+++ Corona-News +++ US-Regierung empfiehlt noch keine Auffrischungsimpfungen

Braucht es eine Corona-Auffrischungsimpfung? Amerikas Top-Virologe Anthony Fauci hat eine Tendenz, will sich aber noch nicht festlegen. Der Überblick am 11. Juli.
US-Experte Fauci wartet noch auf weitere Erkenntnisse zu Auffrischungsimpfungen (Archivbild)

US-Experte Fauci wartet noch auf weitere Erkenntnisse zu Auffrischungsimpfungen (Archivbild)

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Jim Lo Scalzo / AP

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+++ noch keine Empfehlung für Auffrischungsimpfung in den USA +++

20:29 Uhr: Laut dem Corona-Experten der US-Regierung Anthony Fauci ist es »durchaus denkbar, vielleicht sogar wahrscheinlich«, dass die Amerikaner in den kommenden Monaten eine Auffrischungsdosis der Impfstoffe gegen Covid-19 benötigen. Noch sei es aber zu früh, eine weitere Impfung zu empfehlen.

Bisher lasse sich durch klinische Studien und Labordaten nicht vollständig belegen, dass eine Auffrischungsimpfung notwendig sei – weder für die Impfstoffe von Biontech/Pfizer oder Moderna noch für den von Johnson & Johnson. Derzeit würde in weitere Studien untersucht, ob und wann eine Auffrischungsimpfung gespritzt werden solle.

Südafrika verlängert Corona-Maßnahmen

Aufgrund kontinuierlich hoher Infektionszahlen verlängert Südafrika seine strikten Corona-Beschränkungen für weitere zwei Wochen. Die Ansteckungszahlen blieben angetrieben von der neuen Delta-Variante extrem hoch, begründete Präsident Cyril Ramaphosa die Entscheidung.

Besonders betroffen ist das Ballungszentrum um die Hauptstadt Pretoria und Wirtschaftsmetropole Johannesburg, wo sich die Gesundheitsinfrastruktur an der Kapazitätsgrenze befindet. Reisen sind dort nur noch geschäftlich erlaubt. Aber auch in anderen Regionen breite sich die Delta-Variante rasant aus, so Ramaphosa.

Die Restriktionen sehen neben nächtlichen Ausgangsbeschränkungen nach 21.00 Uhr auch ein Alkoholverbot sowie weitgehende Versammlungsverbote im Freien vor. Öffentliche Schulen, die sich derzeit in den Ferien befinden, sollen um eine zusätzliche Woche, bis zum 26. Juli, geschlossen bleiben. Restaurants dürfen hingegen unter strengen Vorgaben wieder öffnen.

Britische Fußballfans feiern ohne Maske und Mindestabstand

18:30 Uhr: Vor dem Finale der Fußball-Europameisterschaft zwischen England und Italien haben Hunderte Fans vor dem Wembley-Stadion gefeiert. Vor allem Anhänger der englischen Mannschaft tanzten und sangen am Sonntagnachmittag in unmittelbarer Nähe zur Arena im Nordwesten Londons, einige von ihnen zündeten Bengalos. Wie schon im Vorfeld vieler anderer EM-Spiele in London trugen sie fast alle keine Masken und hielten keinen Abstand zueinander. Die fußballerischen Ereignisse beim EM-Finale können Sie hier live verfolgen.

Taiwan erhält Impfstoff über chinesische Vertriebsfirma

16:01 Uhr: Taiwan soll über eine chinesische Vertriebsfirma zehn Millionen Dosen des Biontech-Pfizer-Impfstoffs erhalten. Die chinesische Shanghai Fosun Pharmaceutical Group teilte mit, dass sie einen entsprechenden Vertrag über die Lieferung in den Inselstaat unterzeichnet habe. Die Impfstoffe würden über eine Tochtergesellschaft in Hongkong an den taiwanischen Chiphersteller TSMC und die Wohltätigkeitsstiftung von Terry Gou, des milliardenschweren Gründers des Elektronikzulieferers Foxconn, geliefert. Vor gut einer Woche waren die vorläufigen Vereinbarungen über den Kauf der Impfdosen bekannt geworden. Taiwan hatte über Monate versucht, direkt von Biontech Impfstoff zu kaufen. Nach Darstellung Taiwans kam aber ein eigener Vertrag mit Biontech auf Druck Chinas nicht zustande. Die Volksrepublik, die Taiwan als Teil ihres Territoriums betrachtet, wies diese Darstellung zurück.

