Corona Paul-Ehrlich-Institut berichtet über mögliche Impf-Komplikationen

Welche Nebenwirkungen traten nach Corona-Impfungen in Deutschland auf? Das zuständige Institut veröffentlicht neue Daten in seinem Sicherheitsbericht. Ein Überblick.
Corona-Impfung (Archivbild)

Corona-Impfung (Archivbild)

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Matthias Bein / picture alliance / dpa

Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hat einen neuen Sicherheitsbericht  vorgelegt, in dem es über mögliche Nebenwirkungen und Komplikationen nach Corona-Impfungen informiert. Neben der bereits bekannten, sehr seltenen, aber schweren Nebenwirkung TTS – Thrombosen im Zusammenhang mit Blutplättchenmangel – berichtet das Institut auch über den möglichen Zusammenhang von Impfungen mit Herzmuskelentzündungen, medizinisch Myokarditis.

Herzmuskelentzündungen: bislang kein klares Bild

Berichte zu Myokarditis-Fällen hatte es zuerst aus Israel gegeben . Ein Ausschuss des israelischen Gesundheitsministeriums hält eine Verbindung zwischen der Corona-Impfung, vor allem der zweiten Dosis, mit einer Herzmuskelentzündung für wahrscheinlich. In Israel wurde vor allem der Impfstoff von Biontech/Pfizer, Comirnaty, eingesetzt. Betroffen waren vor allem junge Männer.

Das PEI teilt jetzt mit, zu dem möglichen Zusammenhang gebe es in Deutschland bislang kein klares Bild. Bislang wurden dem Institut demnach 92 Fälle gemeldet, in denen kürzlich Geimpfte an einer Myokarditis und/oder einer Perikarditis, einer Entzündung des Herzbeutels, erkrankten. Die Mehrzahl der Berichte beziehe sich auf Impfungen mit Comirnaty, dem Impfstoff von Biontech/Pfizer. Ähnlich wie in Israel seien vor allem Männer im Alter zwischen 16 und 29 Jahren betroffen.

Bezogen auf alle Altersgruppen sieht das PEI kein Risikosignal, wenn es die Zahl der berichteten Fälle zu der Zahl an entsprechenden Erkrankungen ins Verhältnis setzt, die auch ohne Impfung zu erwarten wäre. Dennoch falle bei den mRNA-Impfstoffen von Moderna und Biontech/Pfizer auf, »dass vorwiegend jüngere Menschen betroffen sind, die jedoch vermutlich aufgrund der Impfpriorisierung nicht die prozentual größte Impfgruppe ausmachen«.

Es fehle an Daten, um zu berechnen, »ob die Zahl der gemeldeten Fälle einer (Peri)myokarditis in jüngeren Altersgruppen höher ist, als statistisch zufällig in ihrer Altersgruppe zu erwarten wäre«. Das PEI und seine EU-Schwesterbehörden wollen aber weiterhin Berichte untersuchten, hieß es.

Viele Herzmuskelentzündungen verlaufen nach PEI-Angaben symptomlos oder mit unspezifischen Symptomen. Eine Myokarditis kann aber auch lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen auslösen oder zu einer Herzschwäche führen. Zu den möglichen Auslösern einer Myokarditis zählen Virusinfektionen.

Thrombosen: Erster gemeldeter Fall nach Zweitimpfung

Das PEI berichtet zudem über das TTS-Syndrom – Thrombosen in Kombination mit einer Thrombozytopenie (Blutplättchenmangel) nach einer Impfung mit einem Vektorimpfoff. Das sind Vaxzevria von AstraZeneca sowie der Impfstoff von Johnson & Johnson. Insgesamt wurden bis 31. Mai 106 Fälle in Deutschland bekannt. Zum Zeitpunkt der Auswertung hatte das PEI Kenntnis über 21 tödliche Verläufe, 13 Frauen und acht Männer sind gestorben.

Die Thrombosen finden sich oftmals an ungewöhnlichen Stellen, beispielsweise an Hirnvenen. Laut PEI wurden 1,24 Fälle von TTS auf 100.000 Erstimpfungen mit Vaxzevria gemeldet. Das Institut geht davon aus, dass es eine Dunkelziffer gibt.

Erstmals wurde nun auch ein Fall nach einer Zweitimpfung mit Vaxzevria gemeldet. Betroffen war ein 40-jähriger Mann, der eine Hirnvenenthrombose entwickelte. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden in Deutschland rund 740.000 Zweitdosen des AstrasZeneca-Impfstoffs verabreicht.

Bislang konnten laut PEI aber »keine spezifischen Risikofaktoren für die Entstehung von TTS identifiziert werden«. Die Ständige Impfkommission empfiehlt  die Vektorimpfstoffe von AstraZeneca und Johnson & Johnson für Menschen ab 60 Jahren, »da in dieser Altersgruppe aufgrund der ansteigenden Letalität einer Covid-19-Erkrankung die Risiko-Nutzen-Abwägung eindeutig zugunsten der Impfung ausfällt«. Jüngere können sich aber mit den Mitteln impfen lassen, wenn sie es wünschen.

Guillain-Barré-Syndrom: Ob ein Risikosignal vorliegt, wird untersucht

Im aktuellen Sicherheitsbericht vom PEI wird neben Myokarditis und TTS auch das Guillain-Barré-Syndrom genannt. Bei dieser Krankheit werden Nerven durch eine überschießende Autoimmunreaktion geschädigt, weshalb sie keine Reize mehr übertragen können. Das kann zu Lähmungen führen, die in den meisten Fällen, aber nicht in allen, vorübergehend sind.

Nach einer Impfung mit AstraZeneca seien mehr Fälle dieses Syndroms gemeldet worden »als aufgrund der Anzahl geimpfter Personen zufällig erwartet wurde«, berichtet das PEI. »Ob es sich um ein neues Risikosignal handeln könnte, wird weiter vom Paul-Ehrlich-Institut untersucht.« Laut Bericht gab es bis Ende Mai insgesamt 26 Fälle.

Zum Zeitpunkt des Berichts waren in Deutschland rund 50,5 Millionen Impfdosen verabreicht worden, davon knapp 37 Millionen Dosen Biontech. Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass die fortschreitende Impfkampagne einen relevanten Anteil daran hat, dass die Corona-Infektionszahlen seit einiger Zeit kontinuierlich sinken  – und entsprechend auch die Zahl der Erkrankten, die im Krankenhaus behandelt werden müssen oder im Zusammenhang mit Covid-19 sterben.

wbr/dpa