Weltgesundheitsorganisation Coronapandemie führt zu Tausenden zusätzlichen Malaria-Toten

Weil Hilfsprogramme unterbrochen wurden, ist die Zahl der Malaria-Toten im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Betroffen sind vor allem Kleinkinder – doch ein Impfstoff macht Hoffnung.
Ein Kind wird in einem Flüchtlingscamp im Sudan auf Malaria getestet

Ein Kind wird in einem Flüchtlingscamp im Sudan auf Malaria getestet

Foto: Gregg Brekke / ZUMA Wire / IMAGO

Im vergangenen Jahr sind erstmals seit 2000 wieder deutlich mehr Menschen an Malaria gestorben. Im Vergleich zum Vorjahr verzeichnete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) etwa 69.000 zusätzliche Todesfälle. Rund zwei Drittel davon seien auf Unterbrechungen von Malaria-Programmen wegen der Coronapandemie zurückzuführen, berichtet die WHO in ihrem jährlichen Malaria-Report. Der Welt sei es allerdings auch vor der Pandemie schon nicht mehr gelungen, die Malaria-Zahlen wie geplant zu senken.

Laut den Schätzungen der WHO erkrankten 2020 weltweit 241 Millionen Menschen an Malaria, 14 Millionen mehr als im Vorjahr. Die geschätzte Zahl der Todesfälle stieg demnach auf 627.000 an. Rund 96 Prozent der Todesfälle ereigneten sich in afrikanischen Ländern südlich der Sahara. In diesem Gebiet ist Malaria die häufigste Todesursache von Kindern – rund 80 Prozent der Gestorbenen waren unter fünf Jahre alt. Weltweit macht Malaria laut einer neuen Berechnungsmethode der WHO 7,8 Prozent der Todesfälle bei Kindern in dieser Altersgruppe aus. Bislang waren die Fachleute von 4,8 Prozent ausgegangen.

Die Ergebnisse hätten noch deutlich schlechter ausfallen können, schreibt die WHO in einer Mitteilung. Die Organisation hatte zu Beginn der Coronapandemie davor gewarnt, dass sich die Zahl der Malaria-Todesfälle in afrikanischen Ländern südlich der Sahara bei einer Unterbrechung der Hilfsprogramme verdoppeln könnte. Um die Todesfälle durch Malaria zu senken, fordert die Organisation vor allem eine bessere medizinische Grundversorgung in den betroffenen Gebieten.

Hoffnung durch neuen Malaria-Impfstoff

Hoffnungen ruhen außerdem auf dem neuen Malaria-Impfstoff RTS,S/AS01. Die WHO hatte das Mittel im Oktober für den routinemäßigen Einsatz bei Kindern in besonders betroffenen Weltregionen empfohlen. Kinder, die in Regionen mit moderater bis hoher Malaria-Verbreitung leben, sollten demnach insgesamt viermal mit dem Mittel geimpft werden, und zwar ab einem Alter von fünf Monaten. Die Vakzine richtet sich gegen Plasmodium falciparum, den gefährlichsten Malaria-Erreger.

Die Impfung hat allerdings eine vergleichsweise niedrige Wirksamkeit. Laut der Phase-3-Studie, die von 2009 bis 2014 lief, verhinderte sie etwa vier von zehn Malaria-Fällen und drei von zehn schweren Fällen innerhalb von vier Jahren, so die WHO . 2017 sagte die Forscherin Mary Hamel, die an den Arbeiten zu dem Impfstoff beteiligt war, dass dessen Auswirkungen angesichts der großen Zahl von Menschen, die an Malaria erkranken, enorm sein würden. »Es wird andere Impfstoffe geben, und sie werden effektiver sein, aber in der Zwischenzeit wird dieser einen bedeutenden Einfluss haben.«

Malaria wird durch verschiedene Plasmodium-Parasiten verursacht, die durch infizierte Mücken auf Menschen übertragen werden. Der Körper bekämpft die Erreger unter anderem durch Fieber, das mitunter erst Monate nach der Infektion auftritt. Die Parasiten befallen rote Blutkörperchen. Zu den möglichen Folgen zählen Durchblutungsstörungen und eine Unterversorgung der Organe mit Nährstoffen.

Malaria ist heilbar, wenn die Erkrankung rechtzeitig erkannt und behandelt wird. Einen effektiven Schutz vor einer Ansteckung bieten unter anderem mit Insektenvernichter behandelte Moskitonetze für die Nacht. Außerdem können vorbeugend Medikamente eingenommen werden.

Eigentlich war das für 2020 erklärte Ziel der WHO, die Zahl der Malariainfektionen in Risikogebieten auf 35 Fälle pro 1000 Personen zu reduzieren. Tatsächlich betrug der Wert noch 59 Fälle pro 1000 Personen. Auch die Sterblichkeit lag 44 Prozent über dem eigentlich angestrebten Ziel. Dennoch gibt es auch gute Nachrichten: Trotz der Corona-Herausforderungen konnten China und El Salvador in diesem Jahr als Malaria-frei erklärt werden.

irb/dpa
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