Patientenschützer begrüßen Zählung von Corona-Infizierte in Kliniken

15:41 Uhr: Die Deutsche Stiftung Patientenschutz hat die Pläne zur genaueren Erfassung von Klinikaufenthalten im Zusammenhang mit Corona begrüßt. »Der Blick allein auf die Intensiv-Therapie reicht nicht aus«, sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. Es brauche verlässliche Daten für die Situation auf allen Stationen. »Ergänzt mit der Impfrate lässt sich so die Pandemielage besser beurteilen.«

Das Bundesgesundheitsministerium hatte zuvor bekannt gegeben, dass künftig alle Krankenhauseinweisungen von Patienten mit Covid-19 gemeldet werden müssen. Bisher liegen lediglich zentrale Daten zu den Patienten auf Intensivstationen vor. Über eine neue Verordnung sollen die Kliniken nun auch dazu verpflichtet werden, Aufnahmen von Corona-Patienten auf anderen Stationen zu melden. Ein solches System gibt es beispielsweise auch in Großbritannien.

Wissenschaftler melden erstmals Infektion mit zwei Covid-19-Varianten

13.35 Uhr: In Belgien ist nach Angaben von Wissenschaftlern bei einem Menschen erstmals eine Doppelinfektion mit zwei Covid-19-Varianten festgestellt worden. Eine 90 Jahre alte Frau, die erkrankt und im März gestorben war, war mit den Virusvarianten Alpha und Beta infiziert. Das teilten die Veranstalter des European Congress on Clinical Microbiology & Infectious Diseases (ECCMID) mit. Dem Sender VRT zufolge war die Frau nicht geimpft.

Weltärztebund-Chef: »Wir werden Corona nie wieder los«

13:30 Uhr: Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, rechnet damit, dass Masken nicht mehr aus dem Alltag verschwinden werden. Auf die Frage, ob er einen Zeitpunkt sehe, an dem Corona als ganz normale Erkrankung angesehen werden könne, sagte Montgomery am Sonntag im ARD-»Europamagazin«, der Punkt sei erreicht, wenn 85 Prozent der Bevölkerung durch Impfung und Durchmachen der Erkrankung immunisiert seien. »Wir werden aber Corona nie wieder los. Wir werden in bestimmten Situationen immer Masken tragen müssen, Hände waschen müssen, Abstand halten und wir werden regelmäßig nachimpfen müssen, wie wir das von der Grippe ja auch kennen«, fügte er hinzu.

Mit Blick auf den deutlichen Anstieg der Ansteckungszahlen in Großbritannien und die dort geplante Aufhebung der Corona-Beschränkungen sagte Montgomery, er halte es für »völlig unverantwortlich, bei diesen Inzidenzwerten und bei einer stockenden Impfkampagne (...) derartige Lockerungsübungen zu machen.« Er frage sich, wie viele Menschen sich am Abend beim EM-Finale im Wembley-Stadion anstecken würden. »Und mir graust ein bisschen davor.«

Piks mit Blasmusik

13:24 Uhr: Mit Blasmusik, Brezeln und einem Bierchen ohne Alkohol hat an diesem Sonntag das Impfzentrum in Attendorn im Sauerland zur Corona-Impfung geladen. Der Frühschoppen am Impfzentrum sollte Unentschlossene motivieren, sich den Impfschutz abzuholen, hatte der zuständige Kreis Olpe angekündigt. Dem Impfangebot ohne Priorisierung und Anmeldung folgten am Sonntagvormittag etwa 147 Menschen. Das seien deutlich mehr gewesen als üblich für einen Sonntagmorgen mit Terminvergabe, sagte der Leiter des Impfzentrums des Kreises, Stefan Spieren der dpa.

