Corona-News am Sonntag Giffey will Infizierte in Ausnahmefällen arbeiten lassen

Sorge um die Infrastruktur: Berlins regierende Bürgermeisterin will, dass in der Omikron-Welle Infizierte ohne Symptome zur Arbeit gehen dürfen. Und: neuer Höchstwert bei der bundesweiten Sieben-Tage-Inzidenz. Der Überblick.
Bei sehr großen Personalausfällen in der kritischen Infrastruktur wegen Corona kann Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey es sich vorstellen, Infizierte ohne Symptome arbeiten zu lassen

Bei sehr großen Personalausfällen in der kritischen Infrastruktur wegen Corona kann Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey es sich vorstellen, Infizierte ohne Symptome arbeiten zu lassen

Foto: Michael Sohn / AFP

Das waren die Corona-News am 30. Januar.

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+++ Giffey: Bei Personalausfall »Arbeitsquarantäne« in Versorgung erwägen +++

8.59 Uhr: Bei massiven Personalausfällen in der kritischen Infrastruktur kann Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey es sich vorstellen, Infizierte ohne Symptome arbeiten zu lassen. »Sollte es in Bereichen der elementarsten Grundversorgung dazu kommen, dass wir den Betrieb mit dem gesunden Personal allein nicht mehr aufrechterhalten können, müssen wir schwerwiegendere Maßnahmen in Betracht ziehen«, sagte die SPD-Politikerin der »Bild am Sonntag«. »Dann ist es eine Option, dass Infizierte, die aber keinerlei Symptome haben, in bestimmten Bereichen im Ausnahmefall weiter zur Arbeit kommen.«

Eine solche Arbeitsquarantäne könne natürlich nur unter strengen Schutzmaßnahmen umgesetzt werden: »Wer im Wasserwerk allein eine Maschine bedient, wer bei der Feuerwehr einen Brand löscht, kann das auch ohne größere Probleme mit symptomfreier Coronainfektion tun.« Anders sehe es bei Menschen aus, die im Krankenhaus oder in der Pflege mit Patienten zu tun hätten.

Aktuell gebe es in Berlin einen Personalausfall von durchschnittlich 15 Prozent, sagte Giffey. »Wir sind auf einen Personalausfall von bis zu 30 Prozent vorbereitet.«

Krankenhausgesellschaft erwartet Zunahme an Corona-Zufallsbefunden

11.14 Uhr: Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) rechnet in der Omikron-Welle mit einer Zunahme an Patientinnen und Patienten, die bei der Aufnahme in eine Klinik positiv auf das Coronavirus getestet werden. Dies liege nicht nur am derzeit verbreiteten Vorkommen von Sars-CoV-2-Infektionen in der Bevölkerung, sondern insbesondere an den weniger stark ausgeprägten Krankheitssymptomen infolge der Impfungen, vor allem der Booster, sagte DKG-Vorstandschef Gerald Gaß.

In Daten zur Covid-19-Krankenhauslage sei eine Unterscheidung von Infizierten, die entweder ursächlich wegen Covid-19 oder aber hauptsächlich aus anderen Gründen behandelt werden, bislang nicht ersichtlich. »Die bestehenden Erfassungssysteme unterscheiden nach unserem Kenntnisstand in der Regel nicht zwischen Covid-19 als Haupt- und Nebendiagnose/Zufallsbefund«, erklärte Gaß. Seriöse Schätzungen zur Höhe der Anteile seien nicht bekannt.

Die Unterscheidung in Haupt- oder Nebendiagnose/Zufallsbefund sei für die Krankenhäuser selbst aber auch »unerheblich«, sagte Gaß. In beiden Fällen seien in der stationären Versorgung die gleichen aufwendigen Isolations- und Schutzmaßnahmen zu treffen.

Die Zahl der Krankenhauseinweisungen in Zusammenhang mit Corona ist nach RKI-Schätzungen zuletzt gestiegen, liegt aber noch deutlich unter den Werten auf dem Höhepunkt der vierten Welle.

