Kampf gegen die Pandemie Warum Forscher Hunderte Impfstoffe gleichzeitig entwickeln

Mehr als 300 Coronaimpfstoffe stecken gerade in der Entwicklung. Braucht man wirklich so viele Vakzinen? Wissenschaftler geben eine klare Antwort.
Impfstoff von Biotech und Pfizer

Impfstoff von Biotech und Pfizer

Foto: Andrew Harnik / Getty Images

Rund 987.000 Menschen ließen sich am Mittwoch in Deutschland impfen. 80 Prozent davon bekamen die Booster-Auffrischung. Der Impfstoff von Biontech und Pfizer kommt dabei am häufigsten zum Einsatz. Außerdem werden hierzulande auch Moderna und Johnson & Johnson verimpft. Weltweit gibt es aber rund zwei Dutzend Vakzinen, außerdem sind Hunderte in der Entwicklung.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat schon sieben Impfstoffe als effektiv und sicher anerkannt und prüft weitere. Nach Angaben der WHO werden mehr als 130 Coronaimpfstoffe schon klinisch getestet, fast 200 weitere seien in der vorklinischen Entwicklung. Und seitdem die neue Variante Omikron bekannt ist, haben Hersteller angekündigt, ihre Impfstoffe womöglich anzupassen.

Braucht man wirklich so viele Vakzinen? »Nein«, sagt Jakob Cramer, Leiter für klinische Entwicklung bei Cepi, einer Koalition aus Regierungen, WHO und Herstellern. Cepi hat rund ein Dutzend Coronaimpfstoffe mitfinanziert. Die Forschung müsse mit hohem Tempo weitergehen, denn: »90 Prozent der Kandidaten bleiben auf der Strecke.«

Und der Bedarf ist groß. Ärmere Länder brauchen Mittel, die auch ohne Tiefkühlung lange haltbar sind. Hintergrund: Die neu entwickelten mRNA-Impfstoffe von Biontech und Moderna müssen bei tiefen Temperaturen gelagert werden. »Unser Job ist es, so viele Menschenleben wie möglich zu retten«, sagt WHO-Impfexperte Bruce Aylward. Geforscht wird deswegen an weiteren Impfstoffen in Deutschland, China, den USA, Indien, aber auch der Türkei, Vietnam, Thailand und anderen Ländern.

Impfvorbereitung in einem New Yorker Krankenhaus

Impfvorbereitung in einem New Yorker Krankenhaus

Foto: Mark Lennihan / Getty Images

Vielleicht gebe es 2022 schon einen Impfstoff, der Geimpfte anders als heute auch davor schützt, das Virus zu übertragen, sagt Cramer. Geforscht wird auch, wie immungeschwächte Menschen besser geschützt werden können, oder an Impfstoffen, die als Nasenspray verabreicht werden können. So etwas gibt es in manchen Ländern als Grippeimpfung.

2022 ist die Ausgangslage zudem anders als bei der Entwicklung der ersten Covid-19-Impfstoffe. Dann dürfte ein großer Teil der Erdbewohner durch Impfung oder natürliche Infektion Antikörper haben. Man müsse prüfen, ob Auffrischimpfungen in geringerer Dosierung ausreichten, sagt Cramer.

Ein Schwerpunkt sei es auch, einen Impfstoff zu finden, der umfassend vor Sars-CoV-2 und weiteren sogenannten Beta-Coronaviren gleichzeitig schützt.

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Besser vorbereitet in die nächste Pandemie

Die nächste Pandemie kommt bestimmt, vermutlich mit einem anderen Atemwegsvirus. »Wir denken viel darüber nach, was die nächste pandemische Bedrohung sein könnte«, sagt Hamilton Bennett, beim US-Coronaimpfstoff-Hersteller Moderna Direktorin für Impfstoffzugang.

Die WHO führt eine Liste mit rund einem Dutzend Krankheitserregern, die bedrohlich werden könnten.

Moderna erforsche die Eigenschaften fast aller dieser Virenfamilien und führe schon Studien durch. »Wenn innerhalb der Familie dann ein gefährlicher Virenstamm auftaucht, können wir sehr schnell sein«, sagt Bennett. Dann könne in 100 Tagen oder sogar weniger ein einsatzbereiter Impfstoff fertig sein.

Möglich sei das dank der bei einigen Covid-19-Impfstoffen erstmals eingesetzten mRNA-Technologie, sagte Bennett. Bei der Impfung erhalten Körperzellen den nach kurzer Zeit wieder verfallenden Bauplan für einen kleinen Bestandteil des Virus.

Dieses sogenannte Spike-Protein produzieren die Zellen dann selbst, woraufhin das Immunsystem Antikörper gegen den Krankheitserreger bildet. Im Falle eines anderen Virus würde ein anderer Bauplan verwendet, das Verfahren bliebe aber gleich, so Bennett.

Zukünftig könnte alles schneller gehen

Wenn Behörden das Verfahren an sich als sicher anerkennen und sich bei neuen Pathogenen nur der Bauplan ändere, seien keine langwierigen Studien mehr nötig, sagte Bennett. Derzeit prüfen etwa Moderna und Biontech, ob der Bauplan in ihren Impfstoffen wegen der neu aufgetauchten Variante Omikron geändert werden muss.

Es wäre das erste Mal seit dem Start der Impfkampagnen mit mRNA-Impfstoffen vor rund einem Jahr, dass die beiden Vakzinen wegen einer sich ausbreitenden neuen Coronavariante für die Massenimpfungen geändert werden müssten.

fww/dpa
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