Den Impfwilligen bot die Stimmungskapelle des Musikvereins »Hoffnung« Hünsborn eine zünftige musikalische Begleitung zum Piks. Wer mochte konnte zudem mit einem alkoholfreien Bier auf den erwarteten Schutz vor einer Corona-Erkrankung anstoßen. Verimpft wurden alle Impfstoffe – und zwar an alle über Zwölfjährigen ganz ohne Voranmeldung.

»Wir haben uns gedacht, viele Menschen hier vermissen doch ganz besonders ihre Schützenfeste. Da machen wir ihnen mit diesem Angebot sicher eine Freude«, sagte Spieren.

Bereits am Sonntag zuvor hatte das Impfzentrum mit Musik und Partyflair erfolgreich Impfstoff unters Volk gebracht. In der Vorwoche hatte ein DJ auflegt – und entsprechend auf junge Menschen abgezielt. Für den nächsten Samstag kündigte Spieren mit dem Auftritt einer Liveband die nächste besondere Aktion an.

Linke fordert Stopp für weitere Lockerungen

13:07 Uhr: Die Linke hat sich deutlich gegen weitere Corona-Lockerungen ausgesprochen. Lockerungen seien dann richtig, wenn ein Großteil der Bevölkerung vollständig geimpft sei – erst dann sinke das Risiko schwerer Krankheitsverläufe, sagte Co-Parteichefin Susanne Hennig-Wellsow am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. »Doch diese Zeit ist noch nicht gekommen.« Es brauche ein Moratorium – also einen Aufschub – weiterer Lockerungen, forderte sie.

»Nur so gewinnen wir die Zeit, die nötig ist, damit mehr Menschen den vollen Impfschutz bekommen, bevor die vierte Welle einschlägt.« Die Pandemie sei immer noch da. Der Schutz der Gesundheit stehe nach wie vor an erster Stelle, so die Politikerin. »Wir sollten daher nicht den Fehler von Boris Johnson in Großbritannien machen und wichtige Schutzmaßnahmen wie die Maskenpflicht vorzeitig aufheben.« Die Linke-Vorsitzende sprach sich dafür aus, »noch eine ganze Weile« an Maßnahmen wie Abstand und Masken festzuhalten und auf Großveranstaltungen zu verzichten.

Thailand: Schönheits-Konkurrentinnen droht Strafanzeige

13:07 Uhr: Nach einem massiven Corona-Ausbruch infolge eines Schönheitswettbewerbs in Thailand drohen den Teilnehmerinnen Strafanzeigen – weil sie unter anderem keine Masken getragen hatten. Viele Beteiligte hätten sich nicht an die Auflagen gehalten und damit »wahrscheinlich das Gesetz gebrochen«, sagte am Sonntag der Polizeivertreter Piya Tawichai. Sie müssten nun mit rechtlichen Schritten rechnen.

Nach der Wahl zur Miss Grand Samut Sakhon Ende Juni in Bangkok waren elf der Wettbewerbsteilnehmerinnen sowie neun weitere Beteiligte positiv auf das Coronavirus getestet worden. Nach Angaben der Polizei stellte sich heraus, dass bei der Veranstaltung gegen zahlreiche Corona-Auflagen verstoßen worden war.

Die Organisatoren hatten zwar die Erlaubnis zu dem Schönheitswettbewerb erhalten, mussten sich jedoch im Gegenzug verpflichten, 20 Regeln zum Schutz vor Infektionen einzuhalten. Aufnahmen im Onlinenetzwerk Facebook zeigten anschließend die Finalistinnen der Provinzwahl in ihren Roben und mit ihren Schärpen – aber ohne Masken und eng beieinander stehend.

