Ich bin dafür, dass wir die bestehenden Maßnahmen beibehalten, also nicht ausweiten.« Eine Lockerung wäre aber fatal, warnte er. »Wir würden Öl ins Feuer gießen und die Welle beschleunigen.«

Man sei zwar auf dem richtigen Kurs und »schon dabei, aus der drohenden Omikron-Wand einen Hügel zu machen«. »Es mag angesichts der riesigen Zahlen nicht so wirken, aber der Anstieg verläuft ungefähr genauso, wie er im Vorfeld berechnet wurde, und er verläuft kontrolliert. Entscheidend war, dass wir die Verdopplungszeit der Fallzahlen dank der vergleichsweise strengen Regeln in Deutschland von zwei auf sechs Tage strecken konnten.«

Trotzdem könne man eine Überlastung der Intensivstationen, der Krankenhäuser und den Einbruch von Teilen der Infrastruktur noch nicht ausschließen.

Des Weiteren rechnet Lauterbach nicht damit, dass im Falle einer Impfpflicht-Einführung nach einer Dreifachimpfung noch eine vierte Dosis zwingend notwendig sein wird.

»Wer heute oder künftig über drei Impfungen mit mRNA-Impfstoffen oder einem ähnlich wirksamen Impfstoff verfügt, verfügt über eine gute Grundimmunisierung«, sagte er der »Rheinischen Post«. »Die heutige Dreifachimpfung würde somit jeder Impfpflicht Genüge tun.«

Lauterbach sagte, es werde einzig und allein an einer »Pflicht zum Nachweis einer Impfung« gearbeitet. »Kein Arzt soll dazu verpflichtet werden, Menschen von einer Impfung zu überzeugen oder sie dazu zu drängen. Denn es wird keinen Impfzwang geben«, sagte Lauterbach mit Blick auf eine Reaktion der Kassenärzte, die die Durchsetzung einer staatlich verhängten Impfpflicht in den Praxen strikt abgelehnt hatten.

Mit Blick auf die Boosterimpfungen sprächen weltweit alle bisherigen Erkenntnisse dafür, »dass eine solche Grundimmunisierung zwar nicht immer vor einer Infektion, sehr wohl aber dauerhaft vor schweren Covid-Erkrankungen schützt«, so der Gesundheitsminister. Ein Nachlassen dieses Schutzes in dieser Hinsicht sei noch nicht festgestellt worden, und er rechne auch nicht damit.

Wichtig sei ihm jedoch, »dass die Menschen jetzt für die Boosterung nicht auf die neuen Impfstoffe warten«. Schon die bereits verfügbaren Vakzinen »helfen perfekt gegen schwere Erkrankungen durch alle bekannten Varianten«. Daher sollten sich alle, die noch keine Auffrischungsimpfung erhalten hätten, »sofort« boostern lassen, sagte Lauterbach.

Vor der Bund-Länder-Runde von Kanzler Olaf Scholz mit den Ministerpräsidenten am Montag wird über den Umgang mit der neuen Virusvariante Omikron diskutiert. Die Variante breitet sich zwar rasant aus, geht allerdings tendenziell mit milderen Verläufen einher als die Delta-Variante. Die Infektionszahlen in Deutschland waren zuletzt rasant gestiegen.

Omikron in einem Hamburger Pflegeheim

Die SPIEGEL-Videoreporter Benjamin Braden, Martin Jäschke und Eckhard Klein haben die Bewohner des Pflegeheims in Hamburg-Harvestehude besucht. Bei manchen herrscht Unverständnis über die erneuten Corona-Maßnahmen:

Maskenverweigerer auf New-York-Flug drohen bis zu 20 Jahre Gefängnis

8.34 Uhr: Wegen aggressiven Verhaltens an Bord eines Flugzeugs drohen einem irischen Maskenverweigerer bis zu 20 Jahre Haft.

Wie die US-Justiz am Freitag (Ortszeit) mitteilte, verweigerte der 29-Jährige aus Galway auf einem Flug von Dublin nach New York am 7. Januar das Tragen einer Coronaschutzmaske, schlug einem anderen Passagier gegen den Kopf und zeigte vor den Insassen des Fliegers sein Hinterteil.