34 weitere Coronafälle vor Olympia in Peking: darunter auch die Vorsitzende der IOC-Athletenkommission

10.51 Uhr: Vor den Olympischen Winterspielen in Peking haben die Organisatoren 34 weitere Coronafälle festgestellt. Wie das Organisationskomitee mitteilte, wurden 23 Einreisende positiv auf das Coronavirus getestet, darunter 13 Athleten oder Teammitglieder. Zudem wurden bei elf Personen, die sich bereits im geschlossenen Olympia-System befinden, Infektionen registriert. Zuvor hatte es insgesamt 36 positive Tests gegeben, die Gesamtzahl der Coronafälle seit dem 23. Januar stieg auf 139.

Auch die finnische Vorsitzende der IOC-Athletenkommission, Emma Terho, ist in Peking vor den Olympischen Winterspielen positiv auf Corona getestet worden. Das teilte die 40 Jahre alte frühere Eishockeyspielerin auf Instagram mit. Sie habe sich in ein Quarantänehotel begeben und werde vorerst an ihren geplanten Meetings digital teilnehmen. Sie habe seit ihrer Einreise bis zu ihrem positiven Test keinen Kontakt mit Olympiateilnehmern gehabt.

Auch die Eishockeyspielerin Emma Terho, Vorsitzende der IOC-Athletenkommission, ist coronapositiv

Auch die Eishockeyspielerin Emma Terho, Vorsitzende der IOC-Athletenkommission, ist coronapositiv

Foto: Heikki Saukkomaa / dpa

Für die Olympischen Winterspiele in Peking gilt ein strenges Corona-Sicherheitskonzept. Alle Beteiligten – von Athleten bis hin zu Journalisten – sind vollständig vom Rest der chinesischen Bevölkerung getrennt. Um Infektionen möglichst rasch zu erkennen, muss jeder Teilnehmer innerhalb der »Olympia-Blase« täglich einen PCR-Test absolvieren.

Wer sich mit dem Virus angesteckt hat, wird in einem eigens dafür vorgesehenen Hotel isoliert. Nur nach zwei negativen PCR-Tests im Abstand von mindestens 24 Stunden können die Betroffenen dieses vor Ablauf von zehn Tagen wieder verlassen. Nach dieser Frist ist nur noch ein negativer PCR-Test nötig.

Die Volksrepublik China verfolgt eine strenge Null-Covid-Strategie, bei der bereits kleinere Infektionsstränge mit harten Maßnahmen bekämpft werden. In den vergangenen Wochen haben die Behörden in mehreren Millionenstädten im Land Lockdowns verhängt.

DAK-Analyse: Weniger Krankschreibungen wegen Atemwegserkrankungen

10.11 Uhr: Krankschreibungen für den Job wegen Erkältungen oder Grippe sind nach einer Auswertung der Krankenkasse DAK-Gesundheit im zweiten Coronajahr 2021 stark zurückgegangen. Auf 100 Beschäftigte kamen noch 146 Fehltage wegen einer Erkrankung der Atemwege, wie eine Analyse der Kasse nach eigenen Versichertendaten ergab. Im ersten Coronajahr 2020 waren es demnach 212 Fehltage pro 100 Beschäftigte gewesen und vor der Pandemie 2019 rund 221 Fehltage.

Insgesamt ging der Krankenstand im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2020 von 4,1 auf 4,0 Prozent zurück – so viele bei der Kasse versicherte Arbeitnehmer waren durchschnittlich an jedem Tag des Jahres arbeitsunfähig geschrieben. Gar keine Krankschreibung hatten demnach 57,3 Prozent. Bestätigte Coronainfektionen hätten mit rund 19 Fehltagen je 100 Versicherte nur eine geringe Rolle gespielt.

Kassenchef Andreas Storm sagte der Deutschen Presse-Agentur, die Hygienemaßnahmen zum Eindämmen der Epidemie hätten gewirkt und auch Übertragungen anderer Krankheiten verhindert. Alarmierend seien aber weiter steigende Fehlzeiten wegen psychischer Erkrankungen. Laut der Auswertung gab es mit 276 Fehltagen je 100 Versicherte nun einen Höchststand. Auf Depressionen waren 108 Tage davon zurückzuführen.

Für die Analyse wertete das Berliner Iges Institut den Angaben zufolge Daten von rund 2,4 Millionen erwerbstätigen DAK-Versicherten aus. Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen müssen an die Krankenkasse geschickt werden, wenn Beschäftigte länger als drei Tage fehlen.