Thailand steckt derzeit inmitten einer dritten schweren Coronawelle. Allein am Samstag verzeichneten die Behörden über 9500 Infektions- sowie 86 Todesfälle binnen 24 Stunden. Ab Montag tritt deshalb in der Hauptstadt Bangkok und neun anderen besonders betroffenen Provinzen eine nächtliche Ausgangssperre zwischen 21 Uhr und 04 Uhr in Kraft.

AfD kritisiert Kassenärzte-Chef wegen Vorschlägen zu Ungeimpften

12:58 Uhr: AfD-Fraktionschefin Alice Weidel hat Forderungen des Chefs der Kassenärztlichen Vereinigung in Rheinland-Pfalz, Peter Heinz, nach massiven Einschränkungen für Ungeimpfte scharf kritisiert. »Das ist totalitäre Sprache und totalitäres Denken, das in einem rationalen und rechtsstaatlichen Diskurs über den Umgang mit dem Coronavirus nichts verloren hat«, sagte Weidel laut einer Mitteilung der Fraktion vom Sonntag.

Bund und Länder müssten ein für allemal unmissverständlich klarstellen, dass Impfzwang und Impfpflicht nicht infrage kämen, weder direkt noch indirekt durch den selektiven Entzug von Rechten und Freiheiten, forderte sie. »Grundrechte werden nicht von oben zugeteilt, sie müssen in vollem Umfang für alle Bürger gelten.«

Heinz hatte in der »Rhein-Zeitung« vom Samstag gefordert, Nicht-Geimpfte nicht ins Stadion oder Schwimmbad und nicht ohne Maske im Supermarkt einkaufen zu lassen. »Und man darf Ungeimpften und jenen mit nur einer einfachen Impfung nicht mehr gestatten, in den Urlaub zu fahren.« Man müsse den Menschen klarmachen: »Ohne Impfung gibt es keine Freiheiten. Ohne diesen Druck werden wir die Menschen nicht überzeugen«, sagte Heinz.

Staatssekretär zuversichtlich: bald Aufhebung von Corona-Regeln in England

12:21 Uhr: Trotz steigender Infektionszahlen hat die britische Regierung signalisiert, an der Aufhebung der verbliebenen Corona-Regeln in England festhalten zu wollen. Er sei »zuversichtlich«, dass man mit der nächsten Lockerungsstufe fortfahren könne, sagte der für die britische Impfkampagne zuständige Staatssekretär Nadhim Zahawi am Sonntag dem Sender Sky News. Die britische Regierung entscheidet am Montag über die Aufhebung der verbliebenen Corona-Regeln im größten Landesteil England zum 19. Juli.

Die Pandemie sei nicht vorbei, sagte Zahawi zwar. »Wir sehen einen Anstieg der Infektionsraten in diesem Land, aber auch in Europa und anderswo. Der Unterschied für uns ist, dass das Impfprogramm so erfolgreich gewesen ist.« Knapp 87 Prozent der erwachsenen Bevölkerung in Großbritannien haben bislang ihre erste Impfdosis erhalten, fast 66 Prozent auch schon ihre zweite.

Premier Boris Johnson hatte die Lockerungen vor einer Woche angekündigt – vorbehaltlich einer letzten Prüfung. Es wird erwartet, dass er trotz eines enormen Anstiegs der Zahl der Neuinfektionen an seinen Plänen festhält.

Damit würden in England gegen den Rat von Wissenschaftlern schon in einer Woche Abstandsregeln und Maskenpflicht fallen. Impf-Staatssekretär Zahawi ließ jedoch durchblicken, dass das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes auch nach dem 19. Juli in geschlossenen Räumen »erwartet« werde. Gesundheitsminister Sajid Javid sagte dem »Sunday Telegraph«, jeder, der in einem geschlossenen Raum keine Maske trage, handele »einfach unverantwortlich«.

