Seltenes Schuppentier Pangolin könnte Erreger auf Mensch übertragen haben

Noch immer ist unklar, wo der Corona-Ausbruch seinen Ursprung hatte. Jetzt vermuten chinesische Forscher, dass sich die ersten Menschen bei seltenen Schuppentieren infiziert haben.
Pangoline zählen weltweit zu den meistgeschmuggelten Tierarten (Archivbild aus dem Jahr 2017, als 136 Pangoline auf einem Markt in Thailand entdeckt wurden)

Pangoline zählen weltweit zu den meistgeschmuggelten Tierarten (Archivbild aus dem Jahr 2017, als 136 Pangoline auf einem Markt in Thailand entdeckt wurden)

Foto:

AP/Sakchai Lalit

Seit mehr als einem Monat verbreitet sich das neuartige Coronavirus in China. Noch immer ist unklar, wann und wie sich der erste Mensch mit dem Erreger infiziert hat. Jetzt bringen chinesische Forscher den Pangolin, auch Schuppentier genannt, ins Gespräch.

Bei Pangolinen handelt es sich um eigentlich streng geschützte Säugetiere. In China werden sie jedoch aufgrund ihrer Schuppen und ihres Fleisches illegal gehandelt. Auf diese Weise könnten Menschen in engen Kontakt mit den Tieren gekommen sein und sich bei ihnen infiziert haben, mutmaßen die Forscher.

"Diese neue Entdeckung ist sehr wichtig, um den Ursprung des Erregers in den Griff zu bekommen und neuen Infektionen vorzubeugen", erklärte die South China Agricultural University, die die Forschungsarbeit geleitet hat. Das Wissen ermöglicht es, neuen Übertragungen des Virus auf den Menschen vorzubeugen - und damit in Zukunft auch neuen Ausbrüchen.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

99 Prozent Übereinstimmung - aber keine Sicherheit

Den Forschern zufolge gleicht das Erbgut der neuartigen Coronaviren 2019-nCoV zu 99 Prozent dem Erbgut von Coronaviren, die sie in Pangolinen entdeckt haben. Damit seien die Tiere der wahrscheinlichste Zwischenwirt, schreibt Chinas offizielle Nachrichtenagentur Xinhua.

Dirk Pfeiffer, Professor für Tiermedizin an der Hong Kong City University, warnt dennoch vor voreiligen Schlüssen. Die Studie ist demnach nur ein Anhaltspunkt. Bis bewiesen sei, dass tatsächlich Schuppentiere die Viren auf den Menschen übertragen haben, sei es noch ein langer Weg.

Pangolin-Weibchen mit Jungtier: Laut WWF sind aufgrund von Wilderei alle acht Arten dieser Schuppentiere bedroht

Pangolin-Weibchen mit Jungtier: Laut WWF sind aufgrund von Wilderei alle acht Arten dieser Schuppentiere bedroht

Foto: Firdia Lisnawati/ AP

Zu Beginn des Ausbruchs hatten chinesische Forscher schon einmal Schlangen als mögliche Überträger ins Gespräch gebracht. Andere Wissenschaftler sahen das Ergebnis jedoch skeptisch. Es sei sehr unwahrscheinlich, dass das Virus von einem Reptil auf einen Menschen überspringe, hieß es damals.

Diese Hürde müsste es beim Pangolin nicht nehmen. Bei ihm handelt es sich laut WWF  um das einzige Säugetier weltweit, dessen Körper mit scharfkantigen Hornschuppen gepanzert ist. Die Schuppentiere zählen zu den meist gehandelten Wildtieren der Welt. Pangoline werden in den Wäldern Asiens und Afrikas gejagt, um sie auf Märkten in China und Vietnam zu verkaufen.

Dort kommen ihre Schuppen in der traditionellen Medizin zur Anwendung - obwohl sie - wie menschliche Fingernägel - ausschließlich aus Keratin bestehen. In China gilt auch das Fleisch der Tiere als Delikatesse.

Mehr als 600 Todesfälle

In China haben sich seit Anfang des Jahres mehr als 30.000 Menschen nachweislich mit dem neuartigen Coronavirus infiziert, mehr als 600 sind gestorben. Als Ursprung des Krankheitsausbruchs gilt ein Markt in der Millionenstadt Wuhan, der am ersten Januar geschlossen wurde. Dort wurden unter anderem Wildtiere gehandelt. Im Januar ordnete die chinesische Regierung zudem an, sämtlichen Handel mit Wildtieren in dem Land vorläufig zu stoppen.

Analysen des neuartigen Erregers legen nahe, dass er unter Fledermäusen zirkuliert. Allerdings gilt als wahrscheinlich, dass es mindestens einen tierischen Zwischenwirt gegeben hat, bevor das Virus den ersten Menschen infizierte.

Beim verwandten Sars-Virus gelten Schleichkatzen als dieser Zwischenwirt. Beim verwandten Mers-Virus sind es Dromedare.

irb/AFP/Reuters