Robert Koch-Institut "Wir wollen diesen Erfolg verteidigen"

Wegen der gestiegenen Reproduktionszahl hat sich der Chef des Robert Koch-Instituts mit einem Appell an die Deutschen gewandt: Das Land dürfe seine gute Lage in der Corona-Pandemie nicht verspielen.
RKI-Präsident Lothar Wieler: "Wir wollen nicht, dass das Gesundheitssytem überfordert wird"

RKI-Präsident Lothar Wieler: "Wir wollen nicht, dass das Gesundheitssytem überfordert wird"

Foto: Christian Mang/ REUTERS

Der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, hat an die Menschen in Deutschland appelliert, die guten Ergebnisse beim Eindämmen der Corona-Pandemie nicht zu verspielen: "Wir wollen diesen Erfolg weiter verteidigen, und das schaffen wir auch, wenn wir uns an bestimmte Regeln halten."

Natürlich würden sich alle Menschen wieder mehr Normalität wünschen, sagte Wieler. Es sei jetzt aber enorm wichtig, die Kontaktsperren und Abstandsregeln weiter einzuhalten: "Wir wollen nicht, dass das Gesundheitssytem überfordert wird, und wir wollen nicht, dass viele Menschen an Covid-19 sterben."

Mit Datenstand 27.04. ist die Reproduktionszahl laut RKI wieder auf 1,0 gestiegen. Das bedeutet, dass statistisch ein Coronavirus-Infizierter einen weiteren Menschen ansteckt. Das RKI und auch Kanzlerin Angela Merkel haben wiederholt betont, der Wert müsse dauerhaft unter eins liegen, damit der Virusausbruch eingedämmt wird. Aufgrund der Ausgangsbeschränkungen hatte die Reproduktionsrate bereits bei 0,7 gelegen, stieg in den vergangenen Tagen aber schrittweise auf 0,8, dann 0,9 und liegt nun wieder bei 1,0.

DER SPIEGEL

Zahl der Corona-Toten steigt auf fast 6000

Bis heute haben sich in Deutschland etwa 156.337 Menschen  mit dem Coronavirus infiziert. Der Großteil der Infizierten ist inzwischen wieder gesund. Das RKI schätzt die Zahl auf etwa 117.400. Demnach sind derzeit noch rund 39.000 Personen infiziert. Wie für andere Länder rechnen Experten aber auch hierzulande mit einer hohen Dunkelziffer nicht erfasster Fälle.

Was die Corona-Statistik verrät – und was nicht

Die offiziell gemeldete Zahl der Infizierten bezieht sich ausschließlich auf mit Labortests nachgewiesene Infektionen. Wie viele Menschen sich tatsächlich täglich neu infizieren und bislang infiziert waren, ohne positiv getestet worden zu sein, ist unklar. Antikörperstudien zeigen, dass es eine erhebliche Dunkelziffer an unentdeckten Infektionen gibt.

Die offizielle Zahl der Toten beschreibt, wie viele Menschen mit dem Virus gestorben sind. In wie vielen Fällen die Infektion ursächlich für den Tod war, lässt sich daraus nicht unmittelbar ablesen. Obduktionsstudien zeigen aber, dass bei den meisten Toten die Covid-19-Erkrankung auch die Todesursache war.

Mehr Informationen dazu, was im Umgang mit Corona-Daten zu beachten ist und welche Quellen der SPIEGEL nutzt, lesen Sie hier.

5913 Menschen sind mit einer Corona-Infektion gestorben. Das entspricht einem Anteil von 3,8 Prozent. Von 1000 Menschen mit einer nachgewiesenen Infektion sterben also 38. Die Zahlen weichen von denen der US-amerikanischen Johns Hopkins-Universität (JHU) ab, die für Deutschland bereits mehr als 6100 Corona-Tote verzeichnet. Die JHU berücksichtigt allerdings auch solche Fälle, die noch nicht offiziell gemeldet wurden.

Bereits am Dienstag der vergangenen Woche hatte das RKI vom größten Anstieg der Corona-Todesfälle in Deutschland seit Beginn des Ausbruchs berichtet. Experten hatten damit gerechnet, dass die Zahl der Todesfälle in Deutschland steigen wird, weil sich zuletzt mehr ältere Menschen mit dem Coronavirus infiziert hatten. 

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Regional große Unterschiede

Die Bundesländer sind sehr unterschiedlich betroffen. Die meisten Corona-Infektionen gab es bislang in Bayern: 317 Menschen pro 100.000 Einwohner haben sich dort infiziert. Darauf folgen Baden-Württemberg und das Saarland mit 282 und 253 Fällen auf 100.000 Einwohner. Die wenigsten Fälle gibt es unverändert in Mecklenburg-Vorpommern mit 42 pro 100.000 Einwohnern. Die detaillierte regionale Verteilung der Corona-Fälle zeigt die Karte unten.

Wieler berichtete, dass die Kapazität der Krankenhäuser bislang nicht ausgelastet sei. "Wir haben keinerlei Engpässe. Und nach der derzeitigen Situation können wir auch keine Engpässe prognostizieren", sagte der RKI-Chef. Bei einem erneut starken Anstieg der Fallzahlen könne sich die Auslastung der Kliniken allerdings schnell und deutlich erhöhen.

jki