Iran: 30 Abgeordnete mit Omikron-Variante infiziert

10.02 Uhr: Im Iran haben sich 30 Parlamentsabgeordnete mit der Omikron-Variante infiziert. Sie befinden sich nun in Quarantäne, wie der Abgeordnete Abolfasl Abutorabi am Sonntag bekannt gab. Das Parlament wolle nun bei allen 290 Abgeordneten Coronatests durchführen, um weitere Infektionen zu verhindern, sagte Abutorabi laut Nachrichtenagentur Fars. Das Parlament wurde in den letzten Monaten mehrfach kritisiert, weil zahlreiche Abgeordnete die Coronavorschriften nicht einhielten.

Der Iran war bis Mitte letzten Jahres von der Coronapandemie besonders stark betroffen, nach einer Beschleunigung der Impfkampagne entspannte sich jedoch die Lage. Bislang sind mehr als 60 Prozent der fast 84 Millionen Iraner doppelt geimpft, über 16 Millionen Auffrischungsimpfungen wurden bereits verabreicht.

Angesichts der Omikron-Welle und der konstant steigenden Infektionszahlen plant die Regierung jedoch einen erneuten Lockdown. Wegen der akuten Wirtschaftskrise sollte dieser eigentlich vermieden werden. Seit dem Ausbruch der Pandemie im Februar 2020 wurden im Land mehr als 132.000 Coronatote und mehr als 6,3 Millionen Infizierte registriert. Millionen Iraner leiden unter den finanziellen Folgen der Pandemie.

Dutzende Teilnehmer eines Coronaprotestzugs stürmen auf Klinikgelände

9.00 Uhr: Dutzende Gegner der Coronamaßnahmen sind in Leipzig bei einem als »Spaziergang« deklarierten Protestmarsch auf ein Gelände der Uniklinik gestürmt. Nach Angaben einer Polizeisprecherin hatte der Protestzug von »mehreren Hundert« Menschen am Samstagnachmittag nahe dem Völkerschlachtdenkmal begonnen und war in der Nähe der Klinik für Psychiatrie von der Polizei gestoppt worden. Dort seien Dutzende in das Gelände der zur UKL gehörenden Psychiatrieklinik eingedrungen – vermutlich in der Hoffnung, dem Polizeikessel zu entkommen. Hier geht es zu unserer Meldung.

Tausende Teilnehmer bei Protest gegen Coronamaßnahmen in Frankfurt

8.55 Uhr: Bis zu 4000 Menschen haben am Samstag an einem Aufzug gegen die Maßnahmen zur Eindämmung der Coronapandemie in Frankfurt am Main teilgenommen. Die Gegner und Kritiker der Coronaauflagen hatten sich unter dem Motto »Mein Körper gehört mir – Freie Entscheidung über medizinische Präventionsmaßnahmen« in der Innenstadt versammelt.

Die Mehrheit von ihnen verstieß demnach zu Beginn des Aufzugs gegen die geltende Masken- und Abstandspflicht, woraufhin die Polizei den Protestzug vorerst stoppte. Gegen einen Teilnehmer wurde aufgrund eines mitgeführten »Schutzschirms« – eines Regenschirms, der auch als Hiebwaffe dient – ein entsprechendes Strafverfahren eingeleitet. Der Schirm wurde sichergestellt.

Die Einsatzkräfte waren nach eigenen Angaben mit Polizeireitern und Wasserwerfern im gesamten Stadtgebiet präsent. Auch ein Polizeihubschrauber kam zum Einsatz. Nach dem kurzzeitigen Versammlungsstopp verlief die Kundgebung weitgehend störungsfrei und endete am frühen Abend.

Hunderte Lkw-Fahrer in Kanada protestieren gegen Impfpflicht

7.25 Uhr: In Kanada haben Hunderte Lkw-Fahrer mit einer tagelangen Protestfahrt gegen die Coronaimpfpflicht protestiert, die seit Kurzem bei Überquerung der Grenze in die USA gilt. Am Samstag kamen die Trucker in der Hauptstadt Ottawa an, wo sie von Tausenden Menschen begeistert empfangen wurden. Die Demonstranten schwenkten kanadische Flaggen und Plakate mit der Aufschrift »Freiheit« und riefen Sprechchöre gegen Premierminister Justin Trudeau.

