RKI-Bericht Rückstau bei Corona-Tests in Deutschland

Deutsche Labors müssen einen Rückstau von 17.142 Corona-Tests abarbeiten, berichtet das Robert Koch-Institut. Deutschland überreizt seine Kapazitäten.
Teststäbchen am Heidelberger Bahnhof

Teststäbchen am Heidelberger Bahnhof

Foto: Filip Singer / EPA-EFE / Shutterstock

Die immens gestiegene Zahl von Corona-Tests in Deutschland führt zu Kapazitätsproblemen. In der Woche vom 10. bis 16. August hätten die registrierten Labors einen Rückstau von 17.142 abzuarbeitenden Proben angegeben, heißt es im aktuellen "Epidemiologischen Bulletin" des Robert Koch-Instituts (RKI) . 41 Labors hätten Lieferschwierigkeiten für Reagenzien genannt.

Die Probleme könnten zu Verzögerungen bei der Abklärung möglicher Sars-CoV-2-Infektionen führen - und damit auch bei der Einleitung von Schutzmaßnahmen durch die Gesundheitsämter. Es erscheine deshalb geboten, den Einsatz der Tests zu priorisieren, so das RKI.

Die Zahl der eingeschickten Tests war zuletzt immens gestiegen, unter anderem wegen der Testpflicht für Reiserückkehrer aus Risikogebieten. Während nach RKI-Daten vom 27. Juli bis 2. August noch rund 578.000 Tests veranlasst wurden, lag die Zahl zwei Wochen später schon bei mehr als 875.000. Zum Vergleich: In der Woche vom 20. bis 26. April hatten die Labors nur rund 364.000 Tests bearbeitet.

Testkapazitäten könnten in den nächsten Wochen sinken

Die Labors könnten Verbrauchsmaterialien und Reagenzien unter anderem wegen begrenzter Haltbarkeit nur für kurze Zeiträume bevorraten, berichtet das RKI. Zudem bestehe bei einigen Produkten eine starke Abhängigkeit von einzelnen Herstellern. Bei weiter steigenden Testzahlen und aufgrund von Lieferengpässen bei weltweit steigender Nachfrage könnten sich die freien Kapazitäten in den nächsten Wochen reduzieren.

Der Verband Akkreditierte Labore in der Medizin (ALM) hatte die massive Ausweitung der Corona-Testangebote schon früh kritisiert. Angesichts begrenzter Kapazitäten sei gezieltes statt anlassloses Testen nötig, sagte der erste Vorsitzende Michael Müller vergangene Woche. Es komme nicht darauf an, jeden Politikerwunsch zu erfüllen.

Er warnte davor, dass Ressourcen für wichtige Tests fehlen könnten, etwa für die Versorgung Erkrankter, von Menschen in Kliniken und Pflegeheimen sowie für die Untersuchung von Kontaktpersonen bei bekannten Infektionen. Der Verband erklärte, bei den Auswertungen bereits zu priorisieren, um bei Tests im medizinischen Umfeld eine Dauer bis zum Ergebnis von 24 bis 48 Stunden einzuhalten.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Derzeit haben sich 250 Labors (Stand Kalenderwoche 33) beim Robert Koch-Institut registriert und übermitteln überwiegend wöchentlich Zahlen zu Tests und Kapazitäten. Da es Nachmeldungen geben kann, können die ermittelten Zahlen nachträglich noch steigen.

irb/dpa

Mehr lesen über

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.