Neue Studie Die Boosterimpfung wirkt auch gegen Omikron – aber nicht so stark

Doppelt geimpft oder genesen: Beides bietet keinen optimalen Schutz vor Omikron. Laut einer aktuellen Untersuchung können aber beide Gruppen ihre Immunabwehr durch eine weitere Impfung gegen Corona stärken.
Am 28. Dezember stehen Menschen für eine Impfung in der Fanhalle Nord des Fritz-Walter-Stadions in Kaiserslautern an

Am 28. Dezember stehen Menschen für eine Impfung in der Fanhalle Nord des Fritz-Walter-Stadions in Kaiserslautern an

Foto: Uwe Anspach / dpa

Das menschliche Immunsystem hat zahlreiche Schutzmechanismen gegen Eindringlinge. Zur schnellen Einsatztruppe zählen unter anderem die Antikörper. Sie können etwa Viren wie Sars-CoV-2 abfangen, ehe es ihnen gelingt, in eine Zelle einzudringen. Bestenfalls neutralisieren sie also Angreifer, ehe diese beginnen, sich zu vermehren und Schaden anzurichten. Bei der sogenannten sterilen Immunität wird beim Kontakt mit einem Erreger nicht nur die Erkrankung, sondern die Infektion an sich und die Weitergabe der Erreger verhindert – dank der Antikörper.

Forschende berichten im Fachblatt »Nature«,  wie gut Antikörper aus dem Blut verschiedener Menschen die Omikron-Variante ausschalten konnten. Sie testeten Proben von unterschiedlichen Gruppen:

  • Menschen, die doppelt mit Biontech oder doppelt mit Moderna geimpft wurden;

  • bereits mit einem mRNA-Impfstoff Geboosterten (also dreifach Geimpften);

  • Genesenen ohne Impfung;

  • Genesenen, die zwei beziehungsweise drei mRNA-Impfungen bekommen hatten.

Es zeigte sich: Wer lediglich genesen oder doppelt geimpft war, dessen Antikörperaktivität gegen Omikron war meist kaum messbar. Doch bei jenen, die dem Coronavirus schon drei- oder viermal begegnet waren – durch Impfung oder Infektion –, war die neutralisierende Aktivität der Antikörper weiterhin vorhanden. Sie war allerdings immer noch deutlich niedriger als gegen frühere Virusvarianten.

»Die Daten deuten darauf hin, dass Genesene stark von der Impfung profitieren«, schreibt das Team um Florian Krammer von der Icahn School of Medicine at Mount Sinai, New York, USA, in »Nature«.

Dass eine Boosterimpfung den Schutz von zuvor zweifach Geimpften gegenüber Omikron deutlich erhöht, hatten schon frühere Studien anderer Forschender gezeigt.

Das Immunsystem erinnert sich

In der aktuellen Studie untersuchte das Team außerdem, wie gut die Antikörper bestimmte Regionen des Spike-Proteins von Omikron erkannten. Die Antikörper koppeln sich daran an, fachsprachlich »binden« sie. Klappt das gut, ist es ein Hinweis darauf, dass die langsamere, aber auch langlebigere Immunantwort, die unter anderem auf sogenannten B- und T-Zellen beruht, weiterhin gut gerüstet ist.

Diese B- und T-Zellen können eindringende Viren nicht so schnell bekämpfen, wie es Antikörper tun. Das heißt: Sie schützen nicht vor der Infektion, möglicherweise entwickelt man einige Krankheitssymptome. Aber dieser Teil der Immunantwort hilft dabei, eine schwere Erkrankung zu verhindern.

Die Forschenden untersuchten deshalb, wie gut Antikörper aus den verschiedenen Proben an das ursprüngliche Sars-CoV-2-Virus, die Variante Beta und an Omikron banden. Diese Bindung war insgesamt deutlich weniger gestört als die neutralisierende Aktivität. Das lässt hoffen, dass der Schutz vor einer schweren Erkrankung noch relativ gut ist. Dennoch schließt das Team damit, dass »unsere Daten sich in die wachsende Zahl von Belegen einreihen, dass Omikron-spezifische Impfstoffe dringend benötigt werden«.

wbr
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