Gerichtsunterlagen zufolge wurde der Mann eine Woche nach dem Vorfall in New York offiziell wegen »vorsätzlicher Beleidigung und Bedrohung eines Mitglieds der Besatzung« beschuldigt. Auf den Straftatbestand stehen nach Angaben eines Gerichtssprechers bis zu 20 Jahre Gefängnis.

Den Angaben zufolge befand sich der Ire auf dem Weg nach Florida, wo er eine Stelle an einer Sportschule annehmen wollte. Er wurde gegen Zahlung einer Kaution in Höhe von 20.000 Dollar (17.600 Euro) freigelassen.

Gegner der Coronaschutzmaßnahmen sorgen an Bord von Flugzeugen immer wieder für Ärger. Nach Angaben von Fluggesellschaften kommt es dabei immer wieder zu Beleidigungen gegen Crewmitglieder oder gar zu körperlichen Attacken.

Am vergangenen Donnerstag war ein auf dem Weg von Miami nach London befindliches Flugzeug von American Airlines mitten im Flug umgekehrt, weil, so das Unternehmen, ein »störender Kunde sich weigerte, eine Maske zu tragen«.

Grünenpolitiker Nouripour kann einige Coronademonstranten verstehen

7.01 Uhr: Ein Teil der Coronaprotestszene lässt sich nach Einschätzung des Grünenpolitikers Omid Nouripour mit Gesprächen und Überzeugungsarbeit zurückgewinnen.

Nouripour, der sich gemeinsam mit Ricarda Lang um den Grünen-Parteivorsitz bewirbt, sagte der Deutschen Presse-Agentur: »Es gibt da einen harten, teilweise militanten Kern, für den ich kein Verständnis habe, aber ich habe Empathie für viele, die da verunsichert mitlaufen.«

Er habe Menschen besucht, die gegen die Covid-19-Impfungen seien, und habe solche Menschen auch in seinem Bekanntenkreis. In persönlichen Gesprächen merke er, »dass ihre individuellen Erfahrungen das Vertrauen in die Institutionen erschüttert haben«.

Hinzu kämen dann oft Stresssituationen als Folge der Pandemie, etwa der Ausfall der Kinderbetreuung und sehr viel Zeit im Homeoffice.

Anders sei der »harte Kern der Coronaleugner« zu beurteilen, sagte Nouripour. Das seien teilweise Menschen aus dem rechtsradikalen Milieu, die die freiheitlich-demokratische Grundordnung grundsätzlich infrage stellten.

Auch externe Akteure versuchten in der Coronakrise, die deutsche Demokratie zu beschädigen. Ein Beispiel dafür seien »von russischen Medien im Ausland verbreitete Fake News über das Impfen«, sagte der Grünenpolitiker. Etliche Staaten wie etwa China versuchten zudem, die Pandemie zu nutzen, um geostrategischen Gewinn daraus zu schlagen.

Veranstaltungsbranche erwartet Kündigungswelle im März

5.35 Uhr: Zwei Jahre nach Beginn der Coronapandemie steht die Veranstaltungswirtschaft nach Branchenangaben vor einer Kündigungswelle. Hintergrund ist das Auslaufen des Kurzarbeitergelds nach 24 Monaten.

»Mehr als drei Viertel der Veranstaltungsunternehmen werden im März 2022 ihre Mitarbeiter kündigen mangels Kurzarbeit«, teilte Jan Kalbfleisch, der Geschäftsführer der Bundesvereinigung Veranstaltungswirtschaft, der Nachrichtenagentur dpa mit.

Er bezog sich auf eine Umfrage, an der sich mehr als 800 Branchenbetriebe beteiligt haben. Demnach sind in zwei Dritteln der Unternehmen seit mehr als 20 Monaten Beschäftigte in Kurzarbeit. Bei knapp der Hälfte der Befragten liegt der Kurzarbeiteranteil über 80 Prozent.

Müssten die Betriebe die Gehälter und Sozialbeiträge wieder voll selbst tragen, fehle der Mehrheit von ihnen das Kapital für den Neustart, so Kalbfleisch. Sie müssten dann Mitarbeiter entlassen, weil sie ihre Kosten nicht decken könnten. Die Unternehmen verlören so wertvolle Fachkräfte.

Die Bundesregierung opfere die Veranstaltungsbranche, kritisierte Kalbfleisch. Derzeit seien wieder nahezu alle Veranstaltungen storniert. Für die mehr als 100.000 Betriebe gebe es keine Besserungsperspektive.