OECD-Experte warnt vor erneutem Homeschooling ab Herbst

11:41 Uhr: Der Bildungsdirektor der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), Andreas Schleicher, hat vor erneuten Schulschließungen gewarnt und davor, Schülerinnen und Schüler im Herbst wieder ins sogenannte Homeschooling zu schicken. Bis zum nächsten Schuljahr müssten Schulen technisch so umgerüstet werden, dass der Unterricht auch bei schwieriger Infektionslage ungestört fortgeführt werden könne, sagte Schleicher, der auch für den internationalen Schulleistungsvergleich Pisa verantwortlich ist, im »Interview der Woche« von MDR AKTUELL. »Diese Schulschließungen dürfen sich einfach nicht wiederholen.«

Eine große Zahl junger Menschen sei während der Krise »völlig durchs Raster gefallen«, stellte der Bildungsexperte fest. Die Pandemie habe die sozialen Benachteiligungen noch einmal deutlich verstärkt. Schleicher warb dafür, jüngere Kinder und Kinder aus »sozial benachteiligten Schichten« nun gezielt zu fördern.

Israel bietet dritte Impfung an

11:31 Uhr: In Israel können Erwachsene mit einem geschwächten Immunsystem ab sofort eine Auffrischungsimpfung erhalten. Die dritte Spritze nach zwei erfolgten Impfungen mit dem Biontech-Pfizer-Impfstoff erhielten zum Beispiel Menschen, die sich einer Organtransplantation unterzogen hätten oder die an einer Krankheit litten, die einen Abfall der Immunität verursache, teilt Gesundheitsminister Nitzan Horowitz mit.

Die Frage einer Auffrischungsimpfung für die gesamte Bevölkerung werde geprüft, sei aber noch nicht entschieden, so der Minister weiter.

Mit der Ausbreitung der Delta-Variante sind die Neuinfektionen in Israel wieder gestiegen. Die Impfungen waren in dem Land im Dezember angelaufen. Pfizer und Biontech wollen in den nächsten Wochen auch die Behörden in den USA und in Europa bitten, diese Verstärker-Impfungen zu genehmigen. Sie begründen dies mit einem erhöhten Infektionsrisiko nach sechs Monaten.

Gesundheitsministerium bestätigt: Verordnung zur Meldung von mehr Patientendaten geplant

10:44 Uhr: Kliniken sollen künftig umfassendere Daten zu Covid-Patienten melden als bisher. »Neben den bereits sehr genau zu meldenden Daten zur Belegung der Intensivstationen, braucht es noch bessere Informationen zu allen in den Kliniken behandelten Covid-Fällen. So kann das Infektionsgeschehen besser überblickt werden«, sagte ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums am Sonntag und bestätigte einen Bericht der »Bild am Sonntag« (siehe unten), wonach Krankenhäuser über eine erweiterte Meldeverordnung verpflichtet werden sollen, mehr Daten zur Verfügung zu stellen.

Die Verordnung sieht zum einen vor, dass künftig alle Krankenhausaufnahmen wegen Covid grundsätzlich gemeldet werden müssen. Über die Zahl der Intensivpatienten hinaus wird damit deutlich, wieviele Patienten wegen Corona in Deutschland ins Krankenhaus müssen. Zudem sollen die Kliniken Alter, Art der Behandlung und Impfstatus der Corona-Patienten melden.

»Da die gefährdeten Risikogruppen bereits geimpft sind, bedeutet eine hohe Inzidenz nicht automatisch eine ebenso hohe Belastung bei den Intensivbetten«, sagte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) der Zeitung. Deshalb benötige man nun detailliertere Informationen. »Wir wollen wissen, wer erkrankt und wie gut er geschützt ist. Nur so können wir zeitnah abschätzen, wie hoch die Belastung für das Gesundheitssystem wird und wie gut die Impfungen wirken.«

Ab wann genau die neuen Regeln gelten sollen, konnte der Ministeriumssprecher noch nicht sagen. Die Verordnung werde nun aber zügig auf den Weg gebracht.