Der sogenannte »Konvoi für die Freiheit« war am Sonntag vergangener Woche in Vancouver an der kanadischen Westküste, wie kanadische Medien berichteten. Auf dem Weg in die Hauptstadt Ottawa, die rund 4400 Kilometer von Vancouver entfernt ist, schlossen sich immer mehr Fahrer dem Konvoi an.

Die Impfpflicht für den Grenzübertritt war Mitte Januar von Kanada und den USA eingeführt worden. Ungeimpfte kanadische Lkw-Fahrer müssen demnach bei Rückkehr aus den USA in eine 14-tägige Quarantäne, US-Fahrer ohne Impfung dürfen gar nicht ins Land. Die USA drohen bei Zuwiderhandlung mit einer dauerhaften Sperre.

Der Branchenverband Canadian Trucking Alliance hatte die Protestfahrt kritisiert. Die große Mehrheit der kanadischen Fahrer sei gegen das Coronavirus geimpft. Ähnlich äußerte sich Trudeau. Er bezeichnete die Trucker am Freitag als »kleine Randminderheit«, die nicht für die Mehrheit der Kanadier stehe. In Kanada sind inzwischen 90 Prozent der Erwachsenen geimpft.

Olympische Spiele in Peking – Neue Coronafälle innerhalb der Blase

7.10 Uhr: Fünf Tage vor Beginn der Olympischen Winterspiele (4. bis 20. Februar) in Peking hat es unter Sportlern und Teammitgliedern insgesamt 16 neue Coronafälle gegeben. Das gab das Organisationskomitee bekannt. Am Flughafen kamen zehn weitere positive Tests bei Personen hinzu, die im Zusammenhang mit den Winterspielen anreisten. Von den positiv getesteten Sportlern und Teammitgliedern befanden sich 13 am Flughafen und drei in der Blase. Dort gab es zusätzlich acht Betroffene.

Die Gesamtzahl wuchs am Sonntag um 54, die Ausrichterstadt Peking vermeldete 20 neue Coronafälle unter ihren Bürgern und damit die höchste Anzahl seit anderthalb Jahren. Als Folge sperrte die Stadt mehrere Wohnanlagen. Im Bezirk Fengtai, in dem die meisten Fälle auftraten, sollten mehr als zwei Millionen Menschen auf das Virus getestet werden.

Die Spiele in Peking werden in einer streng kontrollierten Blase ausgetragen, in der alle Teilnehmer täglich auf Covid-19 getestet werden und vollständig abgeschottet von der chinesischen Bevölkerung leben. Am Samstag hatten die Organisatoren von 36 neuen Fällen in der Blase berichtet, 29 davon wurden am Flughafen entdeckt, 19 betrafen Athletinnen und Athleten.

Sieben-Tage-Inzidenz steigt auf 1156,8

7.05 Uhr: Das Robert Koch-Institut (RKI) hat einen Anstieg der bundesweiten Sieben-Tage-Inzidenz gemeldet und damit erneut einen Höchstwert. Das RKI gab den Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche am Sonntagmorgen mit 1156,8 an. Zum Vergleich: Am Vortag hatte der Wert bei 1127,7 gelegen. Vor einer Woche lag die bundesweite Inzidenz bei 806,8 (Vormonat: 207,4). Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 118.970 Coronaneuinfektionen. Vor einer Woche waren es 85.440 Ansteckungen.

Experten gehen von einer hohen und weiter steigenden Zahl von Fällen aus, die in den RKI-Daten nicht erfasst sind, unter anderem weil Testkapazitäten und Gesundheitsämter vielerorts am Limit sind. Zudem melden einige Städte und Kreise seit Tagen Probleme bei der Übermittlung der Coronafallzahlen.

Deutschlandweit wurden nach den neuen Angaben binnen 24 Stunden 59 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 54 Todesfälle. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 9.737.215 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Die Zahl der in Kliniken gekommenen coronainfizierten Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen gab das RKI am Freitag mit 4,72 an (Donnerstag 4,64). Darunter können auch Menschen mit positivem Coronatest sein, die eine andere Haupterkrankung haben. Die Zahl der Genesenen gab das RKI am Sonntag mit 7.564.200 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 117.725.

nga/svs/dpa/AFP/Reuters
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