Das Kurzarbeitergeld, das Arbeitgeber bei der Agentur für Arbeit für ihre Mitarbeiter beantragen müssen, soll in Krisenzeiten einen Lohnausfall ausgleichen. In der Coronapandemie war der Zugang erleichtert worden. Zuletzt verlängerte die Bundesregierung die maximale Bezugsdauer von 24 Monaten bis Ende März.

Absagen von Messen, Konzerten, Tagungen und Feiern machen Veranstaltungsausrüstern, Technikern, Künstlern, Messebauern und vielen anderen Beteiligten zu schaffen. Niedrigere Coronazahlen im Sommer und Herbst brachten zwar vorübergehend einen Teil des Geschäfts zurück. In den vergangenen Wochen erlebte die Branche nach Verbandsangaben jedoch wieder eine Storno-Welle.

Hunderttausende Operationen wegen Delta verschoben

5.11 Uhr: Die deutschen Krankenhäuser schätzen, dass in der Delta-Welle für weit über hunderttausend Patienten Operationen verschoben oder abgesagt werden mussten.

»Wir haben noch keine abschließenden Zahlen für die Delta-Welle, aber wir sprechen über Hunderttausende verschobener Behandlungen«, sagt der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhaus-Gesellschaft Gerald Gaß der »Augsburger Allgemeinen«.

Viele Patienten stünden auf der Warteliste. Für das ganze vergangene Jahr müsse sogar von über einer Million aufgeschobener Eingriffe ausgegangen werden.

Kindervertreter besorgt über Mitnahme von Kindern auf Coronademos

04.59 Uhr: Der Ehrenvorsitzende der Deutschen Kinderhilfe hat sich angesichts der Mitnahme von Kindern auf Coronademos besorgt gezeigt.

Unter Umständen könne es sich dabei um eine Kindeswohlgefährdung oder sogar Radikalisierung handeln, sagte Rainer Becker der Nachrichtenagentur dpa. Wenn von vornherein absehbar ist, dass es zu Auseinandersetzungen kommt, »dann haben da Kinder nichts zu suchen«.

Dabei gehe es um den Schutz der Gesundheit. Solche Szenen könnten die Kinder aber auch traumatisieren. Auch wenn eine Eskalation nicht absehbar sei, sich eine Demo aber dahingehend entwickeln sollte, hätten die Eltern sich mit ihren Kindern zu entfernen.

»Grundsätzlich gesteht die Uno-Kinderrechtskonvention Kindern auch eine Versammlungs- und Demonstrationsfreiheit zu.« Das sei auch gut so. »Denn sie sollen ja auch an Demokratie herangeführt werden.«

Dennoch sei für ihn ein »No-Go-Bereich«, wenn Kinder instrumentalisiert werden. Er verwies auf Redebeiträge von Kindern, die nicht zu deren Alter passten. Es sei ein Unterschied, ob Kinder zu Demos gingen, die sogar von Kindern und Jugendlichen organisiert werden, ob man Kinder mitnehme und mit ihnen unterschiedliche Meinungen diskutierte »oder eben ob man die Kinder zu einem ideologischen Sprachrohr macht«.

Botschaften wie: »der Staat ist böse, der will uns vergiften. Die Polizei ist schlecht, die kommt da mit Schlagstöcken oder Pfefferspray« könnten auch dazu beitragen, dass aus Kindern radikale Jugendliche oder junge Erwachsenen werden, warnte Becker. »Kinder sollen nicht zu Ja-Sagern erzogen werden, aber sie sollen auch nicht zu Staatsfeinden erzogen werden.«

Der ehemalige Polizeidirektor verwies auf den Paragrafen 171 des Strafgesetzbuches. Demzufolge sei »die Verletzung der Fürsorge- oder Erziehungspflicht eine Straftat«. Diese sei schon von Amtswegen zu verfolgen. Laut Gesetz müssten Polizisten etwa die Identität von Kindern feststellen, wenn der Eindruck bestehe, dass diese benutzt werden.

Linke: Regierung rennt Pandemie hinterher

4.55 Uhr: Vor den Bund-Länder-Beratungen über das weitere Vorgehen in der Coronakrise am Montag hat die Linke der Bundesregierung Versäumnisse in ihrer Teststrategie vorgeworfen.