Lauterbach: »Wembley ist außer Kontrolle geraten«

10:21 Uhr: Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat der Europäischen Fußball-Union erneut Versagen beim Umgang mit der Corona-Pandemie bei der Europameisterschaft vorgeworfen und das Hygienekonzept der Bundesliga gelobt. »Auf dieser EM liegt ein Schatten, und die Uefa hat durch ihre ignorante Vorgehensweise Todesfälle zu verantworten. Das muss so klar gesagt werden. Die Uefa hat in meinen Augen versagt«, sagte der Politiker im Magazin »11Freunde«. Dieses Turnier signalisiere, dass Corona vorbei wäre, aber Corona sei nicht vorbei. »Die EM hat sich für dieses fatale Signal missbrauchen lassen«, kritisierte er.

Insbesondere die Zulassung von mehr als 60.000 Zuschauern beim Endspiel in London zwischen Italien und England am Sonntagabend (21.00 Uhr/ZDF und Magenta TV) sieht der 58-Jährige als Gefahr. »Wembley ist komplett außer Kontrolle geraten«, sagte Lauterbach. Die Engländer würden sich in einer Phase der Pandemie befinden, in der sie sehenden Auges einen sehr großen Teil der erwachsenen Bevölkerung chronisch krank machen könnten. Nach seiner Meinung wäre es sinnvoll gewesen, »die Zuschauerzahl auf ein Fünftel der Kapazität zu senken«.

Dagegen lobte Lauterbach das Konzept der Deutschen Fußball Liga (DFL). »In Kombination mit Schnelltests und der Devise, dass nicht mehr als jeder fünfte Platz besetzt wird, dürfte man dieses Konzept als sicher betrachten – da bin ich mir sehr sicher«, sagte der Politiker.

Nach einem Beschluss der Länder dürfen bis zum Start der Bundesliga-Saison bis zu 25.000 Zuschauer in die Stadien. Voraussetzung dafür ist, dass Personen, die nicht geimpft oder nach einer Corona-Erkrankung genesen sind, einen negativen Corona-Test vorlegen müssen. Zudem sind die geltenden Hygieneregeln und das Abstandsgebot einzuhalten.

Zypern gilt jetzt als Corona-Hochinzidenzgebiet

9.16 Uhr: Das Mittelmeerland Zypern gilt seit heute als Hochinzidenzgebiet mit einem besonders hohen Corona-Infektionsrisiko. Das Auswärtige Amt in Berlin warnt daher vor nicht notwendigen touristischen Reisen auf die Ferieninsel. Urlauber müssen nun nach einer Rückkehr aus Zypern in eine zehntägige Quarantäne, die sie aber nach fünf Tagen mit einem negativen Corona-Test vorzeitig beenden können.

Außerdem gilt ganz Spanien, einschließlich der Balearen und Kanaren, wegen steigender Corona-Zahlen nun als Risikogebiet. Es bestehe das erhöhte Risiko einer Infektion, hatte das Robert-Koch-Institut (RKI) die Einstufung am Freitag begründet. Bisher waren nur einzelne Regionen Spaniens als Risikogebiet ausgewiesen worden.

Familienministerin plädiert für weitere Maskenpflicht an Schulen

9.13 Uhr: Bundesfamilien- und Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) hält eine Maskenpflicht an Schulen derzeit weiterhin für nötig. »Stundenlanges Maskentragen in den Klassenräumen ist sehr belastend, aber noch notwendig, um einen sicheren Schulbetrieb zu gewährleisten«, sagt die SPD-Politikerin der »Welt am Sonntag«. »Bevor wir gänzlich auf das Maskentragen in den Klassenräumen verzichten können, müssen wir uns durchs Impfen deutlich weiter in Richtung Herdenimmunität bewegt haben.« Gerade Kinder in schwierigen Lebensverhältnissen hätten durch den Distanzunterricht viele Nachteile erlitten, deshalb habe ein sicherer Regelbetrieb an den Schulen oberste Priorität.