»Dass die Nachfrage nach Coronatests aufgrund der Omikron-Welle steigen wird, ist nicht erst seit heute bekannt«, sagte Co-Parteichefin Janine Wissler der Nachrichtenagentur dpa. Die Kapazitäten hätten rechtzeitig ausgebaut werden müssen.

Janine Wissler

Janine Wissler

Foto: Florian Gaertner/photothek.de / imago images/photothek

Die nun geplante Priorisierung von PCR-Tests sei ein Symptom dafür, »dass die Regierung dieser Pandemie hinterherrennt, statt Konzepte zu finden und Probleme frühzeitig zu erkennen und zügig einzudämmen«.

Wissler verwies auf die österreichische Hauptstadt Wien, wo mehr PCR-Tests erfolgten als in ganz Deutschland. Hierzulande könne man sich zwar auch bei privaten Anbietern testen lassen, allerdings zu Preisen, die sich nicht alle leisten könnten.

Kliniken im Norden kommen bislang mit Omikron-Welle zurecht

4.42 Uhr: In den früh von Omikron getroffenen Städten Bremen und Hamburg kommen Kliniken trotz steigender Patientenzahlen bislang ohne größere Probleme durch die aktuelle Infektionswelle.

»Die Lage ist handhabbar«, sagte Professor Stefan Kluge, Leiter der Klinik für Intensivmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Nur stellten »isolationsbedingte Ausfälle« von Personal die Kolleginnen und Kollegen vor Herausforderungen.

»Die gute Nachricht ist, dass aktuelle Daten aus unterschiedlichen Ländern zeigen, dass das Risiko, mit einer Omikron-Infektion ins Krankenhaus zu müssen, im Vergleich zur Delta-Variante um mehr als die Hälfte reduziert wird«, sagte Kluge.

»Belastung ja, Überlastung nein«, sagte auch ein Sprecher des Bremer Gesundheitsressorts zur Lage der Kliniken. Sorge bereite, dass immer mehr Patienten mit Corona infiziert sind, die nicht wegen Covid-19, sondern aus anderen Gründen eingeliefert wurden. Dies mache die Behandlung auf den Normalstationen aufwendiger.

Bundesweit stieg die Belegung der Normalstationen vergangene Woche um 3,5 Prozent, wie die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKD) in Berlin mitteilte. In Schleswig-Holstein liege die Zunahme bei 22 Prozent, in den Ländern Hamburg, Bremen und Berlin zwischen 10 und 15 Prozent.

Sieben-Tage-Inzidenz steigt auf 772,7

4.30 Uhr: Zwei Tage vor der Bund-Länder-Runde zur Coronalage hat das Robert Koch-Institut 135.461 Neuinfektionen registriert. Die Sieben-Tage-Inzidenz hat einen neuen Höchstwert erreicht.

Rio verschiebt erneut berühmte Karnevalsumzüge

3.19 Uhr: Inmitten einer neuen Coronawelle hat die brasilianische Metropole Rio de Janeiro wieder die weltberühmten Karnevalsumzüge verschoben. »Aufgrund der Zunahme der Covid-19-Fälle in der Stadt kündigen wir an, den Karneval auf den Feiertag Tiradentes im April zu verlegen«, hieß es in einem Tweet der Stadtverwaltung Rios am Freitagabend (Ortszeit). Der Feiertag fällt auf den 21. April.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Die Entscheidung sei nach einer Besprechung der Bürgermeister von Rio, Eduardo Paes, und São Paulo, Ricardo Nunes, der Gesundheitssekretäre und Präsidenten der Verbände der Sambaschulen der beiden Städte gefallen. Den Straßenkarneval in Rio hatte Bürgermeister Paes Anfang des Monats bereits zum zweiten Mal in Folge abgesagt. Die Pläne für die legendären Umzüge im Sambodrom im Februar und März, die im vergangenen Jahre zuerst ebenfalls verschoben und dann abgesagt wurden, blieben indes weiter bestehen. Dort seien Kontrollen zum Infektionsschutz einfacher umzusetzen, sagte Paes.