Bundesregierung plant neue Corona-Hilfslieferungen für Namibia

8.23 Uhr: Mehrere Hilfslieferungen im Wert von mehr als elf Millionen Euro hat die Bundesregierung Namibia zugesagt. Das Land kämpft gerade mit der dritten Corona-Infektionswelle. Das Hilfspaket umfasse rund 50 Beatmungsgeräte, Krankenbetten, Testkits, Schutzausrüstung und Masken, sagte Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Der erste Teil dieser Lieferungen sei schon am Donnerstag in Windhuk übergeben worden. »Außerdem planen wir in der Bundesregierung, gezielt Impfdosen nach Namibia abzugeben.«

Namibia hatte schon im vergangenen Jahr Unterstützung aus dem deutschen Corona-Sofortprogramm erhalten. 43 Millionen Euro seien für Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung bereitgestellt worden, sagte Müller. »Auch für dieses Jahr stehen aus unserem Corona-Sofortprogramm Mittel in vergleichbarer Höhe für Namibia zur Verfügung.«

Die Bundesregierung und Namibia hatten sich vor wenigen Wochen nach mehrjährigen Verhandlungen über eine Wiedergutmachung für Kolonialverbrechen geeinigt. Namibia – damals Deutsch-Südwestafrika – war von 1884 bis 1915 deutsche Kolonie. Zwischen 1904 und 1908 wurden unter der deutschen Kolonialherrschaft zehntausende Angehörige der Herero und Nama von Truppen des deutschen Kaiserreichs getötet. Das Versöhnungsabkommen sieht vor, dass Deutschland die Verbrechen offiziell als Völkermord anerkennt und Wiederaufbauhilfen von 1,1 Milliarden Euro zahlt.

Australien meldet Rekordzahl an Neuinfektionen

7.46 Uhr: Australien ist es bisher gelungen, die Zahl der Corona-Infektionen relativ niedrig zu halten. Seit Beginn der Pandemie gab es nur etwas mehr als 31.000 Fälle und 911 Todesfälle. Doch nur ein sehr kleiner Teil der Bevölkerung ist geimpft, und in Australiens größtem Bundesstaat New South Wales breitet sich zurzeit die hochansteckende Delta-Variante aus. Nun meldet das Land eine Rekordzahl an Neuinfektionen mit 77 Fällen – und den ersten Todesfall in Zusammenhang mit dem Coronavirus im Jahr 2021. Die Fünf-Millionen-Stadt Sydney befindet sich derzeit in einem harten Lockdown.

Politiker streiten über Corona-Lockerungen

7.41 Uhr: Die Inzidenzwerte in Deutschland steigen – aber wie aussagekräftig sind sie eigentlich angesichts der Impfungen? Darüber diskutieren immer mehr Politiker. »Je mehr Menschen geimpft und getestet sind, desto mehr verliert der Inzidenzwert allein an Aussagekraft«, sagte Saarlands Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) der »Welt am Sonntag«. Auch die SPD-Bundestagsfraktion hatte am Samstag in einer Stellungnahme argumentiert, die Inzidenz werde nach der erfolgreichen Impfkampagne keine hinreichende Kennziffer mehr sein.

»Wenn alle ein vollständiges Impfangebot erhalten haben und die Impfung vor schweren Verläufen auch neuerer Varianten schützt, müssen wir unsere Corona-Maßnahmen schrittweise wieder zurücknehmen«, sagte Hans. Deshalb sollte im Herbst der Fokus mehr auf die Intensivbettenbelegung in den Krankenhäusern gerichtet werden. Ähnlich argumentierten CSU-Generalsekretär Markus Blume und der Chef der Hamburger CDU, Christoph Ploß.

Außenminister Heiko Maas (SPD) hatte sich jüngst für eine Aufhebung aller Corona-Einschränkungen ausgesprochen, sobald alle Menschen in Deutschland ein Impfangebot bekommen haben. Damit sei im Laufe des Augusts zu rechnen.

Vorsichtiger blieb Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) in der »Welt am Sonntag«: »Zunächst sollten wir zumindest drei Monate abwarten, denn dann wissen wir besser, welche Auswirkungen die Delta-Variante und die Reiserückkehrer haben.« Er halte daher eine weitere Maskenpflicht in Abwägung zu den möglichen Auswirkungen für eine geringere Einschränkung.

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble rief die Menschen auf, weiter achtsam zu sein. »Ich sehe mit großer Sorge, was im Fußballstadion von Wembley oder in manchen Urlaubsorten los ist«, sagte Schäuble der »Bild am Sonntag«. Wer sich unvernünftig verhalte und keine Vorsichtsmaßnahmen einhalte, setze alle der Gefahr einer vierten Welle aus. »Deshalb: Liebe Leute, freut euch, dass wir wieder essen gehen, Leute treffen können, aber übertreibt es nicht.«

Zahl der Corona-Infektionen steigt in Deutschland den fünften Tag in Folge

6:26 Uhr: Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldete am Sonntag eine Inzidenz von 6,2 nach 5,8 am Samstag. Damit steigt die Zahl der Infektionen zum fünften Mal in Folge. Vor einer Woche lag der Wert, der angibt, wie viele Menschen je 100.000 Einwohner sich in den vergangenen sieben Tagen mit dem Coronavirus angesteckt haben, noch bei 5,0. Insgesamt fielen in Deutschland bislang mehr als 3,7 Millionen Corona-Tests positiv aus.

Zudem meldet das RKI 745 Neuinfektionen. Das sind 186 mehr als am Sonntag vor einer Woche. Sechs weitere Menschen starben im Zusammenhang mit dem Virus. Damit erhöht sich die Zahl der registrierten Todesfälle binnen 24 Stunden auf 91.231.

In der Regel liegt die Zahl der Neuinfektionen am Wochenende und am Montag niedriger als im Wochendurchschnitt, weil an den Wochenenden weniger getestet wird und weniger Testergebnisse übermittelt werden.

Auch wenn die Corona-Fallzahlen derzeit niedrig sind, gibt die Ausbreitung der besonders ansteckenden Delta-Variante des Coronavirus Anlass zur Sorge. Am Mittwoch hatte das RKI mitgeteilt, dass die zuerst in Indien festgestellte Variante nun für mehr als 50 Prozent aller Ansteckungen mit dem Coronavirus in Deutschland verantwortlich ist.

Schäuble: Schulschließungen alles andere als harmlos

0.05 Uhr: Angesichts steigender Corona-Infektionszahlen warnt Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble vor erneuten Schulschließungen nach den Sommerferien. »Kitas, Schulen und Unis zu schließen ist alles andere als harmlos«, sagte der CDU-Politiker laut Vorabbericht der »Bild am Sonntag«. Die Einschränkungen für Kinder und Jugendlichen seien massiv. »Natürlich müssen wir in erster Linie verhindern, dass wieder viele Menschen durch das Coronavirus sterben oder schwer erkranken.« Aber fast gleichwertig seien die individuellen und gesellschaftlichen Folgeschäden durch Coronamaßnahmen, die stärker in den Blick genommen werden müssten.

Spahn verpflichtet Kliniken zu mehr Details über Coronafälle

0.01 Uhr: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn verpflichtet einem Zeitungsbericht zufolge die Krankenhäuser zu genaueren Angaben über alle behandelten Coronafälle. Das gehe aus einer der »Bild am Sonntag« vorliegenden erweiterten Meldeverordnung hervor, schreibt das Blatt. Demnach müssen für alle im Krankenhaus behandelte Coronapatienten, Alter, Art der Behandlung und Impfstatus gemeldet werden.

»Da die gefährdeten Risikogruppen bereits geimpft sind, bedeutet eine hohe Inzidenz nicht automatisch eine ebenso hohe Belastung bei den Intensivbetten«, sagte Spahn laut Vorabbericht der »BamS«. »Wir wollen wissen, wer erkrankt und wie gut er geschützt ist. Nur so können wir zeitnah abschätzen, wie hoch die Belastung für das Gesundheitssystem wird und wie gut die Impfungen wirken.«

tfb/gro/AFP/dpa/Reuters
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