Gesundheitsexperten ließen in brasilianischen Medien jedoch durchblicken, dass sie von dem Spektakel im Sambodrom abraten würden, weil sich das Virus trotz geplanter Schutzmaßnahmen nicht kontrollieren lasse. Eine coronabedingte Absage würde nach dem Ausfall 2021 erneut Millionen an Verlust bedeuten. Sambaschulen bereiten sich trotz der Ungewissheit wegen der Pandemie teilweise seit Monaten auf die möglichen Umzüge vor.

In Brasilien haben sich nach offiziellen Angaben mehr als 23,5 Millionen der 210 Millionen Landesbewohner mit dem Coronavirus infiziert. Fast 623.000 Patienten sind im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben – eine der höchsten Todeszahlen weltweit.

Inzwischen sind fast 70 Prozent der brasilianischen Bevölkerung komplett geimpft. Zuletzt stieg die Zahl der Neuinfektionen wieder enorm, auch beeinflusst durch die Omikron-Variante und Feiern zu Weihnachten und Silvester. Am Mittwoch meldete Brasilien erstmals mehr als 200.000 neue Coronafälle in einem Tag.

Ärzteverband: Kliniken erreichen spätestens im Februar Belastungsgrenze

2.40 Uhr: Bei weiter so rasant steigenden Coronainfektionszahlen sieht die Ärzteorganisation Marburger Bund die Kliniken bereits in wenigen Tagen an ihrer Belastungsgrenze. »Spätestens Anfang Februar wird es in den Krankenhäusern deutschlandweit sehr eng werden, wenn die Infektionszahlen weiterhin in diesem Tempo steigen«, sagte die Vorsitzende Susanne Johna den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Dabei gehe es nicht nur um steigende Patientenzahlen, sagte Johna. »Wir erwarten, dass in den kommenden Wochen sehr viele Beschäftigte des ärztlichen und pflegerischen Personals ausfallen werden, weil sie sich infiziert haben und in Isolation müssen.« Das gelte für den ambulanten Versorgungsbereich genauso wie für den stationären.

Weiter steigende Infektionszahlen könnten dazu führen, »dass die Versorgung der Bevölkerung nicht mehr dem üblichen Standard entsprechen wird«, sagte Johna. Anders als in der ersten Pandemiewelle gehe es jetzt nicht mehr um zu wenig Technik oder zu wenige Beatmungsgeräte. »Das Personal ist der Engpass.«

Auch der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste warnt angesichts der sich verschärfenden Personalnot bei Pflegekräften vor einer Gefährdung der Versorgung. Ihr Präsident Bernd Meurer sagte der »Welt am Sonntag«: »Ohne zusätzliche Kräfte – ob von der Bundeswehr oder aus dem Katastrophenschutz – drohen erhebliche Gefahren für die Versorgung.« Die Belastungsgrenzen seien erreicht und weitere Personalausfälle nicht mehr verkraftbar. Der Verband vertritt 12.000 Pflegeheime und soziale Dienste.

Die Caritas Altenhilfe, die 72 Senioreneinrichtungen in drei Bundesländern betreibt, forderte eine Aussetzung der Impfpflicht für das Pflegepersonal. »Angesichts der relativ milden Verläufe durch die Omikron-Variante und der aktuellen Personalverknappung ist eine Impfpflicht für Beschäftigte in Pflegeeinrichtungen nicht mehr vertretbar und muss ausgesetzt werden, bis es eine Entscheidung zur allgemeinen Impfpflicht gibt«, sagte eine Sprecherin der Zeitung. Bis zum 15. März müssen Beschäftigte in Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen laut Bundesgesetz einen Nachweis über eine abgeschlossene Impfung, einen Genesenennachweis oder ein ärztliches Attest ihrer Nicht-Impfbarkeit vorlegen.

Einzelhandel: Verbot von nächtlichen Warenlieferungen aufheben

1.40 Uhr: Der Handelsverband Deutschland (HDE) fordert die Aufhebung des Verbots von nächtlichen Lieferungen in Innenstädten und des Sonntagsfahrverbots für Lastkraftwagen, um Waren-Engpässe in der Omikron-Welle zu vermeiden. »Die nächtlichen Einfahrverbote für Lkw in viele Städte stehen einer Belieferung der Filialen des Handels entgegen«, sagt HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Die Politik müsse nun sehr schnell entscheiden und Vorkehrungen treffen, damit womöglich auftretende Lieferprobleme schnell gelöst werden könnten.

abl/cop/che/dop/ime/dpa/AFP/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.